FC Schalke 04

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FC Schalke 04
Logo des FC Schalke 04
Voller Name FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V.
Ort Gelsenkirchen
Gegründet 4. Mai 1904
Vereinsfarben Blau-Weiß
Vorstand Alexander Jobst (Marketing, Vertrieb & Organisation)
Peter Knäbel (Sport & Kommunikation)
Christina Rühl-Hamers (Finanzen, Personal & Recht)
Webseite schalke04.de
Trainer Dimitrios Grammozis
Stadion Veltins-Arena
Plätze 62.271
54.740 (international)
Homepage www.schalke04.de
Liga Fußball-Bundesliga
2020/2021 18. Platz

Der FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. (kurz FC Schalke 04 oder S04) ist ein Fußballverein aus dem Stadtteil Schalke. Mit sieben Deutschen Meisterschaften und fünf Erfolgen im Tschammer- bzw. DFB-Pokal sowie dem Sieg im UEFA-Pokal 1997 zählt Schalke 04 zu den erfolgreichsten Fußballvereinen des Landes.

Mit 150.688 Mitgliedern im Mai 2018 ist der FC Schalke 04 nach Zahl der Mitglieder der fünftgrößte deutsche Sportverein und der siebtgrößte weltweit. Er unterhält auch Abteilungen für Basketball, Blindenfußball, E-Sport, Handball, Leichtathletik, Schiedsrichter und Tischtennis. Seit August 2001 tragen die Fußballprofis, traditionell als Die Knappen oder auch als Die Königsblauen bezeichnet, ihre Heimspiele in der Veltins-Arena aus.

Vereinsstruktur

Der FC Schalke 04 organisiert seine Lizenzspielerabteilung als einer der letzten Bundesligisten im eingetragenen Verein (e.V.). Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussorgan des Vereins und wählt sechs Mitglieder des Aufsichtsrats, der maximal aus elf Mitgliedern besteht. Ein weiteres Mitglied bestimmt der Sportbeirat (Sportabteilungen des Vereins), außerdem wird ein Mitglied aus dem Schalker Fan-Club-Dachverband entsendet. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass der Aufsichtsrat außenstehende Personen kooptieren kann.

Der Aufsichtsrat bestellt und kontrolliert den Vorstand. Dieser ist für die ordnungsgemäße Wahrnehmung aller Vereinsaufgaben verantwortlich und besteht aus mindestens zwei, höchstens vier Mitgliedern. Auf der Jahreshauptversammlung 2015 wurde ein sportlicher Beirat ins Leben gerufen. Der Aufsichtsrat wählt jährlich einen Vorsitzenden aus seiner Mitte. Aktueller Aufsichtsratsvorsitzender ist Clemens Tönnies.

Die Abteilungen des Vereins verfügen über je einen Abteilungsleiter, der den jeweiligen Abteilungsvorständen vorsteht und die Abteilungsversammlungen leitet.

Geschichte

1904 bis 1912: Gründungsjahre als „Westfalia“

Ein Jahr, nachdem das aufstrebende, stark vom Bergbau (Zeche Consolidation) geprägte Industriedorf Schalke in die Stadt Gelsenkirchen eingemeindet worden war, trafen sich einige 14- und 15-jährige Jungen, die einfach nur gemeinsam Fußball spielen wollten – der Legende nach in einem Hinterhof nahe der Gewerkenstraße am Schalker Markt. Willy Gies, Johann Kessel, Viktor Krogull, Heinrich Kullmann, Adolf Oetzelmann, Ferdinand Gebauer, Johannes Hornung, Josef Seimetz, Wilhelm van den Berg und Josef Versen gründeten dazu am 4. Mai 1904 einen losen Verein, dem sie den Namen „Westfalia Schalke“ gaben. „Es ist die Stunde, da die Schalke-Geschichte beginnt“, schreibt 100 Jahre später Die Zeit, „eine Geschichte der Leidenschaft, des Schwindels, der Macht – die Geschichte des legendärsten deutschen Fußballklubs.“[1]

Bis zum Jahresende hatte sich die Zahl der Mitglieder verdoppelt; die Gründungsgeneration war „gegenüber der Masse der zugewanderten Arbeitskräfte eher kleinbürgerliche[r] Herkunft“ mit einer „relativ stabilen Lebensweise“, so war beispielsweise Willy Gies Lehrling beim Küchengerätehersteller Küppersbusch. Wie andere Vereine aus dem Ort spielten auch die Schalker auf dem städtischen Sportplatz, ehe der Vereinswirt ihnen einen eigenen an der Grenzstraße vermittelte. 1907 zählte der Verein bereits 40 – inzwischen zahlende – Mitglieder („fünf Pfennig monatlich für Schüler und zehn Pfennig für Schulentlassene“). Vereinsfarben waren in diesen Jahren nicht die heutigen Blau und Weiß, sondern Rot und Gelb.

1909 wurde mit der Eintragung ins Vereinsregister der Stadt Gelsenkirchen aus den Freizeitkickern offiziell ein Verein; Vorsitzender wurde – da Willy Gies, den die Kicker bis dahin als ihren Leiter betrachteten, noch nicht volljährig war – Heinrich Hilgert, der auf der Zeche als Wiegemeister arbeitete. Die Umgebung des Vereins und viele seiner Fußballer entstammten diesem Bergmannsmilieu; dies brachte den Schalkern den Spitznamen „die Knappen“ ein – ein Knappe ist ein Bergmann nach abgeschlossener Lehre.

1912 bis 1924: Vom „Turnverein 1877“ zum „FC Schalke 04“

In den damaligen Fußballverband, den Westdeutschen Spielverband, wurden die Schalker Kicker auch als Verein zunächst noch nicht aufgenommen. Daher fusionierten die „Westfalen“ 1912 mit dem Schalker Turnverein 1877 unter Präsident Fritz Unkel, der diesem Verband bereits angehörte. Die Fußballer blieben allerdings eine eigenständige Abteilung innerhalb des Vereins.

Der Beginn des Weltkriegs 1914 beeinflusste auch den Sportverein aus Schalke; der Spielbetrieb wurde eingestellt. 1915 versuchte Robert Schuermann ihn mit einer Neugründung der Westfalia auf dem Gelände des Turnvereins wieder aufzunehmen; bis 1917 gelang dies, dann kam der Spielbetrieb endgültig für die Zeit des Krieges zum Erliegen.

Nach Ende des Krieges schlossen sich am 24. Juli 1919 der Schalker Turnverein 1877 und der Sportverein Westfalia Schalke endgültig zusammen; aus ihnen wird der Turn- und Sportverein Schalke 1877. Wenige Wochen zuvor, der Legende nach am 25. Mai 1919, gab es ein für die Zukunft ebenso wichtiges Ereignis: Ernst Kuzorra machte als B-Jugendlicher gegen Erle 08 sein erstes Spiel für den Verein.

1920 hatte der TuS 1877 im Fußballbereich fünf Senioren- und vier Jugendmannschaften; ein Team stieg in diesem Jahr in die A-Klasse, ein Jahr später als Meister in die Emscher-Kreisliga auf. Im August 1922 machte der Verein sein erstes Spiel gegen eine Mannschaft aus dem Ausland – den Halbprofis des österreichischen Erstligisten und amtierenden Pokalsiegers Wiener Associationfootball-Club unterliegen an der Grenzstraße die „Knappen“ knapp mit 1:2.

Wichtigste Schalker dieser Zeit sind die Brüder Hans Ballmann und Fred Ballmann. Sie waren in Dortmund geboren; mit drei Jahren wanderten sie nach England aus, wo sie vom schottischen Kombinationsfußball mit seinen kurzen und flachen Pässen beeinflusst wurden. Fritz Unkel erinnerte sich 1934: „…als sie 1919 wieder nach Deutschland zurückkamen, galt es als eine Sensation, die ‚Engländer‘ spielen zu sehen. Ihr System […] kannte man in Deutschland nicht.“ Was sie von der Insel mitgebracht hatten, waren „Flachpass-Spiel. Dribbeln. Täuschen. Freilaufen.“ Die Grundlagen für das, was, später mit den Namen Ernst Kuzorra und Fritz Szepan verbunden, zum Erfolgsrezept des Teams in den 1930er Jahren wurde: den „Schalker Kreisel“.

Am 5. Januar 1924 spaltete sich auf einer Sitzung beim Vereinswirt Oeldemann die Turn- von der Fußballabteilung des Vereins ab. Die Fußballer wählten als neuen Namen Fußballklub Schalke 04 e.V. und die Vereinsfarben Blau und Weiß. Hans J. König schrieb das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb’ ich dich“, das mit der Zeile „Tausend Feuer in der Nacht haben uns das große Glück gebracht“ auch von der Gelsenkirchener Schwerindustrie kündet.

1924 bis 1930: Mit dem „Kreisel“ zur Westdeutschen Meisterschaft

Hans Ballmann hatte den Verein im Oktober 1923 verlassen. Er wurde später Küster in Philadelphia, doch sein Bruder kümmerte sich bis 1926 weiter um die Verbesserung der „Kreiseltechnik“. Seine erfolgreichsten „Schüler“ waren dabei Ernst Kuzorra und dessen Schwager Fritz Szepan. 1924 wurden die Mannen Bezirksmeister der Kreisliga.

