Karl Damschen

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Der Architekt Karl Damschen

Karl Damschen (* 15. Juli 1942 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Architekt, der in der Schweiz und heute vorwiegend in Kerala, Indien, tätig ist. Seine Gebäude sind begründet in den klimatischen und geschichtskulturellen Gegebenheiten der jeweiligen Orte, und sie sind von Bedeutung für die Anerkennung der großen architektonischen Ressourcen Indiens.

Ausbildung

Karl Damschen erhielt 1957 seine erste Ausbildung zum Bauzeichner bei der Firma Mannesmann, gefolgt von einem Praktikum als Maurer und Bauschreiner. 1963 begann er sein Studium an der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Kassel (heute Universität Kassel), das er als grad. Ingenieur abschloss. Anschließend studierte er von 1966 bis 1970 bei Paul Friedrich Posenenske an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Kassel (heute Universität Kassel) und erhielt 1970 sein Diplom als Architekt HbK.

Beruflicher Werdegang

Schweiz

Nach seiner Ausbildung arbeitete Damschen von 1971 bis 1981 als Abteilungsleiter und Mitglied im Verwaltungsrat der Helfer Architekten AG in Bern, Schweiz. Unter seiner Leitung entstanden eine Reihe von Wohn- und Geschäftshäusern; das bekannteste Projekt war der neue Firmensitz von Helfer Architekten AG, der komplett in Stahl erstellt wurde. 1982 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro, das Architektur Atelier Damschen in Bern (später in Thun), Schweiz.

1985 gründete er zusammen mit Daniel Herren das Büro Herren + Damschen Architekten + Planer AG in Bern. Sie nahmen an mehreren Wettbewerben teil, und sie gewannen u. a. den Architektur-Wettbewerb für den Bau der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg[1][2] in der Schweiz.

Indien

Auf einer einjährigen Reise im Jahr 1976 im Wohnmobil nach Indien und Sri Lanka konnte sich Damschen mit der Architektur Indiens eingehend auseinandersetzen. Von 1982 bis 1985 diente sein jeweils mehrmonatiger Aufenthalt im Bundesstaat Kerala, Indien, dem Studium der traditionellen Bautechnik der dortigen hochqualifizierten Zimmerleute und ihrer Werke.

Gefragt nach seinen liebsten Projekten klassischer indischer Architektur, sagte Karl Damschen:

„Sicherlich der hölzerne Padmanabhapuram-Palast[3] wegen seiner subtilen Anpassung an den Ort. Er berücksichtigt auch alle klimatischen und kulturellen Gegebenheiten. Sein Detailreichtum und der Umgang mit dem Innen- und Außenraum machen dieses Gebäude so einzigartig und besonders.“[4]

Seine Faszination für Indien führte dazu, dass er beschloss, als Architekt in Kerala zu arbeiten. Das erste Hotelprojekt, das Damschen in Kerala entwarf, war der Surya Samudra Beach Garden (heute bekannt als Niraamaya Retreats, Kovalam) in den 1980er Jahren, bestehend aus mehreren traditionellen Holzhäusern, die sorgfältig demontiert und vor Ort wieder zusammengesetzt wurden[5]. Karl Damschen erwarb sich seinen Ruf als Architekturkonservator in Indien durch den Umbau mehrerer denkmalgeschützter und kolonialer Gebäude in Südindien, insbesondere in der alten Hafenstadt Kochi, in der die Portugiesen bereits 1502 ihre erste Handelsniederlassung in Indien gründeten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Renovierung und der Umbau des Old Harbour Hotel, einem ca. 300 Jahre alten, von den Holländern erbauten Haus[6][7][8]. Ein anderes holländisches Gebäude, das einst für den Gewürzhandel in Jew Town, Kochi, genutzt wurde, wurde von Karl Damschen in die Ethnic Passage umgewandelt[9]. Ein weiteres Beispiel ist die Restaurierung der Kashi Art Gallery in Fort Kochi.[10]

Im Jahr 2001 wurde Damschen zum beratenden Architekten des World Monuments Fund, New York, für die Restaurierung des Uhrenturms der 450 Jahre alten Paradesi-Synagoge in der historischen Jewtown in Kochi ernannt.[11]

Plakette in der Paradesi-Synagoge
Uhrenturm der Paradesi-Synagoge

Seit 2013 arbeitet er mit dem jungen indischen Architekten Krishnan Varma zusammen (s. Ausgewählte Bauten in Indien).

Baustil

Während seiner Tätigkeit in der Schweiz ließ sich Damschen vom Meisterarchitekten Le Corbusier inspirieren, dessen Prinzipien der Proportion und des Maßstabs er in seine Projekte übernahm. In Indien erkannte er, dass eine Architektur, die universell die gleiche Sprache verwendet und den Bezug zum Kontext vernachlässigt, zu einer enormen architektonischen Verarmung führt. Er selbst wurde von der reichen Kultur Indiens beeinflusst und führte wieder sorgfältig ausgewählte Ornamente in seine Architektur ein. Seine Bauten orientieren sich an den klimatischen, historischen und soziokulturellen Gegebenheiten eines Ortes. Alle seine Projekte sind als architektonische Einheit geplant, die auch die Innenraum- und Landschaftsgestaltung einschließt, um eine Gesamthomogenität zu gewährleisten.

