Schloß Berge

Herrschaftliche Bauwerke aus alter Zeit

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

@Herr Sause:
Bitte lade dein Bild aus Geschwindigkeitsgründen hier auf die Seiten.

Dankefür.
Interoperabel!

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

nomma dankefür :wink:
Interoperabel!

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Hammer, Brause!
:respekt:
Interoperabel!

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »

Während meiner Dienstjahre im Schloß (Mövenpick) hatte ich im Sommer manchmal das Vergnügen im Pavillon Eiswaffeln zu backen (mmmhhhh... ich sach Euch, der Teig war der Hit ) und verkaufte neben bei echtes Mövenpick Eis (mmmhhhh... ich sach Euch, Espresso-Krokant war der Hit).Bild
War jedesmal eine angenehme Schicht: draussen an der Luft, den Teich samt Fontäne vor Augen und meist gelassene Spaziergänger.

Wer weiß wo?Bild

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »

nö, dat isse nich!

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Heinz H.
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Beitrag von Heinz H. »

kleinegemeine01 hat geschrieben:nö, dat isse nich!
Du bist aber ganz schön gemein...! :wink:
"Gelsenkirchen kann wirklich froh sein, dass es Buer hat."
Dr. Peter Paziorek

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »

richtig
dann mache doch bitte beim nächsten Spaziergang mal ein Foto... im Ganzen habe ich die Hütte nämlich auch nicht.

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

[center]Bild
Die Aufnahme wurde vmtl. von Ernst Goltz um 1974 gemacht[/center]
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

tenkalla
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Beitrag von tenkalla »

Schade, dass Schloss Berge nach Übernahme durch die Stadt Gelsenkrichen so gelitten hat: Man vergleiche die alten historischen Aufnahmen mit dem jetzigen Zustand: Die Torpfeiler an der Brücke beseitigt, die klassizistischen Steinvasen und Steinkugeln auf Brücke und Hofnmauer beseitigt (wo sind sie abgeblieben ?), die ursprüngliche Attika des Schlossgebäudes mit dem Wappen gekürzt, bzw. stark verändert und der alten Uhr beraubt. Im Inneren kaum noch eine einzige originale Zwischenwand vorhanden, kein einziger alter Türstock, kein einziger alter Kamin, alle alten Treppenhäuser komplett beseitigt. Ein echter Jammer. Eigentlich nur noch eine bloße tote Hülle ... .

Da lob ich mir Schloss Horst, Haus Lüttinghof und selbst Haus Leythe. Das Leyther Herren- bzw. Pächterhaus stammt zwar erst aus der Zeit um 1820, hat aber immerhin seine alte Raumaufteilung nebst Originaltreppe und offenem Dielenkamin beahrenb können.

LG - Matthias

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buebchen59
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Impressionen rund ums Schloß

Beitrag von buebchen59 »

11.04.2009:
Bild Schloß Berge im Sonnenlicht

Bild Kaffee und Kuchen am Pavillion


Bild Die Frühlingssonne genießen
Schön war die Zeit...

salife
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Beitrag von salife »

Bild
Diese Aufnahme von Schloss Berge stammt aus einer Bilderserie, die von der Stadt Gelsenkirchen zur 2. Sitzung des Kulturausschusses des Städtetages NRW im März 1955 zusammengestellt wurde.

Wolf
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Beitrag von Wolf »

Werbung 1965
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Heinz H.
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Charly Lafontaine

Beitrag von Heinz H. »

Wolf hat geschrieben:Werbung 1965
Bild
gutenberg hat geschrieben:… Bei Karstadt schmiss die umschwärmte Jutta LF die Parfümerieabteilung und…
Quelle: Die wilden 60er -Beat Bands aus GE
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 10069a6d77


Charly war der Vater von Jutta...
"Gelsenkirchen kann wirklich froh sein, dass es Buer hat."
Dr. Peter Paziorek

Wolf
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Beitrag von Wolf »

