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bostonman
† 16. 10. 2014
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Beitrag von bostonman »

Hallo Heinz
Dank für den Hinweis
Wäre eine Möglichkeit,aber ich hoffe daß sich hier auch etwas ergibt.
Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt was man weiß, nicht alles glaubt, was man hört und über den Rest einfach nur lächelt.

AlterMann
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Stadtteilgrenzen

Beitrag von AlterMann »

  • Verschobene Stadtteilgrenzen
    Landvermessung, Landesvermessung, Kataster, Gemarkung, Flurstück sind Begriffe aus einem sehr umfangreichen Gebiet mit vielen Fachausdrücken, von denen ich so wenige wie möglich gebrauchen werde, weil ich befürchte, sie falsch anzuwenden.
    Bei Einrichtung eines frühen Katasters im 19.Jahrhundert scheint man sich an bereits vorhandenen markanten Punkten wie Wegen, Feldern etc. orientiert zu haben. Der Name des Dorfes, der Stadt, der Gemeinde etc., zu denen die Flächen gehörten, ist dann wohl für die Bezeichnung der Gemarkungen und Fluren übernommen worden. (Das weiß ich nicht – ich denke es mir so!)
    Daß man Stadt- oder Landesgrenzen gelegentlich verschiebt, damit z.B. eine krumme Landstraße nicht ständig von einem Land ins andere wechselt, kann man verstehen. ( Es gab auch den Fall, daß ein Haus einer westfälischen Stadt in Hessen lag. Dieser Unsinn ist vor einigen Wochen beendet worden.)
    Die Verschiebungen der Stadtteilgrenzen in Gelsenkirchen, speziell zwischen Schalke und der Altstadt, sind mir schleierhaft.
    Ein Rückblick:
    Die heutige Ruhrstraße hieß früher Roonstraße. Sie begann am Realgymnasium (heute Grillo-Gymnasium) und war bis zur Liboriusstraße gepflastert. Dann folgte längs der "Kuhwiese" ein Abschnitt bis zur Grenzstraße, für den die Bezeichnung "Straße" etwas hochgegriffen wäre. Ab der Grenzstraße schloß sich die Königgrätzer Straße (heute Münchener Straße) an, auf beiden Seiten standen Häuser, die Straße war gepflastert, auf dem Bürgersteig stand ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Schalke". Daß man dort eine Grenze überschritt, war nicht zu übersehen. Nach Jahrzehnten der Zusammengehörigkeit dürfte auch in der Stadtverwaltung historische Stadtteilgrenzen keine Bedeutung mehr haben (meint der Laie).
    Diese Stadtteilgrenze ist nach dem Kriege nach Süden bis in die Florastraße verschoben worden und führt zu einigen Ungereimtheiten, und ich frage mich warum man das gemacht hat.
    1. Früher hätte ich aus dem Fenster unserer Wohnung (Ecke Franz-Bielefeld-Straße) von der Altstadt bis nach Schalke spucken können, heute ginge das nicht mehr. Unwichtig – aber:
    2. Die Grenzstraße heißt nicht von Ungefähr Grenzstraße, sondern sie hieß sinnvollerweise so, weil sie die Grenze zwischen Schalke und Gelsenkirchen, bezw. der Altstadt, bildete. Heute gibt es dort keine Grenze.
    3. In der Grenzstraße stimmten früher Stadtteil- und Gemarkungsgrenzen überein. Seit der Grenzverschiebung liegen jetzt Teile des Stadtteils Schalke in der Gemarkung Gelsenkirchen. – Warum?
    4. Wegen des Anwachsens der Bevölkerung wurde das Gebiet der Altstädter Pfarrgemeinde geteilt. Der nördliche Teil des Gebietes wurde der St.-Georgs-Gemeinde zugeteilt. Die Georgsgemeinde ist aus der Propsteigemeinde hervorgegangen und ist jetzt, wie Ego-Uecke schreibt, eine Filiale der Altstädter Propsteigemeinde. Dieser Pfarrbezirk lag früher in der Altstadt, wo er auch hingehört, heute liegt er in Schalke. – Warum?
    5. Fotos "meiner" Altstädter Franz-Bielefeld-Straße habe ich rein zufällig gefunden, untergebracht in der Denkmalliste Schalke.
    6. Dr. Lutz Heidemann hat geschrieben, daß der Name Victoriastraße (heute Königsberger Straße) in der Gemeinde Schalke schon existierte und dann wohl auch auf das "Gelsenkirchener Straßenstück bis zur heutigen Florastraße" übertragen wurde. Es gibt kein 'Gelsenkirchener Straßenstück', denn die Straße liegt in voller Länge in Gelsenkirchen (oder auch in Schalke – wie man's nimmt!)

