Günther Uecker

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Günther Uecker (2016)
Günther Uecker auf den Trümmern seines Ateliers an der Oberkasseler Straße, Düsseldorf, um 1965. Foto: Lothar Wolleh

Günther Uecker (* 13. März 1930 in Wendorf, Mecklenburg) ist ein deutscher Maler und Objektkünstler von internationalem Rang. Bekannt wurde er vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern. Ein Teil seiner künstlerischen Objekte kann der kinetischen Kunst zugeordnet werden.

Leben und Werk

Uecker, der auf der Halbinsel Wustrow aufwuchs, studierte von 1949 bis 1953 Malerei in Wismar und an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee. 1955 verließ er die Deutsche Demokratische Republik und setzte bis 1958 sein Studium bei Otto Pankok und anderen an der Kunstakademie Düsseldorf fort. 1956/1957 entstanden erstmals die für ihn typischen Nagelbilder: dreidimensionale, weiß bemalte Reliefs aus Nägeln, die durch die Ausrichtung der Nägel und die Wechselwirkung von Licht und Schatten ihre eigene Dynamik erhalten. Ab 1962 versah Uecker Alltagsgegenstände wie Möbel mit Nagelreliefs.

Günther Uecker. Foto: Lothar Wolleh

1961 wurde Uecker Mitglied in der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Künstlergruppe ZERO, woraufhin er sich auch der kinetischen Lichtkunst zuwandte. Gemeinsam mit Gerhard Richter inszenierte er die Demonstration „Museen können bewohnbare Orte sein“. Die Aufführung des Terrororchesters in der Kunsthalle Baden-Baden, einer lärmenden Installation aus 20 Maschinen, Staubsaugern, einer Wäschetrommel sowie Hammer und Sichel, erregte bundesweit Aufsehen.

Zusammen mit Thomas Lenk, Heinz Mack und Georg Karl Pfahler war Uecker 1970 deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig. Von 1971 bis 1974 erfolgten Arbeitsaufenthalte in Südamerika, Afrika und Asien sowie von 1984 bis 1985 Aufenthalte in Japan, Sibirien, China, Island und der Mongolei. Seit den 1980er Jahren nimmt er in seinen Werken zu politischen Fragen Stellung: so etwa reagierte er auf die Katastrophe von Tschernobyl mit dem Zyklus „Aschebilder“. Weitere politische Bezüge finden sich bei seinen Werken über den Irak, Umweltprobleme und anderem.

Von 1974 bis 1995 unterrichtet Uecker als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zu seinen Meisterschülern zählten Halina Jaworski, Klaus Schmitt und Matthias Hintz. 1999 gestaltete er den Andachtsraum im neuen Reichstagsgebäude in Berlin. 2004 konzipierte er das Freilichtbühnenbild für eine Aufführung des Wilhelm Tell von Schiller am – angeblich – historischen Ort auf der Rütliwiese.

Im Dezember 2008 war Uecker Mitbegründer der Stiftung Zero foundation. Weitere Gründer waren die ZERO-Künstler Heinz Mack und Otto Piene sowie die Stiftung museum kunst palast Die Stiftung hat ihren Sitz im Düsseldorfer Medienhafen; sie hat sich zum Ziel gesetzt, die ZERO Bewegung zu erhalten, zu präsentieren, zu erforschen und zu fördern,

Uecker lebt und arbeitet heute in Düsseldorf und St. Gallen. Ein Atelier befindet sich zudem in der Berliner Gartenstadt Atlantic[1] des Architekten Rudolf Fränkel.

Uecker ist der Bruder der Künstlerin Rotraut und Schwager des verstorbenen Künstlers Yves Klein. Mit seiner Frau Christine hat Uecker einen Sohn, Jacob (* 1986), der für das Auktionshaus Christie’s tätig ist.

