Friedhof Horst-Süd

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Der Friedhof Horst-Süd befindet sich zwischen der Gelsenbergstraße / Weidwall und Am Schleusengraben.

Auf dem Friedhof Horst-Süd befindet sich ein Ehrenmal mit Grabstätten für 22 Soldaten des Ersten Weltkrieges. Der Gedenkstein aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erinnert in der damals üblichen Weise an die Toten.

Auf weiteren Gräberfeldern sind 36 deutsche Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg beigesetzt.

Wegen der in Horst bestehenden kriegswichtigen Industrien, insbesondere des Hydrierwerks Gelsenberg, wurde Horst während des Zweiten Weltkrieges mehrfach Ziel schwerer Luftangriffe.

Für die Horster Opfer von Bombenangriffen besteht eine Ehrenstätte mit 60 Gräbern.

Auf dem Friedhof befand sich auch ein Jüdischer Friedhof, der von 1920 bis 1940 belegt wurde. Grabsteine befinden sich dort nicht mehr. Im Jahr 1940 sollen sich zwölf Gräber auf dem Friedhof befunden haben, die 1944 bei einem Bombenangriff angeblich zerstört worden sind.

Erinnerungsorte

Kapp-Putsch-Mahnmal

Kapp-Putsch-Mahnmal

Ein weiteres Mahnmal, das 1920 von der Horster Arbeiterschaft errichtet worden war, erinnert an die während der Auseinandersetzungen um die Abwehr des Kapp-Lüttwitz-Putschs von Freikorps-Ermordeten, die z. T. standrechtlich erschossen worden waren. Dieses Mahnmal wurde während des „Dritten Reiches“ zerstört.

Es wurde 1947/1948 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in veränderter Form wieder errichtet. Nunmehr sind auf dem großen Gedenkstein auf der rechten Seite zusätzlich Opfer der rassischen Verfolgung - die jüdische Familie Kaufmann - und Opfer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, insbesondere aus einer kommunistischen Widerstandsgruppe, genannt.

Grab und Mahnmal für die Opfer von Rassismus und Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Gelsenberg

Grab und Mahnmal für die Opfer von Rassismus und Zwangsarbeit

Das Mahnmal erinnert an etwa 150 ungarische Jüdinnen aus dem damaligen ungarisch-rumänischen Grenzbereich, die in einem Außenlager des KZ Buchenwald in Horst untergebracht waren. Die Mädchen und Frauen, die bei dem damaligen Hydrierwerk der Gelsenberg AG Zwangsarbeit verrichten mussten, kamen bei der Bombardierung des Werkes am 11. September 1944 nicht zuletzt deshalb ums Leben, weil ihnen der Zutritt zu Bunkern und Schutzgräben verboten war. Die sterblichen Überreste wurden zunächst auf dem Gelände des Lagers verscharrt. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde am 14. Juli 1948 durch das jüdische Hilfskomitee dieser Gedenkstein aufgestellt. An der feierlichen Einweihung nahmen Vertreter der Jewish Relief Unit und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden sowie der Stadt Gelsenkirchen, der Landesregierung, der Verfolgtenverbände und anderer gesellschaftlicher Gruppen teil.

Als das Werk Gelsenberg zu Beginn der 1950er Jahre zur Erdölraffinerie um- und ausgebaut wurde, verlagerte man das Mahnmal und bettete die sterblichen Überreste der jüdischen Frauen um. Eine Inschrift in deutscher und hebräischer Sprache auf dem Gedenkstein erinnert an die Opfer. Die Identität von 140 jener Mädchen und Frauen konnte nachgewiesen werden

Seit 1964 erinnert man in Gelsenkirchen alljährlich an die furchtbaren Geschehnisse der „Reichspogromnacht“ vom 9./10. November 1938 als ein zentrales Ereignis im Verlauf der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen. In vielen Jahren wurde Anfang September auch der in Horst umgekommenen ungarischen Zwangsarbeiterinnen gedacht.

Am 9. November 2003 übergab der Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Oliver Wittke, im Rahmen einer Gedenkfeier der „Demokratischen Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen“ die Informationstafel, die den bislang anonymen Opfern wieder einen Namen gibt, der Öffentlichkeit.