    Wenn man diese unsinnig scheinenden Folgen bedenkt, darf man erwarten, daß es einen sehr wichtigen Grund für die Grenzverschiebungen gegeben hat – um genau diesen geht es mir.
    Mit der Überschaubarkeit der Stadt seitens der Verwaltung wird das nichts zu tun haben, denn dafür gibt es die sogenannten Stadtbezirke (vermute ich).
    Antworten auf diese Frage nimmt gern entgegen
    ein unwissender
    AlterMann, der in den Jahren, als die Grenzen in Bewegung gerieten, sehr weit weg war.

Karlheinz Rabas
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Beitrag von Karlheinz Rabas »

@ AlterMann

Die Grenzen haben sich verschoben, weil sich in einem Teil von Schalke ein neuer Stadtteil gebildet hat, nämlich die Feldmark. Dadurch wurden Schalker Teile verschoben und die Grenzen wurden verändert.
Ich darf nachstehend mal wiedergeben, was Jochen Koenen zur Entstehung der Feldmark geschrieben hat:

"Die Entwicklung der (Schalker) Feldmark zum Ortsteil.
Warum wird in einem Buch über Schalke der Ortsteil Feldmark erwähnt? Es liegt am gemeinsamen Ursprung der beiden heutigen Ortsteile von Gelsenkirchen in der ehemaligen Bauerschaft Schalke.

Die vor über siebeneinhalb Jahrhunderten entstandene Bauerschaft Schalke lag, etwa halbmondförmig eingekeilt, zwischen den Bauerschaften Heßler, Braubauerschaft, Bulmke und dem Dorf Gelsenkirchen und grenzte im Südwesten an den zur Emscher fließenden Schwarzbach.
Die Keimzelle dieser Bauerschaft lag an der heutigen Feldmarkstr. in Höhe der Straße "Am Stadtgarten". Hier standen die Höfe der Bauern Schalke und Schürmann, in der Nähe die Höfe Gathmann und Ermel. Diese vier Höfe, die den Beinamen "Hoven to Schadelike" führten und der gesamten Bauerschaft den Namen "Schalke" gaben, lagen somit in der heutigen Feldmark. Im Norden der Bauerschaft lagen die Höfe Münting und Achtermünting. Der Rest der gut zwei Dutzend Schalker Höfe und Kotten lag verstreut über die Bauerschaft, hauptsächlich im Bereich, der die "Schalker Heide" genannt wurde. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts reicht die Geschichte dieser Bauerschaft.

Mit Gründung der Zechen "Dahlbusch", "Hibernia", "Wilhelmine-Victoria" in der näheren Umgebung und speziell der Zeche "Consolidation" durch Friedrich Grillo im Jahre 1863 an der heutigen Gewerkenstraße hielt die Industrie in Schalke Einzug. Durch weitere Gründungen Grillos und den Zuzug anderer Firmen in den nördlichen Teil Schalkes entwickelte sich dieser Bereich rasant. Hier konzentrierte sich um den Schalker Markt nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das soziale und kulturelle Leben. Man begann, unter "Schalke" nur noch das Industriezentrum im Norden der alten Bauerschaft zu verstehen. "Das Wort Schalke ist von seinem Werdeanfang an der Inbegriff von Arbeit und Arbeitserfolg, (...), bedeutet Industriepoesie, ist ein Hoheslied von Qualm und Feuer.“

