Kaufhaus Sinn & Leffers

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Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

rapor hat geschrieben: Mir ist es wichtig, was etwas für mich wert ist.
Für andere kann ich nicht sprechen.
:!:
Genau dieser individuelle Ansatz ist es, den ich meine und den ich wichtig finde.
Das ist nämlich der Kritikpunkt, um den sich auch vieles dreht: die Vermassung des Individuums.

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Tanja
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Beitrag von Tanja »

Jazzam hat geschrieben: Genau dieser individuelle Ansatz ist es, den ich meine und den ich wichtig finde.
Das ist nämlich der Kritikpunkt, um den sich auch vieles dreht: die Vermassung des Individuums.
Verzeih, ich versteh nicht: Meinst Du das Aufmaß des Einzelnen? Warum ist das ein Kritikpunkt?

Oder denkst Du, dass der Einzelne zu viel ist? Was ist daran wichtig?
"Mein Hund ist als Hund eine Katastrophe - aber als Mensch unersetzlich!" (Johannes Rau)

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

Nicht Maß, sondern Masse.

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timo
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Beitrag von timo »

Jazzam hat geschrieben:In welches Wespennest hat bloß dieser Satz gestochen?
... 'tschuldige, wollte nicht darauf herumreiten... kommt nicht wieder vor.
Warum wird mir niemand vermitteln können, warum er Geld für einen Flachbildfernseher ausgibt?
Würdest Du die schlichte Begründung "Mir macht das Fernsehen damit mehr Spaß" akzeptieren? Wenn ja, nehme ich alles zurück. Aber da man ja in gleicher Weise so ziemlich jede Anschaffung rechtfertigen könnte, wäre für mich dann Dein Unverständnis gegenüber der Konsumenten-Haltung nicht mehr nachvollziehbar.
Ich setze in dem Fall gar nichts voraus. Ich wollte keine Begündung, sondern einfach einen Gefühlsbericht. Eine Einschätzung vielleicht.
Angesichts Deiner konsumkritischen Worte vorher hatte ich das anders verstanden. Aber wie auch immer: Ist Dir der Spaß an Neuanschaffungen wirklich so fremd, daß Du Gefühlsberichte von anderen brauchst, um sie nachvollziehen zu können? Ich erinnere mich, daß Du hier vor einiger Zeit ein Bild Deiner damals neuen roten Schuhe mit dem Kommentar "Meine!" eingestellt hast. Ich hätte dahinter genau die Freude vermutet, in deren Erwartung sich die Menschen scharenweise zur Media-Markt- oder Primark-Eröffnung drängen.
Es ist doch keine Frage der Moral. Niemand muss sich dafür rechtfertigen, denn es gibt keine Schuldfrage diesbezüglich.
Es geht nicht um Schuld, sondern um Stigmatisierung als gedankenloser Konsum-Proll.
und da gefiel mir das massenhysterische Foto vor einem schlau kalkulierten Wirtschaftsunternehmen überhaupt nicht.
So eine Masse besteht aus vielen einzelnen Menschen, die auf eine günstige und in dieser Form so schnell nicht wiederkehrende Gelegenheit hoffen, sich (oder anderen, ist ja Weihnachtszeit) ein paar Wünsche zu erfüllen. Auch wenn sich daraus etwas unschöne Anblicke ergeben, finde ich das alles andere als verwerflich.

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

timo hat geschrieben:Würdest Du die schlichte Begründung "Mir macht das Fernsehen damit mehr Spaß" akzeptieren?
Ja, natürlich. Gerade dieser Satz ist mir so wichtig: Mir macht es Spaß. Wenn das der Motor ist, ist schon vieles gewonnen. Gut, jetzt gibt es vielleicht auch Sachen, die Spaß machen, die andere quälen oder schädigen, aber mir geht es hier um das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft, Warenanbieter und Kunden, um den mündigen, bewussten Konsumenten, wie zum Beispiel rapor seiner Schilderung nach einer zu sein scheint.

Meine roten Schuhe....habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen, weil ich sie so besonders fand, denn die Ausstrahlung der Schuhe hat mich angesprochen und ich fand, dass sie und ich zusammengehören.

Stigmatisierung- nein!
Ich habe das Foto auf der WAZ Internetseite entdeckt und es hat mich geschockt. So war's.

Wünsche erfüllen.....ja, habe ich auch, Wünsche,- ich habe mir erstmals seit Jahren wieder Pullover gekauft, - aber das sind für mich nicht die Dinge, die es wert sind, so nachgefragt zu sein. Es ist uns in dieser Hinsicht viel Freiheit genommen worden, bzw. man hat sie hergeschenkt. :roll:

von waldbröl
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Beitrag von von waldbröl »

Ich kenne einen User, der hat vor unlängst in einem Fred geschrieben, " Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun," oder so ähnlich.
Jetzt stellt sich mir die Frage, Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun?

