Alfons Goldschmidt

Menschen die Eindruck in Gelsenkirchen hinterlassen

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rabe489
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Alfons Goldschmidt

Beitrag von rabe489 »

Gebürtiger Gelsenkirchener:
Alfons Goldschmidt

Geboren am 28. November 1879 in Gelsenkirchen als Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns.

1900 Beginn des Jurastudiums in München, das er in Berlin fortsetzte.

1902 Studium der Staatswissenschaften in Freiburg/Br.

1904 Promotion zum Dr. rer. pol. Militärdienst in Münster.

1905 wurde er Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule in Potsdam.

Von 1909 bis 1911 war er Leitender Handelsredakteur im Pressekonzern Ullstein, Berlin.

1911 Heirat mit Lina Jacoby.

1914 Unteroffizier im Ersten Weltkrieg.

1915 Rückkehr nach Berlin.

1917 Lehrbeauftragter für Wirtschaftspublizistik und Dozent am Institut für Zeitungskunde der Universität Leipzig. Mitarbeit an der Schaubühne (Pseudonym Loriarius).

1918 war er Wirtschaftsjournalist bei der Tageszeitung Die Republik; Mitarbeit an der Weltbühne.

1919 Mitherausgeber der Räte-Zeitung.

1920 Reise nach Petrograd und Moskau.

1921 Mitbegründer der Künstlerhilfe für die Hungernden in Rußland.

1922 Reise nach Argentinien. Er übernahm in Córdoba einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften; Reise in die Sowjetunion.

Von 1923 bis 1925 Lehrtätigkeit an der Universität in Mexiko-Stadt.

1925 dritte Reise in die Sowjetunion. Angebot von der Ufa für einen Mexiko-Film.

1927 Uraufführung des Dokumentarfilms Auf den Spuren der Azteken, für den er das Drehbuch verfaßt hat (der Film ist heute verschollen).

1928 Panamerikareise.

1929 wurde er Reichsvorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Arbeiterhilfe.

1933 Emigration über die Tschechoslowakei und Moskau in die UStA.

1935 Tod seiner Frau Lina.

1936 Aberkennung der Staatsbürgerrechte durch die Nazibehörden.

1938 Einladung nach Mexiko. Aberkennung des akademischen Grades Dr. rer. pol. durch die Universität Freiburg/Br. Heirat mit Lene Weitzenkorn.

1939 Übersiedlung von New York nach Mexiko-Stadt.

Er starb am 20. (21.?) Januar 1940 in Cuernavaca, Mexiko. Staatsbegräbnis auf dem Friedhof Panteón Civil de Dolores, dem Zentralfriedhof in Mexiko-Stadt.

1942 stiftete die Bewegung Freies Deutschland einen Gedenkstein für sein Grab
Ein Buch von ihm, war es "Deutschland heute"?, begann mit einer Stimmungsskizze Gelsenkirchens.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Liga Pro Cultura Alemana mit einer Kurzbiographie

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rabe489
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Bio-Bibliographie von Alfons Goldschmidt

Beitrag von rabe489 »

Hier aus dem Lexikon Westfälischer Autoren:


http://www.lwl.org/literaturkommission/ ... 7a50b66cd2
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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Im Deutschen Literatur Archiv Marbach lagern noch Dokumente:
Name Goldschmidt, Alfons
Verweisung Goldschmidt, Alfonso
Kennzeichen individualisiert
Geschlecht Männlich
Lebensdaten 1879 - 1940
Beruf/Funktion Schriftsteller; Publizist; Wirtschaftswissenschaftler
Land Deutschland; Mexiko
Bemerkungen geb. in Gelsenkirchen; Volkswirt, Vorkämpfer d. Volksfront in Mexiko (i)
Quelle LoC-NA

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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Alfons Goldschmidt: Deutschland heute, Berlin (Rowohlt) 1928, S. 11 / 12:
I
ICH dachte, fern von Deutschland, an meine zuckende Heimat, als ihre Toumurenseele die ersten wuchtigen Stöße erlitt. Damals, vor fünfunddreißig Jahren etwa, tobten in meiner Vaterstadt Gelsenkirchen, dem New-castle Deutschlands, dem schwarzen Herzen Europas, die fast noch anarchistischen Anfangsstreiks. Gerade begann dieStadt ihre Zechen zu umfassen, derenKohlen-züge über offene Straßen liefen. Schon stießen gewal-tige Schornsteine über die Glockenlitanei des katholi-schen Landes hinaus. Nicht mehr einsam wohnte der Bahnwärter an der Strecke. Berußte Kolonnen zogen an seinem Häuschen vorbei und überall entstanden Arbeiterkolonien. Der Acker war unterhöhlt, Häuser wurden verankert, damit sie nicht einsanken. Es be-gann die Ruhrstadt, die Verschachtelung. Die alte Tupfenstadt, die Landkarte mit steinernen Knoten, Feldfreiheit, verschleiert nur im Herbst vom Rauch des Kartoffelkrauts, Hofeinsamkeit, Gasthoffriede, all das hörte auf, wurde erdrückt von Häusermassen, die über Kommunalgrenzen, Kreise und Gutsgräben in-einanderdrangen.
An einem Abend rasselten hastig die Ladenjalousien herunter, Familien kauerten in den Küchen, Schwefel-angst war in den Mittelstraßen der Stadt, eine dicke Welle des Grauens kroch vor der Masse her, die brül-


lend von den Zechen kam. Gerüchte bohrten sich ein, Dynamitknall jagte das Hirn, Drohrufe und Jubel, der schwarze Aufstand war da. Wir Kinder verstanden nichts von dieser Wucht, wir fühlten nur ein Element. Schon hatten wir Grauenhaftes gesehen. An einem Sonnentage wurden auf den Hof der Zeche „Hibernia" Kadaver gelegt, verbrannte Menschenleiber, Tuchfetzen ins Fleisch gefressen, entsetzliches Wimmern der Mütter und Kinder am Gitter. Das war das schlagende Wetter gewesen, das Untier der Kohlentiefe, die Flammen-fuchtel des Bergmanns, Jetzt schlug ein anderes Wetter, eine andere Fuchtel holte aus, die Flamme Arbeit loderte.
Weh und Angst hatten mich. Auf der Trinkhalle vor unserem Haus lagen Polizisten, von Steinen überhagelt. Der Marktplatz wirbelte, verpfropfte Ausgänge, hoch-geschleuderte Jammerarme, zerschmettert die Lack-herrlichkeit einer Direktorskutsche, springende Schei-ben, Messerrasen. Durch die schwarze Kruste brach das rote wütende Herz des Bergmanns.


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