Karl Schwesig

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Karl Schwesig (* 19. Juni 1898 in Buer; † 19. Juni 1955 in Düsseldorf [1]) war ein deutscher Maler und Grafiker, Mitglied der Künstlervereinigung Das Junge Rheinland und Oppositioneller in der Zeit des Nationalsozialismus.

Schwesig 1955.PNG
Gedenkstein auf dem Golzheimer Friedhof in Düsseldorf-Pempelfort

Leben

Karl Schwesig war der Sohn eines nach Buer eingewanderten ostpreußischen Bergmanns und späteren Fabrikanten von Grubenlampen. [2] In Buer besuchte er die Volksschule und das Gymnasium. Durch Mangelkrankheiten in der Kindheit erlitt er eine Rückgratverkrümmung und erreichte nur eine Körpergröße von 1 Meter 39. Er war zunächst als Gärtnerlehrling in Gelsenkirchen beschäftigt. Während des Ersten Weltkrieges wurde er beim Militär als Schreiber eingesetzt. 1918 ging er nach Düsseldorf.

Während des Nationalsozialismus wurde er verfolgt und mehrfach inhaftiert. 1946 heiratete er Hannelore Müller, mit der er drei Kinder hatte.

Künstlerischer Werdegang

1918 bis 1920 besuchte Schwesig die Kunstakademie Düsseldorf. Er schloss sich dem Kreis um Johanna Ey an und war besonders mit Gert Wollheim befreundet. Mit der Künstlergemeinschaft Junges Rheinland stellte er erstmals 1921 in der Düsseldorfer Kunsthalle aus. Die seinerzeitige Düsseldorfer Nachrichten kommentierte:

„In dem Hause Ey, in dem sie bisher ihre Werke zur Schau stellten, hätten die Wollheim, Schwesig und Otto Pankok, um einige der peinlichsten Vertreter dieser jüngsten Manier zu nennen, bleiben sollen. Sie gehören nicht in die Gemeinschaft von Künstlern, die Verantwortungsgefühl haben.“

Zusammen mit Wollheim und Peter Ludwigs gab Schwesig die politisch-satirische Zeitschrift Die Peitsche heraus, die sich mit satirischen Zeichnungen gegen Klassenjustiz und Militarismus wandte. 1924 nahm er an der von Wollheim in der Kunsthalle veranstalteten „proletarischen“ Ausstellung Der Kampf teil. 1928 gehörte Schwesig zu den Gründern der Rheinischen Sezession. 1930 gründete Karl Schwesig gemeinsam mit den Malerkollegen Ludwigs, Hanns Kralik, Julo Levin, Carl Lauterbach und dem Regisseur und Schauspieler Wolfgang Langhoff die Düsseldorfer Ortsgruppe der Asso. Zur selben Zeit hatte Langhoff die Leitung der jüngst gegründeten Agitprop-Theatergruppe „Nordwest ran!“ übernommen, jener kommunistischen Laientheatergruppe, zu der auch Hilarius Gilges gehörte. Karl Schwesig wiederum war mittlerweile, wie Gilges, Mitglied der Düsseldorfer Kommunistische Partei Deutschlands.

Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Reichstagsbrand beteiligte sich Schwesig an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern und gewährte Verfolgten Unterschlupf. Am 11. Juli 1933 wurde er von der SA verhaftet und in den Keller der Schlegelbrauerei, Bismarckstraße 44, den Schlegelkeller, verschleppt. Drei Tage lang wurde Schwesig hier ‚verhört‘ und gefoltert, um Namen seiner Mitstreiter im Widerstand gegen die Nazis herauszubekommen. Nach vier Tagen wurde er ins Polizeipräsidium überführt,[3] vier Wochen später von der SS in der Zentrale der StaPo Düsseldorf in der Mühlenstraße 29 erkennungsdienstlich ‚behandelt‘. Es folgten Untersuchungshaft in der Ulmer Höh mit Verurteilung wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und weitere Inhaftierung im Gefängnis Wuppertal-Bendahl. Im November 1934 wurde er entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt.

Im Frühjahr 1935 gelang Schwesig die Flucht nach Belgien. In Antwerpen erhielt er politisches Asyl und begann erneut mit der künstlerischen Arbeit. Er hielt in Bildern fest, was ihm und seinen Mitgefangenen im SA-Folterkeller widerfahren war, und er schrieb. 1935/1936 beendete er die Arbeit, einen 48 Zeichnungen umfassenden Zyklus Schlegelkeller. Diese wurden im Exil ausgestellt: 1936 in Brüssel und Amsterdam, 1937 in Moskau. Anfang 1938 fertigte er acht bitter bissige Skizzen von Motivwagen für den Kölner Karneval für die von der KPD-Abschnittsleitung Brüssel gedruckte satirische Fälschung der „Kölner Rosenmontags-Zeitung“.

1940 wurde er bei der Invasion der deutschen Truppen in Antwerpen wiederholt festgenommen und nach Südfrankreich transportiert. Nach Internierungen in den Lagern Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales), Camp de Gurs, KZ Noé–Mauzac und KZ Nexon verbrachte ihn die SS 1943 zurück nach Deutschland, wo er 1943 und 1944 wiederum mehrfach inhaftiert wurde. 1945 erfolgte für Schwesig die endgültige Entlassung kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner.[4]

Nachkriegszeit

1945 kehrte Karl Schwesig nach Düsseldorf zurück und beteiligte sich am kulturellen Wiederaufbau. In Gemälden und Radierungen stellte er unter anderem seine Erfahrungen in der Internierung dar. Nach seinem Tod erwarb das Kunstmuseum Düsseldorf das Gemälde Selbstbildnis im Karneval.

Ehrung

Nach Schwesig wurde die Karl-Schwesig-Straße in Buer benannt.

Literatur

  • Ulrich Krempel (Hrsg.): Am Anfang: Das Junge Rheinland Städtische Kunsthalle Düsseldorf 1985, ISBN 3-546-47771-5.
  • Hans-Jörg Loskill (Hrsg.): Karl Schwesig RevierAtelier, Band 6, ISBN 978-3-8375-0000-4
  • K. Schwesig: Ein Pyrenäenbericht. in Michael Philipp, Hg., Gurs. Ein Internierungslager in Südfrankreich 1939 - 1943. Literarische Zeugnisse, Briefe, Berichte. Mitarb. Klaus Frahm, Angela Graf, Frithjof Trapp. Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Hamburg 1991 & 1993 ISBN 3926736062 S. 65 - 71
  • Klaus Kösters: Karl Schwesig (1898–1955). In: Klaus Kösters (Hg.): Anpassung - Überleben - Widerstand: Künstler im Nationalsozialismus. Aschendorff Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-402-12924-1, S. 193–201

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gelsenkirchener Blätter, Juni 1955
  2. Anmerkung: dazu gibt es keinen Nachweis
  3. auch beschrieben in: Wolfgang Langhoff: Die Moorsoldaten. Zürich 1935, S. 104.
  4. Karl Schwesig 1898 bis 1955, Künstler der Galerie Remmert und Barth.