Geht alles den Bach runter? Wo bleibt der Widerstand?

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JustSeb
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Geht alles den Bach runter? Wo bleibt der Widerstand?

Beitrag von JustSeb »

Hey
vermehrt fällt mir auf, wie sehr alles den Bach runtergeht, und wie wenig dagegen unternommen wird.
Wie tatenlos die Menschen hinnehmen, wie Stück für Stück alles das dahinschwindet, worauf wir Jahrhunderte lang hingearbeitet haben.

Irgendwie geht doch alles den Bach runter.
Nehmen wir mal die Weltwirtschaftskrise, inkl. Konjunkturpaket.
Nehmen wir mal das Schulsystem (alleine dazu könnte ich ein eigenes Thema aufmachen).
Nehmen wir mal die Arbeitslosenproblematik inkl. Hartz 4.
Nehmen wir mal die immer neuen Kriege für nichts und wieder nichts.

Und schauen wir mal hin, woran das liegt.
Doch größtenteils daran, dass immer irgendeiner sagt "ist nicht meine Meinung", und dann jede Veränderung erstmal gestoppt oder so abgeändert wird, dass niemand mehr damit zufrieden ist und ganz genau weiß, was er da eigentlich tut.
Kein Wunder, dass das nicht klappt.

Wir haben in Deutschland sooooo viele Parteien.
Und egal, wer gerade das Sagen hat, was durchsetzten darf er ja doch nicht.
Weil da immer noch jemand anderes sagt "neee, nicht mit uns."
Weil dann wieder drüber debattiert wird.
Weil dann voreilige Entscheidungen fallen, oder halt solange dran rumgefeilscht wird, bis sich keiner mehr verantwortlich fühlt.

Und was tun wir Bürger?
Regen uns über dies und das auf, doch tun nichts dagegen.
Wo bleibt der Widerstand?
Wo bleibt der Kampfgeist?
Es ist einfach zu viel, was es zu ändern gäbe.
Na klar. Aber je länger wir warten, desto mehr wird es!
Wollen wir denn zusehen, wie innerhalb von wenigen Jahren, Bruchteilen der Zeit, die der Mensch sich als "Herrscher der Erde" verbracht hat, alles kaputt geht?

Ich bin grade mal 15, aber ob es noch eine Welt gibt, wenn ich 60 bin, dazu möchte ich heute nichts sagen, denn so wie es momentan aussieht, gibt es sie nicht.

Immer neue Baustellen werden aufgerissen, nichts zu Ende gemacht und am Ende heißt es
"Das Geld fehlt".
Aber auch das ist ein anderes Thema.

Was möchte ich bezwecken?
Ich möchte zum Widerstand aufrufen!
Jeder hat irgendwas, was es besser zu machen vermag.
Jeder hat etwas, was ihn stört.
Packt es an!
Im Kleinen, aber auch im Großen!
Organisiert Demonstrationen, sammelt was euch stört und schlagt Lösungen vor!
Lasst das System nicht noch weiter den Bach runter gehen!


Gruß
Seb
Seid hartmutesk!

pito
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Beitrag von pito »

justseb hat geschrieben:Lasst das System nicht noch weiter den Bach runter gehen!
Das (kapitalistische) System trägt den Grund seines Verfalls in sich. Man darf es in seiner jetzigen Form nicht erhalten oder gar noch füttern, sondern muss es bremsen und in den Käfig sperren. Es muss wieder Mittel sein und nicht Selbstzweck, es muss den Menschen dienen und nicht wir dem System. Dann kann es mit der Welt wieder aufwärts gehen.

HelmutW
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Beitrag von HelmutW »

Pito...
Das (kapitalistische) System trägt den Grund seines Verfalls in sich. Man darf es in seiner jetzigen Form nicht erhalten oder gar noch füttern, sondern muss es bremsen und in den Käfig sperren. Es muss wieder Mittel sein und nicht Selbstzweck, es muss den Menschen dienen und nicht wir dem System. Dann kann es mit der Welt wieder aufwärts gehen.
trefflich.....trefflich...
doch der Mensch ist schon gleich einem Hamster im Hamsterkäfig........und bedient das Hamsterrad.......
Achtung..........
Sie verlassen gerade das Foto......
Für alle weiteren Schritte wird keine Haftung mehr
übernommen.......

