German Blue Flames

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German Blue Flames
Gründung 1962
Auflösung 1968
Wiedervereinigung 1986
Genre Beat
Aktuelle Besetzung
Gesang, Gitarre Hartmut ‚Kuli‘ Kulka
Gitarre, Gesang Klaus Grochowski
Bass Heiner Landwehr
Gitarre Ulrich Feldhege
Schlagzeug Hans von der Forst (ehem. Lissek)

Die German Blue Flames waren eine deutsche Beat-Band aus Gelsenkirchen.

German Blue Flames

Bandgeschichte

Anfänge

Die German Blue Flames gingen 1962 aus der Gelsenkirchener „Hot-Band“ Allround Men hervor. Zunächst wollten Klaus Grochowski und Hartmut Kulka bereits als Schüler eine Band gründen, scheiterten jedoch an der Beschaffung der nötigen Verstärkeranlage. Schließlich vereinigten sich Heiner Landwehr (Gitarre), Hartmut Kulka (Gesang, Gitarre), Hans Lissek (Schlagzeug), Dirk Schortemeier (Klavier) und Ulrich Feldhege (Gitarre) zur Tanzcombo Allround Men. Die Band spielte anfangs auf Vereins- und Schulfesten. Dirk Schortemeyer verließ die Band wegen seines Studiums, die anderen vier waren längst vom Beat-Bazillus, der von England aus das Festland erobert hatte, befallen[1]. Während eines London-Aufenthalts im Sommer 1962 besuchten Heiner Landwehr und Hartmut Kulka ein Konzert der britischen Beat-Formation Georgie Fame & The Blue Flames. Hier bekamen sie die Anregung, ihre Band zunächst Blue Flames, später bei Abschluss des Schallplattenvertrages aus rechtlichen Gründen German Blue Flames zu nennen[2]. Die ersten Auftritte hatten die German Blue Flames beim Jugendtanztee in Recklinghausen, im evangelischen Jugendtreff Tempel in Erle sowie in zahlreichen kommunalen und konfessionellen Jugendheimen. Während dieser Zeit stieß dann auch Klaus Grochowski dazu. Alle Bandmitglieder studierten oder waren Abiturienten[3].

Plattenverträge, Rundfunk- und Fernsehauftritte

1964 belegten die German Blue Flames den ersten Platz beim ersten „Vestischen Gitarrenfestival“ (später umbenannt in „Beatband-Festival“) in Recklinghausen[4]. Im Anschluss daran nahm die Band mit Produzent Hans Beukenberg im Gelsenkirchener Ton- und Filmstudio (GTS) ihre erste Single auf (Rhythm & Blues & Jonny), die am 13. März 1964 veröffentlicht wurde.

Die Band unterschrieb Anfang 1965 einen Plattenvertrag bei Ariola. Im Ariola-Studio in Köln spielten die German Blue Flames am 15. und 16. Januar 1965 unter dem Produzenten Rudolf Leo Slezak vierzehn Titel ein. Die LP German Blue Flames/Liverpool Beat wurde am 18. April 1965 in der Stadthalle Kassel präsentiert.

Im Februar 1965 belegte die Band beim 2.Beatband-Festival in Recklinghausen wieder den ersten Platz[5]. Im April 1965 erschienen drei weitere Singles, neben Baby, warte auf mich und Mein Herz ist noch frei, auch Sunbeams At The Sky, geschrieben von Achim Reichel, Gründer der Beat-Band The Rattles.

Am 30. Oktober 1965 traten die German Blue Flames im 1. Fernsehprogramm im von Radio Bremen produzierten 2. Beat-Club mit den Titeln Too much monkey business, You´ve got your troubles, I´ve got mine, Sunbeams at the sky und Teen scene auf[6].

In ihrem zweiten Beat-Club-Auftritt am 26. Februar 1966 live in der Bremer Stadthalle präsentierten die German Blue Flames ihre fünfte Single Sha-la-la-la-lee mit der englischen Beat-Sängerin Twinkle[7].

