Hermann Ferse

Aus Gelsenkirchener Geschichten Wiki
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Dr. Hermann Ferse (* 15. Januar 1881 in Gelsenkirchen, † vermutlich am 10. November 1941 in Maly Trostinec ermordet) war ein deutscher Jurist.

Stolperstein für Hermann Ferse in Essen, Zweigertstraße 52

Leben

Dr. Hermann Ferse wurde 1881 in Gelsenkirchen als Sohn des Ziegeleibesitzers Bernhard Ferse, Kaiserplatz 4 [1], geboren. Er absolvierte das Jurastudium und war seit 1909 als Gerichtsassessor im Justizdienst tätig. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Frontoffizier eingezogen und schwer verwundet. Für seinen Dienst fürs Vaterland wurde er daraufhin mit einem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Hermann Ferse promovierte vermutlich nach dem Krieg, wobei über den genauen Zeitpunkt keine Auskunft gegeben werden kann. Gustav Heinemann, der spätere dritte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, begann 1924 in der Zivilkammer von Dr. Hermann Ferse sein Referendariat. Am 1. April 1927 wurde Ferse dann zum Direktor des Landgerichts ernannt. Knapp neun Jahre später, am 23. März 1933, ordnete Landgerichtspräsident Paul Heermann für alle jüdischen Staatsanwälte und Richter mehrwöchigen Zwangsurlaub an. Da Dr. Ferse jedoch als Frontoffizier im Ersten Weltkrieg gedient hatte, konnte er im Gegensatz zu den Anderen weitere zwei Jahre am Amtsgericht beschäftigt bleiben.

Das im Dezember 1935 erlassene „Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ führte zu Dr. Hermann Ferses Zwangspensionierung.

1938 reisten er und seine Frau Minna Mikela Ferse (geborene Goldschmidt; * 20. März 1895 in Warburg), nach Palästina. Doch da er dort keine passende Arbeitsmöglichkeiten für sich sah, kehrten sie nach knapp sechs Wochen wieder nach Essen zurück. Ihre beiden Kinder, Ruth (* 1922) und Bernhard (* 1924) hingegen emigrierten 1939 nach Palästina.

Ende 1938 mussten Hermann und Minna Ferse die Wohnung in der Langenbeckstraße 42 in Essen aufgeben und wurden gezwungen, in „Judenhäusern“ zu wohnen. Zunächst in der Hufelandstraße 23 und ab September 1941 in der Pettenkoferstraße 38.

Im November 1941 erhielt das Ehepaar Ferse dann die Benachrichtigung ihrer Deportation, für die sich Dr. Hermann Ferse als Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Essen freiwillig meldete. Ein Transport musste nämlich immer von einem Vorstandsmitglied begleitet werden. Gustav Heinemann besuchte seinen Freund Ferse, der von seiner Rückkehr überzeugt gewesen ist, noch unmittelbar vor der Deportation.

Die Deportation des Ehepaars Ferse mit weiteren 128 Juden von Essen nach Maly Trostinec erfolgte am 10. November 1941. Weitere Angaben über den Verbleib des Ehepaars sind nicht erhalten, sodass angenommen werden kann, dass sie noch am Tag ihrer Ankunft in Maly Trostinec ermordet wurden. [2] [3]

Quelle

Einzelnachweise