Inmitten der Großstadt Gelsenkirchen, wo die Erde unter der Wucht der Arbeit erzittert, der Tag im Rhythmus des Schaffens fiebert, und die Nacht im Licht von über tausend Feuern glüht, liegt in der Nähe des Berger Sees Schloß Berge, versteckt hinter hohen Bäumen, umgeben von breiten Wassergräben, umsäumt von anmutigen Teichen und herrlichen Parkanlagen, jedoch abseits der herrschenden Schönheit der modernen Technik und des lauten Verkehrs.
Bild
Dieser altehrwürdige Rittersitz, ein Kleinod des Industriegebietes seit 1924 im Besitz der Stadt ist infolge der jüngst vorgenommenen großartigen Renovierung wieder eine wahre Volkserholungsstätte und ein Juwel des Ruhrgebietes geworden, ein Wanderziel für jung und alt, das in so unmittelbarer Nähe, der Autobahn auf der langen Strecke zwischen Hannover und Köln nicht wieder zu finden ist.
Die alte Wasserburg kündet vielhundertjährige Geschichte. Sie war lange Zeit Hauptsammelpunkt des Geschehens in unserer Heimat, ein Zeuge von Lust und Leid in überreichem Maße. Krieg und Kriegsgeschrei haben sie umtobt. Uralter Groll und genährter Haß belauerten ihre Gräfte und Zugänge. Oft jedoch hallten ihre Sääle wider von rauschenden Festen und fröhlichem Frohlocken, klangen die Becher und rollten die Würfel. Kaiser, Könige und Minister, aber auch Dichter und Künstler fanden hier oft eine gastliche Stätte und nahmen reichen Anteil an den Jagden und Wildpferdefängen im weiten Emscherbruch. Hörige und leibeigene Bauern dienten den Burgherren und füllten die Scheunen und Ställe mit ihren Abgaben an Korn und Vieh und sorgten dafür, daß die Waldungen um Berge gepflegt und die Aecker bestellt und abgeerntet wurden. In Kriegs -und Fehdezeiten war die feste Burg ein sicherer Hort. Aus all den Stürmen der Zeit, aus Freud und Glanz, Kummer und Not sind die Reste dieser alten Wasserburg, das dreiflügelige Schloß, einige Wirtschaftsgebäude, die Burggräben und der gut angelegte- Schloßgarten auf uns gekommen. Diese ehrwürdigen Zeugen einer längst vergangenen Zeit zu erhalten und zu pflegen, ist das Vermächtnis unserer Vorfahren und Vorgänger an uns. Sie haben den Lebensraum, unsere Heimat, durch harte und ausdauernde Arbeit erobert und die Daseinsbedingungen für das jetzige Geschlecht geschaffen.
Für die Heimatfreunde in Stadt und Land und für alle die in Gelsenkirchen und Umgebung eine neue Heimat gefunden haben. aber auch für die heimatkundlich interessierten Besucher dieser historischen und modernen Volkserholungsstätte soll hier an Hand der alten vergilbten Urkunden und Akten des Archiv von
Haus Berge in kurzen Zügen von der Entstehung, der Entwicklung, dem Aus- und Umbau und der Erhaltung der Wasserburg und des daraus hervorgegangenen Schlosses Berge berichtet werden; aber auch von der langen Kette der Handlungen und Taten, die das Leben der Burgherren und Ritter von Haus Berge und der Bauern und Kötter vom Buerschen Berge und im Emscherbruch umschließt.

Die ersten Siedlungen am Buerschen Berg.
Schloß Berge liegt in der alten Bauernschaft Erle, aus der der heutige Stadtteil gleichen Namens hervorgegangen ist. Als die ersten Siedler als landsuchende Germanen das fruchtbare, gras- und waldbedeckte Gebiet zu beiden Seiten der Emscher in Besitz nahmen, wurde am Südabhange des Buerschen Berges das Dorf Erle gegründet.
In der Nachbarschaft von Erle entstand im Tal der Springe die Siedlung Buer. Ortbeck, Reste, Beckhausen, Bülse und Devese wurden an anderen Becken angelegt, die ebenfalls in Springen des Buerschen Berges entsprangen und Menschen und Tieren das lebensnotwendige Wasser zuführte. Holthausen und Heege, umgeben und eingehegt von Wald und Gebüsch, schützen das Dorf gegen starke Winde. Art oder in anderen Lohen des Buerschen Berges und seinen Abhängen entstanden die Waldsiedlungen Scholven, Hassel, Eckeresse, Löchter, Losten und Darl.
Alle Fluren, die außerhalb dieser Siedlungen und ihrer Ackerländereien lagen, bildeten die gemeine Mark oder Allmende, den gemeinsamen Besitz der Bauern, der von ihnen als Wald und zur Schweinemast oder als Weide und Hunde für ihre Pferde, Rinder und Schafe genutzt wurde. Der größte Teil der Allmende führte von altersher den Namen Berger Mark.

