Friedrich Geldbach - Flanschenfabrik

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romeospider
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Re: Friedrich Geldbach - Flanschenfabrik

Beitrag von romeospider »

Nun an der Stadt Gelsenkirchen hat es wirklich nicht gelegen. Es sind (wie in den meisten Fällen) Managementfehler... Übrigens in der Leithestraße 59 (davon muss noch erzählt werden) wohnte ein Josef Schlerkmann (Technischer Angestellter bei der Rheinelbe Bergbau AG in der Abteilung F), der heiratete eine Tochter von Friedrich Geldbach und wurde 1983 sogar Geschäftsführer der Friedrich Geldbach GmbH. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre boomte dieses Unternehmen geradezu und hatte einen Exportanteil von mehr als 40% (USA). Dieser Exportboom war aber schließlich der Auslöser für die Fehlentwicklung des Unternehmens überhaupt. Man glaubte, den Niedergang des inländischen Marktes (80% Bergbau usw) mit Massenflanschen auffangen zu können und versäumte den Übergang zu Spezialflanschen für Atomkraftwerke usw., die eine hohe Qualitätssicherung erforderlich machten. Man hatte zwar ein relativ teures Qualitätssicherungsverfahren eingeführt, aber die Mitarbeiter nicht wirklich mitgenommen. Eine Lohnart "Tonnengeld" und ein damit verknüpftes Massendenken (das Gewicht, die Masse machts) war nicht aus den Köpfen zu verbannen.
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rapor
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Re: Friedrich Geldbach - Flanschenfabrik

Beitrag von rapor »

Hat nichts mit der Verwaltung der Stadt zu tun, sondern mit unserer Stadt allgemein. Ich hab seit vielen Jahren das gefühl, es geht nur noch bergab
Sogar als Schalke noch ein Positvfaktor war. Und wir Zoom haben und MIR und eine 5 Stationen U-Bahn. Ich hatte mir mal mehr versprochen.
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brucki
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Re: Friedrich Geldbach - Flanschenfabrik

Beitrag von brucki »

romeospider hat geschrieben:
24.12.2020, 11:02
Nun an der Stadt Gelsenkirchen hat es wirklich nicht gelegen. Es sind (wie in den meisten Fällen) Managementfehler... Übrigens in der Leithestraße 59 (davon muss noch erzählt werden) wohnte ein Josef Schlerkmann (Technischer Angestellter bei der Rheinelbe Bergbau AG in der Abteilung F), der heiratete eine Tochter von Friedrich Geldbach und wurde 1983 sogar Geschäftsführer der Friedrich Geldbach GmbH. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre boomte dieses Unternehmen geradezu und hatte einen Exportanteil von mehr als 40% (USA). Dieser Exportboom war aber schließlich der Auslöser für die Fehlentwicklung des Unternehmens überhaupt. Man glaubte, den Niedergang des inländischen Marktes (80% Bergbau usw) mit Massenflanschen auffangen zu können und versäumte den Übergang zu Spezialflanschen für Atomkraftwerke usw., die eine hohe Qualitätssicherung erforderlich machten. Man hatte zwar ein relativ teures Qualitätssicherungsverfahren eingeführt, aber die Mitarbeiter nicht wirklich mitgenommen. Eine Lohnart "Tonnengeld" und ein damit verknüpftes Massendenken (das Gewicht, die Masse machts) war nicht aus den Köpfen zu verbannen.
Sehr interessant! Vielen Dank für den Einblick! :2thumbs:

romeospider
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Re: Friedrich Geldbach - Flanschenfabrik

Beitrag von romeospider »