Ueckers Hauptwerke, wie seine genagelten Reliefs, werden am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert, so z. B. "Spirale I", 1968, bei Sotheby´s (New York)$ 600.000,- bis $ 800.000,-[9] oder "Feld /Field", 2012–13, bei Dorotheum (Wien) auf € 400.000,- bis € 600.000,-. Anfang der 1970er Jahre wurden solche Bilder noch mit umgerechnet etwa € 10.000,- gehandelt. Die städtische Kunstsammlung Bonn konnte ein solches Nagelbild sogar noch zum Freundschaftspreis von DM 4.000,- erwerben, wie Gottfried Sello berichtet.

Auszeichnungen

  • 1964: Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Bildende Kunst
  • 1983: Kaiserring der Stadt Goslar
  • 1985: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 2000: Pour le mérite für Wissenschaft und Künste
  • 2001: Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
  • 2006: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis)
  • 2010: Jan-Wellem-Ring der Landeshauptstadt Düsseldorf
  • 2011: Künstlerpreis der Cologne Fine Art & Antiques
  • 2011: Ehrensenator der Universität Tübingen
  • 2015: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 2015: Umbenennung der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommerns in Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Günther Uecker.

Werke (Auswahl)

  • 1962: Sandmühle, Sand Holz/Metall, Schnüre
  • 1962: Salon de Lumière, Lichtobjekte
  • 1964: White Field
  • 1964: Haar der Nymphen, 150 x 150 cm
  • 1966: "Windorgan" (Skulptur-Ensemble im Innenhof des Schalker Gymnasiums)
  • 1967: Selbstporträt
  • 1971: Großer Eisenkubus
  • 1972: Film Schwarzraum-Weißraum
  • 1974: Bühnenbildentwürfe für die Beethoven-Oper Fidelio in Bremen
  • 1977: Wandrelief für das UNO-Gebäude in Genf
  • 1978: Zum Zeichen der Schrift oder die Sprachlosigkeit - Fotos Lothar Wolleh
  • 1979: Bühnenbildentwürfe für Lohengrin in Bayreuth
  • 1981: Lichtsäule am Fernmeldeamt 1, Düsseldorf, Graf-Adolf-Platz, 26 m hohe Stahlskulptur mit 294 programmierten Leuchten
  • 1982: Bühnenbildentwürfe für Tristan und Isolde in Stuttgart
  • 1989: Bühnenbildentwürfe für Die Bassariden von Hans Werner Henze, Staatsoper Stuttgart
  • 1986: expressive Aschebilder (als Reaktion auf Tschernobyl)
  • 1999: Andachtsraum im Reichstagsgebäude Berlin
  • 1999: Steinmal in Buchenwald - 1. September 1939 (Skulptur im Keller der ehemaligen Häftlingskantine)
  • 2004: Bühnenbildentwurf für Wilhelm Tell mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar auf dem Rütli
  • 2004: Klaus Gereon Beukers (Hrsg.). Günther Uecker. Die Aktionen. Petersberg

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1960: erste Einzelausstellung in der Galerie Schmela, Düsseldorf
  • 1962: Beteiligung an der Ausstellung nul im Stedelijk Museum, Amsterdam
  • ZERO-Festival, Düsseldorf
  • 1964: documenta III, Kassel
  • 1968: 4. documenta, Kassel
  • 1972: Günther Uecker, Kestner-Gesellschaft, Hannover
  • 1977: documenta 6, Kassel
  • 1970: Biennale von Venedig, Venedig
  • 1972: Biennale von Venedig, Venedig
  • 1988: Moskau
  • 2002: Passau
  • 2005: Martin-Gropius-Bau, Berlin
  • 2005/2006: Wechselausstellung im Museum Küppersmühle, Duisburg
  • 2005/2006: Langen Foundation, Raketenstation Neuss
  • 2007: „Das graphische Werk“ Stadtmuseum Hattingen in Blankenstein
  • 2008: Beteiligung an der Ausstellung "Sound of Art" (19. Juli - 12. Oktober 2008) im Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg
  • 2009: Arbeiten auf Papier Galerie am Dom, Frankfurt am Main
  • 2011: Sandmühle, Schirn Kunsthalle Frankfurt, September 2011
  • 2011: Sonderausstellung zur Preisverleihung KölnMesse 16. – 20. November 2011
  • 2012/13:Enrico Castellani und Günther Uecker, Museum of Modern Art Cà Pesaro, Venedig, 1. September 2012 bis 13. Januar 2013
  • 2014/15: Heridas – Conexiones / Injuries – Connections, Museo Nacional de Bellas Artes, Havanna, Kuba, 14. November bis 25. Januar 2015
  • 2015: Uecker, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, Düsseldorf. Katalog.
  • 2016: Günther Uecker, Galerie W&K Wienerroither und Kohlbacher, Palais Schönborn-Batthyány, Wien.

