Ricarda-Huch-Gymnasium

Schulzeit und Schulen in verschiedenen Epochen

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pito
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Beitrag von pito »

Erst durch dieses Zeitschichtenbild habe ich begriffen, warum das alte Tor verschwunden ist. Der linke "Mauerpfosten" ist heute einen halben Meter oder mehr nach links versetzt und das Tor dadurch breiter geworden. Vermutlich musste man das machen, weil es die Zufahrt für die Feuerwehr ist, und Feuerwehrautos heute sicher größer sind als in den 20ern. In die breitere Einfahrt passte das alte Tor natürlich nicht mehr hinein. Warscheinlich kam es einfach auf den Müll. :roll:

pito
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Beitrag von pito »

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tiborplanet_de
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Beitrag von tiborplanet_de »

Jeh!In dem Bauteil links hat sich aber viel geändert!Da ist doch die Aula drin?!

Melone
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Beitrag von Melone »

Nein, die Aula ist im Gebäudeteil rechts über der Sporthalle.
In Search of Sunrise.

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

Als das Ricarda noch ein Mädchengymnasium war:

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Kalle Mottek
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Beitrag von Kalle Mottek »

Die schule wurde damals in sexistischer Art und Weise "Schraubenbunker"genannt.
Völlig unmöglich!

Schönen Gruß

Kalle Mottek
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tiborplanet_de
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Beitrag von tiborplanet_de »

Melone hat geschrieben:Nein, die Aula ist im Gebäudeteil rechts über der Sporthalle.
Tjaor,genau den hab ich gemeint.
Wie war das noch?:Lechts und Rings kann man nicht verlechtseln...

Grundsätzlich bin ich ja dafür das es überall schön grün ist.Nur manchmal nimmt das überhand.Man sieht ja von der schönen Fassade garnichts mehr :(

Männlein
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Beitrag von Männlein »

Kalle Mottek hat geschrieben:Die schule wurde damals in sexistischer Art und Weise "Schraubenbunker"genannt.
Völlig unmöglich!

Schönen Gruß

Kalle Mottek
In mehreren Jahrzehnten werden Erinnerungen oft etwas unklarer.
Ich war mir vor einigen Monaten, Thema Wannerstraße, absolut sicher.
Das Eckhochhaus, es müßte Böghlingshof sein, hatte den Namen Schraubenburg. Wohl wegen der Unterbringung zahlreicher Lehrerinnen des Gymnasiums.
Den Namen Schraubenbunker für das Ricarda höre ich zum erstenmal.
Ich bin auch sicher, dass ich damals, so 1960/10 J. mit dem Begriff Sexismus noch überhaupt nichts anfangen konnte. 1960 gab`s ihn jedenfalls noch nicht!

Ich wäre auch später nie auf eine solche Idee gekommen, denn unsere Angebeteten kame doch fast alle vom Ricarda. Und aus reiner Jungengymnasiumsicht waren da kaum Schreckschrauben dabei.
Das hätten sich nur absolut Chancenlose getraut, jeder andere hätte es sich doch mit den Mädels dieser Verwahranstalt für immer verscherzt.
So ist das in meiner Erinnerung haften geblieben.
Ein wenig "von oben" wurde das Ricarda aber wegen seines hauswirtschaftlichen Zweiges betrachtet.
Das waren die sehr begehrten Damen mit dem "Puddingabitur". Die konnten halt auch was Pratisches...oder ist das jetzt wieder in Richtung Sex....
Gruß Männlein

pito
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Beitrag von pito »

Männlein hat geschrieben:Das Eckhochhaus, es müßte Böghlingshof sein, hatte den Namen Schraubenburg.
In den 50ern hatte dieses Haus den Spitznamen "Wolkenkratzer", weil es das erste und höchste moderne Haus der ganzen Gegend war.

Babsi
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Beitrag von Babsi »

Da hatte ich 13 Schuljahre das Ricarda-Huch-Gymnasium besucht und fast nebenan gewohnt und nie etwas vom Schraubenbunker gehört. Es ist schon interessant, was ich so alles mit einer Verspätung von fast 35 Jahren erfahre.