Die Gründung der Wehrburg Berge.
Nach der Eroberung unserer Heimat durch (den mächtigen Frankenkaiser)) Karl den Großen wurden die Bauern am Buerschen Berge von den Inhabern der in der Folgezeit gegründeten geistlichen und weltlichen Großgrundherrschatten und von den nach Besitz und Macht strebender- Landesherren abhängig. Die Dienstmannen oder Vasallen, die als Reiter (Ritter) in den Heeren dieser Herren oder als Inhaber von Hofämtern ihren Gebietern dienten, erhielten als Lohn oder Lehen von ihren Dienstherren für treue Dienste geeignete Höfe oder Plätze mit der Erlaubnis, dieselben zu befestigen.
Abseits des Dorfes Erle, aber noch auf dem Grund und Boden seiner Bauernschaft, gründete ein Vasall der Grafen v. Limburg, die im Raume von Buer und Gelsenkirchen reichen Besitz an Höfen und anderen Liegenschaften erworben hatten, vor dem 12. Jahrhundert eine Wasserburg: in einer Delle auf der Südseite des Buerschen Berges ganz in der Nähe der Quelle des Berger Baches. Der Boden, den man bei der Anlage der Stauteiche und Burggräben gewann, diente zur Anlage der Burgwälle und zur Erhöhung des Burgplatzes. Vor der Burg wurde im Tal des Berger Baches eine Wassermühle angelegt.
Die Wohnung des Ritters, das sogenannte „feste Haus" wurde aus Bruchsteinen erbaut. Ueber das ursprüngliche Aussehen der Burg Berge liegen keine bestimmten Nachrichten mehr vor. Alte Flurnamen und Platzbezeichnungen des später veränderten Burggeländes und noch erhaltene Reste der alten Umwehrungen lassen vermuten, daß die erste Burg Berge versteckt hinter zwei mit Zugbrücken versehenen Burggräben lag, zwischen denen sich die durch aufgeworfene Erdmassen gebildeten Wälle hinzogen; und weiter, daß der hinter Wall und Graben liegende Burghof von einem Zaun, der aus dicken, oben zinnenartig zugespitzten Holzplanken bestand, geschützt wurde.
Wie auf anderen alten Rittersitzen in unserer Heimat, so wird auch auf der alten Wasserburg Berge in der Mitte des umwehrten Burgplatzes ein fester, aus Steinen errichteter Turm gestanden haben, um den sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude gruppierten. Ein solcher Turm diente als Bergfried oder Luginsland.
In diesem wasserumwehrten festen Hause, Haus Berge genannt, lebten jahrhundertelang die Herren von Berge als Ritter, deren Kinder und Kindeskinder immer wieder zum Stande der Ritter, des Dienst-, Land- oder niedrigen Adels gehörten.