Wolle :xmas_smilie:

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

Lieber von waldbröl, sicherlich ist es Dir schon sehr lange aufgefallen, dass die GGs kein Heimatkundeverein im klassischen Sinne sind. Dass es Dir offensichtlich missfällt, drückst Du oft sehr verklausuliert aus. Sag, was Du meinst.

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timo
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Beitrag von timo »

von waldbröl hat geschrieben:Jetzt stellt sich mir die Frage, Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun?
Der Aufhänger für die Diskussion über Konsumverhalten war ein Menschenandrang bei der Eröffnung eines Gelsenkirchener Kaufhauses. Wenn das zu wenig Gelsenkirchen-Bezug ist, gebe ich mir Mühe, in Zukunft auf solche Abschweife zu verzichten. (Meine ich wirklich so, sollte nicht trotzig klingen.)

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

von waldbröl hat geschrieben:" Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun,"
Diesmal beantworte ich Deine rhetorische Frage aber gerne:
Was ist wirklich sinnvoll für Gelsenkirchen, welche Geschäftsentwicklung, wieviel Entwicklung in welche Richtung, kurz:

Es geht um nichts weniger als die Zukunft von Gelsenkirchen.
Zukunft entsteht im Denken und Austausch.

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hoppi
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Beitrag von hoppi »

Jetzt wird es aber doch etwas abgehoben theoretisch, oder ?

Man kann selbstverständlich geteilter Meinung sein, ob "Billigläden" wie Primark oder H&M, C&A oder KIK nach Gelsenkirchen gehören.

Mir persönlich wäre es auch lieber, wir hätten stattdessen Filialen von Baltz oder Ansons oder ähnlichem, von mir aus gern auch einen Burberry-Shop oder ein Hugo-Boss-Outlet.

Nur sollten wir den Realitäten ins Auge sehen: Unternehmen haben das primäre Ziel, Gewinne zu erwirtschaften. Jedes Unternehmen hat das, muss das haben um überleben zu können. Gewinne erwirtschaftet man da, wo man seine Waren gut verkaufen kann.

Gelsenkirchen ist aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Situation seiner Bevölkerung kein guter Markt für Burberry oder Boss. Aber ein guter Markt für KIK und C&A, H&M und Primark. Daher ist es aus Sicht dieser Unternehmen sinnvoll, sich hier anzusiedeln. Und aus Gelsenkirchener Sicht ist es auch sinnvoll, schafft es doch zumindest nicht wenige Arbeitsplätze und belebt die Einkaufsstrasse.

Das "Problem" ist ja ein doppeltes:
a) man kann zwar - wenn man will - sicherlich irgendwie verhindern, dass sich ein Unternehmen hier ansiedelt, aber man kann keins zwingen, sich hier anzusiedeln.

b) die Unternehmen mit hochpreisiger Qualitätsware folgen dem Markt - nicht umgekehrt. Es macht daher keinen Sinn, zu glauben, es würde die Situation in GE irgendwie verbessern, wenn wir es auf irgendeine Art und Weise schaffen würden, Boss oder Burberry (nur Beispiele) auf der Bahnhofstrasse anzusiedeln. Die wären nach einem Jahr wieder weg.


Ich finde es gut, dass Primark dort eingezogen ist, auch wenn ich wahrscheinlich dort nie etwas kaufen werde. Ich fand auch die Ansiedlung von H&M gut - und habe bis heute dort nichts gekauft. Entscheidend ist dabei für mich, dass Geld in die Stadt kommt dadurch, dass Arbeit geschaffen wird.

Troy
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Re: Sinn

Beitrag von Troy »

So hat der Fred mal angefangen!
Verwaltung hat geschrieben:
WAZ hat geschrieben:Meilenstein der Moderne

Bild
Klar gegliederte Fassade von 1927/28, neu restauriert: das Haus Sinn-Leffers an der Bahnhofstraße. Foto: WAZ, Martin Möller

Lutz Heidemann dokumentiert in einer Publikation die Baugeschichte des Kaufhauses Sinn und Leffers an der Bahnhofstraße. Architekt Bruno Paul wirkte als Designer

"Eine vergessene Architektur-Avantgarde" nennt Lutz Heidemann, ehemaliger Stadtplaner und Architekt in der Stadtverwaltung, in einer Publikation das Geschäftshaus Sinn-Leffers an der Bahnhofstraße 39/47. Wie von der WAZ berichtet, legte man jetzt nach 80 Jahren die alte Fassade des Komplexes frei - eine völlig neue Ansicht eines historischen, mehrmals veränderten Gebäudes mitten in der City.

