Amevida

Aus Gelsenkirchener Geschichten Wiki
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AMEVIDA SE
Unternehmensform Societas Europaeas
Gründung 1998
Unternehmenssitz Gelsenkirchen, Kurt-Schumacher-Straße 100. vorher: Leithestraße 45-47
Unternehmensleitung

Matthias Eickhoff

Mitarbeiter rund 2.260
Branche Callcenter
http://www.amevida.de
ehemaliges Logo
Kurt-Schumacher-Straße 100 - Ehem. Verwaltungsgebäude der Thyssen-Draht

Die Amevida Consulting GmbH, ehemals Tectum,, ist ein deutscher Callcenterbetreiber mit Sitz in Gelsenkirchen, Kurt-Schumacher-Straße 100. Das Unternehmen gehört mit seinen derzeit rund 2.260 Mitarbeitern an allen Standorten zu den zehn größten Call-Center-Betreibern in Deutschland[1] und bietet für große Unternehmen integriertes Kundenkontaktmanagement für die Bereiche Verkauf, Service und Support an.

Geschichte

Hubertus Küpper, damals Vorstandsmitglied bei der Stollcom, übernahm 1998 nach dem Konkurs der Stollcom AG & Co. das von ihm federführend aufgebaute Stollcom-Call-Center. Zusammen mit Karl Ulrich Schönemeyer gründete er daraus die CTD Innovationstechnologie im Dialog GmbH (CTD). 1998 wurde der zweite Firmenzweig Delfon GmbH (heute Tectum Sales), 2002 der Firmenzweig Data Contact (heute Tectum Professional Services) gegründet. Alle Unternehmen wurden in der Firmengruppe TECTUM Consulting GmbH & Co. KG zusammengefasst. 2006 stieß Tectum Customer Care in Essen zur Firmengruppe.

2007 beteiligte sich die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Quadriga Capital an Tectum. Fortan hielten die Gründerfamilie Küpper und Quadriga Capital jeweils die Hälfte an der neuen Dachgesellschaft Tectum Consulting GmbH. Hubertus Küpper blieb Vorstandsvorsitzender. Im Zuge dieser Neustrukturierung firmierte die frühere TECTUM Consulting GmbH & Co. KG mit Sitz in Gelsenkirchen zur Küpper Immobilienverwaltung Gelsenkirchen GmbH & Co. KG um.

ehemaliges Tectum Gebäude, Leithestraße

2009 übernahm die Küpper Immobilienverwaltung Gelsenkirchen GmbH & Co. KG die Alex & Gross Group in Schwetzingen und expandierte in internationale Märkte. Im gleichen Jahr eröffnete das Unternehmen seinen Standort in Oberhausen.

Im Mai 2010 wurde bekannt, dass die Familie Küpper ihre restlichen Unternehmensanteile an den Finzanzinvestor Quadriga Capital verkauft hat. Damit hält Quadriga Capital die Mehrheit an der Tectum Group. Theo Reichert wurde neuer CEO.

2011 eröffnete Tectum seine Standorte in Duisburg und Barcelona.

Am 7. Dezember 2012 bewilligte das Amtsgericht Essen den Antrag der Unternehmensgruppe auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens im Rahmen des Insolvenzrechts.[2] Im Verlauf des Sanierungsverfahrens kündigte die Geschäftsführung in Abstimmung mit dem Betriebsrat rund 500 Mitarbeiter, um den Fortbestand der Gruppe zu gewährleisten.[3] Über 80 Prozent aller Arbeitsplätze in der Region wurden gesichert und die Standorte erhalten.

Am 19. Juli 2013 wurde das Schutzschirmverfahren erfolgreich abgeschlossen.[4][5]

Im Zuge der Neuausrichtung des Unternehmens haben die Gesellschafter die Eigentumsverhältnisse von Tectum (Gelsenkirchen) neu geordnet. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2013 hat Dr. Matthias Eickhoff, Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Tectum Consulting GmbH, die Anteile der bisherigen Miteigentümer Quadriga Capital und Andreas Alex gekauft und hält nunmehr 100 Prozent an Tectum.

Am 1. Juli 2014 erfolgte eine Umfirmierung von Tectum Consulting GmbH in Amevida Consulting GmbH.

Neuausrichtung

Im Rahmen des Verfahrens wurde das gesamte Unternehmen unter der Regie von Matthias Eickhoff neu ausgerichtet. Das Unternehmen wurde in zwei Kerngeschäftsfelder aufgeteilt: Tectum adressierte mit seinem Leistungsspektrum das B2C-Segment. Tectum Business Solutions (TBS) fokussierte sich auf Marketing und Vertrieb ausschließlich im B2B-Segment. Mit der Neuausrichtung hat sich das Unternehmen neben dem Ausbau des traditionellen Leistungsspektrums auf die Segmente Retention Management (Kundenrückgewinnung und -bindung), Opt-in-Generierung (Einholung einer rechtlich einwandfreien Zustimmung der Verbraucher zum Empfang von Informations-E-Mails) sowie auf Sales und Service Chat spezialisiert.