Die Burg- und Schloßherren.
Die Herren von Berge (1248-1433) und ihre Kinder nannten sich nach ihrem Stammsitz Haus Berge bei Buer, das wahrscheinlich seiner Lage wegen diesen Namen führte. Die Burgherren besaßen Haus Berge als Allodialgut, d. h. als freies Eigentum und vererbten es als solches ihren Kindern und Kindeskindern.
Irmgard v. Deypenbrock, die Gemahlin des letzten Burgherren aus dem Geschlechte v. Berge auf Haus Berge, verkaufte im Jahre 1433, da ihre Ehe kinderlos war, alle Güter, die sie von ihrem Gemahl geerbt hatte, dem Ritter Heinrich v. Backem auf Haus Leythe bei Buer und befahl den Inhabern der Bergen Lehnshöfe, dem neuen Besitzer zu huldigen. Infolge dieses Verkaufes kam Haus Berge in den Besitz der Herren v. Backem (1433-1521).
Die Herren von Backem nannten sich nach dem Stammsitz ihres Geschlechtes, der in der Nähe des Dorfes Backem, Backem oder Backum im Veste Recklinghausen nordwestlich von Herten lag. Haus Leythe bei Buer, ein Offenhaus des Fürstbischofs von Köln, gelangte im Jahre 1377 in den Besitz der adeligen Familie v. Backem. Heinrich v. Backem zu Leithe, der 1433 Haus Berge käuflich erwarb, galt als der reichste Rittergutsbesitzer im Veste Recklinghausen.
Als Dietrich v. Backem zu Leithe von Adrian Sobbe von Grimberg auf dem Wege zur Kirche in Buer hinterrücks ermordert worden war, ließ Jörgen v. Backem auf Haus Berge an der Mordstelle ein Mahn- oder Sühnekreuz errichten, das im Volksmunde „Backeros Krüz" genannt wurde. Das heute arg verstümmelte Kreuz aus Sandstein steht am Straßenrand kurz vor der Gastwirtschaft Seifen in Buer (in der Ecke des Gartenzaunes beim Hause Cranger Straße Nr. 31). Mit dem Tode des einzigen Sohnes des Jörgen v. Backem auf Haus Berge und seines Vetters Dietrich v. Backem auf Haus Leithe erlosch der Mannesstamm der Herren v. Bäckern. Alleinerbin von Haus Berge wurde nun Hartlieb, die Tochter des Burgherrn Jörgen v. Backem zu Berge, die den Ritter Georg v. Boenen heiratete, der aus einem mächtigen Adelsgeschlecht der Grafschaft Mark stammte.

Die Reichsgrafen v. Westerholt-Gysenberg auf Haus Berge.
Ludolf Friedrich Adolf v. Boenen, Freiherr, einer der unmittelbaren Nachfahren dieses Adelsgeschlechtes, vermählte sich 1770 mit Wilhelmine Franziska, der Erbtochter der am 16. August 1790 in den Reichsgrafenstand erhobenen Familie v. Westerholt Gysenberg, deren Namen und Wappen ihm durch kaiserliches Diplom vom 27. Juli 1779 verliehen wurde. Ihr Sohn, Reichsgraf Maximilian Friedrich v. Westerholt Gysenberg auf Haus Berge, ist Begründer der Linie Westerholt-Arenfels, die im Besitz von Schloß Berge blieb, bis es im Jahre 1924 an die Stadt Buer verkauft wurde.

