Feldmark

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Wappen von Gelsenkirchen

Feldmark
Stadtteil von Gelsenkirchen

Höhe 44 m über NN
Fläche 3,89 km²
Einwohner 10.608 [1](31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 2724 Einwohner/km²
Ausländeranteil 20,9 %
Postleitzahl 458..
Vorwahl 0209
Gliederung
Stadtbezirk Mitte
Stadtteile

Altstadt, Bismarck, Bulmke-Hüllen, Feldmark, Heßler, Schalke, Schalke-Nord

Politik
Bezirksbürgermeister Marion Thielert (SPD)
Quelle: Statistikamt Gelsenkirchen
Satellitenbild
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Die Stadtteile Gelsenkirchens mit der Feldmark im Südwesten.

Feldmark ist ein Stadtteil von Gelsenkirchen.

Geographie

Die Feldmark liegt an der Stadtgrenze zu Essen und wird umgeben von den Stadtteilen Heßler, Schalke, Altstadt und Rotthausen.

Geschichte

Die vor über siebeneinhalb Jahrhunderten entstandene Bauerschaft Schalke lag, etwa halbmondförmig eingekeilt, zwischen den Bauerschaften Heßler, Braubauerschaft, Bulmke und dem Dorf Gelsenkirchen und grenzte im Südwesten an den zur Emscher fließenden Schwarzbach. Die Keimzelle dieser Bauerschaft lag an der heutigen Feldmarkstraße in Höhe der Straße "Am Stadtgarten". Hier standen die Höfe der Bauern Schalke und Schürmann, in der Nähe die Höfe Gathmann und Ermel. Diese vier Höfe, die den Beinamen "Hoven to Schadelike" führten und der gesamten Bauerschaft den Namen "Schalke" gaben, lagen somit in der heutigen Feldmark. Im Norden der Bauerschaft lagen die Höfe Münting und Achtermünting. Der Rest der gut zwei Dutzend Schalker Höfe und Kotten lag verstreut über die Bauerschaft, hauptsächlich im Bereich, der die "Schalker Heide" genannt wurde. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts reicht die Geschichte dieser Bauerschaft.

Mit Gründung der Zechen "Dahlbusch", "Hibernia", "Wilhelmine-Victoria" in der näheren Umgebung und speziell der Zeche Consolidation durch Friedrich Grillo im Jahre 1863 an der heutigen Gewerkenstraße hielt die Industrie in Schalke Einzug. Durch weitere Gründungen Grillos und den Zuzug anderer Firmen in den nördlichen Teil Schalkes entwickelte sich dieser Bereich rasant. Hier konzentrierte sich um den Schalker Markt nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das soziale und kulturelle Leben. Man begann, unter "Schalke" nur noch das Industriezentrum im Norden der alten Bauerschaft zu verstehen.

Der südliche Teil Schalkes dagegen blieb zunächst von dieser Entwicklung verschont. Dies lag mit an einer künstlichen Barriere, die sich schon früh mitten durch Schalke zog. Die 1855 begonnene Abteufung des Schachtes I der Zeche "Wilhelmine Victoria" in Heßler führte, nach langwierigen Schwierigkeiten 1861 zum Förderbeginn. Um die Kohle mit der damals noch privaten Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft transportieren zu können, kaufte diese im gleichen Jahr für die Anlage einer Zweigbahn zum Gelsenkirchener Bahnhof 18 Morgen Land. Diese Bahnverbindung konnte am 11. November 1862 in Betrieb genommen werden. Sie diente auch der Rheinischen Eisenbahn als Verbindung über die Zeche "Consolidation" zur "Emschertalbahn". Durch die spätere Bildung des vielgleisigen Bahnhof Schalke-Süd zwischen der Feldmarkstraße und der Wilhelminenstraße wurde die räumliche Trennung noch verstärkt.

Bis zur Jahrhundertwende konnte so der südwestliche Teil Schalkes seinen landwirtschaftlich geprägten Charakter bewahren. Zur Unterscheidung wurde er im Laufe der Zeit Schalke-West oder Schalker-Feldmark genannt. Später wurde dann nur noch der Name "Feldmark" verwendet.

