Husemannstraße

Aus Gelsenkirchener Geschichten Wiki
Version vom 4. September 2019, 12:50 Uhr von Heinz O. (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Straße in Gelsenkirchen

Husemannstraße

ehemaliger Name: Schwarzer Weg - Dickampstraße - Hindenburgstraße (1917 – 1947)
Hausnummern (ungerade): 1 - Ende
Hausnummern (gerade): 2 - Ende
Stadtteil: Altstadt
Postleitzahl: 45879
Bevölkerung
(Stand 31.12.2020 • Quelle: Stadt Gelsenkirchen )
Einwohner dieser Straße: 621
davon weiblich: 345
Lagekarte
 
Die Karte wird geladen …


Die Husemannstraße ist eine Straße in Gelsenkirchen. Die Husemannstraße beginnt im Stadtteil Altstadt mit der Hausnummer 1 bzw. 2.

Namensdeutung

Die Straße wurde nach Friedrich Ernst Husemann Wikipedia-Link, Gewerkschafter, Vorsitzender des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands, Mitglied des Preußischen Landtags und Mitglied des Reichstages für die SPD benannt.

Geschichte

Die heutige Husemannstraße war bis 1904 die Wilhelminen-Eisenbahn. Der daneben liegende Fuß- und Karrenweg war der sogenannte "Schwarze Weg". Erst nachdem die Bahnlinie umgelegt worden war, entstand eine Straße. Diese erhielt kurze Zeit den Namen Dickampstraße (danach Hindenburgstraße), obwohl die südlich vom Rathaus zum Zechengelände Hibernia führende Straße schon Dickampstraße hieß.[1]

Im Vergleich zur Hauptstraße, die sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt oder der etwa 150 Jahre alten Bahnhofstraße ist die Husemannstraße eine junge Straße, aber sie ist eng mit der Stadt- und Industriegeschichte verbunden. 1847 erhielt Gelsenkirchen einen Bahnanschluss. Ganz in der Nähe des Gelsenkirchen Hauptbahnhof 1854 wurde die Zeche Hibernia abgeteuft. Sie nahm 1858 ihren Förderbetrieb auf. Inzwischen war 1864 auch eine Bahnlinie vom Hauptbahnhof zur Zeche Wilhelmine Victoria gebaut und bald bis zur Schachtanlage Zeche Consolidation 1/6 verlängert worden. Weil diese niveaugleiche Zechenbahntrasse die Entwicklung der Stadt behinderte, wurde um 1900 weiter westlich auf einem Damm eine neue Strecke angelegt. Danach konnten 1904 die Bahngleise ausgebaut und eine breite Straße, die heutige Husemannstraße, angelegt werden. An ihr entstanden bald große private und öffentliche Gebäude. 1904 baute die Stadt ein großes Hallenbad, das 1971 geschlossen und abgebrochen wurde.

Häuser

Husemannstraße 41

1911 wurde für Fanny Meyer, Witwe von Levy Meier und Inhaberin der Fa. M. Rothmann & Co. nach Plänen des Architekten Josef Franke ein Wohn- und Geschäftshaus im Stil des Neuklassizismus errichtet. Die Abbildung zeigt ein großes, viergeschossiges Traufenhaus von vier Achsen Breite unter einem verschieferten Satteldach mit Gauben. Im Erdgeschoß befinden sich Schaufenster. Darüber ist ein Balkon in der Breite des ganzen Hauses angeordnet, dessen Brüstung - seitlich gestaffelt - zur Mitte weiter vorragt.

