Im Juli/August 1961 verbrachte unsere Klasse 14 Tage im Landschulheim Lieberhausen. Die Kosten für den Aufenthalt – ich erinnere mich noch sehr gut - beliefen sich damals auf 21,-- DM. Ich weiß das deshalb noch sehr genau, weil es für meine Mutter viel Geld war. Wir waren 6 Kinder, wovon 4 gleichzeitig die Von-Vincke- Volksschule besuchten. Das war auch der Grund, dass meine Mutter damals von der Stadt Gelsenkirchen einen Zuschuss in Höhe von 14,--DM für mich erhielt.
Geplant war dieser Landschulheimaufenthalt schon länger mit unserem seinerzeitigen Klassenlehrer Winfried Pott. Doch zum Schuljahres-wechsel wurde Lehrer Pott versetzt und wir bekamen einen neuen Lehrer, Herrn Herrmann Cziborra, der auch gleichzeitig Rektor an der Schule wurde. Er löste den in Ruhestand getretenen Rektor Gröger ab.
Lehrer Cziborra sagte gleich zu Beginn seiner Tätigkeit unserer Klasse zu, mit uns den mit Lehrer Pott geplanten Ausflugdurchzuführen.
Er war ein sehr guter und engagierter Lehrer von Anfang an, obwohl er manches anders sah, als der „gute Pott“. Einmal ließ ich mich dazu hinreißen eine Anweisung von ihm an die Klasse dahingehend zu kritisieren, dass es dies beim Pott nicht gegeben hätte. Seine Antwort war kurz und bündig, wir könnten ja mit dem „Pott“ nach Lieberhausen fahren. Alle Mitschüler waren daraufhin wütend auf mich und erwarteten, dass ich mich bei Rektorn Cziborra für mein Verhalten entschuldige. Sie würden mich dafür verantwortlich machen, wenn der Landschulheimausflug ausfallen würde. Ich bin dann kleinlaut mit meinem Freund und Klassenkameraden Werner ins Rektorzimmer gegangen und habe mich bei ihm entschuldigt. Ich glaube, dass er damals sowas schon erwartet hatte. Er hat uns sofort beschwichtigt und die Entschuldigung angenommen. Der Ausflug war gerettet.
Auf jeden Fall fuhren wir mit Herrn Cziborra (er war für die Jungs zuständig) und Fräulein Frisch (zuständig für die Mädchen) nach Lieberhausen.
Die folgenden 14 Tage waren für mich, und ich glaube auch für alle anderen, eine absolut erlebnisreiche und unvergessliche Zeit mit Wanderungen, Spielen, Malen, Geschichten erzählen, etc. Langeweile kam nie auf. Was ich in besonderer Erinnerung behalten habe, war die die Geschichte, die uns Rektor Cziborra völlig aus dem Stegreif, abends nach dem Abendessen an mehreren Tagen im verdunkelten Speisesaal erzählte: „Der Mann mit dem Pergamentgesicht“. Mann, war das spannend. Es war die Geschichte eines Mannes in Asien, dessen Gesicht aufgrund seiner schrecklichen Erlebnisse innerhalb kürzester Zeit pergamentartig ergraute. Dabei waren wir alle mucksmäuschenstill. Auf die Frage, wie lange die Geschichte geht, meinte er, je nachdem wie anständig wir uns benähmen.
An einen besonderen Blödsinn während des Landschulheimaufenthaltes kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Gemeinsame Mahlzeiten im Speisesaal waren für uns auch etwas Neues und Angenehmes. Auch wurde hier einmal Blödsinn gemacht, z. B. dem Nachbarn Salz in den Tee (es gab immer Hagebuttentee) zu geben, wenn er gerade wegschaute. Das nahm dermaßen überhand, dass der versalzene Tee kannenweise zurück in die Küche ging. Daraufhin hat das Küchenpersonal an einem Tag gesalzenen Tee an unseren Tisch geliefert. Damit hörte dieser Blödsinn auf.
Für mich persönlich war dieser Aufenthalt ein unvergessliches und prägendes Erlebnis, von dem ich immer gezehrt habe. Für die Sozialisation im Leben von Kindern bzw. Jugendlichen ein sehr wichtiger Baustein.
Als ich selber Kinder hatte und diese als Elternbeirat, bzw. Elternbeiratsvorsitzender in der Schule vertrat, habe ich immer auf Landschulheimaufenthalte hingewirkt. Anstelle von Skiausflügen, an denen nur die halbe Klasse teilnahm, weil die Kinder dazu keine Lust hatten – aber in Wirklichkeit die Eltern sich diese teuren Skiausflüge für ihre Kinder nicht leisten konnten. Ich darf eigentlich nicht darüber nachdenken, wenn ich damals bei dem Landschulheimaufenthalt in Lieberhausen nicht dabei gewesen wäre!
Lieber 3 echte Feinde, als einen falschen Freund
Was nix kostet - taugt nix.
Grüße vom ehemaligen Jungen aus dem Kohlenpott
Ich habe auch noch eine Karte aus dem Jahre 1982 gefunden.
Ich meine, es ist Lieberhausen.
Auf der Rückseite steht als Adresse:
Brink 5 in 5270 Gummersbach 1 an der Aggertalsperre
ich war im Februar 1976 als Grilloner in besagtem Schullandheim.
