Elisabeth Hennig

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Elisabeth Johanna Auguste Hennig (* 16. September 1900 in Düsseldorf , † 13. Dezember 1958 in Gelsenkirchen) war eine deutsche Lehrerin und Widerstandskämpferin.

Leben und Tätigkeit

Die im Jahr 1900 in Düsseldorf als Tochter eines Ingenieurs geborene Elisabeth (Johanna Auguste) Hennig war ausgebildete Lehrerin und arbeitete nach sechsjähriger Tätigkeit in Holsterhausen an einer weltlichen, also nicht-konfessionellen Schule. Ab 1932 lehrte Sie an der Fichteschule, Florastraße, einer weltlichen, sich als "frei" bezeichnenden Schule in Gelsenkirchen. In Gelsenkirchen engagierte sie sich zusammen mit Margarethe Zingler in der sozialdemokratischen Frauenarbeit und gehörte bei der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten auch dem Vorstand der Gelsenkirchener SPD-Frauengruppen an. Auch war sie Vorstandsmitglied der Gelsenkirchener Arbeiterwohlfahrt. Der Schwerpunkt ihrer politischen Betätigung in der Gelsenkirchener Sozialdemokratie hatte aber, ihrer Ausbildung entsprechend, bei der Kinder- und Jugendarbeit gelegen. So war sie bis 1933 Leiterin der sozialdemokratischen Kinderfreundebewegung und Mitarbeiterin bei der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und den "Roten Falken". Darüber hinaus war sie verschiedenen Organisationen der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung wie dem Volkschor und der Freien Volksbühne beigetreten. Mit Alfred Zingler hatte sie im Kulturrat der SPD-Unterbezirksorganisation zusammengearbeitet.

1933 wurde Elisabeth Hennig als Sozialdemokratin aus dem Schuldienst entlassen. Offenbar bald nach ihrer Entlassung floh sie in die Niederlande. Dort wurde sie Mitarbeiterin des sozialdemokratischen Grenzsekretärs Ernst Schumacher und hielt zahlreiche Kontakte nach Deutschland und insbesondere in den Raum Gelsenkirchen aufrecht. Immer wieder unternahm sie die gefahrvollen Reisen von den Niederlanden nach Deutschland, schmuggelte illegale Schriften nach Deutschland und gewann weitere ehemalige Sozialdemokraten für den Widerstand. Zunächst wohnte sie in den Niederlanden in Laren bei Zutphen in Gelderland, also nicht weit vom Zufluchtsort der ebenfalls aus Gelsenkirchen geflohenen Zinglers entfernt. 1934 verzog Elisabeth Hennig nach Amsterdam, wo sich das sozialdemokratische Exil konzentrierte. In Amsterdam verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt zunächst als Hausmutter in einem Studentenheim, danach nach einer Schneiderinnen-Ausbildung als Haus- und Konfektionsschneiderin.

Von den nationalsozialistischen Polizeiorganen wurde Hennig aufgrund ihrer Tätigkeit bald als Staatsfeindin eingestuft: 1938 wurde sie ausgebürgert. Und im Frühjahr 1940 setzte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin - das sie irrtümlich in Großbritannien vermutete - auf die Sonderfahndungsliste G.B., ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion und Besetzung der britischen Inseln durch die Wehrmacht von den Besatzungstruppen nachfolgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande wurde sie von der Gestapo, die sie schon seit Jahren suchte, in Amsterdam am 14. Juli 1941 in ihrer Wohnung verhaftet. Aus den Niederlanden wurde sie zur Untersuchungshaft nach Gelsenkirchen und dann nach Essen transportiert.

Sie wurde 1942 vor dem Volksgerichtshof wegen des Vorwurfes der Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. In der Sitzung vom 10. April 1942 wurde sie für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren unter Anrechnung von 8 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Seit dem 27. September 1942 wurde sie im Gelsenkirchener Gefängnis gefangen gehalten. Nach einer Erkrankung wurde sie ins Gefängnis Berlin-Moabit überführt und von dort in das Gefängnis Leipzig-Kleinmensdorf verlegt. Am 22. März 1945 gelangte sie in Freiheit als amerikanische Truppen die Kontrolle über das Zuchthaus Cottbus, in dessen Tuberkulose-Krankensaal sie sich zu diesem Zeitpunkt befand, übernahm. Zu Genesungszwecken blieb sie aber noch bis Juni im Krankensaal. Am 22. Juni 1945 konnte sie schwer krank den Saal für Tuberkulose-Kranke des Gefängnisses verlassen.

Elisabeth Hennig kehrte nach Gelsenkirchen zurück und wurde Leiterin der Frauengruppen der SPD in Gelsenkirchen und arbeitete wieder als Lehrerin an der Gertrud-Bäumer-Realschule.

Sie verstarb am 13. Dezember 1958 an Spätfolgen der Haft und lebte bis zu ihrem Tod im Sellmannshof 36a [1] in Bulmke-Hüllen.

Literatur

  • Der Freiheit verpflichtet: Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, 2000, S. 141.
  • Cordula Lissner: Den Fluchtweg zurückgehen: Remigration nach Nordrhein und Westfalen 1945-1955, 2006.

Quelle

Einzelnachweise

  1. Adressbuch Gelsenkirchen 1958