JustSeb
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Beitrag von JustSeb »

Es muss wieder Mittel sein und nicht Selbstzweck, es muss den Menschen dienen und nicht wir dem System.
Richtiger Gedanke!
Denn unser ganzes Leben ist mittlerweile erfüllt von Gier und Missgunst auf andere, deren Gier mehr befriedigt ist als unsere.
Wir arbeiten fürs Geld, nicht für die Gemeinschaft.
Jeder denkt an sich, nicht an den Erhalt der Gemeinschaft.

Ich möchte gar nicht davon reden, dass von heute auf morgen alle gleich gestellt sein sollen, oder man von heute auf morgen alles umstürzen muss.

Was man aber jeden Tag machen kann, das sind kleine Dinge.
Mit offenen Augen durch die Welt gehen, auch mal rechts und links des eigenen Wegs schauen, respektieren, akzeptieren, verstehen.
Dort helfen, wo es nötig ist.
Nicht durch SpendenGELDER, sondern durch TATEN in der direkten Umgebung.

Macht denn das Lächeln einer fremden Person, die sich über Hilfe freut, nicht gute Laune?
Mir selbst erscheint der ganze Tag jedenfalls wesentlich schöner und glücklicher, wenn ich weiß, ich habe jemandem geholfen und dieser war dankbar.
Ein Lächeln reicht da völlig aus.
Oder ein Dankeschön.
Manchmal auch schon ein irritierter Blick nach dem Motto
"das hätte ich jetzt aber nicht erwartet."
Seid hartmutesk!

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

HelmutW hat geschrieben:doch der Mensch ist schon gleich einem Hamster im Hamsterkäfig........und bedient das Hamsterrad.......
Genau. Und wer guckt durch die Gitterstäbe rein, ob wir auch schön laufen? Dieses Verhältnis gilt es umzudrehen.

MichaL
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Re: Geht alles den Bach runter? Wo bleibt der Widerstand?

Beitrag von MichaL »

Hallo,

zuerst dache ich bei Deinem Text, dass da wieder mal das übliche Lamento kommt. Gelaber, das "keiner was macht", in der Hoffnung, mit solcher Quengelei andere zu dem zu bewegen, was man selbst nicht macht.
JustSeb hat geschrieben:Jeder hat irgendwas, was es besser zu machen vermag.
Jeder hat etwas, was ihn stört.
Packt es an!
Im Kleinen, aber auch im Großen!
Dieser Ansatz ist m.E. der vielversprechendste. Jeder an seinem Platz das machen, was ihm möglich ist. Aus der Summe dieser Einzelteile kann dann was Großes entstehen.
Das das auch möglich ist, haben wir am Sonntag gesehen. Kein Gefasel "in Gelsenkirchen ist doch nichts los", sondern die ganz konkrete Ausstellung "Gelsenkirchener Gesichter". Die Idee aus diesem Forum hat nicht nur den einen Sonntag belebt, sondern Wellen geschlagen, viele Menschen berührt und vielen Freude gemacht. Einige User hier haben durch ihre kreativen Arbeiten und durch enormen Einsatz etwas Schönes geschaffen.
Hätten wir mehr solcher aktiven Menschen, dann würde zumindest der Satz "in Gelsenkirchen geht alles bergab" nicht mehr stimmen.

JustSeb
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Beitrag von JustSeb »

... ich glaub man kann schon was erreichen - auch in gelsenkirchen.
Und mit ein wenig Glück gibts den berühmten Schneeballeffekt.
Seid hartmutesk!

