Bärbel Kampmann

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Bärbel Kampmann (* 26. März 1946 in Bielefeld, † 27. Oktober 1999 in Gelsenkirchen)war eine afrodeutsche Psychologin, Schriftstellerin und Beamtin. Als bekannte antirassistische Aktivistin in Deutschland leitete sie innovative Integrationsprogramme im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen , die als Modell für den Rest des Landes dienten.

Grabstätte von Bärbel Kampmann auf dem Katholischen Altstadt-Friedhof

Leben

Bärbel Kampmann wurde am 26. März 1946 als Tochter eines afro-amerikanischen Soldaten und einer Bielefelderin in Bielefeld geboren. Ihre Mutter, Ilse Hilbert, war eine Nazi-Sympathisantin gewesen. Als Kind war es ihr verboten, über ihren Vater zu sprechen. Ihre Mutter versuchte zusammen mit ihrer Großmutter, die sie hauptsächlich aufzog und oft versuchte, sie vor Rassismus zu schützen, erfolglos, ihre Haut mit Drula-Bleichwachs und Wasserstoffperoxid zu bleichen.[1]

Sie war eines der ersten afrostämmigen Kinder, die nach dem Ende der NS-Herrschaft in Deutschland geboren wurden, und sie erlebte in ihrer Jugend viel Rassismus und Isolation, einschließlich körperlicher Gewalt durch andere Kinder. [2]

Nach Abschluss der Realschule absolvierte sie zuerst eine Lehre als Biologielaborantin. Dann begann sie nach einer Begabtenprüfung an der Pädagogischen Hochschule in Köln das Lehramtsstudium. Zehn Jahre lang war Bärbel Kampmann danach als Lehrerin an verschiedenen Hauptschulen tätig, machte 1986 ihr Diplom in Psychologie an der Ruhr-Universität in Bochum und war dann an der Regionalstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher als Leiterin in Gelsenkirchen tätig.

Der Minister für Arbeit und Gesundheit in NRW berief Bärbel Kampmann zehn Jahre später als Regierungsrätin ins Ministerium nach Düsseldorf. Als Referentin im Referat für Grundsatzfragen von Zuwanderung und Integration war sie u.a. maßgeblich an der Entwicklung der Modellprojekte gegen Diskriminierung beteiligt, die beispielhaft für NRW sind und als richtungsweisend für die zukünftige landes- und bundesweite Antidiskriminierungsarbeit bezeichnet werden können. Ein wichtiger konzeptioneller Ansatz für ihre Arbeit war der Paradigmenwechsel – die Einbindung der Perspektive derer, die mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert sind.

Wie zuvor ging sie dort den ihr gestellten Aufgaben mit großem Elan nach und wurde bereits ein Jahr später Oberregierungsrätin. Durch die Besetzung der ReferentInnenstelle mit Bärbel Kampmann wurde auch auf ministerieller Ebene dem Anspruch auf Gleichstellung von ethnischen Minderheiten entgegengekommen und die Forderung, VertreterInnen ethnischer Minderheiten in wichtige verantwortungsvolle Aufgaben der Landesregierung einzubeziehen, praktisch umgesetzt.

Sie war eine bekannte antirassistische Aktivistin innerhalb der afrodeutschen Community und galt in dieser Zeit als zentrale Verfechterin der Integration. Sie war bekannt als Leiterin antirassistischer Workshops und gründete die Gelsenkirchener Tage gegen Rassismus. Sie engagierte sich auch bei ADEFRA , einer Organisation schwarzer Frauen in Deutschland, und der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland. Neben ihrem antirassistischen und migrantenfreundlichen Engagement war Kampmann auch ausgesprochen antiimperialistisch und antikapitalistisch.

Kampmann schrieb eine Reihe von Essays über die Erfahrungen von Minderheiten in Deutschland, insbesondere "Schwarze Deutsche. Lebensrealität und Probleme einer wenig beachteten Minderheit", in dem 1994 erschienenen Buch Andere Deutsche. Zur Lebenssituation von Menschen multiethnischer und multikultureller Herkunft.

Kampmanns erste Ehe wurde geschieden, teilweise aufgrund des damaligen Stigmas gegen interrassische Beziehungen. Später heiratete sie den Psychologen Harald Gerunde.

Ihr Mann Harald Gerunde schrieb im Jahr 2000 eine Biografie über sie mit dem Titel Eine von uns: Als Schwarze in Deutschland geboren.

2020 wurde ihr zu Ehren eine Straße in Bremen benannt.

Literatur

  • Gerunde, Harald: Eine von uns : als Schwarze in Deutschland geboren / Harald Gerunde – Wuppertal : Hammer, 2000. – 172 S. : Ill.; 21 cm, ISBN 3-87294-844-X. Lesenswerte Biographie des Ehemanns.
  • Kampmann, Bärbel (1994), “Schwarze Deutsche. Lebensrealität und Probleme einer wenig beachteten Minderheit”, in: Mecheril and Teo: Andere Deutsche, Zur Lebenssituation von Menschen multiethnischer und multikultureller Herkunft, Berlin (1994), Dietz Verlag Berlin GmbH, ISBN 3320018604

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Mesghena, Mekonnen (2000-12-04). "Harald Gerunde: Eine von uns. Als Schwarze in Deutschland geboren". Deutschlandfunk. Abgerufen am 29.03.2021
  2. "Nachruf auf Bärbel Kampmann" . Vorstand und Mitglieder der Initiative Schwarze Deutsche & Schwarze in Deutschland, ISD-NRW . 08.11.1999. Archiviert vom Original am 30.01.2007