Johanna Gräfin Westerholt

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Johanna Gräfin Westerholt , geb. von Oertzen, genannt Gräfin Jenny von Berge (* 11. Mai 1842 im Spreewald , † 20. März 1900 in Buer ) war die letzte Schloßherrin von Schloss Berge.

Johanna Gräfin Westerholt

1869 zog Graf Maximilian Paul Wilhelm von Westerholt-Gysenberg auf Schloss Berge ein. Der Graf heiratete seine Base, Jenny aus dem Hause der Grafen von Oertzen im Spreewald. Eigentlich hieß sie mit Vornamen Johanna, aber sie nannte sich Jenny.

Jenny verbrachte 10 Jahre damit, ihren kranken Gatten zu pflegen, der 1879 mit nur 40 Jahren verstarb. Damit wurde Jenny die alleinige Schlossherrin auf Schloss Berge.

Sie stand durch ihre Mildtätigkeiten bei den Notleidenden des damaligen Amt Buer in hohem Ansehen. Ihre zahlreichen Wohltaten, die sie mit freigebiger Hand nach allen Seiten reichlich spendete, haben ihr heute noch in weiten Kreisen der Bevölkerung ein ehrendes Andenken bewahrt. Den Armen Buers und der näheren Umgebung stand Gräfin Jenny stets mit Rat und Tat zur Seite. Kein Hilfsbedürftiger, der in früheren Jahren nach Berge pilgerte, hat das Schloss mit leeren Händen verlassen. Es kam nicht selten vor, daß der hohe Rittersaal auf Berge angefüllt war mit armen Frauen und Männern, die sich hier an Speise und Trank labten. Gräfin Jenny hat sich nicht nur große Verdienste durch ihre Mildtätigkeit erworben, sondern sie hat sich auch durch ihre reichen charitativen Stiftungen um das Gemeinwesen in Buer besonders verdient gemacht. Monat für Monat spendete sie 60 Mark in bar an die Armenkasse in Erle. Der damalige Vikar Bernhard Strumann musste eigens einen Vinzenzverein gründen, der ihre vielen milden Gaben unter den Bedürftigen gerecht und sachgemäß verteilen sollte. Sie finanzierte die 1897 gegründete „Kleinkinderbewahrungsanstalt“ mit angegliederter Nähschule, sowie die ambulante Krankenpflegestation, die allesamt von Ordensschwestern geleitet wurden, mit 400 Goldmark im Jahr. Der Hochaltar in der neu gebauten St. Barbara Kirche, eine kostbare Monstranz und die größte der drei Kirchenglocken, die auf den Namen ihres verstorbenen Gatten getauft wurde, spendete sie ebenfalls. Auch schenkte Sie Erle den Marktplatz. Sie überließ das Grundstück der Gemeinde kostenlos, auf der neu parzellierten „Dähler Heide“ zur kirchlichen Verwendung. Bis heute ist im Grundbuch festgelegt, dass dieser Platz „als Marktplatz stets dem freien, öffentlichen Verkehre diene“ und nicht bebaut werden darf. Der St. Urbanus Gemeinde schenkte sie 6500 Goldmark zum Bau des neuen Domes. Sie gab einen Teil des Reichtums, der von dem Landvolk hart erarbeitet wurde an die Bevölkerung zurück.

Im Alter von 58 Jahren starb sie am 20. März 1900. Dem ehemaligen Pfarrer Strumann ist es nicht zu verübeln, dass er das Ableben der Gräfin, als „herben Verlust für die Gemeinde“ bezeichnete. Das Schloss mit den Ländereien fiel wieder in den Besitz der Grafschaft Westerholt-Gysenberg zu Arensfels und die Gemeinde von Buer kaufte am 23. November 1923 die Berger Anlagen.

Text

Doro Rudde

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