1925 verpflichteten die Gelsenkirchener zum ersten Mal einen richtigen Trainer – den ehemaligen Nationalspieler Heinz Ludewig. Mit ihm wurden sie Meister der Emscherkreisliga, Ruhrgaumeister der Kreisliga und Westdeutscher Meister der Kreisliga. Damit hätten die Schalker bereits eine weitere Stufe erklommen, hätte der Verband nicht eine Aufstiegssperre verhängt gehabt. Noch Jahre später witterten die damaligen Aktiven darin eine Verschwörung gegen den Verein. „Die wollten uns nicht in ihrer höchsten Klasse dabei haben“, zitiert die WAZ den ehemaligen Torwart August Sobotka. Mit „die“, also mit denjenigen, die mit dem Arbeiterverein Schalke nichts zu tun haben wollten, waren der Verband und die „bürgerlichen“ Vereine der Region, wie Schwarz-Weiß Essen, gemeint.

1926 wiederholten die Schalker aber den Meistertitel und durften nun aufsteigen in die damals höchste Spielklasse, die Ruhrbezirklasse (Gauliga Ruhr), in der sie 1927 Meister und anschließend westdeutscher Vizemeister wurden. Damit erreichten sie erstmals die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, schieden jedoch in der Vorrunde durch eine 1:3-Niederlage gegen den TSV 1860 München aus. Die Euphorie war jedoch groß, und so beschloss die Mitgliederversammlung den Bau eines neuen Stadions, der alsbald in Angriff genommen wurde. Ernst Kuzorras Spielklasse wurde in diesem Jahr mit seinem ersten Einsatz in der deutschen Nationalelf am 20. November beim Spiel gegen die Niederlande gewürdigt. Er war damit der erste Schalker in der Auswahl.

1928, mit dem Österreicher „Guggi“ Wieser als Trainer, reichte es als erneuter Bezirksmeister nur zu Platz 3 der Westdeutschen Meisterschaft, der aber zum Erreichen der Endrunde genügte. Auch diesmal schieden die Knappen frühzeitig aus, mit einem 2:4 beim späteren Finalsieger Hamburger SV. Im September des Jahres gab es das erste Spiel in der neuen Glückauf-Kampfbahn, benannt nach dem Gruße der Bergleute; in Freundschaft ging es zur Eröffnung gegen Tennis Borussia Berlin. Dankbar, dass die Stadt Gelsenkirchen sich an den Kosten für die neue Spielstätte beteiligt hatte, benannte sich der Verein um in FC Gelsenkirchen-Schalke 04.

1929 feierte Schalke die dritte Bezirksmeisterschaft in Folge – und reüssierte erstmals auch in der Westdeutschen Meisterschaft: im Endspiel besiegten sie den Meidericher Spielverein. In der DM-Endrunde gab es jedoch wieder keinen Erfolg, mit einem 1:4 gegen Hertha BSC kam das Aus diesmal allerdings erst im Viertelfinale. Ähnlich lief es 1930: Der Westdeutsche Meister schied in der Endrunde ebenfalls im Viertelfinale mit einem 2:6 gegen den damaligen Rekordmeister 1. FC Nürnberg aus.

1930 bis 1933: Vom „Profi“-Skandal zur deutschen Vizemeisterschaft

Saison Platz Liga
1926/27 2. Platz Westdeutsche Meisterschaft
1927/28 3. Platz Westdeutsche Meisterschaft
1928/29 1. Platz Westdeutsche Meisterschaft
1929/30 1. Platz Westdeutsche Meisterschaft
1930/31 7. Platz Bezirksmeisterschaft Ruhr
1931/32 1. Platz Westdeutsche Meisterschaft
1932/33 1. Platz Westdeutsche Meisterschaft

Zum ersten schwarzen Tag in der blau-weißen Historie wurde der 25. August 1930: der Verein wurde vorübergehend aus dem Westdeutschen Spielverband ausgeschlossen, 14 Spieler des FC Schalke 04 wurden zu Profis erklärt und vom Spielbetrieb exkludiert. Der Verein habe sich mit „überhöhten Spesenzahlungen“ an die Spieler eines „Verstoßes gegen das Amateurwesen“ schuldig gemacht. Bis zu zwanzig statt der erlaubten fünf Mark Handgeld sollen unter anderem Hans Tibulsky, Fritz Szepan und Ernst Kuzorra kassiert haben. Tatsächlich gab es auch Jahrzehnte später noch Gerüchte über Kuzorras finanzielles Gebaren – vor großen Spielen soll er erst einmal die Anzahl der Menschen auf den Rängen geschätzt und bei gutem Besuch das Hinauslaufen auf den Platz verzögert haben, bis die Verantwortlichen „'nen Hunderter für jeden Spieler“ in die Stiefel geschoben hatten.

So amüsant die Anekdote auch sein mag, so traurig war die Realität: Schalkes Schatzmeister Willi Nier nahm sich aus Scham über die Ereignisse das Leben.

Bereits im Januar 1931 wurde der Verein wieder in den Verband aufgenommen, die gesperrten Spieler zum 1. Juni 1931 begnadigt. 70.000 Zuschauer sahen an diesem Tage in der Glückauf-Kampfbahn das Comeback ihrer Spieler gegen Fortuna Düsseldorf. Auch für die Nationalmannschaft werden die Schalker bald wieder berücksichtigt; im September spielen Kuzorra, Szepan – zum einzigen Male gemeinsam – und Tibulski für den DFB in Hannover gegen Dänemark.

Szepan und Kuzorra sind in diesen Tagen die treibenden Kräfte der Schalker Mannschaft, verantwortlich für Taktik und Aufstellung, wenn auch offiziell Hans Sauermann als Trainer fungierte. 1932 erreichen die „Knappen“ so erneut die Endrunde der Deutschen Meisterschaft; erst im Halbfinale ist gegen Eintracht Frankfurt (1:2) Endstation.

Es mag strittig sein, ob der Verein auch ohne die Machtergreifung durch die NSdAP seine großen Erfolge in den 1930er und 1940er Jahren hätte feiern können; klar ist aber, dass er vor der Zeit des Nationalsozialismus auf einem Weg war, der stetig bergauf ging. Auch 1933 erreichte Schalke als Westdeutscher Meister die Endrunde der Deutschen Meisterschaft; nach Siegen gegen den Berliner FC Viktoria 89 und FSV Frankfurt gewannen die Blau-Weißen diesmal auch das Halbfinale, im Leipziger Probstheidaer Stadion gegen 1860 München. Im Finale ging es in Köln am 11. Juni 1933 gegen Fortuna Düsseldorf, das in der Westdeutschen Meisterschaft noch hinter den Schalkern gelandet war. Doch vor 60.000 Zuschauern im Müngersdorfer Stadion war es die Fortuna, die das Spiel mit 3:0 für sich entschied. Bis zur ersten Deutschen Meisterschaft sollte es noch ein Jahr dauern.

Kontroverse um den FC Schalke 04 (Polackenverein)

Schalke 04 bekam schon vor dem Ersten Weltkrieg den abwertend gemeinten Namen „Polackenverein“. Ein Großteil der Spieler der Mannschaft, die in den 1930er Jahren Schalke zum stärksten Verein im Deutschen Reich machten, hatte polnisch klingende Familiennamen. Als Schalke 1934 erstmals deutscher Fußballmeister geworden war, machte die Warschauer Sportzeitung Przegląd Sportowy (Sportrundschau) mit der Schlagzeile auf: „Die deutsche Meisterschaft in den Händen von Polen. Triumph der Spieler von Schalke 04, der Mannschaft unserer Landsleute.“[2] In dem Bericht hieß es, dass Schalke bislang wegen der „polnischen Nationalität“ der Spieler vom Deutscher Fußball-Bund benachteiligt wurde, nun aber allen Widerständen zum Trotz doch Fußballmeister geworden sei. Das Warschauer Blatt berichtete weiter, dass u. a. die Spieler Emil Czerwinski, Ernst Kalwitzki, Ernst Kuzorra, Hermann Mellage, Fritz Szepan, Otto Tibulski, Adolf Urban und Ferdinand Zajons Polen seien, „Söhne von nach Westfalen ausgewanderten polnischen Bergleuten“. Außerdem hieß es, die Namen der „einst wegen ihrer Herkunft verhassten Fußballspieler“ würden nun verehrt.

Andere polnische Zeitungen zogen nach und stellten die Leistungen der Landsleute heraus, ohne die der Gelsenkirchener Verein nicht deutscher Meister geworden wäre. Der Kicker veröffentlichte einige dieser polnischen Pressestimmen.

