Karl Rauch

Aus Gelsenkirchener Geschichten Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karl Wilhelm Rauch (* 1879 in Köln-Nippes, † 13. Juni 1936 in Emmerich) war ein evangelischer Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche in Gelsenkirchen-Erle.

Pfarrer Karl Wilhelm Rauch

Leben

Karl Rauch wurde 1879 in Köln-Nippel geboren. Es folgen der Besuch der höheren Schule in Köln mit abschließendem Abitur und das Studium der evangelischen Theologie an den Universitäten Bonn und Halle/Saale. Nach seinem Examen begann seine Vikarszeit im ostpreußisch-masurischen Städtchen Nikolaiken. Nach Zwischendiensten in Gemeinden in Essen Kray und Katernberg übernahm Rauch 1905 in Erle das Amt des Hilfspredigers unter Pfarrer Teiner, und zwei Jahre später wählte man ihn einstimmig in die 2. Pfarrerstelle. 1909 bezieht er das neuerbaute Pfarrhaus in unmittelbarer Nähe des Elisabeth-Krankenhaus an der Cranger Straße. Während des 1. Weltkrieges, in dem die Gemeinde 325 Kriegstote zu beklagen hatte, führte Pfarrer Rauch einen ergreifenden Totenritus ein: Wenn ein Gemeindemitglied gefallen war, erhob sich bei der Abkündigung die ganze Gemeinde und sang ein Lied, das den Trauernden Trost und Christenhoffnung in die Seelen gab. Am 21. März 1924 verstarb Rauchs erste Ehefrau, die er 1912 heiratete, im Alter von 33 3/4 Jahre alt. Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor, von denen 2 sehr jung gestorben sind. Die zweite Eheschließung von Rauch geschah 1925, aus der das 6. Kind von Rauch hervorging.

Zeit des Nationalsozialismus

Verglichen mit der Tätigkeit von 1905 bis 1933 bilden 3 1/2 Jahre unter dem Nationalsozialismus nur einen sehr kurzen Abschnitt. Der Nationalsozialismus will eine neue, eine falsche evangelische Kirche erzwingen. Unter dem Schlagwort: "Ein Volk, ein Gott, ein Reich, eine Kirche" und mit Hilfe der "Deutschen Christen" soll aus der Gemeinde unter dem Wort "eine Gemeinde unter dem Führer" werden und der Kirchenkampf entbrennt 1933. Gegen diese vom Staat verordnete Kirche, die unter anderem das Alte Testament abschaffen und das Führerprinzip im kirchlichen Raum einführen wollte, setzte sich der sogenannte "Pfarrernotbund" unter Martin Niemöller Wikipedia-Link zur Wehr, aus dem dann die Bewegung der "Bekennenden Kirche" hervorging. Hier "Bekennende Gemeinde" , und dort "Deutsche Christen". Auch eine Reihe angesehener Erler Bürger schenkt zunächst den Deutschen Christen ihr Wohlwollen. Bei der Wahl des Presbyteriums am 24.7.1933 erreichen es Propaganda und persönliche Einflußnahme tatsächlich, daß eine rein deutsch-christliche Gemeindevertretung gewählt wird. Hier beginnt der Kampf des Pfarrers Karl Wilhelm Rauch um das reine Evangelium, um die reine Lehre. Ein wagemutiger Kampf 1933/1936 im Zeitalter der Diktatur und der Gestapo. Pfarrer Rauch begann, unterstützt durch den Bruderrat (der sich im Herbst 1934 gebildet hatte) die Bekenntnisgemeinde zu sammeln und er gewann die Achtung und das Vertrauen nicht nur seiner Gemeinde. Schon bald nach Beginn des Kirchenkampfes wählten ihn die Pfarrer des Kirchenkreises Gelsenkirchen zu ihrem Bekenntnis-Superintendenten. Pfarrer Lehbrink (2. Erler Pfarrer) vertrat als Superintendent die Sache der Deutschen Christen. Allerdings war der Kreis, der zu ihm hielt, verhältnismäßig klein.

Im Vertrauen, daß er als Hüter und Bekenner der evangelischen Wahrheit treu auf der Wacht stehen würde, scharte sich die Bekenntnisgemeinde eng und dienstbereit um Pfarrer Rauch. Er schulte rührig die lebendigen Kräfte, die willig waren, durch Tat und Opfer mitzuringen und mitzubauen. Das klare Wort Gottes und das unverfälschte Evangelium hielt die Glieder der Bekenntnisgemeinde Buer-Erle zusammen. Die Gemeinde konnte dankbar dafür sein, daß ihr in der Zeit großer Versuchung und Gefahr ein Prediger gegeben war, der gebunden an Schrift und Bekenntnis lockend, mahnend und lehrend die Wahrheit entgegen allen Irrtümern der Zeit zu bezeugen suchte und wußte.

Am 13. Juni 1936 verstirbt Rauch nach einem tragischen Verkehrsunfall auf der Straße nach Emmerich am Niederrhein, wobei die Umstände seines Todes nie geklärt werden konnten.

ehemaliges Pfarrhaus der evangelischen Kirche, Cranger Straße 230

Nachfolgen

In der Nacht zum 9. November 1938, als jüdische Mitbürger im Pfarrhaus Schutz suchten kam es zwischen den 3 Vikaren, die nach dem Tod von Karl Rauch die Pfarrstelle betreuten, zu einem heftiger Wortwechsel, ob man den Juden überhaupt helfen sollte. Die Familie Rauch mußte das Pfarrhaus Cranger Straße 230 kurze Zeit darauf räumen und dort ausziehen. Frau Eleonore Rauch kaufte häufig in einem Kolonialwarenladen an der Cranger Straße ein, der einer Famile Rosenthal gehörte. Als 1942 die Deportationen der jüdischen Mitbürger begannen, bat Frau Sabine Rosenthal sie um Hilfe. Sie ließ 2 Koffer in die Wohnung der Rauchs bringen, die Frau Rauch für bessere Zeiten aufzubewahren versprach. Als sie am nächsten Tag der Frau Rosenthal eine Wolldecke bringen wollte, war deren Wohnung, Cranger Straße 288[1] , bereits bewacht und Frau Rauch wurde von der Gestapo ins Polizeipräsidium Buer verbracht, wo sie in „Schutzhaft" genommen wurde. Nach einigen Monaten Haft kam sie wieder frei und die Familie wurden wegen der Luftangriffe und der Schulschließungen im Frühjahr 1943 nach Thüringen evakuiert. 1952 kehrte die Familie wieder nach Erle zurück, dort wohnte sie zunächst wieder auf der Cranger Straße 325 und später Eulenbusch 1.[2]

Eleonore Rauch verstarb 1986 im Alter von 94 Jahren.

Die Grabstelle der Familie Rauch befindet sich auf dem Hauptfriedhof Buer.

Quellen

Hans Göbel: Menschen in Erle - Schriftenreihe zur Ortskunde Heft 6, 1994 und Privat (Familie Rauch)

Weblink

GG-Icon.png Thematisch passender Thread im Forum

Einzelnachweise

  1. Adressbuch Gelsenkirchen 1939
  2. Adressbuch Gelsenkirchen 1958 und 1961