Kann mich noch gut erinnern, dass in den ersten 3 Tagen unsere Gesichter immer länger wurden, da das Weiß immer weniger und das Grün immer mehr wurde. Sah nicht gerade nach Winterspaß für die restlichen 11 Tage aus.
Aaaaaaaaaaaaaaber am dritten Abend ging die Wolkenuntergrenze immer tiefer.......und am nächsten Morgen wurden alle Schüler nach dem Frühstück mit Schaufeln ausgerüstet und dann war erst einmal für den ganzen Vormittag Winterdienst angesagt. Wir mussten im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal das Gebäude und die Zufahrtfrei frei schaufeln. Was danach folgte war ein herrlicher Winterurlaub. Immer wenn ich z.B. Bohemian Rhapsody ( Queen ), Forever And Ever ( Slik ), Mama Mia ( ABBA ) und (Rain ) Status Quo höre, muss ich daran denken. Die Songs waren damals in den Charts. Einfach nur endgeil.
*hach sach*
Leider habe ich aus den 14 Tagen überhaupt keine Fotos und zu meinen Mitstreitern jeglichen Kontakt verloren, so dass ich sie mal fragen könnte. Obwohl damals eh noch nicht so viel fotografiert wurde. Und die freundliche Dame im Sekretariat des Grillo Gymnasium kann mir auch nicht weiterhelfen. Das Archiv der Schule gibt da wohl nichts mehr her.
Vielleicht gehörte einer der Forenmitglieder zu der damaligen Truppe und hat noch Fotos.
Wenn ja, würde ich mich freuen, wann man mal in Kontakt treten könnte. Auch wenn er keine Fotos hat.
Hallo Ihr Lieben,
als ich damals in Lieberhausen war (1964) hatten wir einen DINA4 Bogen mit selbstgeschriebenem Wellensalat zwischen dem Boxer Hein ten Hoff und einem Radsportler.
Habt Ihr da noch was von ? Ich hatte es bis vor 2 Jahren im Ordner und nun ist das Teilchen
weg ;o((((
Liebe Grüße
Rosi
@ Bretterbude.
Warst du jetzt dort?
War die Schranke auf und hat dich der Verwalter, welcher an der Schranke wohnt nicht erwischt?
War letztes Jahr dort und der Mann kam gleich, als ich auf den Platz gefahren bin und fragte mich ob ich das Schild an der Schranke nicht gelesen habe.
War dann aber ganz zugänglich als er mein Kennzeichen am Auto sah.
War gestern zufällig in der Nähe und bin spontan dort vorbeigefahren. Das Schild mit dem Hinweis auf Privatbesitz und Betretungsverbot habe ich wohl gesehen und ordentlich beachtet. Am vorgelagerten Wohnhaus (Haus des Verwalters?) habe ich geschellt. Es öffnete mir eine nette etwas ältere Dame und gab meiner Bitte statt, das Gelände betreten zu dürfen. War überhaupt kein Problem. Problematischer war da schon das umrunden des Gebäudekomplexes. An einigen Stellen war kaum ein durchkommen, die Natur hat sich dort breit gemacht.
Wie sicher schon bei vielen anderen Besuchern haben sich beim anschauen der verlassenen Anlage auch bei mir wieder einige Erinnerungen eingefunden. Die lebhafteste war verbunden mit dem Treppenaufgang von den Duschen im Keller nach Draußen an der Rückseite des Gebäudes (s. Bild). Wir waren mit der ganzen Stufe (4 Klassen) 2 Wochen im Sommer 1980 dort. Nach den Spielen unseres Fussballturniers ging es dort (natürlich bester Stimmung nach den entsprechend hoch ausgefallenen Siegen) in die Duschen runter. Vorbei an den zuschauenden Mädels... Ob der Gang zur Dusche tatsächlich über den Kellerabgang führte oder aber über eine Treppe innerhalb des Gebäudes, ich weiß es nicht mehr.
Ich schrob ja hier schon einmal, dass ich wärend meiner Dienstzeit als hier Rußlanddeutsche untergebracht waren öfter dort war, Zigarettenschmuggel, BTM usw.
Da sah es außen noch einigermaßen aus, aber innen, schlimm schlimm.
Es soll ja ein Investor aus Mainz gekauft haben der das Gebäude wohl zu Altenwohnungen oder Ähnliches umbauen wollte.
Wird aber wohl nichts.
Eines Tages gibt`s einen Knall und die Bude fällt zusammen. Traurig.
1959, Samstag, den 14. März:
"Über das im Spätsommer fertigwerdende Gelsenkirchener Schullandheim in Lieberhausen bei Meinerzhagen berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ausführlich in einer ganzseitigen bebilderten Reportage."
(Quelle: Chronik der Stadt Gelsenkirchen für das Jahr 1959)
1961:
"Seit Januar 1961 stehen den Schulen der Stadt auch zwei Schullandheime zur Verfügung, und zwar das stadteigene Heim in Lieberhausen, das bereits vor einem Jahr eröffnet werden konnte und das der evgl. Kirche in Willingen, dessen Bau durch eine finanzielle Unterstützung der Stadt im vergangenen Jahr ermöglicht wurde."
(Quelle: Sondernummer der Gelsenkirchener Blätter 1961)