Filme (Auswahl)

  • 1989 Wie ein Bauer auf dem Feld, 45 Min.(dt./chinesisch) Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Hubert Neuerburg. Produktion: Metrovision-Film im Auftrag des WDR
  • 1993 Der geschundene Mensch, Werkstattfilm, 17 Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Hubert Neuerburg. Prod.: Metrovision-Film im Auftrag des Instituts für Auslandsbeziehungen
  • 1999 Die Bilderwelt des Günther Uecker, 45 Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film GmbH im Auftrag des ZDF
  • 2001 Günther Uecker in Belgrad,(dt./frz.) 14 Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera:Patrick Metzger. Prod: Metrovision-Film GmbH i. A. des WDR in Zusammenarbeit mit ARTE
  • 2004 Günther Uecker und das Rütli 15Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film im Auftrag der Lukas Leuenberger Produktion
  • 2004 Günther Uecker, 44 Min. (dt./engl./span./frz.) Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film GmbH im Auftrag für IN-Goethe
  • 2005 Günther Uecker – Poesie der Destruktion, 52 Min.(45 Min. – dt./engl./Frz.) Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film i. A. des WDR in Zusammenarbeit mit ARTE
  • 2007 Der geschundene Mensch. Verletzungen/Verbindungen, 28 Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film i. A. des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa)
  • 2009 Poesie der Erinnerung, 45 Min. Ein Film von Michael Kluth, Kamera: Uri Adar. Produktion: Metrovision-Film GmbH.
  • 2014 Der geschundene Mensch, Havanna, 29 Min. Ein Film von Michael Kluth und Henry Schmahlfeldt, Kamera: Henry Schmahlfeldt. Produktion: Metrovision-Film i. A. des IfA und Geuer & Geuer ART GmbH
  • 2013 Verletzung – Verbindung, über Günther Ueckers Ausstellung im TMOCA in Teheran, Iran
  • 2015 Kraftmensch und Poet-Der Weltkünstler Günther Uecker, 45 Min. Ein Film von Michael Kluth und Anke Rebbert. K: Adar/Neuerburg/Schmahlfeldt. Produktion: Metrovision-Film GmbH und WDR
  • 2016 Günther Uecker - Huldigung an Hafez 2, 40 Min. (Langfassung) 12 Min. (Kurzfassung), A: Michael Kluth/Henry Schmahlfeldt, K: H. Schmahlfeldt, T: N. v. Leuchtenberg, S: Lutz Becker, P: Metrovision Film, i.A. Kunstverlag Till Breckner, Düsseldorf.

