Ewerdt Hilgemann

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Ewerdt Hilgemann
Cerberus (2000). Berlin

Ewerdt Hilgemann (* 21. Februar 1938 in Witten, Ruhr) ist ein deutsch-niederländischer Künstler, der insbesondere durch seine sogenannten „Implosionen“ bekannt geworden ist.

Leben

Von 1958 bis 1959 studierte Hilgemann an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. In den Jahren 1959 bis 1961 besuchte er die Werkkunstschule und Saarland Universität in Saarbrücken. 1963 arbeitete er in der Künstlersiedlung Asterstein in Koblenz, von 1969 bis 1970 in der Künstlersiedlung Halfmannshof in Gelsenkirchen. Zwischen 1964 und 1967 erhielt Hilgemann Stipendien und Preise der Aldegrever Gesellschaft, Münster, der Fritz-Berg-Stiftung, Hagen, sowie den Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen. 1969 war er Gründungsmitglied der Künstlergruppe B1 in Gelsenkirchen. 1970 zog Hilgemann nach Gorinchem in den Niederlanden. Von 1975 bis 1984 hatte Hilgemann auch ein Atelier in Carrara. Von 1977 bis 1998 war Hilgemann Dozent an der Willem de Kooning Academie in Rotterdam. Seit 1984 wohnt er in Amsterdam, sein Atelier hat er in Hardinxveld-Giessendam in der Nähe von Gorinchem. Seit 1998 verbleibt er zudem regelmäßig in Los Angeles.[1]

Von 1974 bis 1989 war Hilgemann Mitglied der Künstlergruppe internationaler arbeitskreis für konstruktive gestaltung.[2]

Werk

Hilgemanns Arbeiten der 1960er und 1970er Jahre sind geprägt durch seriell-minimalistische Installationen aus Stangen beziehungsweise Röhren („Space Structures“) aus Polyester oder auch Stahl, durch abstrakt-geometrische Holzskulpturen, die meist aus dem Kubus hervorgehen, sowie durch Reliefs aus vielen kleinen Holzstäben. 1981 begann sich eine Wende in Hilgemanns Werk anzudeuten: Hilgemann zerschnitt einen Granitfindling in vier scharfkantige Segmente oder schnitt von eine Marmorkugel in geraden Schnitten sechs Seitenteile so ab, dass ein perfekter Würfel zurückblieb. 1982 rollte er in den berühmten Steinbrüchen von Carrara, von denen schon Michelangelo seinen Marmor bezogen hatte, einen mannshohen Marmorkubus, den er zuvor penibel poliert hatte, eine Marmorbruchhalde hinab. Abgesehen von Kratzern und beschlagenen Ecken und Kanten blieb der Würfel intakt. In ähnlichen Kunstaktionen ließ er 1983 etwa eine Kugel aus Carrara-Marmor mit einem Meter Durchmesser gezielt explodieren oder stieß auf dem Oost-West Forum, Dordrecht, einen geschweißten Stahlkubus vom Dach eines Hochhauses.

Die Beschaffenheit der Skulpturen, zu denen diese Art geplant durchgeführter Zerstörungen führt, hängt zwar stark vom Zufall ab, lässt sich aber in gewisser Weise auch steuern. Dies trifft - nach Aussage des Künstlers - ebenso auf die sogenannten „Implosionen“ zu, zu denen Hilgemann 1984 fand. Mit einer Vakuumpumpe pumpt er aus luftdicht verschweißten Edelstahlhohlkörpern nach und nach die Luft (oder auch das Wasser) im Innenraum ab. Der Luftdruck in der Umgebung lässt daraufhin die Kuben, Quader und Pyramiden sich so zusammenfalten, dass sie anschließend aussehen, als wären sie durch enorme äußere Krafteinwirkung demoliert worden.

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl)

  • 1969 Space Structure (Bijlmer), Stadt Amsterdam - Bijlmermeer, Niederlande
  • 1974 Three equal volumes, Stadt Gorinchem, Niederlande
  • 1979 Field of 32 Cubes, Stadt Brielle, Niederlande
  • 1982 Bolder in Halves, Museum für Moderne Kunst, Arnheim, Niederlande
  • 1983 Finnish Landscape, Stadt Kemi, Finnland
  • 1983 Exploded Spheres, Stadt Dordrecht, Niederlande
  • 1985 Imaginary Landscape, IWO, Amsterdam, Niederlande
  • 1986 Imploded Pyramid, Kleinsassen, Landkreis Fulda
  • 1986 Elblag Implosion, Stadt Elblag, Polen
  • 1986 Natura Artis Magistra, Universität Nijmegen, Niederlande
  • 1987 Birth, Stadt Heemstede, Niederlande
  • 1991 Plus Minus, Stadt Gorinchem, Niederlande (gemeinsames Projekt mit Jan van Munster)
  • 1992 Delft Implosion, Technische Universität Delft, Niederlande
  • 1992 Fountain, Ingolstadt
  • 2000 Cerberus, Investitionsbank Berlin, Berlin
  • 2011 Drei Grazien, Bad Soden am Taunus
Space Structure, Hauptschule Frankampstraße in Gelsenkirchen

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)

Dänemark
  • Louisiana Museum für Moderne Kunst, Humlebæk
Deutschland
  • Forum Konkrete Kunst, Erfurt
  • Bernhard-Letterhaus-Schule, Gelsenkirchen (Space Structure 1968)
  • Museum Modern Art, Hünfeld
  • Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
  • Museum Abteiberg, Mönchengladbach
  • Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
  • Stadt Wanne-Eickel
  • Museum im Kulturspeicher, Würzburg
Korea
  • Il-San Skulpturenpark, Ko-Yang City
Niederlande
  • Gorcums Museum, Gorinchem
  • Stadt Rotterdam
  • Stadt Winschoten (Rolling Cube 1982)
Polen
  • Museum Chelm, Chelm
  • Muzeum Sztuki w Lodz, Lodz
  • BWA Lublin, Lublin
Schweiz
  • Kunstmuseum Sion
Ungarn
  • Vasarely Museum, Budapest

Literatur

Antoinette de Stigter, Pieter Sanders Jr.: Ewerdt Hilgemann - Bodies of Work. ArtAffairs, Amsterdam, 2009

Einzelnachweise

Weblinks