Chemische Industrie Schalke

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Aktien-Gesellschaft für chemische Industrie - Chemische Schalke

Luftaufahme der "Chemische Schalke"

Die Gesellschaft wurde am 25.1.1872 in Köln gegründet. Zu dem Gründerkreis gehörten u. a. Friedrich Grillo, der Bankier Jakob Löb Eltzbacher, Julius Joest, Friedrich Schmalbein, die Herren Schülke, Hicking und I.H. Andly, sowie der Bankdirektor Theodor Movius (1863 bis 1887). Der erste Aufsichtsratsvorsitzende war Bankdirektor Theodor Movius (1863 bis 1887), seine Stellvertreter waren: Eltzbacher (1900 bis 1925), Rudolf Poensgen und Wilhelm Schürenberg. Zum Vorstand gehörten Dr. Rudolf Arndt (1872 bis 1875) und Wilhelm Schürenberg.

Geschichte

Zunächst wurde ein Werk in Köln-Mülheim, später ein weiteres in Gelsenkirchen-Schalke an der Uechtingstraße errichtet, von denen das in Köln bereits zwei Jahre später wieder aufgegeben wurde. 1876 erfolgte die endgültige Verlegung des Sitzes der Gesellschaft von Köln nach Gelsenkirchen. Am 1. Juli 1872 richtete die Gesellschaft ein Gesuch zwecks Erteilung der Konzession für eine Anlage zur Darstellung von Chemikalien, insbesondere von Schwefelsäure, Soda, Sulfat und Clorkalk auf den Grundstück des Hofes Wiesmann in der Braubauer­schaft (Bismarck). Die Genehmigung zum Bau der Werke in Schalke durch die damalige Königliche Regierung in Arnsberg ließ bis zum 10. März 1873 auf sich warten. Gründe dafür waren der Umweltschutz: Mehrere Landwirte der damaligen Braubauerschaft und der Westerholtsche Oberrentmeister erhoben Einspruch wegen zu erwartender Flurschäden. Die Schwefelsäurefabrik begann am 1. April 1873 mit der Produktion. Zu dem ursprünglichen Produktionsprogramm gehörten folgende Erzeugnisse: Salzsäure, Schwefelsäure, Sulfat, Glaubersalz, Lithoponen, Schwefelkohlenstoff, Soda (produziert bis 1880) und Pottasche. 1895 kam eine Teerdestillation hinzu, die am 1. April 1913 durch ein Großfeuer schwer beschädigt wurde. 1919 wurde sie stillgelegt und demontiert.

Um das Jahr 1900 machte die Werksleitung aus der Not eine Tugend, indem sie ein Verfahren entwickelte, den Zinkgehalt aus dem Abbrand zurückzugewinnen und daraus zusammen mit Bariumsulfid (BaS) das Verkaufsprodukt Lithopone herzustellen, und in den Jahren 1910 und 1911 wurden Lithoponefabriken errichtet, die bis 1913 ausgebaut wurde.

Mit der Übernahme der technischen Leitung des Werkes durch Dr. Georg C. von Wirkner (Direktor bis 1934, † 1945) im Jahr 1902 und der kaufmännischen Leitung durch Emil Blum (Direktor 1906 bis 1943, † 1952) begann eine erfolgreiche Zeit für die Gesellschaft. Unter der langjährigen und zielbewussten Leitung der beiden Herren sowie auch des Nachfolgers von Wirkners, Dr. Oswald Wissel (Direktor 1934 bis 1945, † 1945) erlebte die „Chemische Schalke" einen Aufstieg. 1921 wurde das Verwaltungsgebäude nach Plänen von Theodor Wasser an der Uechtingstraße erbaut. 1937/1938 wurde eine Schwefelkohlenstoffanlage errichtet. Ende 1944 kamen den die Betriebe durch Luftangriffe zum Erliegen. Im Dezember 1945 konnte die Schwefelkohlenstoffproduktion und im Sommer 1946 der Sulfat / Salzsäurebetrieb wieder aufgenommen werden. 1949 bis 1951 wurden durch die "chemische" sechs Häuser für 38 Werksangehörige an der nördlichen Surkampstraße gebaut. Die Straße erhielt später den Namen Wirknerstraße.

1967 erfolgte die Stilllegung der Schwefelkohlenstoffproduktion, 1971 wurde die Lithopone-Produktion verkauft und 1973 erfolgte der Verkauf des Fabrikgeländes. 1983 erfolgte die Verlegung von Gelsenkirchen nach Saarlouis.

Weblinks

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Quelle

Briefbogen der Chemische Schalke

192 Chemische 1.jpg

Der Briefbogen gibt die Firmenansicht wieder. Die Anordnung der sieben Kolonie-Häuser in dem in Gelsenkirchen weit verbreiten Kreuzgrundriß – jede Familie hat in diesem „Vierspänner“ ihren eigenen Eingang – im Vordergrund lässt eine Orientierung zu: Sie lagen an der ehemaligen Blücherstraße, der späteren Wiesmannstraße. Sie verlief hier von Ost nach West, so dass der Blick nach Norden orientiert ist, Richtung Berger Feld. Die dominierenden sieben rauchenden Schornsteine sollen wieder für ein blühendes Unternehmen sprechen! In der Mitte des Betriebsgeländes fällt die große Tafelberghalde auf. Bei diesem Bergematerial handelt es sich um den sogenannten Kiesbrand, der aus Eisenoxid bestand.

Das Schreiben selbst ist datiert vom 12. Dezember 1906 und ist an den ersten Oberbürgermeister Theodor Machens in seiner Eigenschaft als Chef der Polizei-Verwaltung gerichtet.

Quelle der Beschreibung

  • Westf. Wirtschaftsarchiv, Dortmund aus: Beiträge zur Stadtgeschichte, Band XXIII, 2003