Was Heidemann an dem "Fall" interessierte, ist seine Beispielhaftigkeit und seine Entwicklung über Jahrzehnte: Wie man ein Haus, eine Architektur hinter Fassaden "versteckt" hat. Das öffentliche Interesse an diesem "Kommerztempel" sei verbunden mit einem emotionalen Erinnerungswert, so der Autor. Ein Mode-Haus sei schließlich auch "ein Stück Lebensgefühl" für die Menschen.

Bruno Paul hieß der Architekt des 1927/28 errichteten Kaufhauses Sinn: ein Dokument der Bau- und Wirtschaftsgeschichte. Sinn reihte sich ein in ein neues Warenhaus-Konzept, das Leonhard Tietz (1879 Stralsund) nach den Vorgaben in Paris (Bon Marche?, 1852) in Deutschland etablierte. Tietz (Hertie, Kadewe, Alsterhaus), Karstadt und Wertheim waren Pioniere dieser Entwicklung. In Gelsenkirchen hat sich aus jener Zeit (mit Veränderungen) nur das Weka, Kaufhalle-Woolworth, Boecker, Kaufhof-Galeria und eben Sinn-Leffers erhalten. Seit 1904 wurde an dieser Stelle ein Kaufhaus Sinn betrieben. Das Eckhaus Nr. 34 kam erst 1920 hinzu.

Die Bahnhofstraße wurde 1847 als unbefestigter Weg angelegt - nach Fertigstellung der Köln-Mindener Eisenbahn. Die Husemannstraße war damals eine Bahntrasse. Heidemann dokumentiert die Immobilie, deren "Gesicht" sich veränderte: Loggien, Ziergiebel, Türmchen, Pilaster, Friese usw. verschwanden im Laufe der Zeit - von der Gründerzeit ging es zur neuen Sachlichkeit.

Das Kaufhaus Stamm, von Sinn übernommen, vertraute um 1899 dem Gußstahl. Man hatte die Pariser Oper im Auge. Die Montanregion sei auf diese Materialvariante zu Stein gern eingegangen. Sinn profitierte von dieser Vorgeschichte. Allerdings gab es härtere Brandschutzauflagen. Architekt B. Paul, Professor an der Berliner Kunsthochschule, strebte eine neue Aufmerksamkeit an: In fünf Monaten wurde das Haus als Eisenbeton-Skelettbau hochgezogen. Die Fassade Ecke Bahnhof-/Beskenstraße wurde zum Blickfang gerundet. Ebenso das turmförmige Treppenhaus und die glatten Fassadenbänder nebst Opakglas, die wieder zu sehen sind. Das "Designer-Konzept" sorgt(e) für Aufsehen. Bergschäden veranlassten 1936 Änderungen an der Außenhaut. Ab 1954 wurde der Komplex "modernisiert" - bis heute wieder die alte Fassade gilt. Heidemann: "Ein langer Weg - ein richtiger."

WAZ HJL 22.02.2007
Die Arbeitsfassung von Herrn Heidemanns Arbeit kann online gelesen werden:

http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... php?t=3648
brucki hat geschrieben: Bild
wahrscheinlich 1931
Ehrlich, mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was da heute mit los ist.

Die häßliche Billig-Reklame, herzlos angepappt, siehe nochmal oben Lutz Heidemann:
Ein Mode-Haus sei schließlich auch "ein Stück Lebensgefühl" für die Menschen.
Meins isset jedenfalls nicht.
Gehmichbloßwech mit sowat...

Troy
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Beitrag von Troy »

Aus dem oben verlinkten Heidemann-Text:
Das „Eigentliche“ eines Textilkaufhauses wären die Geschichten über die Waren und Gefühle, die mit ihnen verkauft wurden.
Sic!

Wolf
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Beitrag von Wolf »

Gefühle:
Bild

von waldbröl
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Beitrag von von waldbröl »

Wolf hat geschrieben:Gefühle:
Bild
Alle Jahre wiiieder
zu deeer Weihnachtszeit
Kommse se immer wiiiieder
im Indianerkleid.

Is denen in Indien zu warm dass sie jedes Jahr zur Weihnachtszeit hier auftauchen? Oder kommen die Indianer gar nicht aus Indien. :wink:

Wolle :xmas_smilie: :cold:

pedder vonne emscher
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Beitrag von pedder vonne emscher »

Ich glaube, die kommen aus den Anden, dann wären es nicht Indianer, sondern Andenianer... :lol:

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