Weitere TV-Auftritte: Ein dritter Beat-Club mit Höhepunkten der ersten Folgen Rosenmontag 1966, ein Jahresrückblick in der Silvesternacht 1965/66, eine Sendung in der ARD über „Modetänze der letzten 500 Jahre“ Anfang Februar 1966, einige Auftritte im WDR-Regionalfernsehen (u. a. „Hierzulande – heutzutage“ im März 1966), Interviews in mehreren Rundfunkanstalten (u. a. RTL-„Funkkantine“, WDR, NDR).

Die Coca-Cola-Deutschland GmbH ließ eine Reihe von Promotion-Flexi-Singles mit dem Titel „Things go better with Coke“ produzieren; neben Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich nahmen auch die German Blue Flames eine auf, die dem Jugendmagazin Bravo beigelegt wurde.

German Blue Flames contra Small Faces

Die Small Faces belegten mit ihrem Original Sha-la-la-la-lee Platz 3 der britischen Charts sowie Platz 15 der deutschen[8]. Die German Blue Flames waren in Deutschland erfolgreicher als die Small Faces[9]: In der Jahresausscheidung 1966 „Schlagerderby“ des Deutschlandfunks belegten die German Blue Flames mit ihrem Hit den 3. Platz, in der Hitparade von Radio Luxemburg schlugen sie ebenfalls das Original mit der Position 11[10], Platz 15 in der „Deutschen Club-Hitparade“[11] Jugend-Beat-Magazine wie „Musikparade“ schrieben damals in reißerischer Form über den „Band-Krieg“ („1 . 0 für German Blue Flames“, „Das große Tralala um das heiße ´Sha-la-la-la-lee´, „Sind die Faces sauer?“, „Das Ohr am Feind“ [11]).

Mode

Die German Blue Flames galten in der deutschen Beatszene als modebewussteste Band[12] , die von verschiedenen Modegeschäften mit aktuellsten Courreges- und Op-Art-Anzügen ausgestattet wurden und ihr „Saubermann“-Image auch durch gepflegte Kurzhaar-Frisuren und beispielsweise Smoking mit Fliege zu unterstreichen suchte[12].

Auflösung

Im August 1966 verließ Ulrich Feldhege die Band; er beendete als erster sein Studium und trat in den Schuldienst als Lehrer ein. Die German Blue Flames machten noch ein Jahr zu viert weiter, dann löste sich die Ursprungsband auf. Hartmut Kulka arbeitete unter dem Pseudonym Ken Howard als Solist weiter und veröffentlichte drei Singles[13]. Hans Lissek gründete eine weitere Version der German Blue Flames mit Helge Napieralla (Trompete), Burckhard Schimmelpfennig (Orgel, Saxophon), Klaus Sonnefeld (Gitarre, Gesang), Lutz Krüger (Saxophon), Heiner ‚Fred‘ Kalinke (Gesang, Bass)[14]. Sie nahmen eine LP für die Electrola unter dem Arbeitstitel Games with The Flames[13] auf, die jedoch nicht veröffentlicht wurde[15]. Dem letzten Urmitglied der German Blue Flames folgte als Schlagzeuger John James und diesem Jörg Nagel. Entstanden war eine völlig neue Band, und dieses bedeutete im Sommer 1968 das erste Ende der German Blue Flames.

Reunion

Im Rahmen des„Wilde Sechziger“-Revivals in der zweiten Hälfte der 80er Jahre in Gelsenkirchen, im Kreis Recklinghausen und weit darüber hinaus formierten sich über zwanzig Bands der 60er Jahre in ihren damaligen Original-Besetzungen neu, so auch die German Blue Flames für einige Auftritte. Ihre Reunion auf einigen Konzerten der „Wilden Sechziger“ zwischen 1986 und 1996[16] diente vor allem der Vorstellung des ersten Buches über die Band von Wilfried Batke (German Blue Flames. Beat im Ruhrgebiet. Bochum o. J. (1986)) und der Förderung der Integration von hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen.

