Franz Wilhelm Meyer

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Franz Wilhelm Meyer (Pseudonym : Franz Holß) (* 2. Mai 1906 in Gelsenkirchen, † 1957 in New York) war ein Zeichner und Kunstmaler und Trotzkist.

Leben

Franz Wilhelm Meyer wurde als Sohn eines Buchbinders in Gelsenkirchen geboren. Der Vater gehörte einer Berufsgruppe an, die sich recht früh gewerkschaftlich organisierte und der Sozialdemokratie zuwandte. Zunächst absolvierte Meyer eine Lehre als technischer Zeichner in einem Ingenieurbüro, wobei auch sein künstlerisches Interesse geweckt wurde. Nach Wanderjahren 1924/1925 durch Deutschland, Österreich und den Balkan begann er an der Essener Folkwangschule ein Studium als Zeichner und Kunstmaler, wobei Meyer zunächst Aquarellmalerei betrieb.

Gegen Ende der 1920er Jahre schloss Meyer sich dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und der Kommunistischen Partei an. Meyer fertigte Karikaturen für die kommunistische Tageszeitung Ruhr-Echo und kleinere kommunistische Schriften an. Zu dieser Zeit wohnte er in der Hindenburgstraße 33 [1]. Anfang der 1930er Jahre trennte sich Franz Meyer mit einer kleinen Gruppe von Gelsenkirchenern von der KPD, der man Stalinismus und eine verfehlte Strategie gegen den Nationalsozialismus vorwarf. Diese Gruppe von etwa 25 überwiegend intellektuell geprägten Gelsenkirchenern nannte sich fortan „Linksopposition“ und näherte sich politischen Positionen Leo Trotzkis an. Bereits 1932 stellte sich die Gruppe auf die erwartete Illegalität unter der drohenden Herrschaft der Nationalsozialisten ein.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten rettete Meyer mit einigen Genossen die Gelsenkirchener Gewerkschaftsbibliothek, die von seinem Vater verwaltet wurde, vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Nach verschiedenen Hausdurchsuchungen war Meyer in Gelsenkirchen nicht mehr sicher und floh 1933 in die Niederlande. In den Niederlanden und in Belgien zeichnete Meyer hunderte von Karikaturen unter dem Decknamen Holß für verschiedene Zeitungen der Arbeiterbewegung. In der deutschen Gruppe von Trotzkisten wurde Meyer eine der führenden Persönlichkeiten. Nach der Besetzung der Niederlande und Belgien floh Meyer nach Frankreich, wo sich auch das Zentrum der trotzkistischen Emigration befand. Obwohl das Deutsche Reich Franz Meyer bereits 1940 ausgebürgert hatte, wurde dieser dort als Deutscher und damit als "feindlicher Ausländer" interniert und in verschiedenen Lagern festgehalten, ständig bedroht von der Gefahr, ausgeliefert zu werden. Er kam schließlich in ein Internierungslager in der Nähe von Aix-en-Provence.

Offenbar mit Hilfe eines amerikanischen Komitees in Marseille erhielt Meyer ein Visum für die USA und damit die Möglichkeit zur Flucht und gelangte von Marseille zunächst nach Marokko. Über Casablanca kam er von dort nach New York.

Meyer starb 1957 bei einem Autounfall auf der George-Washington-Brücke in New York.

Quelle

Weblink

Einzelnachweise

  1. Adressbuch Gelsenkirchen 1927