Kindergeschichten - gibt es hier dafür auch Platz ?

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emphigus
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Kindergeschichten - gibt es hier dafür auch Platz ?

Beitrag von emphigus »

Hallo, schreibe natürlich auch Kindergeschichten aus GE, in GE, um GE herum......habe dafür bereits vor Jahren eigene Charaktere entwickelt/erfunden.......weiss nur nicht, ob in diesem Forum erwünscht, ob so etwas hier ankommt, oder lieber nicht ?!?!?!.......

Zum Kennenlernen hier die ersten 4 "Köppe" mit der "Kennenlerngeschichte"...

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Der warme Sommer war schon lange vorbei. Es wurde sehr früh dunkel und kalt. Die Menschen saßen lieber daheim in ihren warmen Stuben bei einer Tasse Tee. Die Geschäfte hatten seit 18:30 Uhr geschlossen und die Bahnhofstraße war menschenleer. Nur ein einsames Wesen schlurfte langsam zwischen den Häusern her. Es grummelte vor sich und jammerte: "Habe ich einen Hunger und Durst, brumm, brumm." Es war ein kleiner Pandabär. Aber wo er auch suchte, er fand nichts. Langsam überlegte er, ob er nicht doch auch einmal in die vielen Mülltonnen schauen sollte, um die er bisher einen großen Bogen gemacht hatte. Plötzlich zuckte er zusammen. "Hey, Kumpel", kam es aus einer verborgenen Nische zwischen zwei Gebäuden, "was treibt dich denn hierher?"

Der Panda war so erschrocken, dass er weglaufen wollte. "Brauchst keine Angst zu haben. Ich tu dir nichts", sagte die Stimme. Wie der kleine Bär genauer hinschaute, sah er eine alte Giraffe in einer Nische neben dem Geschäftseingang sitzen. "Komm, hock dich hin und trink eine Tasse Kakao mit. Dabei kannst du mir ja dann erzählen, was du hier machst." Der Panda hatte immer noch ein ungutes Gefühl im Bauch, aber diese ruhige Stimme und der verlockende Duft aus der geöffneten Thermoskanne waren stärker. Als die Giraffe auch noch einen Henkelmann öffnete und sich der wohlige Geruch einer Graupensuppe ausbreitete, war es um den Bären geschehen. "Ich komme aus China und heiße Pong" ,fing der Panda an, während er die Suppe behaglich schlürfte, "dort haben die Männer fast alle unsere Bäume im Wald gefällt. Diese Bäume gaben uns Wohnung, Nahrung und Tee. Leckeren Bambustee. Oh, wie gerne hätte ich jetzt eine Tasse Bambustee mit zwei Stückchen Zucker." Pong fing an zu weinen. Tröstend legte die Giraffe ein Bein um den Bär und streichelte ihm mit dem anderen Huf über den Kopf. "Ein Freund hat mir dann erzählt", meinte Pong weiter, "dass es weit im Westen alles gibt. Er orakelte mit seinen Glückssteinen und meinte schließlich, ich solle gehen, bis ich ein großes Feuer und ein "G" sehe. Tagelang war ich mit dem Zug unterwegs. Als er dann anhielt und ich aus dem Fenster schaute, sah ich am Himmel ein helles Licht. Auf dem Bahnhofsschild stand Gelsenkirchen, also ein großes "G". Also stieg ich aus. Und jetzt bin ich hier und träume von meiner Heimat und leckerem Bambustee. Wie heißt du eigentlich?"
"Tony", sagte die Giraffe. "Ich lebe schon seit einigen Jahren hier in der Stadt. Ich habe früher im Ruhrzoo gearbeitet und die Kinder erfreut. Wie ich dann älter wurde und einen langen Bart bekam, wollte mich niemand mehr ansehen. Alle schauten sich nur noch die kleinen, putzigen Tierkinder an. Wie dann eines Tages mein Wärter die Tür nicht richtig abgeschlossen hatte, bin ich einfach weggelaufen, obwohl ich wusste, das es falsch war."