Diskografie

Vinyl-Singles

  • 03/1964: Rhythm & Blues & Jonny / Good-bye, 03/1964, FORMAT 0001
  • 01/1965: Baby, warte auf mich / Good-bye, 15./16. Januar 1965, ARIOLA 18194 AT
  • 01/1965: Sunbeams at the sky / Ecstasy, 15./16. Januar 1965, ARIOLA 18196 AT
  • 01/1965: Mein Herz ist noch frei / Lovely lady, 15./16. Januar 1965, ARIOLA 18216 AT
  • 02/1966: Sha-la-la-la-lee / Rama lama, 3. Februar 1966, ARIOLA 18778 AT
  • 05/1966: Ole Bardot / Along comes Mary, 26. Mai 1966/11. Juli 1966, ARIOLA 18996 AT

Flexi-Singles

  • 04/1966: “Die German Blue Flames präsentieren den internationalen Hit ´Besser geht´s mit … Coke´(Backer / Hibrius) (only black, o. Nr.) (26. April 1966, Beilage zur Jugendzeitschrift „BRAVO“, promo disc
  • 02/1966: Promotion-flexi-disc für „Sha-la-la-la-lee“, 3. Februar 1966, ARIOLA

Vinyl Langspielplatten

  • 04/1965: German Blue Flames, Reihe „Liverpool Beat“, mono, 04/1965, ARIOLA 72256 IT
  • 04/1965: German Blue Flames, Reihe “Liverpool Beat”, stereo, 04/1965, ARIOLA 72257 IT
  • 1980: German Blue Flames, Reihe “Liverpool Beat”, stereo, re-issue 1980, ARIOLA 200870 – 241
  • 1964: Various Artists: Twist Battle Party. Live Recordings der großen Beat Group Night in der Stadthalle Kassel (1964), mono, TELEFUNKEN BLE 14343-P, Mit: The German Blue Flames. Rhythm and Blues and Joe (engl. Version)
  • 1964: Various Artists: Twist Battle Party, stereo, TELEFUNKEN SLE 14343-P, Mit: The German Blue Flames: Rhythm and blues and Joe) (engl. Version)
  • 1987: Various Artists: “Die wilden Sechziger” “live” vim 2. Beat-Fest 13. November 1987 Hans- Sachs-Haus Gelsenkirchen, Wilde Sechziger Records L 001/2 (C 1987 by BIG „Wilde 60er“), Doppel-LP, Mit German Blue Flames: Be-bop-a-lula
  • 1989: Various Artists: Die wilden Sechziger pro Ruhrgebeat, Emscherland ELP 1150-51, Doppel-LP, Mit: German Blue Flames: Ginny come lately

Compact Disks

  • 1987: Various Artists. “Die wilden Sechziger” “So schon, schön war die Zeit“ am 13. November 1987 im Hans-Sachs-Haus Gelsenkirchen, Emscherland CD, WKCD 1014, Mit: The German Blue Flames: Be-bop-a-lula
  • 1988: Various Artists: Die wilden Sechziger. Rendezvous mit Jeans und Stöckelschuh „live“, 11. November 1988, Emscherland CD 1116, Mit: The German Blue Flames: Ecstasy
  • 1989: Various Artists: Die wilden Sechziger pro Ruhrgebeat, Emscherland CD 1152, Mit; German Blue Flames: Ginny come lately
  • 1994: Various Artists: Die deutschen Beat Bands, 2 CDs, 1994, Starpool / Polygramm 516 699-2, Mit: German Blue Flames: Sunbeams at the sky
  • 1995: German Blue Flames. Eine Legende. Ruhrgebeat Records RR 9302, o.J.
  • 2001: German Blue Flames (Reihe: “Smash …! Boom …! Bang …!”), 2001, Bear Family Records BCD 16455 AR
  • 2004: Various Artists. Ruhrgebeat (Reihe: “Smash …! Boom …! Bang …!”), 2004, Bear Family Records BCD 16474 AR, Mit: German Blue Flames: That´s what I want, From home