Die Schalker Vereinsführung verschickte daraufhin einen Offenen Brief an den Kicker sowie an mehrere Zeitungen im Ruhrgebiet. Die Buersche Zeitung gab dem Brief die Überschrift „Alle deutsche Jungen“, in der Unterzeile war von „unbegründeten Gerüchten“ die Rede.[3] In dem Brief wurden die elf Spieler der Meisterschaft und zwei Reservisten namentlich mit ihren Geburtsorten aufgeführt sowie auch ihre Eltern mit den Geburtsorten. Sämtliche dreizehn Spieler waren demnach im Ruhrgebiet geboren, acht der Elternpaare stammten aus Masuren, dem protestantischen Teil Ostpreußens. Zwei Elternpaare waren Einheimische, je eines stammte aus Oberschlesien, aus der Posener Gegend und aus Ostfriesland, nämlich die Familie des Torwarts Hermann Mellage. Bergleute waren unter den Vorfahren der Schalker Spieler nicht vorhanden, einige arbeiteten jedoch nach ihrer Ankunft im Ruhrgebiet im Bergbau.

In der Tat waren fast alle Leistungsträger des Clubs evangelisch. Masuren war im 16. Jahrhundert als Teil Preußens lutherisch geworden. Die Bevölkerung orientierte sich daher nicht am katholischen Polen, sondern am fernen Berlin und Potsdam. Dort wurde sie auch die „altpreußische Bevölkerung“ genannt.[4] Es war kein Zufall, dass unter den Masuren der Vorname Fritz besonders beliebt war; nach dem „alten Fritz“, dem in Polen verhassten Preußenkönig Friedrich II., wurde auch der spätere Fußballstar Fritz Szepan getauft. Nirgendwo im Deutschen Reich war die Stimmung antipolnischer als in Masuren und unter den masurischen Einwanderern im Ruhrgebiet. Dass die Nationalsozialisten in den zwanziger Jahren die Verteidigung Ostpreußens vor polnischen Ansprüchen propagierten, brachte ihnen unter den Masuren zahlreiche Anhänger ein.[5] Auch Kuzorra und Szepan traten der NSDAP bei und ließen sich von der NS-Propaganda instrumentalisieren.[6]

Um sich von polnischen Einwanderern abzugrenzen, nutzten viele der preußisch geprägten Einwanderer aus Masuren die von den Behörden angebotene Möglichkeit, ihre polnisch klingenden Familiennamen zu germanisieren. Auch bei Schalke sind einige Fälle belegt: Zurawski wurde zu Zurner, Regelski zu Reckmann, Zembrzycki zu Zeidler. Der Linksaußen der Meistermannschaft von 1934, Emil Czerwinski, änderte seinen Familiennamen in Rothardt, was eine sinngemäße Übersetzung darstellt – „czerwony“ heißt auf deutsch „rot“.[7]

Schalke wurde dennoch als „Polackenverein“ bezeichnet, weil die einheimischen Westfalen nicht zwischen evangelischen Masuren, katholischen Oberschlesiern und katholischen Polen unterschieden.[8] Letztere organisierten sich vorzugsweise in den nationalpatriotisch ausgerichteten Sokol-Vereinen].[9][10]

1933 bis 1945: Titelsammler unterm Hakenkreuz

Saison Platz Tore Punkte
1933/34 1 76:17 33-3
1934/35 1 47:10 28-8
1935/36 1 94:11 35-1
1936/37 1 103:14 35-1
1937/38 1 81:10 34-2
1938/39 1 51:12 31-5
1939/40 1 98:18 32-4
1940/41 1 101:13 43-1
1941/42 1 93:10 32-4
1942/43 1 91:19 35-1
1943/44 1 61:10 33-3
**1944/45** 2 28:1 4-0
Grün unterlegt: Deutscher Meister
**Abbruch der Saison nach zwei Spielen

Die erfolgreichsten Jahre des FC Schalke 04 fielen in die Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen 1934 und 1942 stand die Mannschaft jedes Jahr mindestens im Meisterschafts- oder Pokalfinale. Sechsmal gewann sie die Meisterschaft, einmal (1937) zusätzlich den Tschammerpokal. Unvermeidlich war dabei, dass die Erfolge der Mannschaft von den Nationalsozialisten ideologisch ausgeschlachtet und Spieler instrumentalisiert wurden. Spieler ließen sich aber auch instrumentalisieren. Die Meisterschaftsfinals wurden ab 1937 im Olympiastadion Berlin ausgetragen und der Kampf- und Teamgeist der Spieler propagandistisch in den Vordergrund gestellt. Absurd war an der NS-Propaganda insbesondere, dass damals die Mannschaftsaufstellungen dank der Nachkommen vieler masurischer, Posener und schlesischer Zuwanderer gar nicht „germanisch“, sondern eher polnisch klangen (Szepan, Kuzorra, Zajons, Urban, Przybylski und viele mehr).

1933 wurden die Knappen der neuen Gauliga Westfalen zugeordnet, die sie in den kommenden Jahren dominieren sollten: in allen elf Spielzeiten bis 1944 war Schalke am Ende Westfalenmeister und erreichte die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am 15. August 1933 wurde der ehemalige Nationalspieler Hans „Bumbes“ Schmidt neuer Trainer – einer der Garanten der künftigen Erfolge. In der Meisterschaftsendrunde 1934 unterlagen die Gelsenkirchener in den Gruppenspielen zwar sowohl dem VfL Benrath als auch dem Eimsbütteler TV, doch mit einem Punkt Vorsprung erreichten sie das Halbfinale. In Düsseldorf brachte ein Sieg über den SV Waldhof 07 die Blau-Weißen wie im Vorjahr ins Finale. Am 24. Juni 1934 trafen in Berlin die Mannen des ehemaligen Nürnberger Meisterspielers Schmidt auf den 1. FC Nürnberg. Dank zweier Tore von Szepan und Kuzorra kurz vor Schluss errangen die Schalker ihren ersten deutschen Meistertitel. Ein Jahr später wiederholten sie den Triumph mit einem 6:4-Sieg im Finale gegen den VfB Stuttgart. Im Dezember 1935 standen sie auch im Endspiel des erstmals ausgetragenen deutschen Pokalwettbewerbs. In Düsseldorf unterlagen sie dem großen Rivalen der 1930er Jahre, dem 1. FC Nürnberg, mit 0:2.

Nachdem 1936 ein Jahr ohne Titel blieb, schafften die Knappen 1937 das Double aus Meisterschaft und Pokal; 1939, 1940 und 1942 folgten weitere deutsche Meisterschaften. Obwohl in den ersten Kriegsjahren die Spieler noch vom Kriegsdienst für Spiele freigestellt wurden, konnte nach 1942 nicht mehr von einem normalen Spielbetrieb die Rede sein.

1945 bis 1963: Oberliga mit deutscher Meisterschaft

Saison Platz Tore Punkte
1945/46 01 60:13 28-4
1946/47 01 92:17 34-2
1947/48 06 40:35 24-24
1948/49 12 33:43 18-30
1949/50 06 65:55 37-23
1950/51 01 69:36 42-18
1951/52 02 63:47 40-20
1952/53 06 67:49 33-27
1953/54 03 76:51 39-21
1954/55 05 51:49 30-30
1955/56 02 67:38 41-19
1956/57 04 76:49 36-24
1957/58 01 74:36 41-19
1958/59 11 57:52 27-33
1959/60 04 59:41 34-26
1960/61 03 59:40 35-25
1961/62 02 68:40 43-17
1962/63 06 62:43 35-25
Grün unterlegt: Deutscher Meister

Ab Juli 1946 war die von Bomben zerstörte Glückauf-Kampfbahn wieder bespielbar. Die Elf konnte jedoch nicht an ihre alten Erfolge anknüpfen. Schalke spielte zunächst in einer zweigeteilten Westfalenliga; 1947 unterlag die Mannschaft im Entscheidungsspiel um die Westfalenmeisterschaft den Reviernachbarn aus Dortmund mit 2:3.Im selben Jahr wurde die Oberliga West gegründet, in der – neben den Schalkern – auch der Anfang der 1950er Jahre erfolgreichere STV Horst-Emscher Gelsenkirchen repräsentierte. In der ersten Saison erreichte S04 nur den sechsten Platz, Horst-Emscher kam auf den dritten Rang. Während die Stadtrivalen 1949 ihre Platzierung halten konnten, verhinderte lediglich eine Aufstockung der Liga den Abstieg der Schalker in die Zweitklassigkeit. Wenig später beendeten Fritz Szepan, der mittlerweile auch als Trainer fungierte, und der inzwischen fünfundvierzigjährige Ernst Kuzorra ihre Laufbahnen mit einem Freundschaftsspiel gegen Atlético Mineiro Belo Horizonte.

1951 wurde Schalke erstmals Meister der Oberliga West und erreichte nach sieben Jahren wieder die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach einem schlechten Start mit Niederlagen gegen St. Pauli und in Kaiserslautern und einem Unentschieden in Fürth gewann die Mannschaft zwar alle Rückspiele, wurde jedoch nur Gruppenzweiter und musste dem späteren Meister aus der Pfalz den Vortritt lassen. Im folgenden Jahr erreichten die Knappen als Oberligazweiter erneut die Meisterschaftsendrunde. Während das Team im DFB-Pokal in den ersten Nachkriegswettbewerben schon früh ausgeschieden war, erreichte man im Pokalwettbewerb 1955 nach Anlaufschwierigkeiten mit zwei Wiederholungsspielen das Finale gegen den Karlsruher SC, unterlag jedoch trotz 2:1-Führung in den Schlussminuten noch mit 2:3.