Ganz still und ruhig tranken die Beiden ihren Kakao aus. Plötzlich sprang Tony auf und fragte: "Feuer? Sagtest du Feuer?. Heller Lichtschein? Komm mit, ich weiß, wo die Feuer sind." Er zog den Panda, ohne auf sein Gemeutere zu hören, hinter sich her. Nach einer Weile erreichten sie eine kleine Gasse mit einem alten Bunker. Arminbunker war mit Farbe darauf gekritzelt. Aus einer Nische neben dem Eingang war ein schreckliches Husten zu hören. Dort blieb Tony stehen und fragte leise "Grömmel, Grömmel, dürfen wir zu dir? Ich bin’s, der Tony."
"Kommt nur", krächzte eine Stimme zurück, "mein Feuer ist aus." Pong traute seinen Augen nicht. Sah er dort einen richtigen Drachen? Einen realen, grünen Drachen? Ohne Tony, der ihn fest hielt, wäre er schon wieder weggerannt. "Grömmel ist erkältet", erklärte die Giraffe. Vorsichtig, ängstlich hielt Pong dem Drachen ein Eukalyptusbonbon vor die Nase. "Ist von meinem Cousin aus Australien", meinte er, "das hilft dir bestimmt." Während der Drache das Bonbon lutschte, erzählte Tony dem Panda von seinem Drachenfreund. "Etwas weiter nach Norden ist eine Benzinfabrik. Direkt hinter dem Kanal auf dem Weg nach Buer. Nicht weit von der großen Zeche entfernt. Früher brannten dort viele Feuer. Daher der helle Lichtschein, den du vom Zug aus am Himmel gesehen hast. Grömmel war dort tätig. Er war Anfeuerer an der Abfackelstation. Ein wahrlich gefährlicher Job. Dann kamen neue Maschinen. Die Drachen wurden arbeitslos. Da sie in der Stadt kein Feuer spucken durften, wurden sie sehr krank. Die meisten sind zurück ins Drachenland gegangen. Grömmel ist der letzte Feuerspucker in unserer Stadt und kann dir bestimmt weiterhelfen."

Pong erzählte nun seine Geschichte und beendete sie mit einem herzzerreissenden Stöhner: "Ach, leckerer Bambustee." Doch leider wusste Grömmel auch keinen Rat. Durch das Hustenbonbon war er aber wieder so gut drauf, dass er den Vorschlag machte, ein wenig durch die stillen Straßen zu gehen. Vielleicht käme ihm dann eine Idee. In der Eberstraße wurden sie von der letzten Straßenbahn der Linie 1 überholt. Der Fahrer kannte den Drachen, schlug die große Bimmel und winkte herüber. Nach kurzer Zeit kamen sie an eine große Kirche mit vielen Stufen. Hei, wie klang das auf einmal lustig. Sie hörten eine helle Stimme singen: "Pitsch und Patsch, was für ein Quatsch. Wollig und weiß, ein Bär im Eis. Sonne und Schnee, Hering in der See, Rattattapeng, mein Frack ist zu eng.". Ein Pinguin. Wie die Mädchen beim Seilspringen hüpfte er vor der Kirchentür auf den Steinplatten herum und klatschte beim Singen begeistert mit den Flügeln. "Wer bist du? Was tust du da?", fragte Tony, "ich hab' dich ja hier noch nie gesehen."
Ohne jegliche Art von Schrecken antwortete der Schwarzfrack: "Ich bin Molly und im Moment total glücklich. Die haben unten im Polarmeer Fische gefangen, damit die Leute hier etwas zu essen haben. Ich hatte auch Hunger und habe mir mitten im Fischgetümmel den Bauch voll geschlagen. Dabei habe ich dann nicht aufgepasst und bin in das Netz hineingeraten. Auf dem Kutter konnte ich mich gerade noch in einer Kiste mit viel Eis verstecken. Dort bin ich dann wohl eingeschlafen. Wie ich aufwache, bin ich hier auf dem Großmarkt hinter dem Bahnhof. Zu nachtschlafender Zeit ein hektisches Gewusele. Arbeiter, Kaufleute und wer sonst noch kratzten dort herum. Erst wusste ich nicht wohin, aber Pinguine sind ja schließlich nicht blöd. Ich frage also einen alten Mann auf dem Markt: "Hasste mal ne' Mark? Hab' so'n großen Hunger". Stattdessen nimmt er mich mit in seine Wohnung und stellt mir einen Teller heiße Suppe vor den Schnabel. Schmeckte auch ganz toll lecker. Ich erzählte ihm während des Essens das Gleiche wie euch. Anschließend hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit den Kindern im Kindergarten zu spielen und dort die Zeit zu vertreiben. Dafür würde ich jeden Tag einen dicken, fetten Hering bekommen. Natürlich habe ich sofort Ja gesagt. Klasse, da freue ich mich schon richtig drauf. Da, guckt einmal zur Tür, da kommt der Typ gerade aus der Kirche raus."