Video-Cassetten

  • 1986: Die wilden Sechziger vom 14. November 1986 - 60 Min.
  • 1987: Die wilden Sechziger vom 13. November 1987 - 60 Min.
  • 1988: Die wilden Sechziger vom 11. November 1988 - Teil 1, 60 Min.
  • 1988: Die wilden Sechziger vom 11. November 1988 - Teil 2, 60 Min.
  • 1988: Die wilden Sechziger vom 11. November 1988 – Teil 1 & 2, 120 Min.

DVDs

  • 2006: Werner Kubny, Per Schnell: Halbstark an Rhein und Ruhr, erschienen in der Reihe „Wir in Nordrhein-Westfalen. Unsere gesammelten Werke, DVD 65, Klartext Verlag, WAZ-Mediengruppe, WDR, 84 Min.
  • 2008: Radio Bremen, Hrsg. The story of Beat-Club, Vol. 1, 1965-1968, DVD 1 und DVD 2

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Nach 20 Jahren strömen wieder 1400 Fans zu den ‚Blue Flames’“, Buersche Zeitung vom 6. November 1987
  2. Batke, Wilfried (1986): German Blue Flames: Beat im Ruhrgebiet
  3. Hans-Jürgen Klitsch (2001): German Blue Flames, 44-seitiges Booklet zur gleichnamigen CD, erschienen in der Reihe Beat in Germany. Smash …! Boom …! Bang …!, Bear Family Records
  4. Mannel, Horst D./Obeling, Rainer (1993): Beat Geschichte(n) im Revier, Recklinghausen: Journal-Verlag, S. 100
  5. Flender, Christine/Jerrentrup, Ansgar/ Husslein, Uwe (1999): Tief im Westen: Rock und Pop in NRW. Musikland NRW, Band 2, Köln: Emons-Verlag, S. 73
  6. Nielsen, Uwe (2005): 40 Jahre Beat-Club, Berlin: Parthas, S.39
  7. Schmidt, Thorsten (Hrsg.) (2005): Beat-Club. Alle Sendungen – Alle Stars – Alle Songs, Bremen: Kultur Buch Bremen, S.20
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Small_Faces
  9. Hans Jürgen Klitsch (2001): 'Shakin' All Over.: Die Beatmusik in der Bundesrepublik Deutschland 1963-1967, 2. Überarb. und erweit. Auflage, Erkrath: Fantasy Productions, S. 330
  10. DAG-Jugend Bremen (1967): Jugend-Programm (Sonderausgabe German Blue Flames), S.5
  11. 11,0 11,1 Batke, Wilfried (1986): German Blue Flames: Beat im Ruhrgebiet, S.55ff.
  12. 12,0 12,1 Batke, Wilfried (1986): German Blue Flames: Beat im Ruhrgebiet, S.92, 95
  13. 13,0 13,1 Hans Jürgen Klitsch (2001): 'Shakin' All Over.: Die Beatmusik in der Bundesrepublik Deutschland 1963-1967, 2. Überarb. und erweit. Auflage, Erkrath: Fantasy Productions, S. 331
  14. Batke, Wilfried (1986): German Blue Flames: Beat im Ruhrgebiet, S.104
  15. Hans-Jürgen Klitsch (2001): German Blue Flames, 44-seitiges Booklet zur gleichnamigen CD, erschienen in der Reihe Beat in Germany. Smash …! Boom …! Bang …!, Bear Family Records, S.34
  16. Hans von der Forst, Hrsg. (1996): 10 Jahre ‚Die wilden Sechziger’ 1986-1996. Gelsenkirchen, S.11