Friedr. Gustav Theis Kaltwalzwerke

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Friedr. Gustav Theis Kaltwalzwerke GmbH
Theis Group Logo
Unternehmensform GmbH
Gründung 1910
Unternehmenssitz Hagen
Unternehmensleitung

Bertram C. Liebler

Mitarbeiter ca. 750 (Stand Juni 2017)
Branche Kaltband, Bandstahl,

Präzisionsbandstahl, Edelbandstahl, Galvanisch veredeltes Kaltband, Organisch beschichtetes Kaltband, Flachdraht, Schmalband und Profile,

Verpackungsband, Verpackungsgeräte

http://www.theis.de/

Die Theis-Gruppe ist eine internationale Unternehmensgruppe der metallbearbeitenden Industrie. Führungsgesellschaft der Gruppe ist die Friedr. Gustav Theis Kaltwalzwerke GmbH in Hagen-Fley. Theis stellt durch Kaltwalzen Bänder, insbesondere oberflächenvergütete und hochpräzise nichtrostende Bänder aus Edelstahl, Vollprofile und Verpackungsbänder her.

Geschichte

Das Unternehmen wurde 1910 von Friedrich Gustav Theis in Hohenlimburg gegründet. Zunächst stellte er Rietschienen für Webmaschinen her.

Ab 1920 kam die Kaltbandfertigung hinzu. 1938 erweiterte man das Unternehmen um ein Werk in Hagen-Halden.

1975 erwarb man ein Werk zur Herstellung von Verpackungsstahlbändern von der Stanley Corporation. Im Jahr darauf wurde der Hagener Bandveredler Alte und Schröder übernommen und die Friedrich Gustav Theis GmbH verlegte 1978 ihren Firmensitz von Hohenlimburg nach Hagen-Fley.

1986 wurde die Stahlsparte der US-amerikanischen Wallace Barnes Group in Bristol (Connecticut) übernommen (heute Theis Precision Steel). 1990 entstand aus der Abspaltung einer Sparte des spanischen Unternehmens Alvarez Vazquez die Theis Ibérica in Basauri bei Bilbao. Ebenfalls seit 1990 werden im neuerbauten Werk Fley rostfreie Präzisionsbänder aus Edelstahl produziert.

1996 erfolgte der Neubau eines 20-Rollen Walzwerks im Werk Hagen-Fley.

1998 wurden zwei französische Kaltwalzwerke erworben (Gorcy La Roche in Montigny-sur-Chiers/Lorraine und Les Usine Laprade in Arudy/Aquitanien), 1999 ein weiteres (Paturle Aciers) in Saint-Laurent-du-Pont/Rhône-Alpes. 1999 kam der Kleinmengenhersteller Kuhbier+Knörr in Lüdenscheid zur Theis-Gruppe. 2001 gründete man im italienischen Segano bei Mailand (Theis Italiana) und in Singapur (The Theis Hutchison Group) Schneidzentren. 2002 folgte ein Schneidzentrum im britischen Kingswinford (Theis Highley Steel) und in 2006 Schneidzentrum in Polen (Theis Polska). 2008 erwarb man sämtliche Anteile am Stahlwerk Unna.

Ende März 2009 stellte das Unternehmen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, nachdem im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise die Aufträge um über die Hälfte eingebrochen waren. Es war beabsichtigt, ein Insolvenzplanverfahren zur Sanierung in Eigenverwaltung durchzuführen.[1] Am 21 Dezember 2011 stimmte die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zur Übernahme durch die FN Steel Group zu. Neuer Mehrheitsgesellschafter ist damit die niederländische van den Hombergh Holding BV.

Seit März 2012 gilt das Unternehmen offiziell als gerettet. Die FN-steel Group, ein Teil der niederländischen Industrie-Investment-Gruppe Hombergh Holdings B.V. hat die Firma Theis zu 90 % übernommen.

2013 wurden die Unternehmensanteile in eine Stiftung übergeben.

Am 14. Juni 2017 gab das Unternehmen bekannt, dass die C.D. Wälzholz Gruppe die Gesellschaftsanteile der Theis Gruppe komplett erworben hat. Nach Genehmigung der Kartellbehörden wurde die Übernahme von 100 % der Geschäftsanteile am 6. Juli 2017 vollzogen.

Das Unternehmen

Die Theis Gruppe beschäftigt weltweit an 10 Standorten ungefähr 750 Mitarbeiter, ca. 400 davon allein in Deutschland (Hagen, Lüdenscheid und in Gelsenkirchen in der Emscherstraße 38).

Die Produkte der Theis Gruppe werden von Herstellern in der Automobil-, Medizin-, Verpackungs- und Werkzeugindustrie verwendet. In der Automobilindustrie werden vergütete Bänder beispielsweise beim Bau von Katalysatoren eingesetzt.

Technologien und Produkte

Hauptsächlich hergestellt werden verschiedene Arten von Stahlbändern.

Für Banddicken, die im Warmwalzverfahren nicht herstellbar sind, wird Kaltband eingesetzt. Dieses eignet sich für sämtliche Stanz-, Biege-, Zieh- und Tiefziehzwecke und wird daher eingesetzt für beispielsweise Baubeschläge, Stahl-, Blech- und Metallwaren, Profile, Rohre, für den Druckbehälterbau, kerntechnischen Anlagenbau und Sicherheitsteile.

Ein besonderes Produkt hierbei ist das THENOX-Präzisionsband, was aus rost-, säure- und hitzebeständigen Edelstählen im Kaltwalzverfahren aus warmgewalztem Bandstahl erzeugt wird. Es hat noch engere Maßtoleranzen als Standardprodukte, verschiedene Oberflächenausführungen und durchweg homogene Gefügezustände. Eingesetzt wird es hauptsächlich im Automobilbau, bei chemischer Verfahrenstechnik, Medizintechnik, Thermoprozesstechnik, Telekommunikation, Textilmaschinenbau und Umwelttechnik.

Ein weiteres Produkt sind elektrolytisch oberflächenveredelte Bänder, deren Eigenschaften Korrosionsbeständigkeit, Lackierfähigkeit und eine gleichmäßig homogene Schichtdicke sind. Das Trägermaterial aus Stahl wird durch die Oberflächenveredelung glanz- oder mattverzinkt und anschließend wahlweise farblos, blau oder gelb passiviert und/oder phosphatiert. Das bei Theis hergestellte Zincaband wird unter anderem zu Teleskopschienen für die Möbelindustrie, Gehäusen für kleine Antriebsmotoren im Auto, Deckenabhängungen und Schlauchschellen weiterverarbeitet.

Außer Stahlbändern werden Flachdraht und Profile gefertigt, bis hin zu komplexen Vollprofilen. Diese werden unter anderem zur Herstellung von Kettensägezähnen, Mähmessern, Skikanten und Kettenhülsen sowie für verschiedene Produkte in der Automobilindustrie verwendet.

Theis stellt außerdem Verpackungsysteme her, die verschiedene Stahl- und Kunststoffbänder, Spann- und Verschlusswerkzeuge, Verschlusshülsen und System-Zubehör umfassen, wobei die von Theis entwickelten hülsenlosen Verschlüsse mit höherer Verschlussfestigkeit eine wichtige Rolle spielen.

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Theis-Gruppe meldete Insolvenz an, derwesten.de, Ausgabe Hagen, 25. März 2009