Freundlich grüßten die Drei und stellten sich höflich dem verdutzt dreinschauenden Mann vor. Es dauerte nicht lange, und der Herr Pastor, um den es sich handelte, fragte Pong, Tony und Grömmel, ob sie nicht auch Lust auf den Kindergarten hätten. "Das würde toll passen. Dort gibt es genau vier Gruppen.", meinte er, "Jeder von euch hätte seinen eigenen Aufgabenbereich. Natürlich könnt ihr auch ab und zu tauschen. Molly bekommt einen Hering, Tony bekommt afrikanische Brotbaumfrüchte, Grömmel jeden Tag Chili-con-Carne, damit sein Husten verschwindet und das Feuer wiederkommt und für Pong hab ich auch noch etwas da. Meine Frau hat von einer Bekannten aus der Teestube einen ganzen Sack voll Bambustee geschenkt bekommen. Den mag sie selbst aber nicht. Wohnen könnt ihr in meinem Gartenhäuschen in der Laubenkolonie. Ist zwar offiziell verboten, aber fragen tut auch keiner."

Wie der Pandabär von dieser Leckerei hörte, strich er sich mit der Zunge über die Lippen und murmelte zufrieden: "Bambustee........, aber ich sage nicht, dass da zwei Stücke Zucker hinein müssen. Sonst trinkt die Frau vom Pastor ja doch noch alles weg." Alle gingen vergnügt Richtung Kindergarten mit.

Das ist jetzt schon einige Jahre her. Die Namen der einzelnen Kindergartengruppen und Zimmer erinnern noch an die Vier. Was aus ihnen geworden ist, wollt ihr wissen? Molly lebt jetzt mit einer jungen Pinguindame im Duisburger Zoo. Fünf Kinder haben die Beiden. Eins frecher als das Andere. Es gibt Pläne, den Gelsenkirchener Zoo umzubauen. Vielleicht kommt dann die komplette Pinguinfamilie nach Gelsenkirchen zurück.
Pong ist wieder zurück nach China gefahren. Die Umweltorganisation WWF hat ihm einen eigenen Baum als Wohnung in einem Tierpark besorgt. Er ist wieder richtig dick geworden von den ganzen Bambussprossen und seinem Tee mit Zucker. Aber er hat versprochen, so oft es ihm möglich ist, zu Besuch zu kommen.
Der Glücklichste aber ist Freund Grömmel. Die VEBA-Gelsenberg hat ihm eine Stelle auf dem Fabrikgelände in Gelsenkirchen-Sutum besorgt. Er sitzt da in einem tollen Wohnzimmer direkt unter dem Abflämmer und spuckt wieder vor Freude Feuer. Man sieht die lodernde Flamme bei Dunkelheit aus einem hohen Schlot weit brennen.
Der Einzige, über den es nichts Erfreuliches zu Berichten gibt, ist Tony. Er lebt nicht mehr und befindet sich im Giraffenhimmel. Schließlich war er schon alt und hatte einen langen, grauen Bart.

Aber glaubt mir, abends, wenn es dunkel ist, treffen sich die drei Freunde manchmal noch im alten Kindergarten um sich Geschichten zu erzählen und, in Erinnerung an Pong, Bambustee zu trinken. Dabei denken sie auch an den armen Tony und legen im Garten, hinten in der Ecke, neben dem Sandkasten, ein paar Blumen hin. Wenn morgens drei ungespülte Becher auf dem Tisch stehen, die ein wenig nach Grünzeug riechen, waren sie wieder da.

Bis bald........

Martin

Heinz
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Gelsnkirchener Stadtmusikanten

Beitrag von Heinz »

Na bitte, die Gelsenkirchener Stadtmusikanten.. :wink:
Schade dass die Geschichte schon abgeschlossen ist. :roll:
oder gibts noch etwas mehr? :hellsehen:

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emphigus
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Beitrag von emphigus »

....habe hier bisher noch kein passendes Forum gefunden......und auf meiner Internetseite musste ich sie wegen Serverproblemen rausnehmen....kommen aber demnächst wieder hinein. :wink:

ES GIBT MEHR ALS 10 WEITERE GESCHICHTEN :!:
(mit der Zeit gewachsen).

....UND AUCH NOCH EIN PAAR CHARAKTERE MEHR....z.B.