Friedrich Geldbach und die Bierfass-Strategie 1981 - Teil 1

Ja, es war Montag, der 18. Mai 1981. Wir hatten sonniges Wetter, wenngleich bei zu niedrigen Temperaturen.
Der Vorstand des Unternehmens war gerade aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt und wurde von Teilen der
Belegschaft mit Spannung erwartet. Es stand ja viel auf dem Spiel. Wird es weiter so aufwärts gehen. Werden wir gute Aufträge aus den USA bekommen können oder müssen wir die Produktionskapazitäten und damit die Belegschaft 'runter' fahren? - Schon kurz nach der Ankunft des Vorstandes, wusste schon ein Jeder auch im letzten Winkel des Unternehmens, ob Schmiede, Dreherei, Versand usw. Bescheid. Wir hatten Aufträge für die nächsten zwei Jahre. Es konnte gefeiert werden, aber es wurde nicht gefeiert. Die Anspannung war einfach zu groß gewesen.
Am nächsten Tag bekamm der Leiter des Einkaufs, Herr Ahrend, den Auftrag, den dringlichsten Wunsch der Amerikaner nach 3 großen Fässern Bier sofort zu erfüllen. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass das aber gar nicht so einfach war. Der Export von Lebensmitteln in die USA war streng reglementiert... und erst recht beim Thema Alkohol waren die Amerikaner sehr pingelig.

Unser Einkaufsleiter aber war wieder einmal -wie immer- innovativ. "Wir packen die 3 Fässer Bier mitten in den nächsten Container mit Flansche!" - Und so wurde das Werk unter größter Geheimhaltung im Detail geplant. Es wurden Zeichnungen angefertigt, die Dämmung ausgewählt und die Art der Beladung festgelegt. Vorsorglich wurden die Gesellschafter informiert und der Betriebsratsvorsitzende, Herr Pandollek, eingeweiht.
Bei der Auswahl des Personals, die die Container beladen sollten, kam es zum erbitterten Streit. Die einen wollten unbedingt nur Antialkoholiker einsetzen und schlugen türkische Mitarbeiter vor. Es stellte sich aber schnell heraus, dass das kein guter Plan war. Der stellvertrende Betriebsvorsitzende, Herr Yilmaz, wollte für keinen türkischen Mitarbeiter die Hand ins Feuer legen. Letztlich hatte man aber drei griechische Mitarbeiter ausgewählt, definitiv Weintrinker und die Bier verabscheuten. Als Aufpasser wurde der Probenspezialist, ein junger Ingenieur aus der Qualitätssicherung, bestimmt. Das sollte sich allerdings noch als ganz großer Fehler herausstellen, da er sich völlig unterfordert fühlte.

Und es nahte der Tag der Beladung. Ein Samstag, damit die Anzahl der Neugierigen gering blieb, war schnell gewählt. Irritiert waren allerdings die Beladetruppe und der Ingenieur als Aufseher, als sie den obersten Finanzchef, Herrn Lommel, den Werkshof hereinfahren sahen. Was will der denn wohl, dachten sie. Aber schnell waren sie alle beruhigt. Herr Lommel stellte einen Kasten Bier hin und meinte, ... wenn der Durst allzu groß werden sollte. Und er sollte Recht behalten. Schon nach kurzer Zeit waren die ersten Flaschen ausgetrunken, der Aufpasser war aber mit dem Arbeitsfortschritt zufrieden und ging in sein Büro, um liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen. Von dieser Tätigkeit war er so gefangen, dass das Beladungsende des Containers ihm angezeigt werden musste. Er ging also wieder hinaus, liess den Container noch einmal öffnen. Mit einer Taschenlampe leuchtend konnte er das Helle des Styropors nur ganz leicht erkennen und war zufrieden. Er dankte den Mitarbeitern und verabschiedete sich endlich ins Wochenende.

Am kommenden Montag gab es eine aufgeräumte Postbesprechungsrunde. Man huldigte geradezu dem Geschäftsführer und seinem Wachhund, den Einkaufsleiter für das Gerissensein beim Bier/Flansche/Container-Abenteuer. Man wollte sich schon fast keinem anderen Thema mehr widmen. Man ging auseinander und doch wollte so keiner wieder normal arbeiten. Doch schnell faxte der Einkaufsleiter die frohe Botschaft nach Amerika und bekam auch alsbald überschwenglichen Dank und das Lob, wirklich raffiniert zu sein.
Dann aber kehrte der Alltag ein und man hatte das Thema schon vergessen als aus Amerika ein Fax eintrudelte mit der Frage, wann der Container mit dem Bier wohl geliefert werden würde, da bis jetzt noch nichts angekommen sei.

>>>>>>>>>>>>> Teil 2 folgt bald <<<<<<<<<<<<<<<<<<<
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