Montag 6. November 1944, 14 Uhr

Bekannte und unbekannte Orte in Gelsenkirchen

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4cholvski
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Beitrag von 4cholvski »

hier mal der antrag des ehepartners (antragsdatum 29.september 1952)

ehem. ge. wanner str. 55 schadentag 06.november 1944



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4cholvski
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Beitrag von 4cholvski »

hier der bescheid v. 25.märz 1958 (anschlußbescheid)

entschädigungsleistung: dm 1.400,--


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4cholvski
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Beitrag von 4cholvski »

anmerkung:

walzer und wanner str. lagen seinerzeit im zentrum der bombenabwürfe -

allet war platt !!

(fast alles !!)

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Bionda
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Beitrag von Bionda »

Im letzten Sommer ist ja mal auf dem Friedhof Kirchstraße eine Kriegsbombe gefunden worden.

Da kam mir Gedanke, dass doch bestimmt während des Krieges manchmal auch Friedhöfe von Bomben getroffen worden sind. Kamen dann die bestatteten Leichname an die Oberfläche?

Vor Jahren habe ich mal eine tote Katze am Straßenrand gesehen. Ein Auge lag ihr auf der Nase. Ich war davon ganz betroffen und habe das meiner Mutter erzählt. Meine Mutter sagte darauf zu mir: „So was habe ich bei Menschen gesehen.“

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Beitrag von GELSENZENTRUM »

Bionda hat geschrieben:Im letzten Sommer ist ja mal auf dem Friedhof Kirchstraße eine Kriegsbombe gefunden worden.

Da kam mir Gedanke, dass doch bestimmt während des Krieges manchmal auch Friedhöfe von Bomben getroffen worden sind. Kamen dann die bestatteten Leichname an die Oberfläche?

Vor Jahren habe ich mal eine tote Katze am Straßenrand gesehen. Ein Auge lag ihr auf der Nase. Ich war davon ganz betroffen und habe das meiner Mutter erzählt. Meine Mutter sagte darauf zu mir: „So was habe ich bei Menschen gesehen.“
Ja, sie kamen dadurch teilweise wieder an die Oberfläche. Sozusagen Stückchenweise, du verstehst?

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Bombenangriffe vom 6. November 1944 - Nekropole Schalke

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Die Bombenangriffe vom 6. November 1944 - Strassenkarte Nekropole Gelsenkirchen-Schalke
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Erklärungen zu den nummerierten Positionen

1: Kaiserstraße 71, (Heute: Kurt-Schumacher-Straße) Wohnhaus und Praxis Dr. Hans Kassner (Augenarzt); Familie Paul Krause. Eigentümer: Herdfabrik Küppersbusch. Gegen 14:30 Uhr durchschlug eine (geschätzte) 20-Zentner-Bombe das Gebäude bis in den Keller.

2: Gebäude des Feuerwehrmuseums, Kaiserstraße 67. Keller ausgebaut zum öffentlichen Luftschutzkeller. Anwesend ca. 30 Personen, darunter Mathilde Krause mit Kindern Hildegard und Joseph; Frau Kassner (Ehefrau des Dr. Hans Kassner); Frau ten Hompel (Ehefrau des Amtsgerichtsrats Ludwig ten Hompel, Kaiserstraße 73; Dr. Kirchmeyer (praktischer Arzt, Kaiserstraße 69). Die 1 Tonne schwere Sprengbombe, die im Haus Kaiserstraße 71 niederging, explodierte schätzungsweise 10 m vom Gebäude des Feuerwehrmuseums entfernt, wobei das Haus des Dr. Kirchmeyer als Pufferzone diente.

3: Eckhaus Kaiserstraße/Grillostraße. Ladengeschäft Drogerie Schmitz. Hier schlug vermutlich eine weitere Sprengbombe ein; denn das Gebäude war total zusammengestürzt. Wiederum diente das Haus zwischen Drogerie Schmitz und Feuerwehrmuseum, nach meiner Erinnerung eine Gastwirtschaft, als Puffer gegen den Schutzraum unter dem Feuerwehrmuseum. 2 oder 3 Tage später wurde von Rettungskräften aus dem Keller der Drogerie Schmitz eine noch lebende Frau, die allerdings total verbrannt schien, geborgen. Sie wurde auf dem Bürgersteig deponiert. Die Sprengbombe detonierte mithin 10 m von unserem Keller, falls sie die Gaststätte getroffen hatte, oder ca. 20 m von uns entfernt, falls sie im Haus der Drogerie Schmitz niedergegangen war.