Karl Damschen selbst beschrieb das in einem Interview[12] so :

„Bei der Arbeit an Holzhäusern und der Renovierung der jüdischen Synagoge in Kochi wurde mir - wie Charles Correa und Geoffrey Bawa - klar, dass unsere sogenannte moderne Architektur zu einer visuellen Verarmung unserer Städte führt. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, muss die Architektur ihre Wurzeln in der Kultur eines Landes selbst finden, ohne Gefahr zu laufen, zu einer Art Disneyland zu werden. Was ich anstrebe, ist eine Art von zeitloser Architektur, die keine Rücksicht auf zeitgenössische Trends nimmt, da diese möglicherweise nicht überleben.“[13]

Ausgewählte Bauten

Schweiz und Deutschland

Gebäude Adresse Kommentar
1971–1973 Helfer Bürogebäude Weltpostrasse, Bern, Schweiz Helfer Architekten AG
1981–1985 Ascom Bürogebäude Bolligenstrasse, Bern, Schweiz Architektur Atelier Damschen
1985–1996 Hochschule für Technik und Architektur Freiburg Freiburg, Schweiz Herren + Damschen, Architekten und Planer AG
2005–2006 Indian Forum (Kulturzentrum) Schwäbisch Hall, Deutschland Architektur Atelier Damschen

Indien

Zeitraum Gebäude Adresse Kommentar
1982–2000 Surya Samudra Beach Garden (jetzt Niraamaya Retreats), Bungalow-Hotel Kovalam, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
1996–1999 The Brunton Boatyard[14] (Luxushotel) Kochi, Kerala, India In Zusammenarbeit mit Stapati Architects (Tony Joseph)
2002–2004 Taj Garden Retreat (Bungalow-Hotel) Kumarakom, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2001–2005 Restaurierung des Uhrenturms der Paradesi Synagoge für den World Monuments Fund, New York Jew Town, Kochi, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2004–2006 Restaurierung des Old Harbour Hotel[15][16][17][18] (Boutique Hotel) Kochi, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2005–2007 Restaurierung des Visalam Palace (Boutique Hotel) Kanadukathan, Karaikudy, Tamil Nadu, India Architektur Atelier Damschen
2006–2009 Ethnic Passage[19] (Boutique Shopping-Mall mit Kunstgalerie und Cafè) Kochi, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2010–2012 Vismaya House (serviced pool villa) Cherthala, Kerala, India (in Chenganda am Vembanadu Lake) Architektur Atelier Damschen
2012–2014 Erneuerung des Kashi Art Cafe Fort Kochi, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2013–2014 Nadulu Hotel – Meriya Heritage. Restaurierung des Heritage-Hotels Kaipamangalam, nahe Guruvayoor, Kerala, India Zusammen mit Architekt Krishnan Varma[20]
2011–2015 Restaurierung des Cochin Club (Sport-Club mit Swimming pool) Fort Kochi, Kerala, India Architektur Atelier Damschen
2014–2017 Baymaas Lake House (serviced pool villa) Ernakulam, Kerala India (Cheppanam Island, am Vembanadu Lake) Zusammen mit Architekt Krishnan Varma
seit 2015 Restaurierung The Delta Study School Fort Kochi, Kerala, India Zusammen mit Architekt Krishnan Varma

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Preisgekrönte Arbeiten vorgestellt, Freiburger Nachrichten Nr. 107, 10. Mai 1986, S. 7
  2. Eine neue Ingenieurschule in Freiburg. Neue Zürcher Zeitung vom 3. Februar 1989
  3. https://www.padmanabhapurampalace.org/padmanabhapuram
  4. Looking for substance: Indian Architect & Builder Magazine, Mumbai, India, March 2000, S. 22
  5. Neumann-Adrian, Edda und Michael; Krüger, Olaf: Wohlfühlen unter Palmen, in: Zeit für Indien - Das Land der Maharadschas entdecken und genießen, Bucher-Verlag (2012), ISBN 3-7658-1288-9, S. 13
  6. Tanya Abraham: Due respect for the old. In: Metro Plus, Kochi, The Hindu, 12. August 2006 ; Weblink
  7. Tabitha May: The Old Harbour Hotel, Cochin: where to stay. The Telegraph, 26. August 2008
  8. Restoration area, Fort Kochi: Old Harbour House makeover. Indian Express, 4. Oktober 2006
  9. An ancient flavour, Inside Outside Magazin, November 2009, S. 190–195
  10. KASHI ART GALLERY (englisch). Kochi Biennale Foundation. Abgerufen am 4. Juli 2021.
  11. Foto der in der Synagoge angebrachten Plakette
  12. https://issuu.com/iab_archives/docs/iab_march_2013
  13. Looking for substance: Indian Architect & Builder Magazine, Mumbai, India, March 2013, S. 22
  14. https://m.srf.ch/shop/einfachluxurioes-zwei-frauen-unterwegs-8
  15. Manuela Kessler: Architekt hilft Handwerkern. Süddeutsche Zeitung, 30.12.2006, S. 16
  16. Mathew T. Georg: Old Harbour Hotel. The Week, 25.11.2005
  17. Priyadarshini Sharma: Heritage homes turn hotels. The Hindu, 06.08.2005
  18. Prema Manmadhan: Anchored to the past: Old Harbour House. The Hindu, 23.01.2010
  19. An ancient flavour, Inside Outside Magazin, November 2009, S. 190–195
  20. http://www.meistervarma.in