FC Schalke 04 (Frauenfußball)

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Die Frauenfußballabteilung des FC Schalke 04 wurde erstmals im Jahr 1975 gegründet und nahm bis zur Auflösung 1987 am Spielbetrieb teil. In der Vergangenheit konnten mit fünf Westfalenmeisterschaften und zwei Westfalenpokalsiegen durchaus regionale Erfolge errungen werden, für die deutsche Meisterschaft oder den DFB-Pokal, für dessen Endrunden man sich jeweils fünf- bzw. zweimal qualifizieren konnte, reichte es jedoch nicht. Zur Saison 2020/21 wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Derzeit ist die erste Mannschaft in zwei Mannschaftsteile aufgeteilt, die jeweils in derselben Mannschaft spielen unter vereinsintern in "Team Blau" unterteilt werden.

Geschichte

DJK Eintracht Erle

1971 wurde der Grundstein für eine Frauenfußballabteilung in Gelsenkirchen-Erle gelegt. Das Frauenfußballverbot war gerade einmal ein Jahr außer Kraft. Bis dahin wurde es Frauen nicht gestattet, in DFB-Vereinen organisiert Fußball zu spielen.[1] Anfänglich galten nicht dieselben Regularien für die Frauen wie bei den Männern: Es gab lange Winterpausen, keine Stollenschuhe, kleinere und leichtere Bälle sowie eine Spieldauer von weniger als 90 Minuten. Erst waren es 70, später 80 Minuten, die Frauen pro Partie spielen durften.[2] Die damalige DFB-Begründung lag in der "schwächeren Natur" der Frau. Die DJK Eintracht Erle 1928 erreichte gleich in der ersten Frauen-Fußballmeisterschaft das Finale.[3] Die Deutsche Frauenmeisterschaft wurde, anders als die bereits gegründete Bundesliga, noch im Oberligen-/Gauligen-System ausgetragen, wie es heute noch im Juniorenfußball zu sehen ist. So musste sich die Eintracht erst als Westfalenmeister für die Endrunde qualifizieren. Erle konnte das Finale allerdings nicht gewinnen und unterlag vor 4.000 Zuschauern gegen TuS Wörrstadt mit 0:4.[4] Bereits 1973 hatten die Wörrstädterinnen die erste inoffizielle Deutsche Meisterschaft im sogenannten Goldpokal gewonnen.[5]

Die erste Ära

Der damalige Vereinspräsident Günter Siebert konnte sich aufgrund der Erfolge der Gelsenkirchenerinnen eine Frauenabteilung beim FC Schalke 04 gut vorstellen, zumal der Verein in den Bundesliga-Skandal verwickelt war.[6] Daher waren gute Nachrichten durchaus willkommen. Also warb Siebert bei Erle um die Damenabteilung, was schließlich auch von Erfolg gekrönt war. DJK Eintracht Erle hatte durch die Erfolge der Damenabteilung finanzielle Schwierigkeiten, sodass die Übernahme durch den Nachbarn Schalke 04 vereinbart wurde. Die "Ablösesumme" beinhaltete ein Gastspiel des FC Schalke 04 bei der Eintracht, wobei sämtliche Einnahmen in die Vereinskasse der Erler gehen sollten. Dieses Spiel wurde schließlich von knapp 2.000 Zuschauern geschaut. Beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband erwirkte Siebert, dass die erste Mannschaft der nunmehr königsblauen Damen weiterhin in der damals höchsten Liga, der Bezirksliga, starten durften. Das anfängliche Budget für die Abteilung betrug monatlich 300 DM. Dieser Betrag sollte den Bedarf der gesamten Mannschaft decken. Marion Molenkamp erinnert sich, dass kaum eine andere Damenmannschaft so bestückt war wie die neue Frauenabteilung Schalkes. Das monatliche Budget wurde im Anschluss auf 600 DM erhöht.[7]

Die Frauenabteilung sollte den Anhängern bei einem Heimspiel der Herrenmannschaft vorgestellt werden. So konnte die erste Frauenmannschaft am 16. August 1975 vor dem Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg im Parkstadion ein Spiel gegen den SC Bad Neuenahr bestreiten (Endstand: 1:1). Die Frauen spielten in alten Herrentrikots der Hauptmannschaft, die aber deutlich zu groß waren. Vereinsintern hatte sich niemand um die rechtzeitige Beschaffung einer passenden Ausrüstung gekümmert; in königsblau sollte dennoch gespielt werden.