Der südliche Teil Schalkes dagegen blieb zunächst von dieser Entwicklung verschont. Dies lag mit an einer künstlichen Barriere, die sich schon früh mitten durch Schalke zog. Die 1855 begonnene Abteufung des Schachtes I der Zeche "Wilhelmine Victoria" in Heßler führte, nach langwierigen Schwierigkeiten 1861 zum Förderbeginn. Um die Kohle mit der damals noch privaten Köln-Mindener-Eisenbahn transportieren zu können, kaufte diese im gleichen Jahr für die Anlage einer Zweigbahn zum Gelsenkirchener Bahnhof 18 Morgen Land. Diese Bahnverbindung konnte am 11. November 1862 in Betrieb genommen werden. Sie diente auch der Rheinischen Eisenbahn als Verbindung über die Zeche "Consolidation" zur "Emschertalbahn". Durch die spätere Bildung des vielgleisigen Güterbahnhofes Schalke-Süd zwischen der Feldmarkstr. und der Wilhelminenstraße wurde die räumliche Trennung noch verstärkt.

Bis zur Jahrhundertwende konnte so der südwestliche Teil Schalkes seinen landwirtschaftlich geprägten Charakter bewahren. Zur Unterscheidung wurde er im Laufe der Zeit Schalke-West oder Schalker-Feldmark genannt. Später wurde dann nur noch der Name "Feldmark" verwendet.

Woher stammt nun der Name "Feldmark"? Die beiden Silben dieses Wortes, "Feld" und "Mark", sind mit der Geschichte der Bauerschaft eng verbundene Begriffe. Denn das Ackerland und die gemeinsame Mark sind die beiden wesentlichen Bestandteile einer Siedlung; hier waren es das "Schalker Feld" und die "Schalker Mark". Das "Schalker Feld" war die Kernflur des Ackerlandes der Bauerschaft Schalke, das Land mit den besten Bodeneigenschaften, das zum größten Teil etwa im Bereich zwischen der heutigen Feldmark-, Küppersbusch- und Boniverstraße lag. Es war eine sogenannte Eschflur, die in gemeinsamer Arbeit von den Bauern angelegt worden war. Da die einzelnen Acker nur durch Furchen getrennt waren, mußten sie gleichzeitig bestellt und abgeerntet werden. Diese nur dem Anbau des Brotgetreides dienenden Acker waren von geringem Umfang. Alle außerhalb liegenden Fluren bildeten die "gemeine Mark", es war also gemeinsames Eigentum aller Bauern. Die "Schalker Mark" diente zur Gewinnung von Bau- und Brennholz, hierhin wurden die Schweine zur Mast getrieben und das Hornvieh auf die Weide. Dieser Weideplatz war das Zentrum der Mark, das durch Abholzung entstandene "Laar". Es befand sich ungefähr im Bereich des heutigen "Schillerplatzes", wo auch später der "Laarmannshof" stand. Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich in der Mark Bauern an, die langsam das Land urbar machten. Dadurch verringerte sich jedoch das gemeinsame Land. Das verbliebene Restgebiet wurde durch übermäßige Nutzung schließlich in einen heideähnlichen Zustand versetzt. Es entstand die sogenannte "Schalker Heide". Die hier liegenden Höfe waren durch den "Fürstinnenweg" miteinander verbunden.

Durch den Zuzug der vielen Arbeitskräfte für die umliegenden Industriewerke stieg auch die Einwohnerzahl in der Feldmark. Erste Bautätigkeiten gab es durch den Ziegeleibesitzer Schmidtmann an der Fürstinnenstraße in den 1880er Jahren. Auch der Bau der Häuser an der Küppersbuschstraße Ecke Kurfürstenstraße (im Volksmund "Karbidallee" genannt) fiel in diese Zeit. Der wachsenden Bevölkerung trug die Gemeinde Schalke dann durch den Bau der katholischen Schillerschule (1896/97) und der evangelischen Fürstinnenschule (1900/01) Rechnung. Auch die evangelische Gemeinde Schalkes errichtete schon 1904/06 die Kreuzkirche an der heutigen Pothmannstraße. So entstanden kurz hintereinander Einrichtungen, die für die Bildung eines Stadtteils wichtig sind. Das sich im Laufe der Zeit entwickelte Eigenleben der Feldmark erhielt dadurch kräftige Unterstützung. Die Bewohner waren stolz darauf, sich Feldmarker zu nennen und Vereine hatten bald nur noch den Namen Feldmark in ihrer Herkunftsbezeichnung, so z.B. der 1907 gegründete Kaninchenzuchtverein.