Woher stammt nun der Name "Feldmark"? Die beiden Silben dieses Wortes, "Feld" und "Mark", sind mit der Geschichte der Bauerschaft eng verbundene Begriffe. Denn das Ackerland und die gemeinsame Mark sind die beiden wesentlichen Bestandteile einer Siedlung; hier waren es das "Schalker Feld" und die "Schalker Mark". Das "Schalker Feld" war die Kernflur des Ackerlandes der Bauerschaft Schalke, das Land mit den besten Bodeneigenschaften, das zum größten Teil etwa im Bereich zwischen der heutigen Feldmarkstraße, Küppersbuschstraße und Boniverstraße lag. Es war eine sogenannte Eschflur, die in gemeinsamer Arbeit von den Bauern angelegt worden war. Da die einzelnen Acker nur durch Furchen getrennt waren, mußten sie gleichzeitig bestellt und abgeerntet werden. Diese nur dem Anbau des Brotgetreides dienenden Acker waren von geringem Umfang. Alle außerhalb liegenden Fluren bildeten die "gemeine Mark", es war also gemeinsames Eigentum aller Bauern. Die "Schalker Mark" diente zur Gewinnung von Bau- und Brennholz, hierhin wurden die Schweine zur Mast getrieben und das Hornvieh auf die Weide. Dieser Weideplatz war das Zentrum der Mark, das durch Abholzung entstandene "Laar". Es befand sich ungefähr im Bereich des heutigen "Schillerplatzes", wo auch später der "Laarmannshof" stand. Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich in der Mark Bauern an, die langsam das Land urbar machten. Dadurch verringerte sich jedoch das gemeinsame Land. Das verbliebene Restgebiet wurde durch übermäßige Nutzung schließlich in einen heideähnlichen Zustand versetzt. Es entstand die sogenannte "Schalker Heide". Die hier liegenden Höfe waren durch den "Fürstinnenweg" miteinander verbunden.

Durch den Zuzug der vielen Arbeitskräfte für die umliegenden Industriewerke stieg auch die Einwohnerzahl in der Feldmark. Erste Bautätigkeiten gab es durch den Ziegeleibesitzer Schmidtmann an der Fürstinnenstraße in den 1880er Jahren. Auch der Bau der Häuser an der Küppersbuschstraße Ecke Kurfürstenstraße (im Volksmund "Karbidallee" genannt) fiel in diese Zeit. Der wachsenden Bevölkerung trug die Gemeinde Schalke dann durch den Bau der katholischen Schillerschule (1896/97) und der evangelischen Fürstinnenschule (1900/01) Rechnung. Auch die evangelische Gemeinde Schalkes errichtete schon 1904/06 die Kreuzkirche an der heutigen Pothmannstraße. So entstanden kurz hintereinander Einrichtungen, die für die Bildung eines Stadtteils wichtig sind. Das sich im Laufe der Zeit entwickelte Eigenleben der Feldmark erhielt dadurch kräftige Unterstützung. Die Bewohner waren stolz darauf, sich Feldmarker zu nennen und Vereine hatten bald nur noch den Namen Feldmark in ihrer Herkunftsbezeichnung, so z.B. der 1907 gegründete Kaninchenzuchtverein.

Um die Jahrhundertwende, als die Herdfabrik Küppersbusch begann, an der damaligen Rotthauser Straße (heute Küppersbuschstraße) ein Zweigwerk zu errichten - denn das Werk an der Gewerkenstraße war schon zu klein geworden - hielt auch in der Feldmark die Industrie Einzug. Jetzt begann eine gezielte Bautätigkeit privater Bauherrn. Es entstanden mehrstöckige Mietshäuser an neuen Straßenzügen wie der Pothmannstraße, Rembrandtstraße, Karolinenstraße und der Bertastraße. Zwar entstanden durch Küppersbusch und durch den 1909 errichteten Schacht Oberschuir der Zeche Consolidation an der Boniverstraße enge wirtschaftliche Verflechtungen der Feldmark mit Schalke, doch die sich entwickelnde Eigenständigkeit der Feldmark konnte dadurch nicht mehr negativ beeinflußt werden. Denn seit der Eingemeindung Schalkes zu Gelsenkirchen im Jahre 1903 orientierte sich die "Feldmark" noch mehr zur nähergelegenen Innenstadt als zum "Schalker Markt".

Am 25. Mai 1912 wurde der jenseits des Schwarzbaches gelegene Flugplatz Rotthausen in Betrieb genommen. Der Flugplatz diente zwar nur der Sportfliegerei, beherbergte aber schon bald die Kondor Flugzeugwerke, die gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1200 Mitarbeiter beschäftigten. Im Herbst 1912 eröffnete auch die Trabrennbahn Nienhausen. Beide Einrichtungen hatten, obwohl sie außerhalb Gelsenkirchens lagen, indirekt einen besonders starken Einfluß auf die Entwicklung der Feldmark. Denn schon 1914 verlängerte die Essener Straßenbahngesellschaft ihre nach Essen-Katernberg führende Linie 8 über den Flugplatz bis zum Machensplatz vor dem Gelsenkirchener Rathaus. Diese Linie, ab 1940 Linie 17, führte durch die Feldmarkstraße, die Straße "Am Stadtgarten" und durch die Zeppelinallee. Somit wurde die Feldmark schon sehr früh an das Straßenbahnnetz der Stadt Gelsenkirchen angeschlossen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende rege Bautätigkeit zur Schaffung von Wohnraum für Angestellte und Beamte der aufstrebenden Stadt Gelsenkirchen gerade in der Feldmark stattfand. In der Nähe der Straßenbahnlinie entstanden so die Siedlungen an der Schwindstraße, Dürerstraße, Schinkelstraße und Feuerbachstraße. Auch die 1929/30 errichtete GAGFAH Wikipedia-Link-Siedlung an der Schmollerstraße lag im Einzugsbereich dieser Linie. Die ruhige Wohnlage und die verkehrsgünstige Anbindung machten die Feldmark schon damals zum bevorzugten Wohngebiet Alt-Gelsenkirchens.