Für die Frauen bedeutete der Wechsel zum FC Schalke 04 einen beträchtlichen Prestigegewinn: Bei Turnieren, zu denen die Frauenabteilung des FC Schalke 04 antrat, steigerte sich das Zuschaueraufkommen deutlich. Jedoch waren unter den Zuschauern immer auch etliche, die sich über die Frauen lustig machen wollten. Von Ernsthaftigkeit gegenüber den Frauenabteilungen, unabhängig vom Stammverein, war in den 1970ern und frühen 1980ern zunächst noch nicht allzu viel zu spüren. Die Frauen mussten sich regelmäßig rechtfertigen und sich mit diversen dummen Sprüchen auseinandersetzen. Auch im Schalker Kreisel, der internen Vereinszeitung des Fußballclubs, war die Berichterstattung über die Frauenabteilung lange Zeit noch recht zurückhaltend. Jedoch wurde über die Ereignisse in der Abteilung gesprochen.

Sportliche Erfolge und Pionierarbeit

Die Spielerinnen erfüllte die Aufgabe jedoch vor allem mit Stolz und Ehrgeiz, da es sich schließlich um Pionierarbeit handelte. In den folgenden Jahren wurde auch die Lokalpresse immer wieder auf den Erfolg der Schalkerinnen aufmerksam, die insbesondere auf sportlichem Wege Pionierarbeit in der Region leisteten. 1977, 1980, 1981, 1984 und 1985 konnten die Frauen des FC Schalke 04 die Westfalenmeisterschaft gewinnen und diese somit zumindest einmal verteidigen.[8] Ansonsten landete man auf dem zweiten Platz hinter dem TSV Siegen, gegen den man durchweg im Finale um die Meisterschaft antreten musste. Beide Mannschaften, Schalke und Siegen, dominierten in den späten 1970ern und frühen 1980ern den westfälischen Frauenfußball. Nach der Auflösung der Frauenabteilung Schalkes holte Siegen bis 1990 stets den Pokal. Mit der Westfalenmeisterschaft qualifizierte man sich zudem für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, welche man jedoch nie gewinnen konnte. Unter dem Namen FC Schalke 04 kam man nie über das Viertelfinale hinaus. Auch qualifizierte man sich mit dem Sieg im Westfalenpokal für den DFB-Pokal. Doch auch hier kam man nie über die erste Runde hinaus, die man durch den zweimaligen Westfalenpokalsieg erreichen konnte.

Die Erfolge ließen das Interesse an der Abteilung des Vereins wachsen, sodass insbesondere die zweite Damenmannschaft stetigen Zulauf erhielt und auch eine Schülerinnenmannschaft eingerichtet werden konnte. Die Frauenabteilung wuchs infolgedessen bis auf 100 Mitglieder an. Über Nachwuchsprobleme konnte man sich also nicht beschweren. Das Einzugsgebiet erweiterte sich in der Folgezeit, sodass auch Spielerinnen aus anderen Städten des Ruhrgebietes angezogen wurden. Auf lokaler Ebene war der ETuS Gelsenkirchen 1934 der größte Konkurrent der Schalkerinnen, gefolgt von der DJK SG Borussia Scholven 1928. Durch den wachsenden Kader stiegen jedoch auch die Kosten, wodurch die Kasse der Abteilung teilweise knapp wurde, jedoch durch Freundschaftsspiele aufgebessert werden konnte.