1956 beendete Schalke die Saison als Zweiter hinter Borussia Dortmund. In der Endrunde gab es in der Gruppe 1 ein spannendes Rennen um die Finalteilnahme; am Ende standen die Schalker ebenso wie der Karlsruher SC und der 1. FC Kaiserslautern mit jeweils 7:5 Punkten gleichauf, so dass der Torquotient entscheiden musste – und der sprach bei 7:5 für den KSC, der somit das Finale gegen den BVB erreichte. Wäre statt des Torquotienten zu dieser Zeit bereits die Tordifferenz – Schalke hatte 16:12 Tore erreicht – ausschlaggebend gewesen, hätte es ein reines West-Endspiel gegeben.

1958 erreichten die Gelsenkirchener, seit 1954 von Edi Frühwirth trainiert, zum zweiten Mal als Meister der Oberliga die DM-Endrunde. In einer Gruppe mit Eintracht Braunschweig, Tennis Borussia Berlin und dem Karlsruher SC gewann Schalke alle drei Spiele und setzte sich souverän mit einem Torverhältnis von 16:1 durch. Im Endspiel traf man auf den Hamburger SV, der ebenfalls drei Gruppensiege vorzuweisen hatte. Am 18. Mai 1958 wurde „Berni“ Klodt, WM-Teilnehmer von 1954, zum Wegbereiter des klaren Sieges; mit zwei Toren brachte er seine Mannschaft vor der Halbzeit in Führung; „Manni“ Kreuz machte mit dem dritten Treffer kurz vor Spielende den Erfolg klar. Berni Klodt sagte später: „Wir hatten lange gebraucht, bis wir wieder eine Spitzenmannschaft besaßen. Gegen die Hamburger lief alles wie am Schnürchen. Unsere Mannschaft war mit 22,5 Jahren im Schnitt noch sehr jung. Aber sie war auch sehr hart, konnte richtig hinlangen. Das war sicherlich nicht mehr der Stil der alten Schalker Meisterelf, unsere Stärken lagen auf anderem Gebiet.“ Nicht mehr mit dem Schalker Kreisel, sondern mit Kampfkraft und Konzentration behaupteten sich die Blauen auch im folgenden Europapokal. In drei Spielen setzten sie sich in der Qualifikation gegen Kjøbenhavns Boldklub durch, im Achtelfinale schalteten sie den englischen Meister Wolverhampton Wanderers aus. Erst im Viertelfinale kam das Aus gegen Spaniens Vizemeister Atlético Madrid.

Unter den Anstrengungen litt der Ligabetrieb – Schalke wurde nur Elfter, konnte aber in den kommenden Spielzeiten wieder auf Spitzenpositionen vorstoßen; mit Platz zwei in der vorletzten Oberliga-Saison qualifizierte sich das Team nach einem Ausscheidungsspiel gegen den Nordzweiten Werder Bremen noch einmal für die Meisterschaftsendrunde. Als Oberligasechster 1963 ging der FC Schalke 04 in die erste Saison der neuen Bundesliga.

1963 bis 1981: Bundesliga mit Skandal und Abstieg

Saison Platz Tore Punkte
1963/64 08 51:53 29-31
1964/65 16 45:60 22-38
1965/66 14 33:55 27-41
1966/67 15 37:63 30-38
1967/68 15 42:48 30-38
1968/69 07 45:40 35-33
1969/70 09 43:54 34-34
1970/71 06 44:40 36-32
1971/72 02 76:35 52-16
1972/73 15 46:61 28-40
1973/74 07 72:68 37-31
1974/75 07 52:37 39-29
1975/76 06 76:55 37-31
1976/77 02 77:52 43-25
1977/78 09 47:52 34-34
1978/79 15 55:61 28-40
1979/80 08 40:51 33-35
1980/81 17 43:88 23-45

Als Gründungsmitglied der Bundesliga blieb Schalke bis 1981 erstklassig. Allerdings musste der Verein in den ersten Jahren nicht nur sportlich darum kämpfen. Schon zu Ende der ersten Bundesligarunde stand die Lizenz auf dem Spiel. Der Deutscher Fußball-Bund befürchtete, dass Schalke seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnte. Der Verein verkaufte daraufhin die Glückauf-Kampfbahn an die Stadt Gelsenkirchen; auf Drängen der Stadt trat der Vorstand zurück, Fritz Szepan wurde zum ersten Mal Vereinspräsident. Zuvor hatte bereits der erste Trainerwechsel der Knappen in der Liga stattgefunden: Georg Gawliczek musste gehen, Fritz Langner übernahm.

In der zweiten Bundesliga-Spielzeit 1964/65 stand das Team, in der Vorsaison noch Achter, am Ende auf dem letzten Platz. Nur weil die Liga auf 18 Mannschaften aufgestockt wurde und es nach dem Lizenzentzug für Hertha BSC keine weiteren Absteiger gab, blieb Schalke in der Eliteklasse. Die folgenden Spielzeiten kämpfte die Mannschaft mehr gegen den Abstieg denn um einen Mittelfeldplatz. Tiefpunkt war am 7. Januar 1967 die bislang höchste Niederlage der Schalker. Das 11:0 für Borussia Mönchengladbach blieb mehr als elf Jahre lang der Bundesliga-Rekordsieg, ehe ebenfalls den Gladbachern gegen Borussia Dortmund 1978 noch ein Tor mehr gelang.

Ende der Saison 1967/68 konnten die Schalker zumindest international durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machen: bei der Coppa delle Alpi 1968 setzte sich das Team in einem internationalen Feld mit unter anderen Eintracht Frankfurt, Juventus Turin und BSC Young Boys durch und siegte im Finale gegen den FC Basel. In der Saison 1968/69 setzte sich der Aufwärtstrend fort. Schalke beendete nach einem Trainerwechsel von Günther Brocker zu Rudi Gutendorf die Saison als Bundesligasiebter und erreichte das Pokalfinale. Zwar verloren die Knappen gegen den FC Bayern München; da der jedoch sein erstes Double holte, vertrat Königsblau den DFB im Europapokal der Pokalsieger 1969/70. Hier scheiterte Schalke erst im Halbfinale an Manchester City; einem 1:0-Sieg dank eines Treffers von Stan Libuda folgte ein 1:5 in England. Zwei Schalker Spieler durften mit der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Mexiko reisen: neben Libuda das mittlerweile ebenfalls etablierte Defensivtalent Klaus Fichtel.

Im Jahr 1971 war der Verein in den Bundesliga-Skandal verwickelt. Gegen Bestechungsgelder hatte die Mannschaft das Spiel gegen Arminia Bielefeld absichtlich 0:1 verloren. Mehrere Spieler wurden gesperrt, nachdem das Team die Saison 1971/72 als Vizemeister und Pokalsieger beendete. 1973 zogen die Fußballer in das Parkstadion im Gelsenkirchener Stadtteil Erle um, das im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland errichtet wurde, aber auch für Leichtathletikveranstaltungen genutzt werden konnte. Das Parkstadion wurde im Laufe der Zeit ein beliebter Veranstaltungsort für Großkonzerte.

Am 21. Juli 1973 bezeichnete Carmen Thomas, damals Moderatorin des Aktuellen Sportstudios, den Verein irrtümlich als „Schalke 05“. In einer massiven Kampagne insbesondere der Bild-Zeitung wurde ihre Entlassung gefordert, aber das ZDF ließ sie weitere zwei Jahre das Sportstudio moderieren. Über dreißig Jahre später, beim Heimspiel am 28. August 2004 gegen Hansa Rostock, entschuldigte sie sich in der Arena für ihren Lapsus offiziell bei allen anwesenden Schalker Fans.

1977 wurde Schalke erneut Vizemeister hinter Borussia Mönchengladbach; in dieser Saison erzielte die Elf um Klaus Fischer am 9. Oktober 1976 mit einem 7:0 beim FC Bayern München ihren bislang höchsten Bundesligasieg. Noch vier Jahre spielte der Verein in der ersten Liga, ehe Schalke am Ende einer verkorksten Saison 1980/81 als Bundesligasiebzehnter nach 55 Jahren erstmals wieder in die Zweitklassigkeit absteigen musste.

