Ernst Moritz Hess

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Ernst Moritz Hess in Uniform (1918)

Ernst Moritz Hess (* 20. März 1890 in Gelsenkirchen; † 14. September 1983 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Offizier, Richter und Bundesbahnbeamter. War er im Deutschen Heer während des Ersten Weltkriegs noch Vorgesetzter von Adolf Hitler, so geriet er aufgrund seiner jüdischen Herkunft während des Holocausts in große Gefahr, die er nur knapp überlebte.

Leben

Familie

Hess war ein Sohn des Rechtsanwaltes Julius Hess und dessen Ehefrau Elisabeth (1866–?), geb. Heertz, welche einer alten Bankiersfamilie aus Wetzlar entstammte.[1] Er hatte eine ältere Schwester namens Berta (geboren 1888, ermordet im Holocaust) und einen Bruder namens Paul, welcher nach Brasilien emigrierte.[1] Trotz der jüdischen Herkunft seiner Mutter war er evangelisch getauft. Er heiratete Margarete, geb. Witte, ebenfalls evangelisch und bekam mit ihr ein Kind, Ursula.[1] Seine Schwester wurde am 21. Juli nach Theresienstadt und weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Seine Mutter konnte am 5. Februar 1945 mit dem Zug in die Schweiz fliehen und kehrte nie wieder nach Deutschland zurück.

Hess lebte mit seiner Tochter Ursula bis zu seinem Tode in Frankfurt am Main.[1][2]

Militärische Karriere

Hess lebte bis in die frühen 1900er Jahre in Düsseldorf, trat aber nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs trotzdem der Bayerischen Armee bei und diente dort in der 2. Königlich Bayerischen Division.[1] In der Division wurde er dem 16. Reserve-Infanterie-Regiment List zugeteilt und wurde ab 1914 in Flandern eingesetzt.[1] Nach zahlreichen Beförderungen war Hess vom 21. bis zum 29. Juni Kompanieführer der 3. Kompanie und somit Adolf Hitlers Vorgesetzter, welcher zu dieser Zeit als Gefreiter diente.[2] Trotzdem ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die beiden je getroffen haben, da Hess als Frontoffizier keine Befehlsmacht über Hitler hatte, welcher zu dieser Zeit als Meldegänger beim Regimentsstab eingesetzt wurde. Hess und Hitler wurden aber nahezu zur selben Zeit im Oktober 1916 an der Somme verwundet und somit im selben Lazarett behandelt.[3] 1918 wurde er zum Leutnant befördert.][1] Hess wurde mit zahlreichen Medaillen ausgezeichnet, darunter dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse und dem bayerischen Militärverdienstorden.[1]

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Krieg zog Hess wieder nach Düsseldorf zurück und arbeitete dort als Richter, wo er 1934 auch mit dem Ehrenkreuz des Weltkrieges ausgezeichnet wurde.[1] Nach einiger Zeit zog er aber mit seiner Familie nach Wuppertal, wo er, trotz Frontkämpferprivilegs[2], auf Druck der Nationalsozialisten und aufgrund der Nürnberger Gesetze am 1. Januar 1936 seinen damaligen Beruf als Amtsgerichtsrat niederlegen musste.[3][1] In Wuppertal betätigte sich Hess an der Violine und gab häufig Konzerte mit Anton Schoenmaker.[4] Ende 1936 wurde er in einer gewaltsamen Konfrontation mit SS-Schlägern vor seinem Haus zusammengeschlagen.[1]

Wegen dieser Umstände entschied sich Hess mit seiner Familie für die Emigration nach Bozen in Südtirol. Er entschied sich für Südtirol, da er seine Tochter in einem deutschsprachigen Umfeld aufwachsen lassen wollte.[1] In dieser Zeit versuchte Hess, sich an Hitler zu wenden, und erreichte, dass er ab 1937 eine reduzierte Beamtenpension erhielt. Im Jahre 1940 wurde Hess, der vergeblich versuchte, eine Einreiseerlaubnis in die Schweiz zu erhalten, mitsamt seiner Familie durch die Option in Südtirol aus Italien ausgewiesen und musste nach Deutschland zurückkehren. Er zog dort mitsamt seiner Familie in das bayerische Unterwössen in der Nähe von Traunstein, wo seine Tochter das lokale Marquartsteininternat besuchen konnte.[1] In Unterwössen genoss er noch den Schutz Hitlers.[3]

Im November 1940 erhielt Hess auch einen eigentlichen Schutzbrief, welcher vom damaligen Chef der Reichskanzlei, Hans-Heinrich Lammers, ausgestellt war. Diese Protektion hielt aber nicht lange an, da ihm schon im Juni 1941 sein Schutzbrief entzogen wurde. Zahlreiche Versuche, sich an Hans Lammers und Otto Bene zu wenden, scheiterten.[1] Das einzige, was Hess noch vor der Deportation in ein Vernichtungslager schützte, war seine Ehe mit Margarete, trotzdem wurde er in das Judenlager Milbertshofen[1] verbracht und zu Zwangsarbeit verurteilt. Später wurde er als Arbeiter an der Kasernenbaufirma L. Ehrengut eingesetzt, wo er durch die Gestapo gezwungen wurde, in einem sogenannten Judenhaus zu wohnen.[1] Nachdem das Gelände der Kasernenbaufirma durch einen Luftangriff im Jahre 1943 nahezu zerstört wurde, wurde Hess bis zum 20. Mai 1945 als Zwangsarbeiter beim Klempner Georg Grau eingesetzt.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Kriegsende wurde ihm eine Berufung als Richter am Düsseldorfer Amtsgericht angeboten, die er aber ablehnte, weil dort seiner Meinung nach zu viele ehemalige Nationalsozialisten beschäftigt waren.[1] Durch persönliche Kontakte erreichte Hess 1946 eine Position bei der Deutschen Bundesbahn, bei der er von 1949 bis 1955 die Bundesbahndirektion Frankfurt am Main leitete. Hess wurde mit dem Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 1970 mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet.[1]

Einzelnachweise