Männlein
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Beitrag von Männlein »

Genau. Und wer guckt durch die Gitterstäbe rein, ob wir auch schön laufen? Dieses Verhältnis gilt es umzudrehen.
Wir müssen also nur auf der "richtigen" Seite des Gitters stehen, dann ist alles in Ordnung!

Fatale Schlußfolgerung, das Gitter ist der Knackpunkt!

Männlein

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Sandra
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Beitrag von Sandra »

Das Schwierige ist, man weiß nicht, wo man anfangen soll. Ich gehöre auch zu denen, die versuchen aktiv was zu verändern.

Im Job
habe ich mich oftmals für die Arbeitnehmerrechte eingesetzt. Die Reaktion: Mobbing vom Chef, Wegsehen von den Kollegen (für die ich mich einsetzte) und dann kam der Betriebsrat auch noch mit fliegenden Fäusten auf mich zu.

Das lag daran:

1. Der Chef (in Vertretung für Viele): Sah nur seine eigenen Vorteile und hat die Arbeitnehmer ausgepresst wie eine Zitrone. Für seinen persönlichen Erfolg mussten die Mitarbeiter bluten.

2. Die Mitarbeiter: Haben Angst. Klappe halten heißt für sie, Arbeitsplatzsicherheit. Das ist aber leider nicht so. Denn wer schweigt, lässt das System zu und damit auch weitere Rationalisierungen der Arbeitsplätze und Lohndumping.

3. Der Betriebsrat: Sah in mir einen Konkurrenten und wollte zusehen, mich schnell loszuwerden, als sich mit mir zu verbünden.

In der Partei

habe ich versucht mich mit Menschen zu solidarisieren. Meine Hoffnung bestand darin über das demokratische System mit Mehrheitsbeschlüssen soziale Gerechtigkeit wieder herstellen zu können. Ich bin aufgewacht. Auch hier herrscht Machtpotenzial welche engagierte Menschen, vorzugsweise Idealisten, auf der Strecke verdursten lassen.

Bald geht es nicht mehr um Themen, sondern nur noch um den Machterhalt

Initiativarbeit

Ist meine letzte Hoffnung. Aber worauf konzentrieren? Es gibt zum Einen schnarchige Initiativen, die nicht inne Pötte kommen. Es stellt sich immer wieder heraus, dass viel zu wenig Menschen bereit sind, ihre Freizeit für diese Arbeiten zu investieren.

Bin ich in Gelsenkirchen initiativ unterwegs, sehe ich immer die gleichen Gesichter. Mal sind diese bei der Linken, bei der VVN oder bei der Schalker Faninitiative. Diese Menschen teilen sich schon in mehreren Initiativen auf. Aber wo ist der Rest? Diese Frage stelle ich mir schon sehr lange.

Stattdessen bekomme ich nur zu hören: Hör mir mit Deiner Politik auf. Aber es wird vergessen, dass Politik unser Grundrecht ermöglicht. Das Grundrecht unserer Demokratie und Menschenrechte. Das müssen wir uns regelmäßig zurückerkämpfen bzw. den Erhalt sichern.

schneeflocke
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Beitrag von schneeflocke »

Leider haben wir keine wirklich gelebte/praktizierte Demokratie, weil viel zu wenige Menschen zur Wahl gehen.

Leider wird die jetzige Stimmung von vielen Arbeitgebern dazu genutzt, die Löhne zu drücken, Zusatzleistungen zu streichen und Entlassungen vorzunehmen.

Leider glaubt jeder, nichts verändern zu können und verhält sich unauffällig ruhig, damit es ihn nicht auch erwischt.......

Leider erstarren viele Menschen.

Leider gibt es kaum mehr starke Familienbande, Einzelkinder sind die Regel, Werte gehen verloren und vielen Menschen muss man die wirkliche Welt erklären, weil sich sich besser in virtuellen Welten auskennen und Menschen aus der Soap ihnen näher stehen, als die eigene Familie.

Es gibt noch mehr Leiders......mag sie aber nicht mehr alle aufzählen, ist soo traurig, so unendlich traurig.