Die Ausländerregelung hätte dem Verein beinahe zum Verhängnis werden können: diese besagte, dass nur zwei Spieler bzw. Spielerinnen ausländischer Abstammung auf dem Platz stehen darf.[9] Mit Marion Molenkamp befand sich bereits eine Niederländern und damit eine Ausländerin im Team, die jedoch rechtzeitig zu den Verpflichtungen von den beiden Engländerinnen Sue Holt und Sandy Howells die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. So griff die Ausländerregelung nicht.

Auch wenn die Frauenabteilung – abgesehen von der nicht gewonnenen Deutschen Meisterschaft – in dieser Zeit erfolgreich war, war die Tätigkeit finanziell gesehen nicht sonderlich lukrativ. Trotzdem reisten die Spielerinnen zu nationalen wie internationalen Turnieren und brachten Trophäen zurück nach Gelsenkirchen. Bei den Spielerinnen stand - nach eigenen Angaben - neben den sportlichen Erfolgen besonders auch die Kameradschaft an erster Stelle.

Umzug von Erle nach Buer

Die Bezirkssportanlage an der Oststraße von Eintracht Erle war bis 1979 das Trainingsgelände der Frauenabteilung, bis diese auf die Platzanlage der SSV Buer 07/28 umzogen. Auf dem Vereinsgelände des FC Schalke 04 trainierten die Damen nie. Bis zu dem Umzug nach Buer mussten die königsblauen Spielerinnen stets nach Heßler ausweichen, sobald es zu einem Endspiel um die deutsche Meisterschaft kam. Die Oststraße genügte den Statuten des DFBs nicht. Der Umzug nach Buer hatte jedoch negative Auswirkungen auf das Interesse an den Frauen, da insbesondere in Erle Nachbarn, Freunde und Familie der Spielerinnen zu den Heimspielen kamen. In Buer war es den meisten zu weit und die Buerer hatten keinen sonderlichen Bezug zur Frauenabteilung des S04.

Auflösung der Frauenabteilung

1981 und 1983 spielten die Knappen der ersten Herrenmannschaft in der zweiten Fußball-Bundesliga. Durch die Auf- und insbesondere Abstiege der ersten Herrenmannschaft spitzte sich die finanzielle Situation des FC Schalke 04 zu, sodass Günter Siebert zu drastischen Sparmaßnahmen greifen musste. Unter den Maßnahmen wurde auch die Auflösung der Damenmannschaft mit inbegriffen. Die Spielerinnen blieben kurzerhand in Gelsenkirchen und schlossen sich der SSV Buer an, auf dessen Vereinsgelände man schließlich auch sportlich aktiv war. Sowohl Eintracht Erle als auch der SSV Buer existieren heute noch.

Neugründung der Abteilung 2021

Zur Saison 2020/21 begann die zweite Ära des Frauenfußballs auf Schalke, nachdem erneut eine Frauenabteilung samt Mannschaft ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es voranging gewesen, im Breitensport aktiv zu sein und die Abteilung wachsen zu lassen.

Im Sommer 2022 verkündete Schalke-Sportvorstand Peter Knäbel, dass fortan eine "Direktion Fußball Frauen" aufgebaut werden soll. Derzeit gibt es bei S04 eine 1. Mannschaft, eine U21, eine U17 und eine U11, jedoch soll die Abteilung in der Zukunft deutlich ausgebaut werden. Dafür lädt der Verein auch zu Sichtungseinheiten für junge Frauen und Mädchen ein, die die Abteilung der Frauen beim FC Schalke 04 verstärken sollen.[10] Jedoch sei ein kurzfristiger und schneller Aufstieg in die Bundesliga, so Knäbel, kein priorisiertes Ziel. Zudem hatte der Verein die Übernahme einer höherklassigen Mannschaft geprüft, jedoch abgelehnt.[11] Gleichermaßen ist auch der Lokalrivale aus Dortmund vorgegangen. Beide Vereine streben daher eine geduldige und langfristige Phase an.[12]

Die erste Saison während der COVID-19-Pandemie wurde (auf Platz 1 liegend) abgebrochen. In der Saison 2021/22 belegte man dann mit der zweiten Mannschaft, die Meister wurde, die ersten beiden Plätze, so dass eine Mannschaft aufsteigen konnte. Auch in der folgenden Bezirksliga-Saison stieg man direkt in die Landesliga auf.