1981 bis 1997: Krisen und Aufschwung zum UEFA-Pokal

Saison Platz Tore Punkte
1981/82 01 70:35 51-25
1982/83 16 48:68 22-46
1983/84 02 95:45 55-21
1984/85 08 63:62 34-34
1985/86 10 53:58 30-38
1986/87 13 50:58 32-36
1987/88 18 48:84 23-45
1988/89 12 58:51 36-40
1989/90 05 69:51 43-33
1990/91 01 64:29 57-19
1991/92 11 45:45 34-42
1992/93 10 42:43 34-34
1993/94 14 38:50 29-39
1994/95 11 48:54 31-37
1995/96 03 45:36 56
1996/97 12 35:40 43
Rot unterlegt: 2. Bundesliga

In den 1980er Jahren stieg Schalke weitere zwei Male in die Zweite Liga ab und musste wegen finanzieller Probleme um seine Lizenz bangen. Geistlicher Beistand wurde den Schalkern insbesondere seit dem 2. Mai 1987 zuteil, als Papst Johannes Paul II. eine Messe im Parkstadion mit 100.000 Teilnehmern feierte und kurz darauf eine Einladung zum Ehrenmitglied der „Knappen“ annahm. 1988 brachte den erneuten Abstieg in die zweite Liga, in der folgenden Saison drohte dem finanziell klammen Verein gar der freie Fall in die Drittklassigkeit. Rettung brachte der millionenschwere Klinikbesitzer Günter Eichberg, der erhebliche Finanzmittel zur Verfügung stellte und neue Sponsoren gewinnen konnte. 1991 gelang der Mannschaft schließlich der Wiederaufstieg in die Bundesliga. Eichbergs glamouröser Führungsstil und seine ehrgeizigen Pläne (u. a. der Bau eines neuen modernen Stadions) brachten ihm in der Presse den Titel „Sonnenkönig auf Schalke“ ein. Finanzielle Schwierigkeiten seines Klinikimperiums führten 1993 zum Rücktritt Eichbergs, der den Verein in eine schwere Krise stürzte. Zu seinen letzten Amtshandlungen gehörten die Verpflichtungen Rudi Assauers als Manager und Jörg Bergers als Trainer zur Rettung der abstiegsbedrohten Bundesligamannschaft. Finanziell hinterließ Eichberg einen Schuldenberg, zu dem teure Fehleinkäufe und ein undurchsichtiges Vertragswerk beitrugen.

Mit dem Fleischfabrikanten Bernd Tönnies gelang es dem Vorstand, einen neuen Investor auf den Präsidentenstuhl zu heben und den Verein finanziell zu retten. Der plötzliche Tod Tönnies' brachte 1994 noch einmal erhebliche Unruhe in den Verein, als es dem Vorstand nicht gelang, auf der Hauptversammlung seinen farblosen Präsidentschaftskandidaten gegen den ehemaligen Schalker Nationalspieler Helmut Kremers durchzusetzen, der mit einer emotionalen Rede die Vereinsmitglieder zu beeindrucken wusste. Kremers trat auf Druck von Sponsoren und Banken bald darauf wieder zurück, und der Verein beschloss wegweisende Satzungsänderungen, die eine Professionalisierung des Managements zum Ziel hatten und den Einfluss der oft emotional geprägten Hauptversammlungen beenden sollte. Starker Mann auf Schalke wurde nun Manager Assauer. Auch sportlich stellten sich unter Trainer Berger langsam wieder Erfolge ein. 1996 erreichte die Mannschaft den dritten Platz in der Bundesliga und damit erstmals seit 1977 wieder eine Teilnahme am UEFA-Pokal-Wettbewerb. Hier konnten die Gelsenkirchener in der ersten Runde den niederländischen Teilnehmer Roda JC aus Kerkrade ausschalten, dessen Trainer Huub Stevens nur zwei Wochen später Berger ablöste. Mit Stevens gelang ein Siegeszug im UEFA-Pokal. Über Trabzonspor, FC Brügge, FC Valencia und den von Jupp Heynckes trainierten CD Teneriffa erreichte das – im Laufe des Wettbewerbs von Fans und Presse zu Eurofightern ernannte – Team um Jens Lehmann, Olaf Thon, Andreas Müller, Mike Büskens, Jiří Němec, Ingo Anderbrügge, Martin Max oder Youri Mulder überraschend die Finalspiele gegen Inter Mailand. Nach einem 1:0-Sieg in Gelsenkirchen entschied im Giuseppe-Meazza-Stadion das Elfmeterschießen – mit dem letzten Treffer vom Strafstoßpunkt durch Marc Wilmots war Schalkes bis dato größter Triumph der Vereinsgeschichte am 21. Mai 1997 perfekt.

1997 bis 2006: Meister der Herzen, Pokalsiege und das Ende der Ära Assauer

Saison Platz Tore Punkte
1997/98 05 38:32 52
1998/99 10 41:54 41
1999/00 13 42:44 39
2000/01 02 65:35 62
2001/02 05 52:36 61
2002/03 07 46:40 49
2003/04 07 49:42 50
2004/05 02 56:46 63
2005/06 04 47:31 61
Veltins-Arena

Der Geschäftsbetrieb wurde professionalisiert. Seit 1994 wird der Vorstand nicht mehr direkt von den Vereinsmitgliedern gewählt, sondern vom gewählten Aufsichtsrat bestellt. 2000 wurde die „FC Schalke 04 AG“ und mehrere Tochtergesellschaften unter anderem für den Stadionbetrieb gegründet. 2001 wurde Schalke Vizemeister; am letzten Spieltag fühlten sich die Schalker bereits für vier Minuten zum achten Mal als deutscher Meister, doch ein Freistoßtor von Patrik Andersson, mit dem der FC Bayern München in der Nachspielzeit beim Spiel in Hamburg noch ein Unentschieden erreichte, ließ die Träume platzen. Schalke wurde von den Medien zum „Meister der Herzen“ gekürt und zog erstmals in die Champions League ein. Wenig Trost brachte es, dass in Berlin eine Woche später gegen Union Berlin der dritte Pokalsieg gelang. In der folgenden Saison verteidigten die Blauen den Pokal im Endspiel gegen Bayer 04 Leverkusen.

Im August 2001 zogen die Knappen abermals um, diesmal in die Arena AufSchalke, die seit 2005 Veltins-Arena heißt. Infolge der großen Investitionen in „Steine und Beine“ verschuldete sich der Verein. Im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Stadions und der Verstärkung des Kaders wurde unter anderem im Herbst 2002 eine Anleihe in Höhe von 85 Millionen Euro aufgenommen, die kurzfristige Kredite ersetzt. Nach Auskunft des damaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Josef Schnusenberg belasteten den Verein im Herbst 2006 Verbindlichkeiten in Höhe von 195 Millionen Euro; in verschiedenen Presseorganen wurde eine Summe von 225 Millionen Euro genannt.

Mit den finanziellen Risiken gingen allerdings auch sportliche Erfolge einher. In der Spielzeit 2004/05 hatte die Mannschaft es erneut in der Hand, deutscher Meister zu werden, schaffte aber letztlich nur den zweiten Platz. Die Mannschaft nahm in der Folgesaison in der Champions League teil, wo sie in einer Gruppe mit dem PSV Eindhoven, Fenerbahçe Istanbul und dem Vorjahresfinalisten AC Mailand spielte. In der Gruppe holte S04 den dritten Platz und spielte im UEFA-Cup weiter. Im Sechzehntelfinale traf die Mannschaft auf Espanyol Barcelona. Im Hinspiel vor eigenem Publikum besiegte Schalke 04 die Katalanen mit 2:1. Das Rückspiel in Barcelona wurde mit 3:0 gewonnen. Im Achtelfinale traf S04 auf die US Palermo. Nach einer 0:1-Hinspielniederlage in Palermo gab es vor eigenem Publikum einen 3:0-Sieg. Im Viertelfinale wurde Lewski Sofia bezwungen, ehe Schalke 04 im Halbfinale knapp gegen den FC Sevilla ausschied; während es vor eigenem Publikum ein torloses Unentschieden gab, verlor man das Rückspiel in Sevilla mit 0:1 nach Verlängerung, wobei ein Unentschieden ab 1:1 für den Einzug in das Finale ausgereicht hätte. Am letzten Spieltag wurden unter anderem Ebbe Sand, Tomasz Wałdoch und Marco van Hoogdalem verabschiedet. Die Saison wurde nach einem 3:2-Sieg, wo auch Sand und Waldoch trafen, auf dem vierten Tabellenplatz beendet. Am 17. Mai 2006 trat der langjährige Manager Rudi Assauer von allen Ämtern im Verein zurück. Zuvor wurde er verdächtigt, geheime finanzielle Informationen an das Nachrichtenmagazin „Focus“ weitergegeben zu haben. Der Focus berichtete, dass Schalke damals Privatkredite aufgenommen habe, um eine Insolvenz abzuwenden. Assauers Nachfolger wurde Andreas Müller, der von nun an für den sportlichen Bereich verantwortlich war.

2006 bis 2016: Internationaler Dauergast, Pokalsieg und Champions-League-Halbfinale 2011

Saison Platz Tore Punkte
2006/07 02 53:32 68
2007/08 03 55:32 64
2008/09 08 47:35 50
2009/10 02 53:31 65
2010/11 14 38:44 40
2011/12 03 74:44 64
2012/13 04 58:50 55
2013/14 03 63:43 64
2014/15 06 42:40 48
2015/16 05 51:49 52

Im UEFA-Cup wurde Schalke als Turnier-Favorit gehandelt.[11] In der 1. Runde trafen sie auf die AS Nancy. Das Hinspiel auf Schalke wurde durch ein Tor von Søren Larsen knapp mit 1:0 gewonnen, während das Rückspiel gegen den Außenseiter aus Lothringen mit 1:3 verloren wurde und man somit frühzeitig aus dem Turnier ausschied. In der Bundesliga spielten die Gelsenkirchener bis zum Ende um die Meisterschaft mit. Jedoch verlor man die Tabellenführung nach einer Niederlage gegen Borussia Dortmund am 33. Spieltag an den VfB Stuttgart und musste sich daher mit der Vize-Meisterschaft begnügen. In Dresden wurde am 10. Oktober 2006 ein Sponsorenvertrag mit dem russischen Energiekonzern Gazprom unterzeichnet. Seit dem 1. Januar 2007 befindet sich das Logo der Firma auf den Trikots des Profi-Kaders.

