Die fabelhafte Kiosk Welt

Geschäfte, Handwerker und Betriebe, die keinem Stadtteil zugeordnet werden können

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Verwaltung
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Die fabelhafte Kiosk Welt

Beitrag von Verwaltung »

Obwohl hier eine Tante Emma vorkommt, ist natürlich kein "Tante Emma Laden" gemeint!

Unseren Kiosk an der Straßenkreuzung nannten alle " den Egon " .
Egons Kiosk war in einem Ecklädchen untergebracht und dort gab es alles, was das Kinderherz so erfreute: Eis ( natürlich auch Wassereis -viele kennen es unter dem Namen Schlaucheis ), Schokolade ( die "Rolloschokolade" ), Klümpchen, Kaugummis, Micky Maus, Yps mit Gimmick - das ganze Programm, sogar "Mini-Humor" ( ein Witzbuch im Miniformat. Die Witze waren alle so "naja", interessiert waren wir Kröten aber immer an den halbnackten Titelmädchen auf der Vorderseite und Egon packte diese Heftchen immer in Augenhöhe an seine Scheibe) :
Wo war ich? Ach, ja: Danke, Egon!
Egon konnte sich irgendwann nicht mehr alleine um sein Büdchen kümmern und er stellte eine "Tante Emma" ein. Sie war über 60, hatte graues Haar und eine rieeeesen Brille. Ihren richtigen Namen kenne ich bis heute nicht, aber sie hat mir in all den Jahren viele Geschichten erzählt.
Mit 14 hatte ich ja schon meine heutige Frisur, die Stehhaare.Bürstenschnitt - nennt es, wie ihr wollt.
Mein Dad war natürlich nicht so begeistert, der wollte immer, daß ich eine "ordentliche Frisur" trage ( bei diesem Spruch schob er dann immer die Haare über den Ohren mit seinen Händen in Richtung Hinterkopf...)
Jedenfalls muß dieses Thema unsere Nachbarschaft, aber auch irgendwie "Tante Emmas" Herz bewegt haben.
Eines Tages ( ungefähr ein Jahr später ) erzählte sie mir unaufgefordert von ihren Kindheitserlebnissen. Sie wuchs in einem kleinen Dorf im Münsterland auf und mußte immer mit dem Fahrrad zur Schule. "Das war schon etwas Besonderes" , sagte sie. "Frauen durften ja damals noch gar nix, nicht wählen gehen und so etwas, noch nicht einmal Radfahren durften wir!"
Weil ihr Schulweg aber unglaublich lange gedauert hätte und es sonst nur die "zu Fuß- Möglichkeit" gab, hatte sich ihr Vater im Punkt "radfahren" großzügig und weltoffen gezeigt und erlaubte es ihr, mit seinem Herrenrad zur Schule zu fahren.

...es dauerte nicht lang, da musste sie feststellen, wie ungeeignet diese langen Damenröcke auf so einem Herrenrad doch sind.
Praktisch, wie "Tante Emma" halt so war, zog sie sich am darauf folgenden Tag eine Hose an. Sie wollte vermeiden, daß sich ihr Rock in der Kette verzumpelt. "...Und der Wind zwischen den Beinen war dadurch auch Weg..." , fügte sie ihren Ausführungen noch hinzu.
Jedenfalls machte sie sich auf den Weg. Die Leute in ihrem Dorf waren entsetzt. Die Rückfahrt von der Schule muß schrecklich gewesen sein.
Mit Tränen in ihren Augen berichtete "Tante Emma" vom angespuckt werden und Steinwürfen der Dorfbewohner.
"Alles nur wegen meiner Hose, mein Junge..., sagte sie ( natürlich immer noch mehr als nur empört).
"Mein Vater konnte mich davor nicht beschützen und ich durfte sein Rad nicht mehr benutzen." Sie nahm meine Hand und es kullerte aus ihr heraus: " Und deshalb, mein Junge... Wenn du verdammt noch einmal meinst, daß diese Haare da auf deinem Kopf schön und richtig sind...laß sie dir von niemanden verbieten! "
"Wie ging es denn weiter?" , fragte ich mit weit geöffnetem Herzen.
"Naja, ich bin eine ganze Stunde früher aus dem Haus gegangen und mußte zur Schule laufen...
...hinter dem Ortsausgang holte ich die Hose aus meiner Tasche und zog mich um! In der Schule war ich bis zum Schluß das einzige Mädchen mit Hosen..."
"Tante Emma", ich vermisse dich und: Danke für das Gespräch !

Fuchs

pito
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Beitrag von pito »

Niedergang einer Bude
Über den Kiosk Ecke Kirchstraße / Böhlingshof

Ganz früher war das die Bude der Else Prang, einer Frau, die bei uns im Haus wohnte, und in der Bude quasi alles verkaufte. Deshalb hieß der Laden im Volksmund auch "Klein-Karstadt".