Bau und Ausbau von Schloß Berge.
Der als Wehrburg angelegte Rittersitz Berge wurde nach der Erfindung des Schießpulvers - wahrscheinlich zur Zeit des Burgherrn Georg v. Boenen (um 1550) - als Wohnburg oder Schloß um- und ausgebaut. An der Stelle der alten Rundburg entstand eine rechteckige Burganlage mit einem ausgedehnten Grabensystem, das die Insel der Hauptburg mit dem Schloß, die Vorburg, den Burggarten und die Burg- wiese umschloß. Auch die alten Wohn- und Wirtschaftsgebäude mußten verschwinden. Auf dem alten Burgplatz wurde der Bergfried abgerissen. Auf einer quadratischen Insel von 40 Meter Seitenlänge ließ der Burgherr sein Herrenhaus von drei aneinanderstoßenden zweigeschossigen Flügeln errichten, das sich hufeisenförmig nach Südwesten öffnete. Die dickwandigen Außenmauern dieses Gebäudes und brusthohe Mauerzüge ersetzten von nun an den ehemaligen Plankenzaun des Burghofes. Wie fast überall auf den Rittersitzen unserer Heimat, so entstanden auch auf dem alten Burggelände von Berge aus den dunklen, hinter hohen Erdwellen und tiefen Gräben versteckten unfreundlichen Festungswerken lichtdurchflutete Wohnhäuser, die von nun an nicht mehr der eisengepanzerte Ritter, sondern der landeingesessene Adel mit seinen verfeinerten Lebenssitten und gesteigerten Wohnansprüchen bewohnte. Die Erdwälle, die der Wehrburg zuvor den ersten Schutz gaben, wurden abgetragen, damit der Blick aus den Kreuzfenstern weit und ungehindert über Gräben und Wiesen in die Landschaft schweifen konnte. Nur die Wassergräben, hierzulande Gräften genannt, mußten bestehen bleiben, da die starken Pfosten, die in das sumpfige Erdreich gerammt waren und das dicke Mauerwerk trugen, nicht zerfallen durften. Ihre Festigkeit konnte nur das Wasser erhalten.
Ueber einen Erddamm, der durch die breite Außengräfte führte, gelangte man nun von Südwesten her auf die große Insel der Vorburg. Auf dem nordöstlichen Teil derselben hatte der Burgherr die neuen Wirtschaftsgebäude errichten lassen, die sich hufeisenförmig nach Südosten öffneten. Den südöstlichen Teil der Vorburg nahm der große Burggarten ein. Die Insel der Burgwiese, auf der in Notzeiten das gesamte Vieh der Burg für kurze Zeit weiden konnte, war von der Vorburg durch Wassergäben abgetrennt. Inmitten der Vorburg lag das wasserumwehrte Schloß mit dem Schloßplatz. Unmittelbar aus dem Wasser der Schloßgräben stiegen die drei Flügel des Herrenhauses — das Schloß Benannt — auf. Auf den verhältnismäßig kleinen Schloßhof gelangte man über eine hölzerne Zugbrücke, die an starken Brückenpfeilern durch Ketten hochgewunden wurde. Die Auffahrtsstraße war gradlinig, d. h. sie führte in durchgehender Achse über die Brücke der Außengräfte auf den Vorplatz in der Vorburg und von hier über die Brücke der Binnen oder Schloßgräfte und die Zugbrücke auf den Schloßhof zum Portal des Schlosses. Die Gesamtanlage der drei Burginseln war von einem fast rechteckigen Wassergraben umgeben. Des Schloßherr Ludolf Friedrich Adolf v. Boenen ließ, nachdem er den Namen v. Westerholt-Gysenberg angenommen hatte, um 1780 den stark verfallenen mittleren und südlichen Flügel des Herrenhauses fast bis auf die Grundmauern niederreißen, dann von neuem aufbauen und das gesamte Gebäude mit einem Mansardendach versehen. Wahrscheinlich wurde dieser durchgreifende Umbau von dem Baumeister des Schlosses Westerholt durchgeführt, da zur gleichen Zeit der Schloßherr von Berge auch einen „kostbaren Bau" in Westerholt aufführen ließ. Der Mittelbau erhielt oberhalb der Mansardenfenster zum Schloßhof hin noch eine niedrige, giebelartig hochgezogene Wand, in deren Mitte das Wappen des Schloßherrn angebracht wurde. Auch die Parkanlagen im alten Burggarten wurden damals geschaffen. Vor dem Herrenhause ließ der Burgherr eine 1,85 Meter hohe aus dem 17. Jahrhundert stammende Sandsteinfigur aufstellen, einen bärtigen Krieger mit Helm und Harnisch, der den linken Fuß auf ein abgeschlagenes Menschenhaupt stellt. Nach mündlicher Ueberlieferung soll die Figur als Goliath mit einer zweiten Figur des David, der die Schleuder gegen den Riesen richtete, in Verbindung gestanden haben. Diese beiden Standbilder sind vielfach dem westfälischen Bildhauer und Architekten Gerhard Gröninger (starb 1652 in Münster) zugeschrieben worden. Von den weiteren Sandsteinfiguren, die der Schloßherr für den im französischen Stil angelegten Schloßpark herstellen ließ, sind nur noch die des Apollo und eine weibliche Figur mit Zepter erhalten. Alle noch vorhandenen Standbilder sind jedoch vom Zahn der Zeit stark angenagt.
Mehrere Jahrhunderte, viele Generationen und Baumeister haben oft an einer Burg gebaut. Aber ohne die Arbeit, Dienste und Abgaben der hörigen oder leibeigenen bäuerlichen Bevölkerung hätten die Burgherren ihre Burgen und Schlösser nicht errichten, ausbauen und erhalten können.