In der Champions League 2007/08 überstand Schalke erstmals die Gruppenphase und scheiterte erst im Viertelfinale am FC Barcelona. In der Bundesliga erreichte man in der Saison 2007/08 den dritten Platz. Seit Januar 2008 ist der FC Schalke 04 außerdem eines von vier deutschen Mitgliedern der neugegründeten ECA, der Interessenvertretung europäischer Fußballclubs.[12] Im Geschäftsjahr 2007 verbuchte der FC Schalke 04 einen Rekordumsatz von 156 Millionen Euro, wobei der Gewinn 12,7 Millionen Euro betrug.[13] Außerdem wurde eine königsblaue Hall of Fame, „Ehrenkabine“ genannt, eingerichtet.[13] Die Saison 2008/09 verlief insgesamt enttäuschend. In der Bundesliga reichte es in der Endabrechnung nur zu Platz 8. Im DFB-Pokal war man im Viertelfinale durch eine 0:1-Niederlage beim Zweitligisten Mainz 05 ausgeschieden und im UEFA-Pokal überstand man, nachdem man in der Qualifikation für die Champions League an Atlético Madrid gescheitert war, die Gruppenphase nicht. Schalke war daher in der Spielzeit 2009/10 erstmals seit acht Jahren in keinem internationalen Wettbewerb vertreten. Am 9. März 2009 wurde Andreas Müller als Manager beurlaubt. Auch Trainer Fred Rutten wurde kurz darauf von seinen Aufgaben entbunden.

Am 6. Mai 2009 wurde bekannt, dass Felix Magath beide Aufgaben – Trainer und Manager in Personalunion – ab 1. Juli 2009 übernehmen wird. Mitte Oktober 2009 geriet der FC Schalke 04 erneut in eine finanzielle Krise, da die Verbindlichkeiten zu diesem Zeitpunkt ca. 250 Mio. Euro betragen haben. Der Verein verbuchte im Wirtschaftsjahr 2009 einen Verlust von 16,8 Millionen Euro und musste einen Rückgang des Jahresumsatzes um fast 15 % auf 119 Millionen Euro hinnehmen. Hauptgrund dieses Rückgangs war das Verpassen eines internationalen Wettbewerbs für die Saison 2009/10 sowie das frühe Ausscheiden im UEFA-Pokal in der Vorsaison. Sportlich verlief die Saison 2009/10 ungleich erfolgreicher als wirtschaftlich. Nachdem die Hinrunde der Bundesliga auf Platz 2 abgeschlossen wurde, konnte diese Platzierung auch im weiteren Saisonverlauf gehalten werden. Die insgesamt neunte Vizemeisterschaft bedeutete die vierte Qualifikation für die Champions League in der Vereinsgeschichte. Darüber hinaus wurde mit Siegen über TSV Germania Windeck, VfL Bochum, TSV 1860 München und dem VfL Osnabrück das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Dort unterlagen die Schalker dem FC Bayern München mit 0:1 n.V.

Da der FC Bayern München 2010 sowohl Meister als auch Pokalsieger wurde, erhielt der FC Schalke 04 das Startrecht im wieder eingeführten Supercup, verlor das zwei Wochen vor Beginn der Bundesliga-Saison 2010/11 ausgetragene Spiel jedoch mit 0:2. Im Sommer 2010 verließ mit Kevin Kurányi der drittbeste Torschütze der Vereinsgeschichte die Mannschaft Richtung Dynamo Moskau. Prominente Zugänge waren Raúl von Real Madrid und Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand. Am 16. März 2011 trennte sich der FC Schalke 04 trotz des Erreichens des DFB-Pokalfinales und des Viertelfinales der Champions League mit sofortiger Wirkung von seinem Trainer, Manager und Vorstandsmitglied Felix Magath. Am 17. März gab der Verein bekannt, dass Ralf Rangnick zum 21. März 2011 erneut Cheftrainer des FC Schalke 04 wird, nachdem er diese Tätigkeit schon von September 2004 bis Dezember 2005 ausgeführt hatte. Nach zwei Siegen gegen Inter Mailand erreichte Schalke zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Halbfinale der Champions League. Dort schied man allerdings mit zwei Niederlagen gegen Manchester United aus. Die Bundesliga-Saison wurde auf Platz 14, der schlechtesten Platzierung seit 1994, beendet. Im abschließenden Pokalfinale wurde mit einem 5:0-Sieg gegen den MSV Duisburg der eigene Rekord für den höchsten Finalsieg im DFB-Pokal (1972 gegen den 1. FC Kaiserslautern) eingestellt und der fünfte Gewinn des Pokals für den FC Schalke 04 perfekt gemacht.

Am 22. September 2011 trat Rangnick wegen eines Erschöpfungssyndroms mit sofortiger Wirkung zurück. Als neuer Trainer wurde Huub Stevens verpflichtet, der einen Vertrag bis 2013 erhielt. In der Europa League erreichte man das Viertelfinale, in dem man gegen Athletic Bilbao ausschied. Die Spielzeit beendete man am 5. Mai 2012 auf dem dritten Tabellenplatz.

In der Champions League-Gruppenphase 2012/13 spielte der FC Schalke 04 gegen Olympiakos Piräus, gegen den HSC Montpellier und gegen den FC Arsenal. Als Gruppensieger qualifizierte man sich für das Achtelfinale. Am 16. Dezember 2012 wurde Huub Stevens wegen der sportlichen Talfahrt in der Liga mit nur fünf Punkten aus acht Spielen beurlaubt und durch den bisherigen U-17-Trainer Jens Keller ersetzt. Mit ihm schied der FC Schalke 04 im DFB-Pokal und in der Champions League jeweils im Achtelfinale aus. Am Ende der Bundesligasaison belegten die Schalker Platz 4, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigte. Mit Jens Keller gelang dem FC Schalke 04 die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte

Nachdem der ursprüngliche Gegner in der Qualifikationsrunde Metalist Charkiw aufgrund einer Verwicklung in einen Manipulationsskandal von der UEFA aus allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen worden war, trat der FC Schalke 04 am 21. August 2013 zuhause gegen den von Huub Stevens trainierten griechischen Vizemeister PAOK Saloniki an und trennte sich mit einem 1:1-Unentschieden. Das Spiel sowie das Ergebnis wurde von einem umstrittenen Polizeieinsatz im Schalker Fanblock mit knapp 80 Verletzten überschattet. Das Rückspiel entschied Schalke mit 3:2 für sich. In der Gruppenphase hießen die Gegner Steaua Bukarest, FC Basel und FC Chelsea. Schalke schloss die Gruppenphase auf Platz 2 ab und traf im Achtelfinale auf Real Madrid. Den Madrilenen musste man sich jedoch mit 1:6 und 1:3 geschlagen geben.

Nach einer enttäuschenden Hinrunde, die mit Platz 7 in der Tabelle endete, und dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal, spielte der Verein die erfolgreichste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Die Saison war geprägt durch viele Verletzungen von Leistungsträgern (unter anderem fiel Klaas-Jan Huntelaar nahezu die komplette Hinrunde aus) sowie anhaltende Diskussionen um Cheftrainer Jens Keller. Teilweise fehlten bis zu zehn potentielle Stammspieler. Diese wurden durch junge Spieler vertreten, die sich so profilieren konnten. Zu den Entdeckungen der Saison gehörten Max Meyer, Leon Goretzka und Kaan Ayhan. Die junge Schalker Mannschaft gewann elf von 17 Spielen, in denen sie 36 Punkte holte. Am Ende erreichte man Platz 3 und somit zum dritten Mal in Folge die Qualifikation zur Champions League, was dem Verein vorher noch nie gelungen war.

Nach einem Fehlstart in die Saison 2014/15 mit lediglich zwei Siegen aus sieben Bundesligaspielen und dem Ausscheiden in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Dynamo Dresden beurlaubte der Verein Jens Keller am 7. Oktober 2014. Als neuer Cheftrainer wurde Roberto Di Matteo verpflichtet. In der Champions League belegte der FC Schalke 04 in einer Gruppe mit dem FC Chelsea, NK Maribor und Sporting Lissabon den zweiten Tabellenplatz und traf im Achtelfinale erneut auf Real Madrid. Dort schied man trotz eines 4:3-Sieges im Estadio Santiago Bernabéu aufgrund des Hinspiel-Ergebnisses von 0:2 aus. Nach einem enttäuschenden sechsten Platz in der Liga gab der Verein am 26. Mai 2015 den Rücktritt von Cheftrainer Roberto Di Matteo bekannt. Am 12. Juni 2015 wurde André Breitenreiter als neuer Cheftrainer vorgestellt.

In der Saison 2015/16 schied die Mannschaft im DFB-Pokal in der zweiten Runde gegen Borussia Mönchengladbach und in der Europa League im Sechzehntelfinale gegen Schachtar Donezk aus. Die Bundesligasaison wurde auf dem fünften Tabellenplatz abgeschlossen.