Vielleicht noch eine Erklärung zum sogenannten Puddingabitur. Wenn man sich für diesen Zweig entschied, wählte man für Klasse 7 (damals noch Quarta) das Fach Französisch statt Latein und musste dann nach der 10. Klasse das Ricarda verlassen und die Oberstufe am Annette-von-Hülshoff-Gymnasium absolvieren. Also, mit Kochen u.ä. hatte das auch nicht so viel zu tun.
Heute führt eine solche Schulbildung natürlich auch zur allgemeinen Hochschulreife.

Gruß
Babsi

pito
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Beitrag von pito »

Babsi hat geschrieben:... nie etwas vom Schraubenbunker gehört. ...
Na logisch, das ham sich die Jungs erzählt, wenn ihr nicht dabei wart. :lol:

pito
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Beitrag von pito »

Lehrer am Ricarda-Huch-Gymnasium in den 90er Jahren. Wo anfangen? Am besten mit der Klassenlehrerin:

Frau Zimmermann-Sutcliffe
Deutsch, Englisch, Philosophie, Sport

Vielleicht der Idealtypus einer Lehrerin. Menschlich, fördernd, fordernd. Vor allem in Deutsch regte sie immer zu Kreativität an, gründete mit ein paar Leseratten einen "Lese-Schreib-Club" und brachte uns den Limerick, sowie den Haiku nahe.
Auch gefilmt haben wir. Mal einfach so zur Erinnerung und Dokumentation, aber einmal auch einen richtigen Film mit Drehbuch. Ich war Scriptboy. Leider hatte nachher niemand den Nerv das "Machwerk" zu schneiden, so daß der Welt dieser Film erspart blieb.
Eines Tages erzählte Frau Zimmermann, sie habe einen merkwürdigen Traum gehabt. Darin hätten wir uns aus Draht und Pappmaché einen neuen Klassenkameraden gebastelt. Aus Anlass einer Projektwoche wurde dieser Traum dann in die Tat umgesetzt. Wir formten den Korpus aus Kaninchendraht, matschten feuchtes Papier drauf und zogen dem Kerl ein altes Jacket an. So saß er dann ziemlich lange hinten in der letzten Reihe, bis er eines Tages infolge pubertärer Anflüge dran glauben mußte.
Ein anderes mal brachte Frau Zimmermann einen originalen englischen Bowler mit und wir machten eine Fotoreihe. Jeder kriegte den Bowler auf den Kopf und guckte möglichst vornehm in die Kamera. Eine schöne Portraitreihe.
Mit ihrem internationalen Doppelnamen wollte Frau Zimmermann-Sutcliffe übrigens nur ungern angesprochen werden, weshalb sich zwischen ihr und der Klasse ein Morgen-Ritual entwickelte. Wir grüßten immer: "Guten Moooorgen Frau Zimmermann-Sutcliffe.", worauf sie jedesmal antwortete: "Zimmermann reicht."


Herr Gießelmann
Mathe und Erdkunde

Nun gleich zum Gegenteil: der schlimme Mathelehrer. Um's gleich zu sagen, ich möchte hier niemanden diskriminieren, vor allem nicht Herrn Gießelmann. Denn er war zwar der Typ "Saure Gurke", der oft unangebracht hart reagierte und bei niemandem beliebt war, doch er war auch eine so zwiespältige Figur, dass er einem manchmal eher leid tat. Er war eigentlich ein sehr freundlicher Mensch, der mit seiner Klasse gerne mehr Spaß gehabt hätte. Er konnte es aber nicht. Jeder Lehrer legt sich irgendwann einmal eine Strategie zurecht, mit der er aufmüpfigen Schülern entgegentritt und bei ihm war es leider Härte und Unnahbarkeit. Er kam da einfach nicht raus. Oft wurde sein Gesicht hart und seine Stimme laut. Einmal steigerte er sich zwei Tage nacheinander in einen Wutanfall hinein und ließ Sechsen regnen, bis wir ihn einfach boykottierten. Muss für ihn schlimm gewesen sein. Seine harte Fassade nahm ihm letztlich niemand ab. Denn er konnte ja auch sehr nett sein. Dann sprach er mit flötender Stimme und erzählte mit leuchtenden Augen von seinem Lieblings-TV-Programm: der Augsburger Puppenkiste.