4: Eckhaus Grillostraße/Schalker Straße mit Rückfront zur Kaiserstraße. Schuhgeschäft der Frau Ziegler, einer Freundin meiner Mutter. Hier verbrannten: Frau Ziegler, ihre 21jährige (?) Tochter, die Tante der Ursula Rademacher und das Baby der Tante. Da sich die Keller-Insassen nicht selbst befreien konnten, steht fest, daß das Haus durch Spreng- und Phosporbomben einstürzte und in Brand geriet. Der Explosionsherd von dieser Seite her war somit ca. 20 oder 30 m vom Feuerwehrmuseum entfernt.

5: Die in nassen Decken eingehüllten (5 oder 6 ?) Flüchtlinge, die während des Bombardements von der Rückseite in den Luftschutzkeller unter dem Feuerwehrmuseum kamen, konnten wegen der Detonationen und Brandflächen nur den kürzesten Weg von ihrem Standort benutzt haben. Damit steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu vermuten, daß an der Position 5 gleichfalls eine Sprengbombe eingeschlagen war, d.h. in ca. 20 m Distanz zum Keller unter dem Feuerwehrmuseum.

6: Haus mit Praxis des Dr. med. Kunze, Kinderarzt oder HNO-Facharzt. Gegenüber der Kaiserstraße 71 (Dr. Kassner). Auf unserer Flucht vom Feuerwehrmuseum zum "Zuckerhut" auf dem Schalker Markt sahen wir, wie das gesamte Gebäude zusammengebrochen war und lichterloh brannte. Das indiziert, daß auch dort eine Sprengbombe eingeschlagen war, ergo ca. 20 m von unserem Keller im Feuerwehrmuseum entfernt. Da das Haus des Dr. Kunze gleichfalls ineinander gestürzt war, konnte sich die von uns beobachtete, brennende Frau am Fenster im 1. Stockwerk nur im Gebäude rechts von Dr. Kunze befunden haben.

7: Gebäude Ecke Grillostraße und Anton-Hechenberger-Straße, zuvor Viktoriastraße, jetzt Königsberger Straße. Pfarrhaus der katholischen Gemeinde St. Joseph Gelsenkirchen-Schalke. Im Hauskeller anwesend u.a.: Pfarrer Franz Konrad Hengsbach, dessen Schwester Pauline Hengsbach, Volksschulrektor Heinrich Rettier (später einer meiner Lehrer an der Schule Caubstraße, Schalke-Nord) mit Gattin. Die Eheleute Rettier retteten sich, obwohl Heinrich Rettier am Arm schwer verletzt wurde, wodurch sein rechter Arm auf Dauer verkrüppelt war. Konrad Hengsbach wurde durch Phosphor am Ohr verletzt. Pauline Hengsbach wurde unter herabgestürzten Balken eingeklemmt, konnte nicht mehr befreit werden und verbrannte qualvoll bei lebendigem Leib. Entfernung der Bombenexplosion vom Feuerwehrmuseum: ca. 30-40 m.

8: Schalker Markt. Standort des legendären Spitzbunkers "Zuckerhut".

9: Eckhaus Schalker Markt/Gewerkenstraße. Gaststätte "Bei Mutter Thiemeyer". Vereinslokal von Schalke 04. Die Gewerkenstraße war ein riesiger, nicht passierbarer, brennender Trümmerberg, soweit das Auge reichte. Das Schalke-04-Vereinslokal mit Geschäftsstelle und "Kaiserhalle" brannte wie Zunder. Während die Flammen wüteten, kippten völlig durchgeknallte Personen hier und im Nebenhaus aus den Fenstern ganze Möbelstücke , die dann auf dem Boden zerschellten.