BODO VON BISMARCK (Biber, wohnt in einer Höhle unter der EGG-Bismarck)
CONSOLINA VON FLATTENSTEIN (Fledermaus, wohnt im Turm der Zeche Consol)
GUSTAV VOM GREITENSTIEG (Falke, hat sein Wohnzimmer im Falkenheim am Greitenstieg)

und noch einiges mehr..... :wink:

Martin

Heinz
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Beitrag von Heinz »

emphigus hat geschrieben:
ES GIBT MEHR ALS 10 WEITERE GESCHICHTEN :!:
(mit der Zeit gewachsen).
Hier ist Platz! :wink:

....UND AUCH NOCH EIN PAAR CHARAKTERE MEHR....z.B.
emphigus hat geschrieben:BODO VON BISMARCK (Biber, wohnt in einer Höhle unter der EGG-Bismarck)
CONSOLINA VON FLATTENSTEIN (Fledermaus, wohnt im Turm der Zeche Consol)
GUSTAV VOM GREITENSTIEG (Falke, hat sein Wohnzimmer im Falkenheim am Greitenstieg)


8) cool man :wink:

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Fein!
Also mich würde ja GUSTAV VOM GREITENSTIEG interessieren...

Her mit den Abenteuern!

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emphigus
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Beitrag von emphigus »

....na, dem kann doch abgeholfen werden.....

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Gustav vom Greitenstieg
und der dreiste Diebstahl

Der kleine Drache Grömmel und Bodo, der Biber, spazierten gemütlich durch den Bismarcker Grünweg in Richtung der U-Bahnhaltestelle Trinenkamp. Sie unterhielten sich angeregt über ihren geplanten Bummel durch die Stadt. Consulina’s Geburtstag sollte nächste Woche richtig groß gefeiert werden. Dafür musste natürlich noch ein tolles Geschenk besorgt werden. Aber was gefällt einer kleinen, modeverrückten Fledermaus? Bodo hatte die rettende Idee. Ein glitzerndes Armband mit pinkfarbenen Schmucksteinen lag seit einigen Tagen in der Auslage einer Young-Girl-Boutique. Pink war eh die Lieblingsfarbe der Fledermaus und ausserdem lag der Preis noch innerhalb vernünftiger Grenzen. Consulina’s ganzer Kleiderschrank war voll von verrückten Klamotten in krassen Farben.
Grömmel hätte zwar lieber ein ordentliches Wurstpaket gekauft, aber Bodo erriet sofort den Hintergedanken. Innerhalb von höchstens zwei Tagen hätte der Drache die Fledermaus unter einem belanglosen Vorwand besucht und ihr alles ratzefatz weggefuttert. Wie die beiden Freunde nun die Rolltreppe hinunterfuhren kamen ihnen drei Mädchen heftig diskutierend entgegen. Eins weinte dicke Krokodilstränen. Es war Sandra. Grömmel kannte sie noch von einem Besuch in der Gesamtschule letzte Woche. „Was ist denn mit euch los?“, rief der Drache ihnen hinterher, „Können wir euch helfen? Wartet, wir kommen wieder zurück nach oben gefahren.“ Die jungen Damen schnatterten wild durcheinander. Man konnte sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. „Jetzt ist aber Ruhe im Karton“, meinte der Biber, „sonst hat man ja überhaupt keinen Durchblick mehr. Also, was genau ist passiert?“

Sandra berichtete nun, wie sie unten am Bahnsteig festgestellt hätten, dass jedem etwas fehle. Sie hätten lange überlegt und könnten sich nur vorstellen, dass die Sachen noch in der Schule in der Klasse liegen würde. Ob dieser blöde Sascha ihnen wieder mal einen seiner genialen Streiche gespielt hätte? Sie wollten nun zur Schule zurück um dort noch einmal nachzuschauen. Bodo und Grömmel gingen mit. Unterwegs wiegte der Biber seinen Kopf hin und her und überlegte. Er glaubte nicht an einen Erfolg bei der Suche. Er hatte einen ganz anderen Verdacht. Vor dem Eingang der Schule trafen sie den Hausmeister. Die Mädchen stürmten auf ihn zu und fragten wild durcheinander. „Halt, halt“, grantelte Herr Meier zurück, „wie soll man euch bei dem Durcheinander denn verstehen? Einer nach dem Anderen. Und Ruhe bewahren. In der Ruhe liegt die Kraft.“ Sandra erzählte nun kurz mit hochrotem Kopf von den verschwundenen Gegenständen. Von Danielas Geldbörse, ihrem Schlüssel und vor allem Melanies Handy mit den ganzen Telefonnummern. Herr Meier holte seinen Generalschlüssel aus der Tasche und gemeinsam gingen sie zum Klassenraum. Aber an ihren Plätzen lag nichts. Auch unter den Tischen befanden sich nur ein paar alte Zeichenkartons oder abgebrochene Stifte. Jetzt standen auch Melanie die Tränen in den Augen. „Was soll ich jetzt meinen Papa sagen?“, fragte sie in die Runde, „der bringt mich um wenn das neue Handy futsch ist! Sogar eine Kamera war eingebaut.“
„Ich weiss, was mir jetzt machen“, antwortete Bodo. Unser Freund Molly spielt ab und zu gerne mal „Sherlock Holmes“ und ein alter Kumpel von mir wohnt seit seiner Pensionierung am Greitenstieg. Früher war er bei der Polizei in einer Sondereinheit. Sein Spürsinn ist ihm als Falke geradezu angeboren. Die Beiden können uns jetzt bestimmt weiter helfen.

