Karl Greve

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Dr. Karl Greve (* 2. Dezember 1886 in Lünen , † 21. Mai 1960 ebenda ) ist ein ehemaliger deutscher Stadtrat von Buer.

Leben

Karl Greve wurde am 2. Dezember 1886 in Lünen als Sohn eines Bankiers geboren. Seine Schullaufbahn schloss er mit dem Abitur ab, um anschließend ein juristisches und volkswirtschaftliches Studium aufzunehmen. Nach dem Studium verbrachte Karl Greve mehrere Jahre mit kaufmännischer Tätigkeit im Ausland, vor allem in Südamerika, und arbeitete anschließend wie sein Vater im Bankbereich. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte Greve in den öffentlichen Dienst und wurde 1920 juristischer Hilfsarbeiter bei der Stadt Essen. Mittlerweile war Karl Greve auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, zu dieser Zeit bei Menschen bürgerlicher Herkunft noch recht selten. Aus Essen wechselt Karl Greve bald schon in eine der Spitzenpositionen der Verwaltung der Stadt Buer. Am 6. Juli 1921 wurde er zum Stadtrat in Buer gewählt. Nach der Zusammenlegung von Gelsenkirchen, Buer und Horst wurde Greve am 20. September 1928 auch für die Gesamtstadt zum Beigeordneten gewählt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 wurde er wie andere Mitglieder der Verwaltungsspitze, die sich zu demokratischen Parteien bekannt hatten, am 14. März 1933 beurlaubt. Angesichts der drohenden Entlassung wandte sich Greve u.a mit einem Gesuch an den nunmehr mächtigen NSDAP-Gauleiter Alfred Meyer und bat zu überlegen, ob man ihn nicht weiter verwenden könne. Meyer richtete daraufhin am 7. Juni 1933 ein Schreiben an den als Staatskommissar für Gelsenkirchen eingesetzten Carl Engelbert Böhmer, in dem er diesen um Stellungnahme bat. Böhmer lehnte indes eine Weiterbeschäftigung bei der Stadt Gelsenkirchen mit der Begründung ab, dass Greve in der Bevölkerung sehr unbeliebt wäre. Außerdem sei er auf Vorschlag der SPD zum. Beigeordneten gewählt worden. Ist Dr. Greve Marxist, so dürfte es ihm schwer fallen [!], sein Amt in nationalsozialistischem Sinne zu verwalten. Ist er kein Marxist, so durfte er die SPD, deren Mitglied er war, für sein Fortkommen nicht in Anspruch nehmen. Trotzdem will ich ihn bei seiner Bewerbung um eine Stellung außerhalb Gelsenkirchens unterstützen, soweit ich dazu in der Lage bin. Karl Greve wurde auf der Basis des Paragraphen 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 als politisch unzuverlässig« aus der Gelsenkirchener Stadtverwaltung entlassen. Später erfolgte eine Änderung der Entlassung nach Paragraph 6. Seine Dissertation aus dem Jahre 1918, in der er sich mit der Auseinandersetzung zwischen Internationalismus und Nationalismus in der Sozialdemokratischen Partei befasst hatte, trug wesentlich zu seiner Entlassung aus dem öffentlichen Dienst bei. Greve ließ sich schließlich 1936 als freiberuflicher Steuerberater in Lünen nieder. Am 1. Juli 1943 stellte ihn die Stadt Dortmund als juristischen Hilfsarbeiter ein. Greve wurde nach Beendigung des Krieges von den Briten ab 15. Mai übergangsweise zum Oberbürgermeister und Verwaltungschef seiner Heimatstadt Lünen ernannt und blieb dies bis Februar 1946. Am 21. Mai 1960 verstarb er in Lünen.

Quelle

Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“, Katalog zur Dauerausstellung, Institut für Stadtgeschichte, bearbeitet von Stefan Goch