Um die Jahrhundertwende, als die Herdfabrik Küppersbusch begann, an der damaligen Rotthauser Straße (heute Küppersbuschstraße) ein Zweigwerk zu errichten - denn das Werk an der Gewerkenstraße war schon zu klein geworden - hielt auch in der Feldmark die Industrie Einzug. Jetzt begann eine gezielte Bautätigkeit privater Bauherrn. Es entstanden mehrstöckige Mietshäuser an neuen Straßenzügen wie der Pothmannstraße, Rembrandtstraße, Karolinenstraße und der Bertastraße. Zwar entstanden durch Küppersbusch und durch den 1909 errichteten Schacht Oberschuir der Zeche Consolidation an der Boniverstraße enge wirtschaftliche Verflechtungen der Feldmark mit Schalke, doch die sich entwickelnde Eigenständigkeit der Feldmark konnte dadurch nicht mehr negativ beeinflußt werden. Denn seit der Eingemeindung Schalkes zu Gelsenkirchen im Jahre 1903 orientierte sich die "Feldmark" noch mehr zur nähergelegenen Innenstadt als zum "Schalker Markt".

Am 25. Mai 1912 wurde der jenseits des Schwarzbaches gelegene Flugplatz Rotthausen in Betrieb genommen. Der Flugplatz diente zwar nur der Sportfliegerei, beherbergte aber schon bald die Kondor Flugzeugwerke, die gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1200 Mitarbeiter beschäftigten. Im Herbst 1912 eröffnete auch die Trabrennbahn. Beide Einrichtungen hatten, obwohl sie außerhalb Gelsenkirchens lagen, indirekt einen besonders starken Einfluß auf die Entwicklung der Feldmark. Denn schon 1914 verlängerte die Essener Straßenbahngesellschaft ihre nach Katernberg führende Linie 8 über den Flugplatz bis zum Machensplatz vor dem Gelsenkirchener Rathaus. Diese Linie, ab 1940 Linie 17, führte durch die Feldmarkstraße, die Straße "Am Stadtgarten" und durch die Zeppelinallee. Somit wurde die Feldmark schon sehr früh an das Straßenbahnnetz der Stadt Gelsenkirchen angeschlossen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende rege Bautätigkeit zur Schaffung von Wohnraum für Angestellte und Beamte der aufstrebenden Stadt Gelsenkirchen gerade in der Feldmark stattfand. In der Nähe der Straßenbahnlinie entstanden so die Siedlungen an der Schwind-, Dürer-, Schinkel- und Feuerbachstraße. Auch die 1929/30 errichtete GAGFAH-Siedlung an der Schmollerstraße lag im Einzugsbereich dieser Linie. Die ruhige Wohnlage und die verkehrsgünstige Anbindung machten die Feldmark schon damals zum bevorzugten Wohngebiet Alt-Gelsenkirchens.

An dem als Zentrum der Feldmark gedachten Marktplatz, dem "Schillerplatz", baute dann auch die katholische Gemeinde (1923/24) ihr Gotteshaus. Nach den Entwürfen des bekannten Architekten Josef Franke entstand 1923/24 die St. Antoniuskirche. Die Doppelturm-Anlage wurde nachträglich 1928 errichtet. Somit waren die für einen Stadtteil wichtigen Einrichtungen komplett. Doch die Bildung eines eigenen Stadtteils "Feldmark" war nicht in Sicht. Man hätte zwar bei der Eingemeindung Rotthausens (1923/24) oder beim Zusammenschluß von Gelsenkirchen, Buer und Horst (1928) eine Neuordnung der Stadtteile vornehmen können, doch die schwierigen Zeiten zwischen den Weltkriegen ließen dieses Thema nicht auf die Tagesordnung kommen. Auch nach 1945 war man mit anderen Dingen beschäftigt.