Er telefonierte mit dem Pinguin und bat ihn zum Greitenstieg. Ohne einen weiteren Kommentar verließ der Biber den Raum und begab sich mit Grömmel und den Mädchen im Schlepptau, nachdem sie sich noch einmal bei dem Hausmeister für seine Hilfe bedankt hatten, zum Treffpunkt der Falken. Bereits von weitem sahen sie Bodos alten Weggefährten an einem Fenster im oberen Stockwerk. Unverkennbar leuchtete seine rote Kappe auf dem Kopf. Der Falke nahm die schmauchende Pfeife aus dem Mund und fragte mit einem Schmunzeln: „Na, du alter Schwede. Was treibt denn dich hierher? Ihr seht ja nicht gerade glücklich aus. Na, kommt erst einmal zu mir nach oben.“
Sie steigen die Treppe hinauf und betraten Gustavs Zimmer. Richtig gemütlich sah es hier aus. Ein voluminöses, altes Sofa mit einer riesigen Decke, ein hohes Regal voll gestopft mit leicht abgegriffenen Büchern, an den Wänden verschiedene Gegenstände aus Afrika, Südamerika und Australien und auf dem Kühlschrank blubberte leise eine Kaffeemaschine. Molly war bereits kurz vor ihnen eingetroffen und stand vor den Büchern um zu stöbern. „Du musst den Mädchen hier helfen“, plapperte Grömmel einfach drauf los. „Irgendwelche Schurken haben gewaltig lange Finger gehabt und gemopst.“ Der Falke nickte nur langsam mit dem Kopf und kippte den heissen Kaffee in seine Tasse. „Wollt ihr auch etwas haben?“, fragte er die Anwesenden etwas brummig, jedoch höflich. „Schaut mal in den Kühlschrank, Kinder. Ich glaube, dass da noch Apfelschorle drin ist. Müsste für euch noch reichen. Und du mein Freund, sei nicht so hektisch. Wer eine Sache ruhig angeht hat schon halb gewonnen. Jetzt erzählt mir doch alles der Reihe nach.“
Nachdem die Mädchen geendet hatten, bemerkte Gustav: „Hm, in der Schule liegen die Sachen also nicht mehr. Und in der U-Bahn-Station bemerkte Daniela die fehlende Geldbörse weil sie nach ihrer Fahrkarte schauen wollte. Hm..... Melanies Handy befand sich in der Manteltasche, Danielas Geldbörse in einer Handtasche und Sandras Schlüssel auch in einer Jacke. Hm..... und auch du, Bodo, vermutest eine Schurkerei.“

Plötzlich klärte sich das Gesicht des Falken auf: „Mensch, ich hab es. Ihr wart doch nach eigener Erzählung noch in der Pizzeria! Und Melanie meinte doch, während des Essens ein Handy zu hören, war sich aber nicht sicher, ob es ihr Eigenes war. Ich glaube fast, dass irgendjemand während eueres Aufenthalts dort die Sachen entwendet hat. Anders kann es nicht sein. Kommt, Freunde, da gehen wir jetzt hin. Den Wirt kenne ich gut. Eine Portion Spaghetti Bolognese ist bei mir dort noch nie kalt geworden.“ Als sie am Ende der Straße um die Ecke bogen und die Gaststätte sahen, bemerkten die Freunde dort ein Polizeimotorrad. Der Besitzer der Pizzeria gestikulierte wild mit seinen Armen herum, während der Polizist etwas in ein kleines Buch notierte. Gustav begab sich sofort dorthin und mischte sich sofort in das Gespräch ein: „Hallo, Luigi. Guten Tag, Herr Hauptkommissar. Worum geht es hier? Ich glaube, dass das auch mit meiner Sache zu tun haben könnte.“
„Ah, Gustavo“, strahlte der Wirt, „Du kannst bestimmt helfen mir. Kommen doch vorhin meine Kellner Francesco und gucke da hinein in den Briefkasten. War Post drin aber auch noch diese Sachen hier, die Kommissario in der Hand hat. Ist sich eine Telefon, eine Schlüssel und eine leere Geldtasche. Und daraufhin habe ich Kommissario angerufen und bestellt hierhin. Ausserdem sind sich zwei Gäste mit Autokennzeichen von Wuppertal abgehauen ohne bezahlen gut Essen und Wein.“
„Siehst du“, antwortete Gustav, „und diesen drei hübschen Damen hier wurden die Sachen während des Essens gemopst. Wer war denn sonst noch hier in deinem Lokal? Nur die beiden Gäste mit der Zechprellerei? Aber das ist Sache der Polizei. Ich bin ja bereits pensioniert und brauche mich damit nicht mehr zu belasten.“ Den Hauptkommissar fragte der Falke: „Können die Sachen sofort wieder den Mädchen übergeben werden?“