Später zu meiner Zeit, saß in der Bude eine dicke Frau. Rauchte wie ein Schlot, sprach mit ebenso rauchiger Stimme und wenn sie lachte (fett) zog sie hinterher die Luft durch die Nase wieder ein, was sich anhörte wie ein Schwein. Irreal. Aber sie war eine liebe Tante. An uns Kindern muss sie ein Vermögen verdient haben. "Einmal gemischte Bonbons für 50 Pfennig." "6 Lakritzlutscher, bitte."
Ihre Eistruhe war bodenlos. Sie hatte alle Klassiker, wie Ed von Schleck, Langnese-Happen, dieses feine Milcheis mit der Kuh auf dem Papier und ein rot-weiß-gestreiftes, dessen Namen ich doch tatsächlich vergessen habe. Und natürlich Wassereis. Diese simplen Eisstangen mit Geschmack in einem Plastikschlauch. Auf unserem Hof war es im Sommer üblich, das Wassereis in die Sonne zu legen, bis es komplett flüssig war, und es dann zu trinken. Aber erst mal musste man den Schlauch aufkriegen. Keine Schere zur Hand, also aufgebissen. Dieses Plastik schmecke ich noch heute.
Und Panini-Bildchen gabs natürlich auch. Wir waren mal einen Sommer in einem wahren Sammel- und Tausch-Wahn.
In der Bude gab es auch einen kleinen Tresen. An dem standen manchmal bis spätabends so komische Typen in Ballonseide, süppelten ein Bier nach dem anderen und legten ihre Weltanschauung dar. Die Bude war sozialer Mittelpunkt für diese einsamen Gestalten.

Eines Tages blieb die Bude zu. Es ging in der Straße rum, dass die Budenfrau gestorben sei. Lungenkrebs. Gewundert hat das niemanden.

Danach kam eine jüngere Frau. Es war nicht mehr dasselbe, aber zumindest hat sie noch ein paar Jahre die Bude für uns geschmissen und gemischte Bonbons verkauft, bis sie dann wieder zumachte. Lange lange gabs keine Bude.

Dann hat's nochmal einer probiert. Ein Mann, ich glaube der war arbeitslos und wollte sich mit der Bude eine Existenz aufbauen. Hat sich emsig bemüht, die Bude rausgeputzt, war zu jedem superfreundlich, begrüßte einen stürmisch und erzählte Witze. Zum Beispiel warum er einen Bart hatte: "Weil mein Hammerstiel abgebrochen ist." Verwirrte Blicke. "Zum Bartschneiden brauche ich den Hammer. Mit dem klopfe ich nämlich die Barthaare durch das Kinn nach innen und knabbere sie mit den Zähnen ab."
Der wollte die Bude als sozialen Ort wieder erwecken. Sich als lustiger Buden-Onkel in die Herzen schleichen. Aber abgenommen hat's ihm keiner. Irgendwie war der zu aufdringlich und peinlich. Und dann hat er sich so Sachen geleistet. Kindern, die vorbeigingen, einfach ein Bonbon hingehalten. Obwohl doch jedes Kind lernt, nichts von Fremden anzunehmen. Merkwürdig das Ganze. Naja, irgendwann konnte er die Miete nicht mehr zahlen und weg war er.

Und das wars. Seitdem keine Bude mehr. Bestimmt 10 Jahre ist das Rollo jetzt runter. Klar, es gibt kaum noch Kinder. Rundrum wohnen fast nur noch Senioren. Wie sollte so eine Bude da laufen. Hat nicht einer Lust es nochmal zu probieren? Jemand der sich zu seinem Hartz4 was dazuverdienen will? Der eine soziale Aufgabe sucht? Die Bude ist da! Holt sie euch!

Männlein
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kiosk

Beitrag von Männlein »

Speziell für Bulmker!
Bin inder Hohenzollernstraße aufgewachsen, direkt gegenüber der heutig en Emma-Schule. War früher ein freier Platz. Da wo die Schule steht,waren die Kriegsruinen des alten Wohnungsamtes. Das gesamte Gebiet war nicht ungefährlich für uns Kinder, doch abenteuerlich ohne Ende. Am schönsten war aber die Bude auf der Ecke Hohenzollernstraße/ Emmastraße. Freistehender quadratischer Ziegelbau, ca. 4x4m, auf drei Seiten verglast, um die schönsten Kostbarkeiten bestaunen zu können. Gegenüber Tante Emma: Sonnenschein, so hieß der Laden. Bunkersanierung Emmastraße war schon damals ein Thema. Noch was: Bei uns hießen die immer Selterbude,
ganz wichtig: ohne S am Ende. Selbst der Landkartennachweis auf den Ort Selters änderte daran nichts. Dabei gab es das gar nicht, sondern Hellweg-Quelle und Burgwallbronn.
Gruss Männlein

wespe171
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Beitrag von wespe171 »

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Zuletzt geändert von wespe171 am 07.04.2007, 21:23, insgesamt 1-mal geändert.