Dennoch hatte es sich inzwischen eingebürgert, die Schalker Feldmark als eigenständigen "Stadtteil" zu bezeichnen. Als die erste Poststelle in der Feldmark eröffnet wurde, las man in der Zeitung: "Am 1. August 1949 ist in dem Stadtteil Feldmark in dem Zigarrengeschäft Klinkmann ... eine Poststelle ... eingerichtet worden."
Und Anfang 1950 (12.1.) schrieb der "Gelsenkirchener Anzeiger" unter der Überschrift:
"Der Stadtteil ohne offizielle Anerkennung":
"Der Stadtteil Feldmark bildet in Gelsenkirchen ein Kuriosum. Wenn man sich beim Statistischen Amt nach den Einwohnerzahlen dieser Ansiedlung zwischen Rotthausen, Heßler und Schalke erkundigt, so erfährt man, daß Zahlen überhaupt nicht vorhanden sind, denn offiziell existiert der Stadtteil Feldmark nicht, und wenn man durch die Straßen der Feldmark geht, so stellt man fest, daß tatsächlich ein Teil der Einwohnerschaft nach Schalke tendiert, der andere aber sehr starke Bindungen an die Stadtmitte hat. ..."
Auch bei der Stadtverwaltung wurde es immer mehr gängige Praxis, die Feldmark als "Stadtteil" zu bezeichnen. Bei der Volkszählung 1950 wurde zum erstenmal die Einwohnerzahl der Feldmark getrennt aufgeführt. Am 30. August 1951 wurden "die Einwohner des Stadtteils Feldmark" zu einer "Bürgerschaftsversammlung für den Stadtteil Feldmark" ins Lokal Schmidtmann eingeladen. Auch für die Gemeindewahl am 9.11.1952 wurde der "Wahlbezirk VI: Feldmark" genannt.
Herausragendes Datum für die Feldmark war dann der 8. Juni 1953. An diesem Tag beschloß die Stadtverordnetenversammlung mit der Mehrheit ihrer Mitglieder aufgrund der im Jahr zuvor erlassenen Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen die "Hauptsatzung" der Stadt Gelsenkirchen. Hierin wurde in Paragraph 1 das Stadtgebiet in 18 Stadtbezirke gegliedert. Auf einer beigefügten Karte waren diese 18 Stadtbezirke eingezeichnet und mit Namen und einer laufenden Nummer versehen. Als 9. Stadtbezirk erschien, zum ersten Mal offiziell, die Feldmark in ihren heutigen Grenzen. Als Stadtteil wurden Alt-Gelsenkirchen, Buer und Horst bezeichnet.

Somit waren genau 50 Jahre vergangen, bis nach der Eingemeindung Schalkes zur Großstadt Gelsenkirchen, die Schalker-Feldmark offiziell Stadtbezirk, im Sinne eines Stadtteils, von Gelsenkirchen wurde. Der so still und heimlich entstandene Stadtteil -heute heißt es Ortsteil- Feldmark bestand nicht nur aus dem ehemaligen Schalker Teil, sondern es wurden Teile von Heßler und der gesamte Teil Rotthausens hinzugefügt, der nördlich der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke lag. Als Begrenzung dieses neuen Stadtteils wurden größtenteils die vorhandenen Bahnlinien und die Stadtgrenze zu Essen gewählt. Diese Eingrenzung der Feldmark vermittelt heute den Eindruck eines gewachsenen Stadtteils, der wie eine mittelalterliche Stadt von einer "Stadtmauer" umgeben ist. Denn von den neun Zufahrtsmöglichkeiten in die Feldmark führen acht - Stadttoren gleich - durch Eisenbahnunterführungen.