2016 bis 2020

Saison Platz Tore Punkte
2016/17 10 45:40 43
2017/18 02 53:37 63
2018/19 14 37:55 33
2019/20 12 38:58 39

Im Sommer 2016 wurden Horst Heldt durch Christian Heidel und André Breitenreiter durch Markus Weinzierl ersetzt. In der Saison 2016/17 verfehlte Schalke mit dem zehnten Tabellenplatz den Wiedereinzug in den Europapokal. Im DFB-Pokal schied man im Viertelfinale gegen den FC Bayern München aus und in der Europa League im Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam.

Zur Saison 2017/18 wurde Markus Weinzierl durch Domenico Tedesco als Cheftrainer ersetzt. Mit einem Alter von lediglich 31 Jahren stellte Domenico Tedesco einen Rekord als jüngster Trainer der bisherigen Schalker Vereinsgeschichte auf. Neu verpflichtet wurden unter anderem Amine Harit und Bastian Oczipka. Der Kapitän Benedikt Höwedes verließ den Verein hingegen nach zehn Jahren im Profiteam zu Juventus Turin. Unter Tedesco gelang Schalke im Revierderby bei Borussia Dortmund (4:4) die historische Leistung, einen Vier-Tore-Rückstand aufzuholen. Am Ende der Saison wurde der FC Schalke 04 mit 21 Punkten Rückstand auf den FC Bayern München Vizemeister und qualifizierte sich für die UEFA Champions League. Im DFB-Pokal schied man im Halbfinale gegen den späteren Pokalsieger Eintracht Frankfurt aus.

In der Saison 2018/19 verlor die Mannschaft die ersten fünf Spiele. In der Champions League wurde man in einer Gruppe mit Lokomotive Moskau, FC Porto und Galatasaray Istanbul Zweiter und zog somit ins Achtelfinale der Königsklasse ein. Dort scheiterte man nach einer 2:3-Hinspiel- und einer 0:7-Auswärtsniederlage an Manchester City. Im Anschluss wurde Tedesco freigestellt. Es übernahmen der „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens und der „Eurofighter“ Mike Büskens. Bereits am 23. Februar trat Christian Heidel als Sportvorstand zurück und wurde durch Jochen Schneider ersetzt. Das Viertelfinale im DFB-Pokal ging im heimischen Stadion mit 0:2 gegen Werder Bremen verloren.

Seit 2020: Von der Champions League in den Abstiegskampf

Zur Saison 2019/20 übernahm David Wagner die Mannschaft. Die Hinrunde der Saison unter Wagner war erfolgreich, zur Winterpause stand das Team mit 30 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz. Die Rückrunde wurde die schlechteste seit dem Abstiegsjahr 1988: Das erste Rückrundenspiel, am 17. Januar 2020 gegen Borussia Mönchengladbach, wurde zwar mit 2:0 gewonnen, diesen Erfolg konnte die Mannschaft jedoch nicht wiederholen. Schalke gewann kein weiteres Bundesligaspiel in der Rückrunde und stellte einen neuen Vereins-Negativrekord von 16 Bundesligaspielen in Serie ohne Sieg. Am Saisonende belegten die Schalker, die in der Rückrundentabelle mit 9 Punkten den 17. Platz belegten, mit 39 Punkten den 12. Tabellenplatz. Die sportlichen Probleme fielen in die Zeit der COVID-19-Pandemie. Aufgrund von Spielverlegungen und Geisterspielen fehlten dem Verein wichtige Einnahmen, so dass sich auch die finanziellen Probleme vergrößerten.

Das langjährige Vorstandsmitglied Peter Peters, zuständig für Finanzen, trat im Juni 2020 zurück. Nach dem massiven Corona-Ausbruch im Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück forderten zahlreiche Fans des FC Schalke 04 den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Tönnies gehörte seit 1994 dem Aufsichtsrat an und war seit Ende 2001 Aufsichtsratsvorsitzender. Mit einer Menschenkette rund um das Vereinsgelände in Schalke demonstrierten ca. 1000 Anhänger am 27. Juni 2020 während des letzten Saisonspiels in Freiburg gegen Tönnies. Am 30. Juni 2020 trat Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

Auch in die Saison 2020/21 startete Schalke schlecht. Nach einer 0:8-Niederlage zum Saisonauftakt beim amtierenden Triple-Sieger FC Bayern München verlor die Mannschaft am 2. Spieltag auch mit 1:3 gegen Werder Bremen, was den schlechtesten Saisonstart einer Bundesligamannschaft bedeutete. David Wagner wurde daher durch Manuel Baum ersetzt. Auch unter Baum konnte der Niedergang nicht gestoppt werden. Die Mannschaft holte aus 10 Ligaspielen nur 4 Punkte und war lediglich im DFB-Pokal gegen den Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 siegreich. Nach dem 12. Spieltag wurde Baum wieder freigestellt und übergangsweise durch das Aufsichtsratsmitglied Huub Stevens ersetzt. Unter Stevens verlor man auch gegen den Abstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld, zog aber gegen den Regionalligisten SSV Ulm 1846 ins DFB-Pokal-Achtelfinale ein. Vor dem 14. Spieltag und auf Abstiegsplatz 18 wurde schließlich Christian Gross als neuer Cheftrainer verpflichtet. An Neujahr kehrte zudem Sead Kolasinac vom FC Arsenal zurück, der direkt Omar Mascarell als Kapitän ablöste. Nach einer Niederlage gewann die Mannschaft in Gross' zweitem Spiel am 9. Januar 2021 erstmal seit dem 17. Januar 2020 wieder in der Bundesliga, als im eigenen Stadion die TSG Hoffenheim mit 4:0 geschlagen wurde. Mit 30 sieglosen Spielen in Folge blieb der Verein somit hinter Tasmania Berlin, das in der Saison 1965/66 31-mal in Folge sieglos geblieben war. Nachdem der 37-jährige Klaas-Jan Huntelaar als zweiter Winterneuzugang von Ajax Amsterdam zurückgekehrt war, schloss man die Hinrunde, die aufgrund des späten Saisonstarts erst Ende Januar 2021 endete, mit 7 Punkten – punktgleich mit dem 1. FSV Mainz 05 – als Tabellenletzter ab, wobei der Rückstand auf den Relegationsplatz 8 Punkte und auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz sogar 10 Punkte bei einem jeweils deutlich schlechteren Torverhältnis betrug. Lediglich Hertha BSC (6 Punkte 2009/10), der 1. FC Saarbrücken (5 Punkte 1963/64) sowie Tasmania Berlin (4 Punkte 1965/66) hatten nach dem 17. Spieltag weniger Punkte gesammelt und stiegen am Saisonende ab. Am letzten Tag der Wintertransferperiode wurde der Weltmeister Shkodran Mustafi vom FC Arsenal verpflichtet, der den gleichzeitigen Abgang von Ozan Kabak zum amtierenden englischen Meister FC Liverpool kompensierte. Nach dem 23. Spieltag, in dessen Vorfeld nach Medienberichten einige Führungsspieler beim Sportvorstand Schneider die Ablösung von Gross gefordert hatten, wurden u. a. Schneider und Gross freigestellt. Die sportliche Gesamtverantwortung übernahm bis auf Weiteres der Direktor Nachwuchs und Entwicklung Peter Knäbel. Zu diesem Zeitpunkt war die Mannschaft seit dem Sieg gegen Hoffenheim am 15. Spieltag sieglos und stand mit 9 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz weiter am Tabellenende.

Vereinsstruktur und finanzielle Situation des FC Schalke 04

Der FC Schalke 04 organisiert seine Lizenzspielerabteilung als einer der letzten Bundesligisten im eingetragenen Verein (e. V.). Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussorgan des Vereins und wählt sechs Mitglieder des Aufsichtsrats, der maximal aus elf Mitgliedern besteht. Ein weiteres Mitglied bestimmt der Sportbeirat (Abteilungen des Vereins), außerdem wird ein Mitglied aus dem Schalker Fan-Club Verband entsendet. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass der Aufsichtsrat außenstehende Personen kooptieren kann.

Der Aufsichtsrat bestellt und kontrolliert den Vorstand. Dieser ist für die ordnungsgemäße Wahrnehmung aller Vereinsaufgaben verantwortlich und besteht aus mindestens zwei, höchstens vier Mitgliedern. Der Aufsichtsrat wählt jährlich einen Vorsitzenden aus seiner Mitte. Alle Abteilungen des Vereins verfügen über je einen Abteilungsleiter, der die jeweilige Abteilungsversammlung leitet.