10: Krypta der katholischen Pfarrkirche St. Joseph. Anwesend u.a.: Genoveva Krause mit den Geschwistern Paula, Benno und Herbert. Das Kirchengebäude war durch Sprengbomben bis auf die Außenmauern ineinander gestürzt und verschüttete die Insassen. Die beiden Kirchtürme brannten lichterloh und drohten bei unserem Ausbruch aus dem Feuerwehrmuseums-Keller auf die Straße zu stürzen, so daß wir in Richtung "Zuckerhut" liefen.

11: Eckgebäude Grillostraße/Schalker Straße. Ehemaliges Schuhgeschäft des jüdischen Händlers Jampel, Freunde meiner Mutter Mathilde Krause. Hier war ich mit meiner Mutter ortsanwesend am 9. November 1938 in der sogenannten "Reichskristallnacht". Wir wurden von SA-Uniformierten mit Gewalt aus dem Haus getrieben. Die Schaufenster des Ladenlokals wurden zertrümmert und die Auslagen auf den Bürgersteig geworfen.

12: Eckhaus Grillostraße/Schalker Straße. Geschäftshaus der Fa. Haushaltswaren Philipp Heinrich. In diesem Hause wohnte die Familie des Wilhelm Ferlmann, der den Pater Vell denunzierte, was zu dessen Todesurteil vor dem "Volksgerichtshof führte.

13: Grillostraße 57. Katholisches Vereinshaus (Gesellschaftshaus) der Gemeinde St. Joseph. Im hinteren Gebäudebereich befand sich das Dionysius-Stift, das von den "Dernbacher Schwestern" geführt wurde (Arme Dienstmägde Jesu Christi). Eines der Zimmer des Dionysius-Stifts bewohnte P. Herman Joseph Vell. Hier fand die Hausdurchsuchung durch die Gestapo statt, und hier wurde er verhaftet. Bei meinen Recherchen zur Biographie des P. Vell behauptete die noch lebende, frühere Küchenschwester Maria Salviana, sie hätte "den Namen dieses Herrn noch nie gehört". Ich hörte bei dem vorerwähnten Telefonat, wie jemand der Schwester Salviana soufflierte. Ehemalige Scherznamen für Schwester Salviana: "Schwester Kochlöffeliana" und "Schwester Schokoladine".

14: Wohnhaus des Gymnasialdirektors Dr. Johannes Schönhauer. Teilweise noch bewohnbar trotz einer ins Haus eingeschlagenen Brandbombe. Erster Unterschlupf der Familien Kassner und Krause nach mehreren Nächten in den Trümmern. Hier wurde meine Mutter Mathilde Krause von Schönhauer der Plünderung bezichtigt, und hier hat man sie in Gewahrsam genommen.

15: Auf der Rückseite des Wohnhauses des Dr. Schönhauer, aber noch auf demselben Grundstückstreifen wie dieses, lag die nicht ganz demolierte Turnhalle des Adolf-Hitler-Gymnasiums. Diese Turnhalle wurde als Leichenhalle umfunktioniert, um die Bomben-Toten des 6. November 1944, Körperteile, verbrannte Fleischklumpen, die mal Menschen waren, abzulegen. In einem meiner frühen Gedichte, das ich auf einer "Herner Begegnung" (1958?) vortrug, woraufhin Walter Erasmy meine Rezitation im WDR sendete, schrieb und sprach ich vom "Sülz des namenlosen Schmorens". Ich glaube, dieser zusätzliche Eintrag zum Leichenschauhaus Schalker Straße wäre wichtig, schon allein deshalb , um diesen Platz als Gedenkstätte zu markieren. Vielleicht läßt sich an diesem Ort eine Erinnerungstafel aufstellen.

Lebensgeschichtliche Erinnerungen des Zeitzeugen Joseph P. Krause, mit freundlicher Genehmigung.

