Carl von Wedelstaedt

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Carl von Wedelstaedt

Carl von Wedelstaedt (* 14. Juni 1864 in Höxter; † 6. Februar 1959 in Niedermarsberg) war ab dem 1. April 1896 letzter Amtmann des selbständigen Amtes Ückendorf, bevor dieses 1903 in der neu entstehenden Großstadt Gelsenkirchen aufging. Vom 10. April 1919 bis 1928 bekleidete von Wedelstaedt das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Gelsenkirchen, die ihm am 20. September 1928 die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Während seiner Amtszeit wohnte von Wedelstaedt in der Bochumer Straße 221 in Ückendorf.[1]

Leben

Carl von Wedelstaedt wurde am 14. Juni 1864 in Höxter an der Weser geboren. Nach seiner Schulzeit ging er mit nicht ganz 18 Jahren zum Militär, um Offizier zu werden. Als Leutnant war er mehrere Jahre in Straßburg im Elsaß und in Posen, bis er am 20. Oktober 1888 seinen Abschied nahm. Am 1. April 1889 trat er in den öffentlichen Verwaltungsdienst. Nach kurzer informatorischer Ausbildung als Anwärter bei der Amtsverwaltung in Schalke und der Landratsverwaltung in Gelsenkirchen wurde er am 1. September 1890 als Amtmann nach Westerbauer in den Landkreis Hagen berufen. Am 1. April 1896 wurde er als Amtmann zur Amtsverwaltung nach Ückendorf berufen. Diesen Posten bekleidete er bis zum 31. März 1903. Am 1. April 1903, dem Tag, an dem die Großstadtgemeinde Gelsenkirchen geboren wurde, wurde von Wedelstaedt von der Gesamtstadt als erster besoldeter Beigeordneter mit dem Titel Bürgermeister übernommen. Er selbst war ein eifriger Mitarbeiter und Befürworter der Vereinigungsbestrebungen gewesen. Sein neuer Arbeitsbereich umfaßte außer dem Schuldezernat das gesamte Bauwesen, den Hoch- und Tiefbau, die Baupolizei und damit zusammenhängende verwaltungsrechtliche Aufgabengebiete. Auf dem Gebiete der Bodenpolitik hat von Wedelstaedt sich große Verdienste erworben. Unter anderem hat er das ganze Stadtgartenviertel mit der Zeppelinallee und die Vergrößerung des Stadtgarten Gelsenkirchen geschaffen. Auch der Stadthafen geht auf seine Vorlage zurück. Während des Ersten Weltkrieges war er Lebensmitteldezernent. Diese Tätigkeit führte zu der Gründung der Rheinisch-Westfälischen Städtevereinigung, deren Geschäftsführer er war. Mit der Novemberumwälzung 1918 begann ein neuer Kurs. Nach der Pensionierung des Oberbürgermeisters Theodor Machens führte der erste Beigeordnete von Wedelstaedt die Dienstgeschäfte weiter. Die Stadtverordnetenversammlung wählte ihn am 10. April 1919 einstimmig zum ersten Bürgermeister und Oberbürgermeister. Die Politisierung der Stadtparlamente brachte neue Verhältnisse. Es traten neue Aufgaben an die Kommunen heran. Lebensmittelnot und soziale Unruhen erschwerten ein erfolgreiches Arbeiten. Die Steigerung der Ausgaben infolge der Geldentwertung, die durch die Steuerreform verursachte Unsicherheit der Einnahmen brachten den Gemeinden außerordentliche finanzielle Schwierigkeiten. Es ist der besonderen Verwaltungskunst von Wedelstaedt zu verdanken, daß er trotz aller Schwierigkeiten in den turbulenten zwanziger Jahren Großes für das Wohl der Stadt geleistet hat. Die Gründung der Volkshochschule brachte der Bevölkerung die Möglichkeit weiterer Fortbildung. Das Konzert-, Theater- und Vortragswesen wurde aufgebaut und erweitert. Die letzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Gelsenkirchens unter von Wedelstaedt fand am 27. Juni 1928 statt. Hierbei wurden für die Stadtgeschichte außerordentlich wichtige Beschlüsse gefaßt: Der neue Oberbürgermeister Emil Zimmermann, der erste Beigeordnete Josef Sprenger, die Beigeordneten Jacob Sieglar, Dr. Friedrich Wendenburg, Kornemann, Hermann Fuchslocher, Paul Schossier, Dr. Karl Greve, Dr. Wilhelm Schumacher wurden von der Versammlung gewählt, für die neue Großstadt Gelsenkirchen-Buer war die Bürgermeistereiverfassung angenommen worden, die bisherigen Ortsgesetze der Stadt Gelsenkirchen, der Stadt Buer und des Amtes Horst wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 außer Kraft gesetzt, die Mitglieder der Ausschüsse der Stadt Gelsenkirchen-Buer wurden gewählt.

In der Stadtverordnetenversammlung am 20. September 1928 wurden dem Alt-Oberbürgermeister von Wedelstaedt die Ehrenbürgerrechte verliehen.

Am 6. Februar 1959 ist Carl von Wedelstaedt im 95. Lebensjahr in Niedermarsberg verstorben und hier wurde er auch in einer Familiengruft beigesetzt. Nach Ablauf der Liegezeit auf dem Friedhof in Marsberg wurde der Grabstein von Carl und Clara von Wedelstaedt im Juli 2018 nach Gelsenkirchen geholt. In dem von ihm geschaffenen Park wurde dieser Grabstein und eine Erinnerungsorte-Tafel aufgestellt, auf der sein Wirken in und um Gelsenkirchen mit wenigen Worten beschrieben ist.

Auszeichnungen

Quelle

Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 2, Verein für Orts- und Heimatkunde Buer , 1967

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Adressbuch Gelsenkirchen 1927