Gasversorgung Gelsenkirchen

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Die Gasversorgung war bis zum Bau der Ferngasleitungen eine regionale Angelegenheit. Das Gas wurde in örtlichen Gaswerken durch Kohlevergasung aus Steinkohle hergestellt. Bei der Herstellung fielen wertvolle Nebenprodukte wie Koks, Teer, Ammoniak, Benzol und Sulfat an, deren Verkauf den Energieversorgern weitere Einnahmen verschafften bzw. den Gaspreis für Endverbraucher subventionierte und dadurch den Ausbau der Gasversorgung beschleunigte und deren Verfügbarkeit, die Entstehung und Entwicklung weiterer Industrien beschleunigte. Die erste Form der Gasnutzung war die Stadtbeleuchtung. Das aus Kohle gewonnene Stadtgas wurde deshalb auch Leuchtgas genannt. Bei der Energieumwandlung zur Lichterzeugung erwuchs dem Gas durch die Stromversorgung bald ein Konkurrent, der die Gasbeleuchtung der Straßen und Häuser später fast völlig verdrängte. Bei der Energieumwandlung in Wärme (zum Heizen und Kochen) waren Kohle und Holz von jeher Konkurrenten.

Gelsenkirchen-Schalker Gas- und Wasserwerk

Die Versorgung der Bevölkerung im Gebiet der heutigen Stadt Gelsenkirchen mit Gas begann 1863 und sie oblag zuerst vertraglich verpflich­teten Privatunternehmern; und zwar wurde jede der damaligen Gemeinden von einem anderen Werke her ver­sorgt.

Gaswerk am Hauptbahnhof 1904

Das erste Werk wurde von Herbert & Mönting in der Nähe des Hauptbahnhofes gegründet. Das zweite wurde Ende der 1860er Jahre an der Grenze von Schalke, Heßler und Bismarck durch die „Aktiengesellschaft für rheinisch-westfälische Industrie“ erbaut. Diese Gesellschaft, welche auch das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier für Gelsenkirchen in Steele erbaute, brachte bald das Gelsenkirchener Gaswerk in ihren Besitz. Sie gründete dann für den gemeinsamen Betrieb der Gas- und Wasserwerke Ende 1873 die Gelsenkirchen-Schalker Gas- und Wasserwerke AG. 1891 wurde der Wasservertrag zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der Aktiengesellschaft Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier geschlossen. 1898 wurde die gesamte Belieferung von der Aktiengesellschaft für Gas und Elektricität in Köln, die im Jahr 1906 von der RWE AG akquiriert wurde, übernommen. Das Gaswerk in Gelsenkirchen wurde stillgelegt und das Gas wurde von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG in der eigener Kokerei der Zeche Vereinigte Rheinelbe & Alma erzeugt.

1899 nahm das Gaswerk Buer seine Produktion auf. Bis zum Jahre 1907 wurde in Gelsenkirchen reines Kohlengas hergestellt. Dann musste zur Deckung des stetig steigenden Gasbedarfes eine Pintsch-Wassergasanlage mit Öl-Karburation errichtet werden. Die Aktiengesellschaft für Gas und Elektricität in Köln hatte das Werk und das Rohrnetz nicht in dem wünschenswerten Maße ausbauen können, da die Verträge mit Gelsenkirchen und Schalke, welche im Jahre 1910 abliefen, keinerlei Bestimmungen über die Übernahme von Werk und Rohrnetz oder die Verlängerung der Verträge enthielten. Am 1. April 1909 ging das Gaswerk Schalke durch einen Kaufvertrag vom 12. November 1908 in den Besitz der Großstadt Gelsenkirchen über. Die Stadt legte die Gaserzeugungsstätte in Schalke am 1. Oktober 1909 still, nachdem sie die Überzeugung gewonnen hatte, dass der Bezug eines einwandfreien Kokereigases zum Preise von 3,5 Pfennig ab Zeche mindestens ebenso wirtschaftlich wie die Eigenerzeugung sei. Das Gaswerk eröffnet 1909 ein Ladenlokal in Kooperation mit Gelsenkirchener Installateuren.