Herr Sutcliffe
Englisch, Sport

Der Mann von Frau Zimmermann. Ein guter, freundlicher, kollegialer Lehrer. Einziges Problem: er unterrichtete uns in der falschen Alterstufe. Denn wir waren verquere Pubertierende und er ein echter Brite. Also etwas zurückhaltend, trocken und mit einem speziellen Humor ausgestattet. In einer Unterrichtsreihe über Australien sprachen wir über die dortigen Gifttiere. Schlangen, Spinnen, Echsen und vor allem das giftigste von allen, die Killer-Qualle (Killer-Jellyfish). Und über die kriegte Herr Sutcliffe sich einfach nicht mehr ein, fand sie unheimlich komisch und ließ keine Gelegenheit aus, Witze über den Killer-Jellyfish zu machen. Worüber wir alle nur müde lächeln konnten.
Mehr als einmal hielt er uns (für britische Verhältnisse) flammende Vorträge und forderte uns auf, doch endlich aus der Lethargie zu erwachen, Interesse und Engagement zu zeigen und mehr am Unterricht teilzunehmen. Er meinte es so gut und hatte ja so recht. Aber mit seinem Versuch, unseren Stolz zu kitzeln erreichte er irgendwie nur das Gegenteil. Und so aufregend war sein Unterricht nun wahrlich nicht.
Dennoch, guter Mann.


Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert -
Geschichte, Französisch

Die allererste Geschichtsstunde. Die Tür geht auf und wir warten gespannt, wie dieser neue Lehrer wohl sein wird. Er bleibt in der Tür stehen und fragt freundlich: "Wollt ihr nicht aufstehen?" Wir gucken uns verwundert an. Da schreit er mit spitzer Stimme: "Aufstehen!". Und zack, wir stehen.
Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - war einer dieser Lehrer, die man nicht mehr vergisst, denn er war einer der letzten vom alten Schlage. Bei keinem anderen Lehrer mussten die Schüler noch zur Begrüßung aufstehen. In seiner beruflichen Anfangszeit hat er sicher noch mit der Klatsche hantiert und auch in der modernen Zeit wußte er sich Respekt zu verschaffen. Er war ein kleiner krummer Mann, der auch Regimentsführer hätte sein können.
Mit Vornamen hieß er Adolph und es ging die Geschichte um, ein Schüler habe mal eine scheußliche Bemerkung über diesen Vornamen gemacht, was mit einem Schulverweis endete. Überhaupt bot dieser Lehrer natürlich viele Ansatzpunkte für heimlichen Spott. Man tuschelte über Mundgeruch, Spuckeflug und das unter dem Hemd durchschimmernde Unterhemd.
In seinem Unterricht war höchste Aufmerksamkeit angebracht, denn seine freundliche Stimme konnte jederzeit in den Befehlston umschlagen. Dementsprechend gut lernten wir bei ihm. Es war ein Unterricht mit einer heute verlorenen Qualität, wie immer man das auch bewerten möchte. Wenn man sich zu Wort meldete, musste man darauf achten immer ganze Sätze zu formulieren. Ruhr-Slang ließ Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - nicht durchgehen.


Fortsetzung folgt ...

Josel
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Beitrag von Josel »

@pito

hoffentlich hast Du nichts dagegen, wenn ich Deine Gedanken zu Herrn Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - fortspinne.

Ich kenne Herrn Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - noch von seiner Zeit am Gymnasium im Schulzentrum, wo neben ihm auch seine Frau tätig war. Außerdem war sein Sohn dort Schüler; vielleicht kennt Axel O. den noch persönlich. Eine seiner Referendarinnen war die spätere RHG-Lehrerin Frau Schankin, was man gelegentlich auch in ihrem Geschichtsunterricht erkennen konnte, wenn man das wusste.