Finanzielle Situation

Laut Schalker Jahresabschluss 2019 haben die Gesamtschulden (langfristige Verbindlichkeiten, kurzfristige Privatkredite, Anleihen und Investitionskredite zusammen) eine Höhe von mindestens 197 Millionen Euro (Stand 31. Dezember 2019) erreicht. Die Bilanz des Jahres 2019 weist ein Eigenkapital von Null Euro auf, bedeutet das der Verein im wesentlichen durch Verbindlichkeiten finanziert wurde. 2017 hatte der FC Schalke 04 nur 158 Millionen Euro Schulden. Die Personalkosten auf Schalke im Jahr 2019 machten ca. 124 Millionen Euro aus, zwei Drittel davon fielen allein auf den Profi-Kader. Um die finanziellen Belastungen zu reduzieren, verzichten die Profispieler seit 1. April 2020 auf Teile ihres Gehalts.[14]

Alexander Jobst, Vorstand Marketing und Kommunikation: Wir werden unsere sportlichen Ziele für die nächsten zwei, drei Jahre ändern. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir mit sinkenden Personalkosten demnächst Europa erreichen...“

Der Fußballverein Schalke erhält nach Informationen des Handelsblatts öffentliche Hilfe. Wie im Juli 2020 bestätigt wurde, wird das Land Nordrhein-Westfalen eine Bürgschaft für den finanziell angeschlagenen Fußball-Bundesligisten in Höhe von angeblich 40 Millionen Euro bereit stellen. In der Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen (ca. 260.000 Einwohner) zählt der FC Schalke 04 mit seinen über 500 Festangestellten zu den größeren Arbeitgebern.

Erfolge

→ siehe Erfolge des FC Schalke 04‎ und Revierderbys Gegen Borussia Dortmund

Spieler

→ siehe Spieler des FC Schalke 04 und sortierbare Tabelle der Spieler des FC Schalke 04

Die Schalker Jahrhundertelf

Die Jahrhundert-Elf im Schalke-Museum

→ siehe Schalker Jahrhundertelf

Mehr als 10.000 Anhänger des FC Schalke 04 wählten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins „ihre“ Mannschaft des Jahrhunderts:

Ehrenspielführer

→ siehe Ehrenspielführer

Bei der Jahreshauptversammlung 2008 wurden neun Mannschaftskapitäne des Vereins zu Ehrenspielführern ernannt.

Die Ehrenkabine

→ siehe In die Ehrenkabine gewählte Akteure

Bei der Jahreshauptversammlung 2008 beschloss man die Einrichtung einer königsblauen Hall of Fame: Der Ehrenkabine. Neben den Ehrenspielführern und den Spielern der Jahrhundertelf finden dort nach und nach alle bedeutenden Schalker Spieler bzw. Trainer ihren Platz. Auf der jährlich stattfindenden Jahreshauptversammlung werden seit 2008 2 Spieler bzw. Trainer in die Ehrenkabine berufen.

Andere Abteilungen im Verein

Basketball

Hauptartikel: Schalke 04 Basketball

Blindenfußball

Hauptartikel: Schalke 04 Blindenfußball

E-Sport

Die E-Sportabteilung entstand im Jahr 2016 durch die Übernahme des League of Legends-Teams Elements. Dieses Team tritt in der League of Legends Championship Series an. Abteilungsleiter ist der ehemalige Fußballprofi Tim Reichert.

Frauenfußball (aufgelöst)

Hauptartikel: Schalke 04 Frauenfußball

Handball

Hauptartikel: Schalke 04 Handball

Leichtathletik

Hauptartikel: Schalke 04 Leichtathletik

Tischtennis

Hauptartikel: Schalke 04 Tischtennis

Traditionself

Hauptartikel: FC Schalke 04 Traditionself

Schiedsrichter

Die Schiedsrichterabteilung wurde im August 2015 gegründet. Bereits zuvor verfügte der Verein über aktive Schiedsrichter. Die Schiedsrichter des FC Schalke 04 leiten in erster Linie Spiele in Gelsenkirchen und Umgebung. Abteilungsleiter ist Marcel Neuer, der ältere Bruder des Nationalspielers Manuel Neuer.

Mitglieder und Fans

Die Mitgliederzahl des Vereins wuchs von 21.983 im Jahr 2000 auf 92.876 im Jahr 2010 und 156.110 im September 2018. Damit liegt der FC Schalke 04 in Deutschland auf Platz zwei und weltweit auf Platz vier der mitgliederstärksten Sportvereine. Eine Darstellung der Mitgliederstruktur im Jahr 2014 zeigte unter anderem einen Frauenanteil von 20 % und einen Anteil der Altersgruppe bis zu 10 Jahren von 14 %. Rund 30 % der Mitglieder stammten nicht aus Nordrhein-Westfalen. Außer aus Gelsenkirchen (10.197 Mitglieder) und seinen unmittelbaren Nachbarstädten stammten die Mitglieder auch aus entfernteren Städten wie Köln (1117), Berlin (932) oder Dortmund (800). Der Mitgliederzuwachs wird durch Werbeaktionen des Vereins gefördert, wie ab Februar 2005 die Aktion „Schalker werben Schalker“ oder ab 2015 die Aktion „Kumpel werden auf Schalke“.

Trikots

Traditionellerweise tragen die Schalker Spieler königsblaue Trikots, meist mit weißen oder blauen Hosen und blauen Stutzen. Die Auswärtstrikots sind oftmals weiß mit blauen oder weißen Hosen und weißen Stutzen. Teilweise wurden die weißen Auswärtstrikots aber auch als Ausweichtrikots genutzt und die Auswärtstrikots waren orange, schwarz oder blau-grün.

Eine Kuriosität ereignete sich am 18. April 1998: Beim Bundesliga-Spiel Karlsruher SC gegen Schalke 04 war Schiedsrichter Herbert Fandel der Meinung, dass sich die weißen KSC-Trikots nicht genug von den blauen Trikots der Schalker unterscheiden. Da Schalke nur diesen Trikotsatz dabei hatte, mussten die Spieler in den gelben Auswärtstrikots von Karlsruhe auflaufen.[15]

Trikotsponsoren

Vorstellung von Gazprom als Trikotsponsor am 20. Januar 2007
  • 1978 bis 1979: Deutsche Krebshilfe, Gemeinnütziger Verein aus Bonn, Nordrhein-Westfalen|
  • 1979 bis 1983: Trigema, Bekleidungshersteller aus Burladingen, Baden-Württemberg
  • 1983 bis 1986: Paddock’s, Bekleidungshersteller aus Bremen
  • 1986 bis 1987: Trigema, Bekleidungshersteller aus Burladingen, Baden-Württemberg
  • 1987 bis 1988: Dual, Plattenspielerhersteller aus St. Georgen im Schwarzwald, Baden-Württemberg
  • 1988 bis 1991: RH Alurad, Aluminiumfelgenhersteller aus Attendorn, Nordrhein-Westfalen
  • 1991 bis 1993: R’Activ, Milchgetränk von Müllermilch
  • 1993 bis 1994: Müller, Milchproduktehersteller aus Fischach, Bayern
  • 1994 bis 1997: Kärcher, Reinigungsgerätehersteller aus Winnenden, Baden-Württemberg
  • 1997 bis 2001: Veltins, Bierbrauerei aus Meschede, Nordrhein-Westfalen
  • 2001 bis 2006: Victoria, Versicherungsunternehmen aus Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
  • seit 2007: Gazprom, Erdgasförderunternehmen aus Moskau, Russland

Einzelnachweise

  1. Zehn Jungs legten am 4. Mai 1904 den Grundstein für den FC Schalke 04
  2. Przegląd Sportowy, 30. Juni 1934, S. 1.
  3. s. Faksimilie in: Stefan Goch: Polen nicht deutscher Fußballmeister. Die Geschichte des FC Gelsenkirchen-Schalke 04. In: Diethelm Blecking, Gerd Dembowkski (Hrsg.): Der Ball ist bunt. Fußball, Migration und die Vielfalt der Identitäten in Deutschland. Frankfurt a. M. 2010, S. 239.
  4. vgl. Thomas Urban: Schwarze Adler, Weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89533-775-8, S. 51–54.
  5. Andreas Kossert: Kuzorra, Szepan und Kalwitzki – Polnischsprachige Masuren im Ruhrgebiet. In: Dieter Dahlmann, Albert S. Kotowski, Zbigniew Karpas (Hrsg.): Schimanski, Kuzorra und andere. Polnische Einwanderer im Ruhrgebiet zwischen der Reichsgründung und dem Zweiten Weltkrieg. Essen 2005, S. 180.
  6. Zitiert nach: Gerhard Fischer, Ulrich Lindner: Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus. Göttingen 1999, S. 159.
  7. Stefan Goch: Schalke 04, Vorzeigefußballer im Mainstream. In: Lorenz Peiffer, Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Hakenkreuz und rundes Leder. Fußball im Nationalsozialismus. Göttingen 2008, S. 407–410.
  8. Georg Röwekamp: Essen und das Ruhrgebiet – zwischen Lackschuhvereinen und Arbeitersportlern. In: D. Schulze-Marmeling (Hrsg.): Davidstern und Lederball. Göttingen 2003, S. 167.
  9. Diethelm Blecking: Die Geschichte der nationalpolnischen Turnorganisation „Sokól“ im Deutschen Reich 1884–1939. Münster 1987.
  10. Wikipedia Artikel: Ruhrolen
  11. Matthew Spiro: Dia und Kollegen haben keine Angst. UEFA, 2006-11-02. Abgerufen am 2012-11-17.
  12. Rummenigge Vorsitzender der ECA. In: Kicker online, 22. Januar 2008.
  13. 13,0 13,1 Verein richtet ‚Hall of Fame‘ ein. In: RevierSport, 22. Juni 2008.
  14. Nach Gehaltsverzicht: Profis greifen Schalke 04 erneut unter die Arme
  15. KSC zuhause mit Ladehammung


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