Husemannstraße 43-45

1912 ließ der Eisenwarengroßhändler nach Plänen des Architekten Ludwig Schaefer ein Wohn- und Geschäftshaus errichten, das sich unmittelbar dem Franke-Bau anschloß. Schäfer glich die Trauf-, Gesims- und Brüstungshöhen in rücksichtsvoller Weise dem Nachbarbau an. Es handelt sich um einen großen, viergeschossigen Putzbau in Traufenlage von fünf Achsen unter Mansarddach mit Zwerchhaus und Gauben. Das Dekor entstammt der Formensprache des geometrischen Jugendstils. Das Erdgeschoß mit seinen Schaufenstern wurde durch Veränderungen entstellt. Beide Häuser sind von überdurchschnittlicher künstlerischer Qualität und gute Beispiele der bürgerlichen Baukunst kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Husemannstraße 52

Das 1895 erbaute Damenstift Aloysianum.

Husemannstraße 69

Das in den Jahren 1939 bis 1945 von Otto Prinz erbaute ehemalige Hygieneinstitut (später Sozialamt der Stadt Gelsenkirchen).

Husemannstraße 75

Für den Max Meyer erbaute Josef Franke 1921 bis 1922 ein Wohnhaus mit Arztpraxis. Das Zusammenspiel klassischer und barocker Stilformen verfehlt auch heute nicht seine noble Wirkung. Die Bekanntschaft Josef Frankes mit seinem späteren Auftraggeber geht wahrscheinlich in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Aus den Entwurfsplänen von 1921 geht hervor, daß Franke wohl gleichzeitig für die Brüder des Arztes, Kurt und Friedrich, im Westen in direktem Anschluß zwei weitere Wohnhäuser plante. Im Gegensatz zu dem 1922 fertiggestellten Haus Husemannstraße 75 wurden diese jedoch nicht ausgeführt. Die Planzeichnung Frankes nahm in der asymetrischen Anlage des Mansardwalmdaches auf die projektierte Nachbarbebauung Bezug. Die heute erhaltene symmetrische Gestaltung der Straßenfassade des Hauses Max Meyer ist wohl darauf zurückzuführen, daß die Brüder noch in der Planungsphase von dem Projekt Abstand genommen hatten. Gleichzeitig mit dem Bau des Hauses Meyer führte Franke für Meyer und Rosenbaum zwei Garagengebäude mit Chauffeurswohnungen aus, die jeweils von der Zeppelinallee aus zugänglich waren. Im Erdgeschoß befand sich die großzügige Arztpraxis mit einem Abstellraum für die Kinderwagen der Patienten im Eingangsbereich, je zwei Warte- und Behandlungszimmern, Höhensonne, Röntgenzimmer und Bibliothek. Letztere war auch über eine Treppe im rückwärtigen Teil des Hauses von der Privatwohnung im ersten Geschoß zu erreichen. Dieses private Treppenhaus verband alle drei Ebenen, während das repräsentative Haupttreppenhaus lediglich eine Verbindung zum ersten Geschoß schuf. Die Wohnräume wurden über eine zentrale holzvertäfelte Diele erschlossen, wobei Eßzimmer, Wintergarten und Spielzimmer des Kindes zur Gartenseite lagen — im zweiten Obergeschoß befanden sich die Schlafzimmer und ein Bad. Die Existenz eines Betraums und eines rituellen Bades, wie später erzählt wurde, läßt sich anhand des erhaltenen Planmaterials nicht nachweisen.

Nach der Emigration des Bauherren im Jahr 1939 blieb das Haus in treuhänderischem Besitz und stand bis zum Verkauf in den 1950er Jahren leer. Seit dem Umbau zum Mehrfamilienhaus ist die innere Gestaltung vollständig verändert. Durch die Reduktion zum einfachen kubischen Baukörper ohne überladenen Schmuck wirkt das Haus Max Meyer ungeachtet seines repräsentativen Charakters schlicht und im traditionellen Sinne sachlich. Im Stadtbild Gelsenkirchens fällt es durch seine mit edlem Stein verkleidete Fassade und die Kolossalordnung der Säulen auf.

Quelle

Informationstafel Erinnerungsorte

Weblink

GG-Icon.png Thematisch passender Thread im Forum

Einzelnachweise