An dem als Zentrum der Feldmark gedachten Marktplatz, dem "Schillerplatz", baute dann auch die katholische Gemeinde (1923/24) ihr Gotteshaus. Nach den Entwürfen des bekannten Architekten Josef Franke entstand 1923/24 die Kirche St. Antonius. Die Doppelturm-Anlage wurde nachträglich 1928 errichtet. Somit waren die für einen Stadtteil wichtigen Einrichtungen komplett. Doch die Bildung eines eigenen Stadtteils "Feldmark" war nicht in Sicht. Man hätte zwar bei der Eingemeindung Rotthausens (1923/24) oder beim Zusammenschluß von Gelsenkirchen, Buer und Horst (1928) eine Neuordnung der Stadtteile vornehmen können, doch die schwierigen Zeiten zwischen den Weltkriegen ließen dieses Thema nicht auf die Tagesordnung kommen. Auch nach 1945 war man mit anderen Dingen beschäftigt.

Dennoch hatte es sich inzwischen eingebürgert, die Schalker Feldmark als eigenständigen "Stadtteil" zu bezeichnen. Als die erste Poststelle in der Feldmark eröffnet wurde, las man in der Zeitung:

„Am 1. August 1949 ist in dem Stadtteil Feldmark in dem Zigarrengeschäft Klinkmann ... eine Poststelle ... eingerichtet worden.“

Und Anfang 1950 (12.1.) schrieb der "Gelsenkirchener Anzeiger" unter der Überschrift:

„Der Stadtteil ohne offizielle Anerkennung: Der Stadtteil Feldmark bildet in Gelsenkirchen ein Kuriosum. Wenn man sich beim Statistischen Amt nach den Einwohnerzahlen dieser Ansiedlung zwischen Rotthausen, Heßler und Schalke erkundigt, so erfährt man, daß Zahlen überhaupt nicht vorhanden sind, denn offiziell existiert der Stadtteil Feldmark nicht, und wenn man durch die Straßen der Feldmark geht, so stellt man fest, daß tatsächlich ein Teil der Einwohnerschaft nach Schalke tendiert, der andere aber sehr starke Bindungen an die Stadtmitte hat. ...“

Auch bei der Stadtverwaltung wurde es immer mehr gängige Praxis, die Feldmark als "Stadtteil" zu bezeichnen. Bei der Volkszählung 1950 wurde zum erstenmal die Einwohnerzahl der Feldmark getrennt aufgeführt. Am 30. August 1951 wurden "die Einwohner des Stadtteils Feldmark" zu einer "Bürgerschaftsversammlung für den Stadtteil Feldmark" ins Lokal Schmidtmann eingeladen. Auch für die Gemeindewahl am 9.11.1952 wurde der "Wahlbezirk VI: Feldmark" genannt. Herausragendes Datum für die Feldmark war dann der 8. Juni 1953. An diesem Tag beschloß die Stadtverordnetenversammlung mit der Mehrheit ihrer Mitglieder aufgrund der im Jahr zuvor erlassenen Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen die "Hauptsatzung" der Stadt Gelsenkirchen. Hierin wurde in Paragraph 1 das Stadtgebiet in 18 Stadtbezirke gegliedert. Auf einer beigefügten Karte waren diese 18 Stadtbezirke eingezeichnet und mit Namen und einer laufenden Nummer versehen. Als 9. Stadtbezirk erschien, zum ersten Mal offiziell, die Feldmark in ihren heutigen Grenzen. Als Stadtteil wurden Alt-Gelsenkirchen, Buer und Horst bezeichnet.

Somit waren genau 50 Jahre vergangen, bis nach der Eingemeindung Schalkes zur Großstadt Gelsenkirchen, die Schalker-Feldmark offiziell Stadtbezirk, im Sinne eines Stadtteils, von Gelsenkirchen wurde. Der so still und heimlich entstandene Stadtteil -heute heißt es Ortsteil- Feldmark bestand nicht nur aus dem ehemaligen Schalker Teil, sondern es wurden Teile von Heßler und der gesamte Teil Rotthausens hinzugefügt, der nördlich der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke lag. Als Begrenzung dieses neuen Stadtteils wurden größtenteils die vorhandenen Bahnlinien und die Stadtgrenze zu Essen gewählt. Diese Eingrenzung der Feldmark vermittelt heute den Eindruck eines gewachsenen Stadtteils, der wie eine mittelalterliche Stadt von einer "Stadtmauer" umgeben ist. Denn von den neun Zufahrtsmöglichkeiten in die Feldmark führen acht - Stadttoren gleich - durch Eisenbahnunterführungen.

Quelle


Einzelnachweise

Weblink

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