„Leider nein“, antwortete der Polizist, „Aus der Geldbörse wurde ein Geldbetrag in Höhe von 20 Euro entwendet und im Handy fehlt eine Speicherkarte. Die jungen Damen bekommen von mir eine Empfangsbestätigung und können die Sachen nach der Untersuchung auf Fingerabdrücke in etwa 5 Tagen im Kommissariat 3B in der Hauptwache gegenüber dem Rathaus Buer wiederbekommen. Wobei ich allerdings die Fahrkarte und den Schlüssel sofort übergeben kann.“ Nachdem der Polizist mit seinem Motorrad weggefahren war setzte sich Gustav mit seinen Freunden Grömmel, Molly und Bodo, sowie den drei Mädchen, noch zu einer Erfrischung an den Tisch. „Seht Ihr, Mädels, man darf heutzutage nichts mehr aus den Augen lassen. Ihr könnt von Glück sprechen dass sich die Sachen durch einen Zufall wieder eingefunden haben. Ich glaube nicht, Melanie, dass deine Eltern böse auf dich sind. Das hätte deiner Mama oder deinem Papa auch passieren können. Und die paar Tage ohne Handy und SMS kannst du bestimmt verschmerzen. Früher zu unserer Zeit gab es auch nicht so einen Kokolores. Aber wieso habt ihr denn nicht bereits hier im Lokal den Verlust bemerkt? Ihr hättet doch euere Pizza auch bezahlen müssen.“ Luigi, der auch noch mit am Tisch saß, meinte stolz zum Falken: „Nein, nein. Junge Damen haben gehabt eine große Gutschein von Luigi den Luigi hat gespendet im Sommer für die Verlosung von Tombola für Bürgerplatzfest. Und der war groß und hat gereicht für Essen und Trinken.“ Zufrieden hob Gustav seinen Kopf und blinzelte in die Sonne. Bodo schubste dem Pinguin Molly, der die ganze Angelegenheit in Stille beobachtet hatte, in die Seite und meinte leise: „Pass auf. Gleich kommen wieder die berühmten Geschichten aus seiner aktiven Zeit als Kommissar. Und da wird selbst ein ausgebuffter Matrose mit seinem Seemannsgarn noch blass gegen.....“

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Danke, emphigus!
Habe einen Teil meiner Zivi-Zeit im Fritz-Steinhoff-Haus verbracht...

Was mich noch interessiert: Ist CONSOLINA VON FLATTENSTEIN ( die modische ) denn auch gepierced?
Was gibt es denn von ihr zu erzählen?

pito
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Beitrag von pito »

Dass die Feuer in der Stadt der 1000 Feuer damals von Drachen angefackelt wurden ist eine grandiose Idee! :feuer:

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Emphigus-Nachschubus?
Bin doch erst seit knapp 15 Monaten Papa - und der Bedarf wird täglich größer...

Gruß,
Fuchs

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emphigus
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Beitrag von emphigus »

,,,,die ursprünglich 2. Geschichte der Serie (vom Kindergarten in die Schule)


Sammy, der neue Freund

Erinnert ihr euch noch an unsere vier Freunde vom Kindergarten? "Na klar", werdet ihr jetzt alle sagen. Doch Halt, da vorn sehe ich eine Nase wackeln! Hat da etwa jemand geschwindelt? Na, bevor wir uns streiten werde ich die Erinnerungen auffrischen.