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6. November 1944 - 65 Jahre danach

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Der 6. November 1944 in Gelsenkirchen

Allein an jenem 6. November Vor 65 Jahren starben im Stadtgebiet von Gelsenkirchen 518 Bürgerinnen und Bürger bei den beiden größten Luftangriffen, die die Stadt im zweiten Weltkrieg heimgesucht haben. Nicht miteingerechnet wurden dabei die Opfer unter den aus west- und Osteuropa zusammengetriebenen Sklavenarbeitern und Arbeiterinnen, die auch hier in Gelsenkirchen wie anderswo, in den so genannten "Arbeitslagern" meist schutzlos dem Bombenhagel ausgesetzt waren, ebensowenig wie all die anderen, von den Nazis aus ideologischen Gründen Verfolgten Menschen, die ebenfalls im Bombenkrieg getötet wurden.

Wir dürfen heute das Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges 1940-1945 in Deutschland nicht einfach faschistoiden Gruppierungen überlassen. Praktiziertes, öffentliches Gedenken an die Bombenopfer soll ein eindeutiges Signal in Richtung neofaschistischer Organisationen und Gruppierungen sein, die heute den Schrecken und das Leid von einst für ihre Zwecke missbrauchen wollen.
"Ich hingegen gehöre zu den Zeitzeugen am Tatort der Zeitgeschichte, zu den Überlebenden des grauenvollsten, höllischsten Tages der Gelsenkirchener Chronik, des 6. November 1944, des Tages, an dem mein Geburtsort Schalke in flammendem Inferno unterging, als 738 RAF- Bomber in zwei Angriffen - mittags und abends - tausende von Tonnen Spreng- und Brandbomben als "Bombenteppiche" über der "Stadt der tausend Feuer", die sie an jenem unheilvollen Tag wurde, ausklinkten und Kaskaden an Phosphor auskübelten, als Gelsenkirchen in einem riesigen Feuersturm verglühte, als die Schwester des Schalker Pfarrers Konrad Hengsbach, Pauline, zwischen herabgestürzten Balken bei lebendigem Leib verbrannte. Ich litt inmitten der Schreie der Sterbenden, des Blutes und der Fleischfetzen zerrissener Körper. Und ich sah als Teil verzweifelter, vor Schmerz und Verzweiflung irrsinnig gewordener Menschen am Schalker Markt, wie das traditionelle Vereinslokal von Schalke 04, die Gaststätte der legendären "Mutter Thiemeyer", in einem gigantischen Feuerorkan zerbarst, während wir uns in den total überfüllten "Zuckerhut" zwängten, hineingetrieben von Feuersbrünsten und detonierenden Bomben."
Zitat aus dem Augenzeugenbericht "Die Luftangriffe am 6. November 1944 - Nekropole Gelsenkirchen-Schalke" :
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 8806#98806

rammi
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Registriert: 16.03.2009, 15:12

Ausweis für Total-Fliegergeschädigte

Beitrag von rammi »

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rammi
Der Mann, der den Berg abtrug,
war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.
(China)

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Karlheinz Urmersbach erinnert sich

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Der Ückendorfer Karlheinz Urmersbach, Jahrgang 1928, berichtet 65 Jahre nach den Bombenangriffen vom 6. November 1944 von seinen Erlebnissen an diesem Tag:

http://www.gelsenzentrum.de/bombenangriff_1944.htm

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"Wir flehten G'tt um Erbarmen an"

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Joseph P. Krause berichtet vom 6. November 1944:

http://www.bild.de/BILD/regional/ruhrge ... en-an.html

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Buerelter
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Wohnort: Zweckel bei Scholven

Beitrag von Buerelter »

Sehr knapper und verknappender Artikel. Dazu in der Unterschrift noch sachlich falsch:
Die Stadt Gelsenkirchen war seit Beginn des Krieges ein wichtiges Ziel für alliierte Bomber. Hauptgrund: Die Hydrierwerke Scholven, Horst und Nordstern. Dort wurde aus Steinkohle synthetischer Treibstoff hergestellt, der für die deutschen Truppen unentbehrlich war.
Nordstern war kein Hydrierwerk, sondern die Zeche die die Gasflammkohle für die Kohlehydrierung von Gelsenberg lieferte. Wie die Zeche Scholven für das Hydrierwerk Scholven.

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