Das bisherige Leistungsangebot (integriertes Kundenkontaktmanagement für die Bereiche Verkauf, Service und Support) sollte in Zukunft durch zusätzliche Dienstleistungen wie technischen Support, E-Commerce, Inkasso-Dienstleistungen und Logistik ergänzt werden. Darüber hinaus ist auch die technische Plattform weiterentwickelt worden. Dazu ist das Unternehmen eine Kooperation mit Teleconnect & Services eingegangen, deren Webchat-Lösung „Moxie“ eine ältere Software ersetzte.

Neben der Telekommunikation und Informationstechnologie sollten künftig auch die Branchen Energie und Gesundheit, Automobilsektor, Internet-Handel und Finanzdienstleistungen bedient werden.[6]

Unternehmensprofil

Die Kunden der AMEVIDA SE sind vor allem Unternehmen der Telekommunikationsbranche, für die der Outsourcing-Spezialist sowohl Vertrieb als auch Kundenservice im In- und Outbound übernimmt. Das Unternehmen gehört am Hauptstandort Gelsenkirchen zu den größten Arbeitgebern vor Ort.

Arbeitnehmerrechte und Kritik

Neben der Öffentlichkeitsarbeit der Tectum Group ergibt sich bei näherer Betrachtung noch ein anderes Bild (Stand vor Neuausrichtung des Unternehmens 2013):

  • Tectum versuchte durch Abmahnungen das öffentliche Mitarbeiterdiskussionportal chefduzen.de zur Löschung unliebsamer Mitarbeiterbeiträge zu zwingen.[7]
  • Medienpräsenz erlangte Tectum auch durch ein WDR-Interview Günter Wallraffs, in welchem dieser die Tectum Group als Firma bezeichnet, „die nicht nur die Auftraggeber sondern auch die Angestellten betrügt“. Nach Androhung rechtlicher Schritte gegen den WDR durch den Hausjustiziar der Tectum Group Christoph Kateloe und Verlangen der Preisgabe der journalistischen Quellen Wallraffs oder Zensur der Tectum unliebsamen Passage entfernte der WDR zum Schutz journalistischer Quellen kurzerhand die streitige Aussage im Interview.
  • Von allen beim deutschen Arbeitgeberbewertungsportal kununu.com bewerteten deutschen Arbeitgebern erhielt Tectum die drittmeiste Stimmenzahl (70 Stimmen allein für den Standort Dortmund, Stand 6. Mai 2009) und damit ähnlich viele wie der Großkonzern Siemens AG oder die BMW Group. Das Bewertungsergebnis von 1,74 Punkten (Stand 5. Februar 2009) weist Tectum mit enormem Abstand als am schlechtest bewerteten von allen deutschen, österreichischen und schweizerischen Arbeitgebern aus, ein Umstand, der sogar dem Manager Magazin das Einholen einer Stellungnahme durch den Pressesprecher von Tectum , Wolfgang Schäfer, wert war.[8]
  • Am 5. September 2013 liegt Tectum mit 2.53 von 5 Punkten im Vergleich zu allen anderen Bewertungen auf kununu (449.970) im Mittelfeld. Im Vergleich zu allen Bewertungen aus der Branche „Beratung/Consulting/Dienstleistung (41.321) weist Tectum mit 3.32 von 5 Punkten eine überdurchschnittliche Bewertung auf.
  • Die Gewerkschaft ver.di begann eine bisher in der Callcenterbranche beispiellose Aktion. In Essen, Dortmund und Gelsenkirchen startete ver.di vor den Toren der Tectum-Betriebe, nach zahlreichen Beschwerden von Angestellten über massive Missstände, eine Informationskampagne über Arbeitnehmerrechte.
  • Nach Angaben von ver.di waren allein im Jahr 2008 insgesamt 18 Arbeitsgerichtsverfahren gegen die Tectum Group anhängig, im Jahre 2009 bis Ende April neun Verfahren.
  • Am 2. Juli 2009 wurde Sat.1 auf die Verdi-Aktionen und die angeprangerten Missstände aufmerksam. Für die regional ausgestrahlte Sendung 17:30 wurde ein Bericht erstellt.
  • Am 15. Juli 2009 demonstrierten Tectum-Mitarbeiter vor der Verdi-Zentrale in Bochum-Herne. Ihr Anliegen: eine sachlich richtige Darstellung der Arbeitsbedingungen bei Tectum.
  • Ebenfalls auf Sat.1 wurde bewiesen, dass Hubertus Küpper bei seiner Angabe zum Lohn nicht die Wahrheit sagte. Der Geschäftsführer des Ückendorfer Unternehmens gab an, beweisen zu können, dass er Löhne zwischen 8,50 und 15 Euro bezahlt. Es liegt allerdings eine Lohnabrechnung vor, die beweist, dass der garantierte Stundenlohn tatsächlich gerade mal 5,77 Euro beträgt.

Weblinks

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Einzelnachweise