Da es am Ende in Ückendorf nicht mehr all zu viele Lehrer gab, habe ich viel Zeit mit Herrn Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - verbracht. Schon damals „gab“ er den gestrengen Lehrer; er ließ uns aufstehen und in vollen Sätzen antworten, und so mancher hatte mit diesem ungewohnten Stil anfangs so seine Probleme. Als wir alle zum Ricarda mussten, war er zwischen dem besonderen Lehrerschlag, den Herr Funcke dort um sich versammelt hatte, so etwas wie ein Englishman in New York. Mancher der dortigen Lehrer war z.B. geradezu beleidigt, wenn man ihn nicht duzen wollte; für Herrn Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - kam das nie in Betracht.

Irgendwann lud er uns zu sich nach Hause nach Bochum ein; und allerspätestens dort wurde dem Letzten klar, dass hinter dieser Fassade ein ganz anderer Mensch steckte – eben kein antiquierter Spießbürger, als der er manchmal gern abgestempelt wurde. Er war – das weiß ich heute – einer der besten Lehrer, die ich je hatte. Er hatte – was möglicherweise mit diesem Vornamen nicht allzu einfach war – irgendwann in den 50/60ern Französisch in Frankreich studiert und deshalb eine Aussprache, an die keiner der damaligen RHG-Französisch-Lehrer auch nur annähernd heranreichte. Noch heute sehe ich ihn vor mir bei einem seiner Lieblingsthemen: Der Aussprache des im Französischen häufigen „lui“. Als Deutscher spricht man das gern so aus, wie die Franzosen nur „Louis“ aussprechen würden – und so führte Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - Jahrgang für Jahrgang seinen Kampf für dieses kleine Wörtchen – mitsamt den von Pito beschriebenen Spuckefäden.

Auch in Geschichte gab es keine Mätzchen. Der von einer dem Feminismus nicht abgeneigten RHG-Lehrerin geleitete Geschichts-LK setzte sich mit der Hexenverfolgung in Gelsenkirchen-Horst auseinander; wir lernten parallel im Grundkurs die französische Revolution rauf und runter. Wer jemals seinen Unterricht zum Dritten Reich gehört hat, musste schon ein ziemlicher Hurkator sein, um Witzchen über seinen Vornamen zu machen oder gar aus seinem Vornamen auf eine politische Einstellung zu schließen. Klar war sein Unterricht oft auch „Pauken“ von Daten. Aber er war – wie auch Pito es empfunden hat – effektiv, und ich profitiere von diesem Wissen noch heute.

Dass Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - die Entwicklungen der modernen Pädagogik jedenfalls in seiner Praxis schlichtweg ignorierte, mögen manche für einen Fehler halten. Er stand aber immer dazu und war – anders als so manche andere moderne Pädagogen – jedenfalls damals weit davon entfernt, sich mit einem Burn-Out-Syndrom in psychatrische Behandlung begeben zu müssen.

Von mir ein tief empfundenes "Danke!" an ihn.

J.
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axel O
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Beitrag von axel O »

ch kenne Herrn Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - noch von seiner Zeit am Gymnasium im Schulzentrum, wo neben ihm auch seine Frau tätig war. Außerdem war sein Sohn dort Schüler; vielleicht kennt Axel O. den noch persönlich. Eine seiner Referendarinnen war die spätere RHG-Lehrerin Frau Schankin, was man gelegentlich auch in ihrem Geschichtsunterricht erkennen konnte, wenn man das wusste.
Was für ein Zufall.....

Heute morgen mußte ich in der Zeitung lesen, dass Adi Klein im Alter von 75 Jahren verstorben ist.
Ich hatte wenig Berührungspunkte mmit ihm, da ich zum einen der Lateinfraktion angehörte, zum anderen den Geschichtsunterricht bei Ute Breuer hatte.
Mir war Herr Klein - sein Vertrag wurde auf eigenen Wunsch nicht verlängert - als durchaus positive Erscheinung in Erinnerung geblieben, der sich Respekt vor allem damit erwab, dass von seinem Unterricht ob seiner Qualität beim "gemeinen Schööler" etwas hängenbleib.
Schade....es gab wenige Lehrkörper wie ihn (wohl den einen oder anderen Leerkörper)

Josel
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Beitrag von Josel »

Das ist ja tatsächlich ein merkwürdiger Zufall - war mir wirklich nicht bekannt.

Wer gedenkt seiner denn da? Die Lehrerschaft des RHG?

J.
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