Schloß Berge als Volkserholungsstätte.
Haus Berge, das in alter Zeit den Burginsassen und in Kriegs- und Fehdezeiten auch den Bürgern der Freiheit Buer und den Bauern am Buerschen Berge als feste Burg ein sicherer Hort war, wurde nach dem Einzug der Industrie seiner schlichten Schönheit, seiner günstigen und herrlichen Lage wegen zum Hauptanziehungspunkt für die hiesige Bevölkerung. Die gastfreundlichen Bewohner des Schlosses zeigten den Besuchern der Wasserburg gern das Napoleonzimmer, in dem der Kaiser der Franzosen übernachtete, als er sich auf der Flucht von Rußland nach Paris befand. Auch erzählte man ihnen von Blücher, dem Marschall Vorwärts, der einige Tage nach des Korsen Aufbruch auf Schloß Berge erschien. Als passionierter Jäger ging Blücher tagsüber mit dem Schloßherrn, seinen adeligen Nachbarn und einigen begüterten Bauern auf die Jagd im wildreichen Emscherbruch; abends spielte er gern aus lauter Uebermut und als leidenschaftlicher Kartenspieler mit der Schloßherrin eine Partie Karten, zumal viele Jahre vorher die Gräfin schon gegen den Marschall eine Partie zu ihren Gunsten ausgetragen hatte.
Gern gesehene Gäste wurden auch in den Weinkeller des Schlosses geführt und zu einem guten Trunk eingeladen. In vorgerückter Stunde soll es dann oft vorgekommen sein, daß der mit Ketten behangene und langbärtige Schloßgeist erschien, die Zecher vertrieb und sie auf Umwegen durch die Gräften und Teiche und über Hecken und Zäune nach Hause geleitete.
Eltern und Lehrer durften ihre Kinder und Schüler in den Berger Park und Wald, an die Gräften, die Schloßteiche und auch auf den Schloßhof an den Davidbrunnen führen. Hier konnten sie in aller Ruhe die heimatliche Tier- und Pflanzenwelt beobachten und außerdem den Geschichten lauschen, die ihnen der redselige Förster oder der Jäger von Schloß Berge erzählten. Gern verweilten die Besucher des Berger Waldes an der sogenannten „Kleistbuche", in deren Rinde einer der elf Schill'schen Offiziere seinen Namen „W. v. Kleist eingeschnitten hat, oder an einer anderen dicken Buche, deren Inschrift bezeugt „August 1784 hat es strohdick gefroren".

