Kameradschaft

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Filmdaten
OriginaltitelKameradschaft
ProduktionslandDeutschland, Frankreich
OriginalspracheDeutsch, Französisch
Erscheinungsjahr1931
Länge92 Minuten
Stab
RegieGeorg Wilhelm Pabst
DrehbuchKarl Otten, Ladislaus Vajda
Peter Martin Lampel
Léon Werth (französische Dialoge)
ProduktionSeymour Nebenzahl
MusikG. v. Rigellius
KameraFritz Arno Wagner, Robert Baberske
SchnittHans Oser
Besetzung
  • Alexander Granach: Kasper
  • Fritz Kampers: Wilderer
  • Ernst Busch: Wittkopp
  • Elisabeth Wendt: Wittkopps Frau Anna
  • Daniel Mendaille: Jean Leclerc
  • Marguerite Debos: Jeans Mutter
  • Andrée Ducret: Françoise Leclerc
  • Alex Bernard: Großvater Jacques
  • Oskar Höcker: Obersteiger
  • Adolf Fischer: deutscher Kumpel

Kameradschaft ist ein deutsch-französischer Spielfilm von Georg Wilhelm Pabst aus dem Jahr 1931. In Frankreich lief der Film unter dem Titel La Tragédie de la mine in den Kinos.

Handlung

Im Bergbaugebiet an der deutsch-französischen Grenze ist das zwischenmenschliche Klima über zehn Jahren nach dem Ersten Weltkrieg noch immer vergiftet. Die Kinder der deutschen und französischen Zollbeamten spielen zwar gemeinsam Murmel, doch bei der Entscheidung, wer beim Spiel gewonnen hat, kommt es wie bei den Erwachsenen zum Streit. Kasper geht mit seinen Freunden am Wochenende über die Grenze, um sich in einer französischen Kneipe zu amüsieren, doch nicht nur die unterschiedliche Sprache führt zu Mißverständnissen, die Feindschaft ist ständig spürbar.

Am nächsten Tag kommt es in der französischen Zeche Thibault zu einem schweren Grubenunglück. Mehr als 600 Bergleute werden verschüttet. Auf der deutschen Seite kehren die Bergleute gerade von der Frühschicht zurück aus der Grube, als sie von dem Unglück erfahren. Wittkopp kann die deutschen Kumpels davon überzeugen, dass sie solidarisch mit den französischen Kumpels sein müssen. Er stellt einen Rettungstrupp zusammen und erhält die Erlaubnis von der Direktion nach Frankreich zu fahren, um dort zu helfen. Unter dem Kommando des Obersteigers fahren sie mit ihren LKWs über die Grenze und lassen sich auch von den Zollbeamten, die zu spät informiert wurden, nicht aufhalten.

Kasper beginnt zur gleichen Zeit mit seinen Freunden die Spätschicht und fährt unter Tage. Sein Freund Wilderer war tagszuvor noch von dem französischen Mädchen Françoise beim Tanz abgewiesen worden und ist nicht gut auf die Franzosen zu sprechen. Als Kasper jedoch seinen Arbeitsplatz unter Tage verlässt und in den Stollen den Weg Richtung französische Grenze sucht, folgt ihm auch Wilderer. Sie reißen das Grenzgitter nieder und können den Großvater Jacques retten, der seinen Enkel zuvor aufgefunden hat. Sie halten sich in einem Stall für die Grubenpferde auf, als dieser Stollen zusammenbricht. Nun ist auch Kasper mit seinen Freunden verschüttet. Die Rettungsarbeiten wurden inzwischen beendet. Da niemand von Kasper weiß, werden sie nur durch einen Zufall per Grubentelefon entdeckt und auch gerettet. Die Rettungsaktionen enden mit einem Verbrüderungsfest der französischen und deutschen Kumpels. Sie verstehen zwar immer noch nicht die Sprache des anderen, doch sind sie sich ihrer Gemeinsamkeit als Bergleute bewusst und versprechen sich auch für die Zukunft zusammenzuhalten und sich nicht wieder von den Politikern in einen neuen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich hetzen zu lassen. Die Zollbeamten reparieren dagegen das eingerissene Grenzgitter unter Tage.

Hintergrund

Das Grubenunglück von Courrières ereignete sich am 10. März 1906 in der Stadt Courrières im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais. Mit 1.099 Toten - darunter viele Kinder - war (und ist es bis heute) die Bergwerkskatastrophe Europas mit den meisten Todesopfern.[1]

Deutsche Rettungsmannschaft auf dem Weg nach Courrieres

Auf Initiative des Bergmeisters Konrad Engel, Geschäftsführer des Vereins für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund, brach eine aus Freiwilligen bestehende deutsche Rettungsmannschaft von 25 Grubenwehrmännern von den Zechen Shamrock und Rheinelbe der Bergwerksgesellschaft Hibernia unter der Leitung des Bergwerkdirektors Georg Albrecht Meyer am Abend des 11. März nach Frankreich auf.[2] Sie drangen mit Hilfe von Atemgeräten auf der Suche nach Überlebenden in die Gasschwaden vor und bargen dort Tote.

Der Einsatz der deutschen Bergleute wurde unter anderem durch den französischen Sozialistenführer Jean Jaurès gelobt und fand weltweite Beachtung, auch weil die Beziehungen zwischen der französischen 3. Republik und dem Deutschen Reich wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges sehr angespannt waren (siehe auch Grubenunglück von Courrières Wikipedia-Link).

Drehorte

Die Dreharbeiten zu diesem politischen Bergarbeiterfilm fanden zwischen Juni und September 1931 in Gelsenkirchen in den Zechen Hibernia, Alma und Consol statt. Für die Bauten des Films waren Ernö Metzner und Karl Vollbrecht verantwortlich. Die Uraufführung des Films war am 17. November 1931 im Berliner Capitoltheater. Kameradschaft war kommerziell nicht erfolgreich; er spielte nur etwa ein Drittel seiner Produktionskosten wieder ein.

Kritiken

„In dokumentarischem Stil gehaltener Film, mit gleichermaßen virtuosen wie realistischen Aufnahmen der Arbeitsbedingungen unter Tage; ein packendes Zeugnis völkerverbindender Menschlichkeit.“

Lexikon des Internationalen Films

Literatur

  • Kameradschaft / La tragédie de la mine. Drehbuch von Ladislaus Vajda, Karl Otten, Peter Martin Lampel nach einer Idee von Karl Otten zu G. W. Pabsts Film von 1931. Mit Aufsätzen und Materialien zum Film von Hermann Barth, Helga Belach, Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor. München: edition text + kritik 1997 (FILMtext), 196 Seiten. ISBN 3-88377-547-9

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Robert G. Neville: The Courrieres Colliery Disaster. In: Journal of Contemporary History, Vol. 13, No. 1 (Jan., 1978), pp. 33-52
  2. Helga Belach und Wolfgang Jacobsen: Grenzverläufe der Kritik