Freibad Grimberg

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Das Freibad Grimberg war ein Freibad im Ortsteil Erle an der Willy-Brandt-Allee.

Freibad Grimberg

Geschichte

Die Planung für das Freibad erfolgte im 1927 von der Stadt Gelsenkirchen. Als Ersatz für das vollständig unzureichende Freibad am Kopfende des Stadthafens in Schalke, das infolge Auftretens vielfacher Unglücksfälle und durch Bergschädeneinwirkungen (Absinken des Badestrandes) aufgegeben werden musste, sollte eine neue Anlage geschaffen werden, die allen Anforderungen gerecht wurde. Es war schwer, hierfür das passende Gelände ausfindig zu machen. In der Innenstadt fehlte es an den nötigen Freiflächen; zudem war die Rauch- und Rußentwicklung für die Errichtung eines Freibades ungünstig. Ursprünglich bestand daher die Absicht, in unmittelbarem Anschluss an den Bismarckhain bis zum Rhein-Herne-Kanal die geplante Anlage zu schaffen. Diese Verhandlungen kamen jedoch infolge unüberwindlicher Schwierigkeiten nicht zum Abschluss. Im März 1927 bot die Emschergenossenschaft der Stadt Gelsenkirchen das gegenüber dem Hafen Grimberg an der Mündung des Hüller Baches liegende Gelände an, eine Fläche von insgesamt etwa 31 Morgen. Da das Angebot nicht ungünstig war und das Gelände sich auch für die Errichtung einer großzügigen Freibad- und und Erholungsanlage eignete, nahm es die Stadt an und schloss mit der Emschergenossenschaft einen 30-jährigen Pachtvertrag ab — unter Vorbehalt des Vorkaufsrechts. Die Projektbearbeitung und die Bauführung lag in den Händen der technischen Abteilung des Verkehrs- und Hafenamtes. Für die Unterbringung der Badebecken erschien eine etwa 5 m tiefer liegende Fläche von 180x70 m sehr geeignet, während das hoch liegende Gelände sich zur Anlegung gärtnerischer Anlagen und Liegeplätze direkt anbot, und als Abschluss der eigentlichen Badeanlagen Sandflächen und kleinere Baumbestände die einen allmählichen Übergang nach dem Hertener Wald hin ergeben, für die Einrichtung von Sport- und Spielplätzen einluden. Für die Wasserversorgung der Badebecken war die Höhenlage des Kanalwasserspiegels mit - 39,7 über NN, die Höhenlage des Emscherspiegels mit + 37,0 als mittlerer und + 40,33 als höchster Wasserstand über NN maßgebend. Ein Durchfluss vom Kanal zur Emscher konnte also nicht in Frage kommen, weil bei plötzlichem Gewitterregen mit Rückstau gerechnet werden mußte, was unter allen Umständen zu vermeiden war. Da auch die mittlere Grundwasserhöhe nur auf + 37,35 rn lag und die Projektbearbeitung eine Höhe des Wasserspiegels der Beckenanlagen von + 39 über NN ergab, mußte das Wasser zur Füllung der Becken, da aus Sparsamkeitsrücksichten von Leitungswasser abgesehen werden sollte, dem Kanal entnommen und ihm nach Gebrauch auch wieder zugeführt werden.

Mit dem Bau des Freibades Grimberg wurde am 8. August 1927 begonnen. Die Ausführung erfolgte zum Teil durch Unternehmer, zum Teil im Eigenbetriebe. Alle Arbeiten — mit Ausnahme derjenigen an den Hochbauten — waren Notstandsarbeiten. Die Gesamtkosten für die Anlage, zu denen der Preußische Minister für Volkswohlfahrt einen namhaften Zuschuss gegeben hatte betrugen rd. 600 000 RM.

Drei voneinander getrennte, vollständig in Eisenbeton ausgeführte Badebecken wurden angelegt, und zwar: das westliche Becken (Sportbecken), das mittlere Becken (allg. Schwimmbecken) und das große östliche Becken (Familien- bzw. Planschbecken). Das Sportbecken bestand aus einer 50 m-Schwimmbahn von 25m Breite (8 Startbahnen) und war 1,80 — 2,00 m tief. An der Südseite anschließend, lediglich durch einen betonierten Brückensteg getrennt, war das Sprungbecken von 25x13,50 m Wasserfläche und 4,50 m Tiefe angeordnet. Die Anlage erhielt neben einem 10m Sprungturm alle sonst notwendigen sport- und badetechnischen Einrichtungen. Sie wurde auf 3 Seiten von einer Zuschauerterrasse eingefasst, die etwa 2500 Personen aufzunehmen vermochte. Das allgemeine Schwimmbecken mit 50x25 m Flächenabmessung diente allgemeinen schwimmerischen Zwecken. Es hatte eine Wassertiefe von 0,50-1,80 m, und war sowohl für Schwimmer als auch für Nichtschwimmer eingerichtet. Das Familienbecken mit einer Grundfläche von 60x60 m war in der Hauptsache für Nichtschwimmer, also als Planschbecken für die große Masse der Badenden bestimmt und hatte demgemäß nur eine Tiefe von 0,30-1,30 m. Die drei Becken fassten zusammen etwa 8000 cbm Wasser. Die Füllung des Sport- und allgemeinen Schwimmbeckens erfolgte über ein Pumpwerk mit Kanalwasser, das über eine Filteranlage lief; die Füllung des Familienbeckens mit Leitungswasser. Die Badeanlage wurde im Süden von der vorbeiführenden Cranger Straße durch die für den Betrieb notwendigen Hochbauten getrennt. Im Osten schloss sich ein ca. 16 000 qm großes Freigelände mit Spielwiesen und Sanddünen an. Im Norden und Westen erfolgte der Abschluss von der hier vorbeifließenden Emscher und dem Hüller Bach durch einen breiten und dichten Strauch- und Baumgürtel. Eine weitere Umrahmung im Norden und Osten bildete der Hertener Wald. Die gärtnerischen Arbeiten wurden der Städt. Gartenverwaltung übertragen. Sämtliche Gebäude des Freibades, deren Ausführung durch das Städt. Hochbauamt erfolgten, waren ihrem Zweck entsprechend in einfacher, einstöckiger Bauweise — mit Ausnahme des Wohngebäudes mit Pumpen- und Maschinenstation — errichtet. Die gesamten Bau- und Einrichtungsarbeiten, die dem damaligen Dezernenten des Tiefbauwesens Herrn Stadtbaurat Schlüsselburg oblagen und nach seinem Tode im Jahre 1928 von Herrn Stadtbaurat Max Arendt weitergeführt wurden, waren im Juli 1928 beendet, so daß das Freibad Grimberg am 8. Juli 1928 seine Pforten öffnen konnte.

Zu allen Zeiten war es für Stadtvertretung und -verwaltung ein echtes Anliegen, diese Anlage zu erhalten und zu verbessern. Selbst während des zweiten Weltkrieges wurde bis fast zuletzt das Freibad Grimberg offen gehalten und schon im Juni 1946 nach Beseitigung der Kriegszerstörungen erneut der Bevölkerung zu gängig gemacht.

1958 fanden dort die Deutschen Schwimmmeisterschaften statt.

Im Jahr 1983 wurde das Freibad geschlossen. Die Schwimmbecken wurden verfüllt und das Gelände wurde neu bepflanzt und teilweise aufgeforstet.

Quelle

Gelsenkirchener Blätter 1953

Weblinks

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