Jochen Koenen"

Karlheinz Rabas
Jeden Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr sind
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blockka04
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Beitrag von blockka04 »

@AlterMann:
Du hast mich mit deinen Fragen sehr weit in die eigene Geschichte zurückgeworfen. :wink:
Schließlich hatte ich das alles mal gelernt, aber offensichtlich müssen ein paar meiner grauen Zellen kräftig reaktiviert werden (ist ja auch schon lange her). :oops:

Dem sehr umfangreichen und interessanten Beitrag von Joachim Koenen / Karl-Heinz Rabas kann und möchte ich nichts hinzufügen, aber da wir vor kurzem zum Thema "Sutumer Brücken" schon mal eine ähnliche Fragestellung hatten, hier mal ein paar grundsätzliche Überlegungen.

Zur Entstehung von Gemarkungs- und Flurnamen bietet Wikipedia durchaus brauchbare Informationen. In Kürze: für die Gemarkung wird in den meisten Fällen ein Ortsname zugrunde gelegt. In ländlichen Gebieten verhält es sich mit den Fluren oft ähnlich (hier standen die Art der Nutzung oder die Lage (vor / hinter/ über dem Feld/Bach/Hügel etc. meist Pate), in Städten sind sie numerisch bezeichnet. Die geometrische Form resultierten neben den topografischen (natürlichen) Grenzen meist aus den Bewirtschaftungsmöglichkeiten.

Ich war bisher auch von der irrigen Annahme ausgegangen, dass Stadtteil gleichzusetzen sei mit Gemarkung. Dem ist aber nicht so. Eine Gemarkung "Resse" existiert z. B. nicht. Resse gehört als Stadtteil von Gelsenkirchen zu Buer. Soweit ich das über ein paar Stichproben aber feststellen konnte, liegen die Stadtteilgrenzen zumindest auf den Flurgrenzen.
2. Die Grenzstraße heißt nicht von Ungefähr Grenzstraße, sondern sie hieß sinnvollerweise so, weil sie die Grenze zwischen Schalke und Gelsenkirchen, bezw. der Altstadt, bildete. Heute gibt es dort keine Grenze.
Die Grenzstr. bildet immer noch die Grenze zwischen der Gem. Gelsenkirchen und der Gem. Schalke. Nur sehr wenige Meter kurz vor der Bismarckstr. fallen in die Gem. Bulmke, soweit die Eintragungen wirklich präzise sind. Leider darf ich ja das Bild nicht dazu einstellen.

Aber einige unserer sehr kundigen Historiker können das mit Sicherheit noch viel genauer sagen. Der "tiefe" Blick in die Karte hat trotzdem mal wieder Spass gemacht! :wink:
Selbstverständlich klauen Dir Ausländer Deinen Job! Aber wenn Dir jemand ohne Geld, Kontakte und Sprachkenntnisse Deinen Job wegnehmen kann, bist Du vielleicht einfach nur Scheiße!“ Louis C.K.
Que hora son mi corazon! (Manu Chao)

AlterMann
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Beitrag von AlterMann »

Hallo blockka04!

Wir scheinen ähnliche Interessen zu haben – da trifft man sich hin und wieder wieder! :lol:
Karlheinz Rabas muß noch warten – das dauert länger!
Dat isset ja: Gelsenkirchen und die Stadtteile haben über die Jahre eine komplizierte Entwicklung durchgemacht, so daß man die Frage, wo die Grenze zwischen Schalke und der Altstadt liegt, ohne Erläuterungen nicht stellen sollte.
Das Beste wäre wohl, immer eine Jahreszahl zusätzlich anzugeben verbunden mit der dringenden Empfehlung, die Stadtgeschichte Gelsenkirchens gründlichst zu studieren!
Weil ich schrecklich pingelig bin, möchte ich gern Deinen Satz "Die Grenzstr. bildet immer noch die Grenze zwischen der Gem. Gelsenkirchen und der Gem. Schalke." umwandeln in "Die Grenzstr. bildete die Grenze zwischen den ehemaligen Gemeinden Gelsenkirchen und Schalke.", damit es für den Leser leichter wird.
Aber wer weiß schon, ob er das, was er meint, auch sagt, und ob der Zuhörer das versteht, was gemeint ist! Zwischenmenschliche Kommunikation kann entsetzlich schwierig sein!!! Aber deshalb schreiben wir uns hier ja was!
Wenn ehemals selbständige Ortschaften durch Eingemeindungen zusammengeschlossen werden, besteht ja eigentlich keinerlei Notwendigkeit, die Grenzen zu verändern, vor allem nicht Jahrzehnte später, wie aber hier geschehen. Deshalb ja meine Anfrage!
AlterMann