Literatur (Auswahl)

  • Mack, Piene, Uecker, O – Zero, mit einer Einführung von Wieland Schmied. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 7. 1964/1965 der Kestner-Gesellschaft, Hannover.
  • Günther Uecker. Schatten. Schein. In: Dokumente unserer Zeit. Band IV, Mit Texten von Dorothea van der Koelen, Siegfried Salzmann, Günther Uecker (deutsch, engl.) 84 S., 99 Abb., davon 23 farbig, Mainz 1987, ISBN 3-926663-04-9.
  • Günther Uecker. Römersteine 1987. In: Dokumente unserer Zeit. Band X, Mit Texten von Karl-Viktor Decker, Dorothea van der Koelen, Günther Uecker (deutsch, engl.) 72 S., 67 Abb., davon 50 farbig, Mainz 1989, ISBN 3-926663-10-3.
  • Heinz-Norbert Jocks: Archäologie des Reisens. Ein anderer Blick auf Günther Uecker. Dumont, Köln 1997, ISBN 978-3-8321-3944-5
  • Heinz-Norbert Jocks: Das Ohr am Tatort, Heinz-Norbert Jocks im Gespräch mit Gotthard Graubner, Heinz Mack, Roman Opalka, Otto Piene und Günther Uecker. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2509-5.
  • Bettina Gräfin von Pfeil: Günther Uecker. Korrelationen, 160 S., ca. 250 farb. Abb., Mainz 2000, ISBN 3-931876-30-6.
  • art – Das Kunstmagazin, 2000, Nr. 12.
  • Wolfgang Urban (Bearb.): Günther Uecker [Ill.] – Aschebilder und Grafiken. Ausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg 2001. [Katalog zur Ausstellung Günther Uecker: Aschebilder und Grafiken / Katalog bearbeitet von Wolfgang Urban. Texte von Michael Kessler ...] (= Veröffentlichung des Diözesanmuseums Rottenburg, Nr. 9). Diözesanmuseum, Rottenburg 2001, ISBN 3-88294-315-7.
  • Christoph Brockhaus: Günther Uecker. GRAPHEIN, Schreiben. Malen. Zeichnen, 72 S., Mainz 2002, ISBN 3-931876-46-2.
  • Hanns-Josef Ortheil: Günther Uecker. Wasser Venezia, Accqua luminosa; Aquarelle von Günther Uecker, Mainz 2005, ISBN 3-931876-45-4.
  • Britta Julia Dombrowe: Redepflicht und Schweigefluss. Zur Gestalt, Bedeutung und Funktion von Günther Ueckers Bibliophilen Werken. Dissertation, Universität zu Köln, Mainz 2006, ISBN 978-3-931876-62-3.
  • Günther Uecker, Alexander Tolnay: Günther Uecker. Hatje Cantz Verlag, 2005, ISBN 3-7757-1584-3.
  • Günther Uecker. Zwanzig Kapitel. Mit Beiträgen von Wulf Herzogenrath, Dieter Honisch, Britta Schmitz, Alexander Tolnay, Stephan von Wiese und Kazuhiro Yamamoto. Neuer Berliner Kunstverein/Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1584-3.
  • Günther Uecker: letter to China; works on paper, Geuer und Breckner, Düsseldorf 2006, ISBN 3-939452-01-7.
  • Dorothea van der Koelen und Martin van der Koelen (Hrsg.): Günther Uecker. Opus Liber. Verzeichnis der Bibliophilen Bücher und Werke 1960–2005 (mit einem Vorwort von Günther Uecker), Chorus-Verlag für Kunst und Wissenschaft, Mainz 2007, ISBN 978-3-931876-66-1.
  • Günther Uecker: Handlungen, Geuer & Breckner, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-939452-11-9.
  • Eckhard Hollmann, Jürgen Krieger (Hrsg.): Günther Uecker: Geschriebene Bilder, JOVIS Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86859-178-1.
  • Dorothea van der Koelen (Hrsg.) und Günther Uecker: Günther Uecker – Lebenslinien (Editionen 1986–2012), Chorus-Verlag, Mainz 2015, ISBN 978-3-931876-92-0
  • Günther Uecker/Heinz-Norbert Jocks: Nagel, Axt und Hammer. Orkane des Möglichen – Über die Kunst und die Bewahrung des Menschen, Lettre International, 116, Frühjahr 2017, S.78-88.

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. „Gartenstadt Atlantic“, berlin.de, 20. März 2006