Pong, der kleine Pandabär, der eine neue Heimat suchte, weil in China so viele Bäume abgeholzt wurden. Die Giraffe Tony und sein Freund Grömmel, ein Drache mit schrecklichem Husten, die Pong bei der Suche halfen. Und schließlich Molly, der quietschfidele Pinguin, immer zu Streichen aufgelegt. Ein Happy-End gab es damals auch: Pong hatte durch die Umweltorganisation WWF ein schönes Baumhaus in seiner alten Heimat China bekommen. Grömmel spuckt nun von seinem Wohnzimmer auf dem Gelände der VEBA in Sutum Feuer in den Gelsenkirchener Nachthimmel und Molly heiratete eine Pinguindame aus dem Duisburger Zoo. Nur Tony lebte nicht mehr lange und kam in den Giraffenhimmel. Die verbleibenden "Drei" treffen sich auch heute noch manchmal im Kindergarten wenn keiner da ist. Ihr merkt es daran, das am anderen Tag ungespülte Becher auf den Tischen stehen.

Kurz nach Ostern saßen Pong und Grömmel an einem kleinen Tisch und betrachteten das heisse Wasser, wie es langsam durch den Teefilter gluckerte. Grömmel hatte es nach alter Drachenart mit seiner Flamme erhitzt. Es handelte sich um Tee mit Himbeeraroma, dessen Duft sich im ganzen Raum ausbreitete. Ein Teelicht flackerte und sorgte für wohlige Stimmung. Sie hörten eine knarrende Tür. "Ah", meinte Pong, "das kann nur Molly sein." Während Grömmel zustimmend nickte schaute der vorwitzige Schnabel des Pinguins um die Ecke. "Hey, Freunde", rief Molly mit einer vor Aufregung zitternden Stimme, "Ihr ratet nie, wen ich euch mitbringe." Grömmel und Pong schauten sich fragend an. So hatten Sie den Pinguin schon lange nicht mehr erlebt. "Komm schon raus mit deinem Geheimnis", brummte der Drache. Die Beiden staunten nicht schlecht, als ihr Freund mit einer jungen Giraffe an der Hand das Zimmer betrat. "Das, liebe Kameraden, ist Sammy, der jüngste Sohn von unserem Tony. Vor zwei Wochen hatte ich seinen Brief bekommen, in dem er mir sein Kommen ankündigte. Sammy hat durch meine Hilfe einen Vorvertrag von der Zoom-Welt für die nächsten drei Jahre in der Afrikazone bekommen." Pong und Grömmel drückten freudestrahlend den kleinen Giraffen und nahmen ihn in ihre Mitte. Endlich waren sie wieder komplett.

Zwei Wochen später erzählte Sammy dann bei einem Gegenbesuch im Zoo seinen neugierigen Freunden von seinem Heimatland Afrika. Kilometerweite Wüsten, brennende Sonne, gewaltige Flüsse; aber auch dichter Urwald. Er berichtete von seinen Spielkameraden, die er verlassen musste, und den anderen, gefährlichen Tieren. Krokodile, Löwen, Skorpione und auch giftige Schlangen. Ängstlich erkundigte sich der Panda: "Leben in diesem schrecklichen Land auch Menschen?". "Ach", meinte die Giraffe, "so schrecklich ist das für die Menschen da gar nicht. Sie lieben ihre Heimat genauso wie wir. In den großen Städten ist es fast wie bei uns. Aber auf dem Land sind viele Leute arm. Dauerregen oder langanhaltende Dürrezeiten lassen die Pflanzen verkümmern. Kinder und Erwachsene sterben weil sie nicht genug zum Essen haben. Und dann immer diese blöden Kriege. Nur weil einige Regierungsbosse ihre Stammeskriege führen wollen. Natürlich nicht mehr mit Schild und Speer wie früher, sondern mit hochmodernen Waffen. Ach, es ist schon traurig. Und den tödlichen Rest besorgt Aids." "Und was machen die Menschen, wenn sie dort nicht mehr leben können ?", erkundigte sich Grömmel. "Die meisten versuchen in reiche Länder auszuwandern, um dort Arbeit und Lebensmittel zu bekommen; oder auch nur, um dort etwas zu lernen, mit dem sie dann später den Leuten in ihrem eigenen Land weiterhelfen können.", antwortete Sammy. "Aber selbst dazu benötigt man Geld. Und wenn man das nicht besitzt.....ihr könnt es euch denken. Ein richtiger Teufelskreis. Zudem gibt es noch viele andere, arme Länder aus denen die Menschen kommen. Nicht nur Afrika."

Sie saßen einige Minuten still im Raum bis Molly das Schweigen mit einer nachdenklichen Frage unterbrach: "In allen Kindergärten und Schulen, die ich kenne, sind Kinder aus fremden Ländern. Aus der Türkei, aus Weissrussland und dem ehemaligen Jugoslawien. Ob die hier bei uns glücklich sind?" "Wenn es den Kollegen so geht wie mir damals", bemerkte Pong, "haben die meisten Angst. Man, was haben mir damals die Knie geschlottert, wie ich aus China in dieses Land kam. Fremde Menschen, eine unbekannte Sprache und ungewohntes Essen. Alle gucken dich nur dumm an. Man merkt, das keiner mit einem etwas zu tun haben will. Als mich dann Tony auf der Bahnhofstraße ansprach, konnte ich ja bereits gut deutsch sprechen."