Da Schloß Berge nach dem Einzug des Steinkohlenbergbaues und der lebensnotwendigen Industrie allen heimatliebenden und erholungssuchenden Menschen als ein besonderes Kleinod und Juwel inmitten des hiesigen Industriegebietes galt, versuchte die Stadt Buer, die am meisten an der Erhaltung des Schlosses und seiner waldreichen Umgebung interessiert war, das gesamte adelige Besitztum käuflich zu erwerben. DieBemühungen Buers um den Erwerb des Schlosses und des dazu gehörenden Geländes gehen bis zur Jahrhundertwende zurück. Jedoch war der dafür geforderte Preis den Gemeinde- und auch später den Stadtvätern zu hoch. Auch die Verhandlungen, die der Magistrat des Kaufes wegen im Jahre 1914 mit der Gräflichen Verwaltung führte, waren ergebnislos, da jeder Morgen Bauland 3000 Mark kosten sollte.
Als dann jedoch der Besitzer des Gutes Berge dazu überging, einzelne Teile desselben zu veräußern, war es höchste Zeit, noch ein letztes Mal den Versuch zu machen, das gesamte Gebiet um Haus Berge und auch das Schloß in den Besitz der Stadt zu bringen. Am 25. Oktober 1920 pachtete die Stadt als Hauptpächterin von den Erben des Reichsgrafen Karl Theodor Eugen v. Westerholt-Gysenberg zu Schloß Arenfels bei Hönningen am Rhein zunächst einen Teil des Gutes auf die Dauer von 25 Jahren. Ein zwischen den Erben v. Westerholt mit dem Gastwirt Karl Jörilssen schon am 21.1.1920 abgeschlossener Pachtvertrag wurde von der Stadt verlängert. Da jedoch die Gräfl. Verwaltung im Jahre 1923, ohne mit der Stadt, der das Vorverkaufsrecht eingeräumt war, Fühlung zu nehmen, an der heutigen Cranger Straße Bauplätze an Privatleute verkaufte, beschloß der Magistrat am 23. Januar 1924 den Ankauf des Gutes Berge. Der Kaufpreis für das rund 403 Morgen (102 Hektar) große Gelände, das Schloß und die Wirtschaftsgebäude betrug 1,4 Millionen Goldmark. Nun wurde der gesamte angekaufte adelige Besitz trotz der schweren wirtschaftlichen Krise nach einem großzügigen Plan vom Städtischen Garten- und Bauamt in eine wahre Volkserholungsstätte umgewandelt. Im Erdgeschoß und im ersten Stock des Schlosses erstanden zweckmäßige Wirtschaftsräume und Gastzimmer. Die Parkanlagen, um 1780 für kleine höfische Gesellschaften geschaffen, wurden im alten Stil erneuert und erweitert, die Berger Quellen gereinigt und vertieft, die fast ganz versiegten Schloßteiche und die versumpften Gräfte genügend mit Wasser angefüllt, mit Wasserhühnern bevölkert und mit mehrfarbig blühenden Wasserrosen bepflanzt. Schwärme verschiedener Fischarten konnten nun wieder im klaren Wasser ihr munteres Spiel treiben, Von der Schloßterrasse schweifte der Blick über kurzgeschorene Rasenstücke mit Teppich- und Rosenbeetbändern. Figürlich geschnittene Taxus- und Buxbaumpfianzen und ein aus Blumen hergestelltes Stadtwappen im französischen Garten erfreuten die Besucher.
Bild
Der Berger Wald mit seinen alten Eichen, dicken Buchen, prächtigen Erlen und einigen jahrhundertealten Eiben und Hülsen wurde dort, wo es angebracht war, mit weiteren industriebeständigen Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Aus ehemaligen Wiesen und Weiden und auf einem Teil der Berger Baut schufen Gärtner gutangelegte Rasenflächen und Spielwiesen, die mit blühenden Sträuchern und Bäumen eingesäumt wurden.
Im Tiefpunkt der Berger Mulde wurde unter Ausnutzung eines schon bestehenden Straßendammes das zufließende Wasser aus den Berger Quellen und das des Berger Baches — auch Lohmühlenbach genannt der hier zuvor die Berger Kornmühle und die Lokmühle der Freiheit Buer trieb, in einem 12 Hektar (48 Morgen) großen und 2,8 Millionen Hektoliter fassenden Stausee von 7,5 Meter größter Tiefe gesammelt. Eine etwa 350 Meter starke Ton- und Mergelschicht verhindert ein Durchsickern der Wassermassen und ein 120 Hektar großes Niederschlagsgebiet mit mehreren Quellen sorgt mit für die Erneuerung des Wassers im Berger See.
Vom See und der hier günstig angelegten Volkswiese, von der Berger Höhe mit dem neuangelegten Terrassengarten, vom Aschenbrock, von Erle und Buer aus wurden breite Spazierwege und schattige Alleen in Richtung auf das Schloß hin angelegt, das nun inmitten dieser großartigen Anlagen und waldreichen Umgebung zu einer wahren Volkserholungsstätte wurde, deren Bedeutung und Anziehungskraft infolge der jahrzehntelangen Pflege, und besonders durch die jüngst vorgenommene gründliche Renovierung des Schlosses noch erheblich zugenommen hat.
Quelle: Gelsenkirchner Blätter 1953

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

@Wolf : Bohh, Du hast Dir ja richtig viel Arbeit gemacht....... :up:
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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