Nach Übergang an die Stadt wurde das Rohrnetz erweitert. Um die Einführung des Gases in den Haus­haltungen zu begünstigen, wurde die Einrichtung kostenloser Automatenanlagen, sowie die Vermie­tung von Gasapparaten aller Art beschlossen. Eine Verkaufsstelle, in welcher mustergültige Gasappa­rate aller Art geführt wurden, erleichterte den Abnehmern die Auswahl und trug ebenso wie die eigene Installationstätigkeit wesentlich zur Hebung des Gasabsatzes bei. Die Gastarife wurden den besonderen Verhältnissen der Kohlenstadt nach Möglichkeit angepasst. Durch alle diese Maßnah­men wurde eine recht günstige Entwicklung des Gasabsatzes erreicht. Die Zahl der Abnehmer stieg von 3700 am 1. April 1909 auf 28 700 am 1. April 1920. Das Rohrnetz bestand bei der Übernahme aus 64,1 km gusseisernen und 41,6 km Mannesmann- und Schmiederohren, insgesamt 105,7 km. Von den gusseisernen Rohren, welche dauernden Be­schädigungen durch den Bergbau ausgesetzt waren, wurden rd. 21 km durch Mannesmann- oder Schmiederohre ersetzt, deren besonders ausgebil­dete Verbindungen die Gasundichtigkeiten und damit die Straßenaufbrüche erheblich vermindert haben. Am 1. April 1921 hatte das Rohrnetz eine Gesamtlänge von rd. 155 km, wovon nur noch 43 km gusseiserne Rohre, der Rest Mannesmann-und Schmiederohre sind. Die Straßenbeleuchtung wurde nach dem Über­gang des Werkes an die Stadt in erheblichem Maße verbessert, so dass Gelsenkirchen vor dem 1. Weltkrieg zu den bestbeleuchteten Städten zählte. In um­fangreichem Maße war das Graetzinlicht einge­führt und die Bahnhofstraße hatte eine vorzügliche Pressgasbeleuchtung erhalten.

Werbetafel der Gaswerke 1922

Am 12. August 1923 wurde die Gas liefernde Kokerei der Zeche Rheinelbe durch die Franzosen besetzt. Entgegenkommend übernahm die Zeche Consolidation die Gaslieferung. Am 16. September 1923 besetzten die Franzosen auch deren Hauptkokerei. Danach standen nur noch 16 000 cbm von der Kokerei Consolidation in Bismarck-Ost zur Verfügung, welche Menge lediglich für die Gasversorgung in den Abend- und Nachtstunden diente, da die volle Aufrechterhaltung der Straßenbeleuchtung von den Franzosen unter Androhung schwerster Strafen verlangt wurde. Zur schnellen Wiederbelebung des Absatzes von Gas- und Gasgeräten nach dem Abzug der Franzosen wurde ab dem 1. August 1924 die Einführung eines günstigen Grundgebührentarifs mit zusätzlichen Gaspreisen von 11 bzw. 8 und 7 Pfennig beschlossen. Um bei der ungünstigen wirtschaftlichen Lage den Gasbezug für Kleinabnehmer möglichst zu erleichtern, wurden viele Gasmesser in Automaten mit Münzen-Einwurf umgeändert. Eine Münze gab 700 Liter Gas und kostete 9 Pfennig.

1925 erfolgte die Gründung der VEW GmbH (ehem. EWW), und 1930 die Gründung der Städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitats­werke (GWE-Werke) Gelsenkirchen. 1929 lief der Vertrag mit der Stadt aus, der bis 1934 verlängert wurde.

Stadtwerke Gelsenkirchen

1938 entstand die Eigenbetriebsgesellschaft „Stadtwerke Gelsenkirchen“. 1942 bestätigte ein Reichsgerichtsurteil das Recht der Stadt Gelsenkirchen zur Übernahme des Stromnetzes. 1947 erwarb die Stadt das Niederspannungsnetz von der RWE Wikipedia-Link um es anschließend wieder an selbige zu verpachten. 1950 wurde der „B-Vertrag“ zwischen der Stadt und der RWE, rückwirkend zum 1. April 1934 geschlossen. Obwohl Gelsenkirchen, Buer und Horst bereits seit 1928 zu einer Stadt zusammengeschlossen worden sind wurde der Norden von den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen Wikipedia-Link (VEW) und der Süden von der RWE mit Strom versorgt. Erst 1957 wurde ein Stromlieferungsvertrag zwischen der RWE und Buer gschlossen und es erfolgte die Änderung des Demarkationsvertrages Wikipedia-Link zwischen der RWE und den VEW. 1961 schloss die Stadt einen Vertrag mit der E.ON Ruhrgas Wikipedia-Link um Ferngas für Buer und Horst zu erhalten, und 1962 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zur Ferngasversorgung von Alt-Gelsenkirchen gschlossen. 1964 erfolgte die Gründung „Fernheizung Gelsenkirchen Buer GmbH“.

Gaswerke

ehemaliger Gasbehälter an der Leithestraße

Es gab Gaswerke unter anderem auf der Zeche Wilhelmine Victoria, in Rotthausen, der Zeche Rheinelbe, der Zeche Consolidation, und die Städtischen Lichtwerke in Buer. Zur Speicherung von Gas wurden Gasbehälter Wikipedia-Link benötigt, die hauptsächlich auf den Zechengeländen gelegen waren. Zunächst kamen dabei Hochbehälter mit Niedrigdruck (Gasometer) zum Einsatz, die später durch Hochdruck-Kugelbehälter ersetzt wurden. Heute befinden sich noch ein Gasbehälter im Stadtgebiet und zwar an der Uechtingstraße. Der Gasbehälter an der Uechtingstraße ist auch als Kunstwerk „Der Ball“ von Rolf Glasmeier bekannt.

Der Gasbehälter an der Leithestraße wurde 2013 abgerissen.

Quellen

  • Deutschlands Städtebau 1922; Herausgeber Stadtbaurat Max Arendt
  • Monographien deutscher Städte - Band XX: Gelsenkirchen, 1927

Weblinks

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