Grabstätte für sowjetische Zwangsarbeiter

An diesem Ort der Grabstätte für sowjetische Zwangsarbeitern befand sich ab 1920 ein Friedhof der Horster Juden. Das Gelände stammte aus dem Besitz des Reichsfreiherrn Maximilian von Fürstenberg zu Hugenpoet und war von der Gemeinde Horst den Juden überlassen worden. Der jüdische Friedhof wurde während eines Luftangriffs in der Nacht des 12./13 Juni 1944 stark beschädigt und existiert nicht mehr. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Gelände des jüdischen Friedhofs Gräberfelder angelegt, auf denen ausschließlich Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus der Sowjetunion beerdigt wurden. Nach Kriegsende wurde die Grabstätte durch Umbettung weiterer umgekommener Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion erweitert. Bald nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde auf der Grabstätte auf Veranlassung des Alliierten Kontrollrates der quaderförmige Gedenkstein aufgestellt. Der Gedenkstein in russischer Sprache und kyrillischer Schrift erinnert hier an die sowjetischen Opfer des Nationalsozialismus. Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet sinngemäß: „Hier ruhen 884 sowjetische Bürger, die in der faschistischen Gefangenschaft in der Zeit von 1941 bis 1945 umgekommen sind.“ Die Zahl wurde erst nach 1970 nachgetragen. Die Opfer der nationalsozialistischen Ausbeutungspolitik hatten bei verschiedenen Firmen der Umgebung Zwangsarbeit leisten müssen, beispielsweise bei der Zeche Nordstern oder auch bei dem kriegswichtigen Hydrierwerk Gelsenberg Benzin AG.

Das Außenlager des KZ Buchenwald in Gelsenkirchen-Horst

Grab und Mahnmal Außenlager des KZ Buchenwald

Die Gelsenberg Benzin AG wurde 1936 als Tochtergesellschaft der Gelsenkirchener Bergwerks-AG gegründet. Pünktlich zu Kriegsbeginn lieferte das Werk ab Sommer 1939 industriell hergestelltes (Flug-)Benzin aus der Kohle der Schachtanlage Nordstern 3/4. Im Zweiten Weltkrieg wurden beim Werk Gelsenberg zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Der kriegswichtige Standort war immer wieder Ziel alliierter Luftangriffe. Am 13. Juni 1944 wurde das Hydrierwerk schwer getroffen und die Produktion lahmgelegt. Daraufhin wurde die sofortige Beseitigung der Schäden durch Zwangsarbeiterinnen befohlen.

In der Endphase des Krieges hatte das KZ Buchenwald die Funktion, Häftlingstransporte aus dem Ausland oder aus anderen Lagern, auch aus den Vernichtungslagern, aufzunehmen und auf Außenkommandos zur Zwangsarbeit zu verteilen. So wurden etwa 2.000 ungarische Jüdinnen für einen Arbeitseinsatz in Gelsenkirchen selektiert. Sie waren nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 zunächst in Ghettos zusammengepfercht und dann ab dem 15. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert worden. Die in Gelsenkirchen eingesetzten Jüdinnen stammten überwiegend aus Transsylvanien, vor allem aus dem Ort Sighet und Umgebung. Das Außenlager des KZ Buchenwald in Horst wurde am 4. Juli 1944 mit der Ankunft der ungarischen Frauen eingerichtet. Sie mussten etwa 12 Stunden täglich harte körperliche Zwangsarbeit auf dem Werksgelände verrichten. Da die Aufräumarbeiten aussichtslos waren und entsprechend wenig erfolgreich verliefen, wurde das Außenlager allmählich aufgelöst. Auf Anforderung der Krupp-Walzwerke wurden 520 Frauen dem Essener Lager Humboldtstraße zugewiesen, ebenfalls ein Außenkommando des KZ Buchenwald.

Die in Gelsenkirchen-Horst verbliebenen Frauen wurden am 11. September 1944 Opfer eines erneuten Fliegerangriffs auf das Hydrierwerk. Etwa 150 Frauen kamen um, etwa 100 wurden verletzt. Das KZ-Außenlager wurde am 14./15. September 1944 endgültig aufgelöst. Die verbliebenen Frauen wurden ins thüringische Sömmerda zu weiterer Zwangsarbeit deportiert. Im Marien-Hospital Rotthausen und in Bottrop erlebten 17 bzw. 7 Frauen die Befreiung. Die übrigen verletzten Frauen wurden ihren Leidensgenossinnen hinterhergeschickt.

Das Werk Gelsenberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Mineralölverarbeitung umgestellt. 1975 ging es an den VEBA-Konzern, später gehörte es zur Ruhr Öl AG und seit 2002 zum Mineralölunternehmen BP.

Seit 1948 erinnert auf dem Friedhof Horst-Süd ein Mahnmal an den Tod der etwa 150 jüdischen Zwangsarbeiterinnen. Am 16. September 2018 wurde das Mahnmal anlässlich der jährlichen Gedenkveranstaltung mit einer Skulptur auf einem Sockel ergänzt, die von Schülern des „Bildungsganges Steinmetze und Steinbildhauer“ des Hans-Schwier-Berufskollegs Gelsenkirchen erarbeitet und gefertigt wurde. Der Entwurf resultiert aus einem Wettbewerb zwischen angehenden Steinmetzen des Kollegs und wurde zuvor von einer Jury als beste Arbeit prämiert. Das Projekt konnte dank finanzieller Unterstützung verschiedener Sponsoren realisiert werden.

Quellen

Lagekarte

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