AlterMann
Abgemeldet

Beitrag von AlterMann »

Karlheinz Rabas hat geschrieben:einen langen Text von Jochen Koenen (siehe 3 Beiträge zurück!)
Hallo Karlheinz Rabas!

Das ist viel mehr Antwort als ich Fragen gestellt habe, aber sehr interessant! Durch den Artikel sind Erinnerungen geweckt und bestätigt worden. Das Wichtigste aber: Für die Grenzverschiebung im Stadtzentrum gibt es einen plausiblen Grund, und darauf, daß dieser in der fernen Feldmark liegt, muß man nicht unbedingt kommen! Danke dafür!
Wenn innerhalb einer Stadt ein neuer Stadtteil entsteht, wächst er nicht wie ein Kropf nach außen, sondern benachbarte Stadtteile müssen Gebiete abtreten. Vergleichszahlen vorher-nachher habe ich nicht gefunden, die nachfolgende Übersichtskarte mußte ich erst einmal anfertigen. Sie zeigt die Stadtteile (Stand 1926), die Gebiete an den neuen Stadtteil abgetreten haben: Heßler, Schalke und Rotthausen (unvollständig) – rot eingegrenzt die Feldmark.
Flächenmäßig scheint Rotthausen den größten Teil hergegeben zu haben, die Einwohnerzahl Rotthausens wird sich nur unmerklich verändert habe, denn in westlicher Richtung gesehen war auf der Zeppelin-Allee an der Schwarzmühle das bebaute Gelsenkirchen zu Ende, an der Essener Straße (heute Feldmarkstraße) etwas später. Man war dort im Freien, die Feldmark lag in der Ferne, zwischen der Essener Straße und den ersten Häusern der Feldmark z.B. lag ein riesiges Feld, auf dem in den 30-er Jahren noch Getreide angebaut wurde. Der Beitrag des Stadtteils Heßler: Wenig Fläche und wenig Menschen!
Schalke hat ein großes Gebiet abgetreten, das im Osten schon dicht bebaut war und das die Straßen und Häuser um die Feldmark-Kirche herum, also die damals schon inoffiziell existierende Feldmark, enthielt. Das war nach meiner Schätzung der größte Beitrag an Einwohnern, für den wohl durch die Verschiebung der Stadtteilgrenze Schalke/Altstadt ein Ausgleich geschaffen werden sollte.

Nun noch etwas anderes:
Es gab 'zu meiner Zeit' mehrere Ortsbezeichnungen, mit denen ich (andere auch) nicht viel anfangen konnte, weil sie in Karten nicht verzeichnet waren und Hinweisschilder nicht aufgestellt waren. Man kannte die ungefähre Lage, Grenzen und Ausdehnung waren unbekannt: Feldmark (Richtung Flugplatz), Haverkamp (irgendwo in Bismarck), Hüllen (hinter Bulmke). Sutum habe ich außerhalb Gelsenkirchens vermutet, weil ich im fernen Buer – oder war es in Gladbeck? – zufällig eine Sutumer Straße entdeckt hatte. Erle – ja, Resse – ja, Resser Mark – nie gehört!
Noch etwas – die Beckhausener (oder heißt es Beckhäuser?) mögen mir verzeihen: Trotz großer Anstrengungen kommt mir keine Erinnerung an "Beckhausen"! Kann es sein, daß vor dem Zusammenschluß von Gelsenkirchen und Buer innerhalb Buers schon Vereinigungen von Ortsteilen stattgefunden haben, sodaß Beckhausen als Name gar nicht mehr existierte? Es würde mich beruhigen – Hoffnung habe ich allerdings nicht!
AlterMann
Bild
Zuletzt geändert von AlterMann am 16.02.2010, 22:47, insgesamt 2-mal geändert.