Erfolge

Meisterschaftserfolge

  • deutsche Meisterschaft[13]
    • 1974 Finale (0:4 gegen TuS Wörrstadt als DjK Eintracht Erle)[14]
    • 1977 Viertelfinale (1:3 gegen SC Freiburg)
    • 1980 Viertelfinale (1:4 gegen FC Bayern München)
    • 1981 Viertelfinale (0:4 gegen TuS Wörrstadt)
    • 1984 Viertelfinale (4:5 gegen SC 07 Bad Neuenahr)
    • 1985 Viertelfinale (0:9 gegen SSG 09 Bergisch Gladbach)
  • Westfalenmeisterschaft
    • 1977
    • 1980
    • 1981
    • 1984
    • 1985

Pokalerfolge

  • DFB-Pokal[15]
    • 1982/83 Achtelfinale (0:5 gegen KBC Duisburg)
    • 1984/85 Achtelfinale (0:1 gegen KBC Duisburg)
  • Westfalenpokal[16]
    • 1982
    • 1984

Einzelnachweise

  1. Geschichte des Frauenfußballs
  2. Gabriele Sobiech: Spielen Frauen ein anderes Spiel? : Geschichte, Organisation, Repräsentationen und kulturelle Praxen im Frauenfußball. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, ISBN 978-3-531-19133-1.
  3. Eintracht Erle 1928 e.V. Fussball - Eintracht Erle 1928 e.V.
  4. TuS Wörrstadt - DJK Eintracht Erle, 4:0, Frauen-Bundesliga (1974-1997) 1974 Finale
  5. Ronny Galczynski: Frauenfußball von A - Z das Lexikon des deutschen Frauenfußballs ; Spielerinnen, Vereine und Rekorde ; viele Hintergrundgeschichten. Orig.-Ausg Auflage. Hannover, ISBN 978-3-86910-169-9.
  6. Fußball-Bundesliga: Bundesliga-Skandal 1971
  7. Frauenfußball auf Schalke: „Wir waren die Pionierinnen“
  8. Carsten Töller: Frauen-Fußball in Deutschland.. Mettmann, S. 5–13, 35/36.
  9. Mindestens 12 deutsche Profis und Local-Player-Regelung | DFL Deutsche Fußball Liga
  10. Sichtungstraining für Frauen-Teams – meldet euch jetzt an!
  11. "Die Zeit ist reif" - Schalke 04 will 'Direktion Fußball Frauen' aufbauen
  12. S04: Schalke-Vorstand Peter Knäbel über Bundesligaziel für Frauenteam
  13. Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs Bd. 2. Bundesliga & Co. : 1963 bis 1997 ; [1. Liga, 2. Liga, DDR Oberliga ; Zahlen, Bilder, Geschichten] / Hardy Grüne. Kassel, ISBN 978-3-89609-113-0, S. 106-166.
  14. Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs Bd. 2. Bundesliga & Co. : 1963 bis 1997 ; [1. Liga, 2. Liga, DDR Oberliga ; Zahlen, Bilder, Geschichten] / Hardy Grüne. Kassel, ISBN 978-3-89609-113-0, S. 82.
  15. Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs Bd. 2. Bundesliga & Co. : 1963 bis 1997 ; [1. Liga, 2. Liga, DDR Oberliga ; Zahlen, Bilder, Geschichten] / Hardy Grüne. Kassel, ISBN 978-3-89609-113-0, S. 152 und 166.
  16. Carsten Töller: Frauen-Fußball in Deutschland. Eigenverlag, Mettmann, S. ab 41.