Josel
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Beitrag von Josel »

Einer meiner Lehrer, der aus Bayern stammte und das wegen seiner Sprachfärbung auch noch nach vielen Jahren in GE nicht verbergen konnte, regte sich fast wöchentlich darüber auf, dass diese Kioske hier gern Trinkhallen genannt werden, obwohl sie doch das genaue Gegenteil von Hallen sind. Woher dieser Begriff kommt, konnten wir nie klären.

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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

Josel hat geschrieben:Einer meiner Lehrer, der aus Bayern stammte und das wegen seiner Sprachfärbung auch noch nach vielen Jahren in GE nicht verbergen konnte, regte sich fast wöchentlich darüber auf, dass diese Kioske hier gern Trinkhallen genannt werden, obwohl sie doch das genaue Gegenteil von Hallen sind. Woher dieser Begriff kommt, konnten wir nie klären.

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Ihr habt euch von nem Bayern unterichten lassen????
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Josel
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Beitrag von Josel »

Detlef Aghte hat geschrieben:Ihr habt euch von nem Bayern unterichten lassen????
Konntet ihr euch die Herkunft eurer Lehrer aussuchen? :lol:

Aber wir hätten ihn auch dann behalten; er war sicherlich einer der beliebtesten am so erbärmlich zu Grabe getragenen Gymnasium im Schulzentrum Ückendorf.

Dieser kleine denkmalgeschützte Pavillion in der Neustadt, der uns in einem anderen Strang beschäftigt, müßte meines Erachtens hier auch nochmal mit Photo Erwähnung finden. War das nicht auch ursprünglich ein besonders schickes "Büdchen"?

J.
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Verwaltung
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Kiosk an der Bokermühlstraße

Beitrag von Verwaltung »

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Hier ist der unter Denkmalschutz stehende Kiosk in der Neustadt / Bokermühlstrasse

Heinz
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Toleranz gefordert

Beitrag von Heinz »

Nun ist Toleranz gefordert, da ich das Stadtgebiet um wenige hundert Meter nach Wanne überschritten habe, um diese Aufnahmen zu machen. :wink:
Aber wo sonst als im Heimatmuseum Wanne gibt es so schöne stillstehende Strassenbahnen, den Kiosk mit Waren und die alten Wohnungseinrichtungen.. 8)
Leider war heute mein Unglückstag, deshalb sind auch diese Aufnahmen nicht so wie ich sie gerne hätte. Vielleicht zieht es den einen oder anderen von euch noch einmal da hin, um bessere Aufnahmen vor allem von der Warenauslage des Kiosks zu machen. :roll:


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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Ich bin durch dieses Forum auf das Heimatmuseum aufmerksam geworden und muß sagen: es lohnt sich !
Hier ein paar Fotos:
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es gibt aber noch viel mehr zu sehen !

ich kann nur sagen: klein aber fein, sowas fehlt (leider) in Gelsenkirchen (oder vertue ich mich da ?)

Adresse:Unser-Fritz-Str. 108
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Detlef Aghte
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Selterbude

Beitrag von Detlef Aghte »

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wo gezze? anne Seltersbude :)
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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

@Detlef

Hallo Detlef,
eins verwundert mich: Ich meine hier gelesen zu haben, dass Du in München lebst. Wenn ja, wundern mich Deine aktuellen Fotos aus Gelsenkirchen. Bist Du so oft hier?

Das ist natürlich keine Kritik, sondern einfach nur Staunen.

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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

Ego-Uecke hat geschrieben:@Detlef

Hallo Detlef,
eins verwundert mich: Ich meine hier gelesen zu haben, dass Du in München lebst. Wenn ja, wundern mich Deine aktuellen Fotos aus Gelsenkirchen. Bist Du so oft hier?

Das ist natürlich keine Kritik, sondern einfach nur Staunen.
Da schmeißt du was durcheinander Josel.ich bin der Mann!! aus Marienheide,der andere ist das Männlein aus München :wink:

Und von hier aus bin ich in einer Stunde an der Arena

gruß Detlef
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Gast
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Beitrag von Gast »

Da schmeißt du was durcheinander Josel.ich bin der Mann!! aus Marienheide,der andere ist das Männlein aus München Wink

:rofl3:

:idea: :pssst: :left:

Detlef Aghte



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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

Hallo Detlef,
da habe ich dann wirklich alles durcheinander gebracht.

Aber langsam verliere ich hier im Forum auch den Überblick - die "alten Bekannten" melden sich seltener, dafür steigt die Zahl der vielen "Gäste".
Wobei dann im Text wieder viele "Gäste" als "alte Bekannte" erkennbar sind.

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