postminister
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Beitrag von postminister »

@ AlterMann
In diesem Zusammenhang fällt mir der verschwundene Stadtteil
Buer Holthausen ein. Am buerschen Rathaus gibt es eine Bronzetafel
die die historischen Stadtteile von Buer darstellt. Es gab hier auch schon
mal irgendwo ein Foto dieser Tafel. Der räumliche Nachfolger von Holthausen war Buer
Hugo. So weit ich weiss, war aber Buer Hugo nie ein offizieller Begriff.

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

[center]
postminister hat geschrieben: Am buerschen Rathaus gibt es eine Bronzetafel
die die historischen Stadtteile von Buer darstellt.
Bitte sehr :D Bild
[/center]
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

postminister
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Beitrag von postminister »

Ich hatte mit dir gerechnet Micha. Danke. :ja:

AlterMann
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Beitrag von AlterMann »

postminister hat geschrieben:@ AlterMann
In diesem Zusammenhang fällt mir der verschwundene Stadtteil
Buer Holthausen ein.
Meine Befürchtung: Nicht Beckhausen war (vielleicht) verschwunden, sondern meine Erinnerung!
AlterMann

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Ich denke übrigens nicht, das es sich bei den auf der Tafel genannten Teile um Orts bzw. Stadtteile handelt.
Es waren doch eher dieBauernschaften
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

AlterMann
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Beitrag von AlterMann »

  • Schalkes Expansion in Richtung Süden (Siehehier!) mit dem neu gegründeten Stadtteil Feldmark in Zusammenhang zu bringen ist vielleicht nicht ganz falsch, ganz sicher aber auch nicht ganz richtig bezw. vollständig, denn gerade habe ich entdeckt, daß in Kanal-Nähe ein weiterer neuer Stadtteil – Schalke-Nord – gegründet worden ist, und zwar auf Kosten von Heßler, Schalke und Bismarck. Im Gelsenkirchener Stadtgebiet (ohne Buer) scheint nur die innerstädtische Grenze zwischen Rotthausen und Ückendorf noch am alten Platz zu sein.
    Gelsenkirchen (ohne Buer) hat also seit einer umfassenden Gebietsreform zehn Stadtteile, zwei mehr als vorher.

postminister
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Beitrag von postminister »

@Heinz O
Laut dem Verein für Orts und
Heimatkunde hatte Buer im Jahre 1818
gerade einmal 3344 Einwohner. Von Stadtteilen
kann man da wirklich nicht sprechen.

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brucki
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Beitrag von brucki »

Ich habe hier ein Schriftstück von der Firma

[center]Herbert Ackermann Spezialbefestigungen aller Art - kurz "HAST"[/center]

Sie muß zwischen 1958 und 1966 ihren Sitz in Gelsenkirchen gehabt haben. Vorher Essen, hinterher Borken.

Sie exisitert noch immer (http://www.h-ackermann.de/)

Weiß jemand, wo diese Firma sich befunden hat? Ich habe schon in den Adressbüchern an die ich rankommen konnte geguckt, aber leider ohne Erfolg. :( Ich hoffe Ihr könnt helfen :D

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Heinz H.
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Frölich & Klüpfel in Buer?

Beitrag von Heinz H. »

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und auch nochmal nachfragen:
Heinz H. hat geschrieben:Firmengeschichte Frölich & Klüpfel

http://www.f-u-k.de/de_firmengeschichte.phtml

In der Chronik von F+K steht, dass nach 1914 eine Zweigniederlassung von Essen nach Buer verlegt worden ist und 1925 als F+K Werk 3 Schachtbeschickungseinrichtungen sowie Förderbandanlagen produziert hat. In den GG’s bin ich nicht fündig geworden.

Wer weiß mehr darüber?
"Gelsenkirchen kann wirklich froh sein, dass es Buer hat."
Dr. Peter Paziorek

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