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Sandra
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Beitrag von Sandra »

Du hast Recht Schneeflocke, wir sind eine Einzelgängergesellschaft geworden. Jeder versucht den Alltag mit seinen Sorgen alleine in den Griff zu bekommen. Aber so funktioniert das nicht mehr.

Ich suche schon lange nach Lösungen, wie wir wieder Menschen ermutigen können sich zu wehren. Und sei es nur im Kleinen. Wenn jeder seinem Chef mal zeigt, dass er nicht alles mit ihm machen kann, dann wird er bei vielen die das machen, keine Chance mehr haben als die Situation zu verbessern.

Wenn man aber sieht, dass die Menschen ihre Hoffnung auf konservative Politik setzen, wie in Hessen gesehen, dann kommen wir auch nicht vorwärts. Die konservative Politik hat uns da hingeführt, wo wir jetzt sind.

Macht Euch klar, wie das System funktioniert und redet mit den Menschen, die es noch nicht wahrhaben wollen oder begreifen. Es ist so komplex, was mit uns passiert.

Fakt ist, dass nicht wir BürgerInnen die Gesetze machen sondern Lobbyisten aus Großkonzernen die Flüsterer der Minister sind.

Wenn wir allein da schon beginnen, einen Riegel vorzuschieben, sind wir einen Schritt weiter.

Außerdem fänd ich es nicht schlecht, Politiker einen Qualifikationstest zu unterziehen. In jedem Unternehmen muss man seinen Lebenslauf zeigen und beweisen, dass man qualifiziert ist, den Job ausüben zu können. Bei Politikern ist das leider nicht so.

HelmutW
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Beitrag von HelmutW »

Eine Lösung....die ich aber auch nicht habe...wäre ein neuer,dritter Weg.....
...fernab der gescheiterten ismen.........
aber das ist sehr schwierig.....bei so festgefahrenen...komplexen Strukturen......


ansonsten einen schönen Abend noch....... 8)
Achtung..........
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pito
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Beitrag von pito »

Sandra hat geschrieben:Außerdem fänd ich es nicht schlecht, Politiker einen Qualifikationstest zu unterziehen. ...
Zum Anfang könnte man dafür doch den berühmten Einbürgerungstest mit seinem Fragenkatalog heranziehen. Hei, was spassig. :lol:

Irgendjemand hat mal sinngemäß gesagt: Gebt die Macht demjenigen, der sie nicht haben will.

Josel
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Beitrag von Josel »

Sandra hat geschrieben:Fakt ist, dass nicht wir BürgerInnen die Gesetze machen sondern Lobbyisten aus Großkonzernen die Flüsterer der Minister sind.
...aber die Minister machen auch gar keine Gesetze :shock:
Sandra hat geschrieben:Außerdem fänd ich es nicht schlecht, Politiker einen Qualifikationstest zu unterziehen. In jedem Unternehmen muss man seinen Lebenslauf zeigen und beweisen, dass man qualifiziert ist, den Job ausüben zu können. Bei Politikern ist das leider nicht so.
Ob die Linke dabei so gut abschneiden könnte? Wie Du uns hier breit referiert hast, haben die ja anscheinend schon Probleme, ihren Gelsenkirchener Ortsverband zu organisieren. Kein Wunder, dass man in Hessen "konservativ" - wie Du schreibst - wählt.

J.
Vertrödeln Sie keine Zeit mit dem Lesen von Signaturen!

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Sandra
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Beitrag von Sandra »

@Josel:

Um Dir einen Einblick zu geben, wie Lobbyisten in und für Ministerien arbeiten, kann ich Dir folgende Seite empfehlen:

lobbycontrol.

Von der Linken habe ich nicht gesprochen auch die Grünen können teilweise fortschrittliche Politik machen. Auch SPD Linke sollten mal gehört werden.

Gerade weil ich gesehen habe, welche "geistvolle" Qualität in Gelsenkirchener Vorstände gewählt werden kann, bin ich für eine Ausbildung und Qualifikation der Politiker.

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