Da Sammy auch erst kurze Zeit hier war, wurde es ihm mulmig in der Bauchgegend zu Mute. Einerseits hatte er das Glück, durch seinen Papa Pong, Molly und Grömmel zu kennen, die ihn nach besten Kräften unterstützten, andererseits bedauerte er die Kinder, die ohne Freunde dastehen und nicht angesprochen werden; und sich natürlich auch nicht trauen, von sich aus jemanden anzusprechen. Wenn man nur seine eigene Muttersprache kennt, findet man kaum neue Freunde im neuen Land. Bevor die Stimmung zu traurig wurde, unterbrach der Drache die Stille, indem er lachend aufbrummte: "Es sind aber nicht alle Leute so. Es geht auch anders. Ich zum Beispiel gehe liebend gerne in das kleine, türkische Lebensmittelgeschäft da hinten an der Ecke. Dort bekomme ich unbekannte, aber leckere Sachen. Vor allem dieses rote, scharfe Zeug, von dem mein Feuer so toll brennt. Und freundlich sind sie dort auch zu mir. Obwohl immer die Gefahr besteht, wenn ich einmal richtig husten müsste, das dort ein halber Buschbrand ausbricht."

"Der Nachbarjunge aus meinem Haus", meldete sich Molly, "spielt im Fußballverein mit vielen ausländischen Kindern in einer Mannschaft. Gut, er hat sich auch schon einmal darüber beschwert, das man nicht alles verstehen kann. Aber ist das nicht egal ? Kleine Babys können auch nicht sprechen und verstehen sich trotzdem beim gemeinsamen Spiel in der Krabbelgruppe." Pong, der manchmal mit alten chinesischen Weisheiten glänzte, meinte: "Warum eigentliche Ausländer ? Es gibt doch genug Kinder von ausländischen Eltern die hier geboren sind und die deutsche Sprache genau so gut, oder gar noch besser, wie ihre eigene Muttersprache sprechen und verstehen. Das sind doch dann "Deutschländer" (wobei er natürlich nicht die Würstchen aus der Dose meinte).

Die vier Freunde beendeten ihre Zusammenkunft mit der festen Absicht und dem gegenseitigen Versprechen, den Kindern, ,,deren Muttersprache nicht deutsch ist", nach besten Kräften zu helfen.

Anfang August trafen sich die "Vier" dann erneut. Molly war ungewöhnlich still und machte ein trauriges Gesicht. Schließlich konnte der neugierige Grömmel sich nicht mehr zurückhalten und platzte heraus: "Was ist los, du trübe Tomate. Hast du einen Walfisch quer verschluckt? Du ziehst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und Sturm. Komm raus mit der Sprache." Molly schaute in die Runde und meinte, indem eine Träne aus den Augen kullerte: "Ich kann nicht mehr so oft zu euch kommen. Ab nächste Woche muss ich in die Schule. Ich soll dort den Kindern helfen viele neue Sachen zu lernen und nach Schulschluss in der Klasse sitzen und mit den Lehrern über voll geschriebene Hefte ,,brüten". Pah, Schule.......mir gefällt das auch nicht, aber was soll ich machen ? Ich würde lieber hier bleiben." Der Panda legte tröstend den Arm um Molly. Der sonst so drachenharte Grömmel schnäuzte verdächtig in sein riesiges Taschentuch und Sammy schluckte so gewaltig, das man seinen Kehlkopf wie einen Tennisball im Hals auf- und niederhüpfen sah. In dieser Nacht war alles anders. Die Stuhle wurden von den ,,Vieren" zurechtgerückt und sogar die Tassen ordentlich gespült und weggeräumt. Auf dem Heimweg schlichen alle mit hängenden Köpfen durch die Strassen. ? Selbst Grömmel verzichtete auf seinen Walkman mit dem "Kirmesgedudel".

Pong, der im Kindergarten übernachten wollte (schließlich kann man nicht mal so eben schnell nach China fahren), ließ seinen Tränen freien Lauf Viele Fragen gingen ihm durch denKopf: Wie würde es dem Pinguin an der Schule gefallen? Findet er dort neue Freunde? Der letzte Gedanke vor dem Einschlafen war: Molly, vergiss deine alten Freunde nicht !

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