Kaufhalle AG

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Kaufhalle AG
Kaufhalle.jpg
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 1950er Jahre
Auflösungsdatum 2000 (Verkauf des operativen Geschäfts)
2007 (Schließung letzter Filialen)
Seither eine reine Immobiliengesellschaft
Unternehmenssitz Köln
Unternehmensleitung

Hans Kühn (um 1998)

Mitarbeiter 5000
Umsatz 2,3 Mrd. DM
Branche Einzelhandel

Die Kaufhalle AG war ein von der Kaufhof gegründeter Niedrigpreiswarenhauskonzern. Sitz der Gesellschaft ist seit Anbeginn Köln. Im September 2000 wurde das operative Geschäft der als KAUFHALLE, KAUFCENTER und M. multistore geführten Warenhäuser an den italienischen Textilhändler Oviesse (Tochter der Gruppo Coin) verkauft, der Name Kaufhalle/Multistore blieb an etlichen Filialen bis 2005 erhalten. Derzeit ist die Kaufhalle AG eine reine Immobiliengesellschaft (ihr gehören größtenteils die ehemaligen Filialen).

Die Filiale in der Gelsenkirchener Altstadt befand sich auf der Bahnhofstraße 42-44

Geschichte

Die Geschichte beginnt mit der Gründung durch den Kaufhof nach dem zweiten Weltkrieg und endete, im Warenhausgeschäft, im September 2000.

Die Anfangsjahre

Die Kaufhalle wurde durch den Kaufhof in Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. Oft waren die Filialen in direkter Umgebung zum Mutterunternehmen angesiedelt, manchmal waren die Kaufhalle-Filialen allerdings auch ehemalige Kaufhof-Filialen, die für den Kaufhof nicht mehr groß genug waren. Äußerlich konnte man die Verbindung zwischen Kaufhof und Kaufhalle auch am Schriftzug erkennen, da es sich um den gleichen Schrifttyp handelte. Die Farbe des Logos der Kaufhalle war Rot, was im Farbenspektrum die Kontrastfarbe zu Grün darstellt, was damals wie heute die Farbe des Kaufhofs ist.

Die Hauptkonkurrenten

  • Woolworth – Woolworth war schon seit den 1920er Jahren im deutschen Markt tätig und eine deutsche Tochter der amerikanischen F.W. Woolworth. Das Filialnetz war ähnlich stark ausgebaut wie jenes der Kaufhalle. Nach 1990 war Woolworth der einzige große Konkurrent im deutschen Markt.
  • Bilka – Bilka war die Niedrigpreissparte von Hertie. 1990 trennte sich Hertie von der gesamten Kette und versuchte die Filialen zu verkaufen. Die meisten Filialen wurden anschließend an die ehemaligen Konkurrenten Woolworth und Kaufhalle verkauft.
  • Kepa – Kepa war die Niedrigpreissparte von Karstadt bis 1980.
  • DeFaKa – DeFaKa (Deutsches Familien-Kaufhaus) war die Niedrigpreissparte der Horten AG.

Der Umbruch in den 1990er Jahren

Nach der Übernahme der Bilka-Häuser betrieb die Kaufhalle AG mehr als 110 Filialen und war damit in fast allen Regionen Deutschlands vertreten. Jedoch war seit vielen Jahren in die Filialen nicht ausreichend investiert worden, und so sank der Ruf und das Defizit wuchs. Das Jahresergebnis betrug 1994 bei der Kaufhalle minus 4,2 Millionen Mark[1], allein in den neuen Bundesländern wurde ein Minus von 15 Mio. DM erwirtschaftet[2]. Die Metro AG wollte die unrentable Kette loswerden, so wurden einige Filialen zu besseren Verwendungszwecken konzernintern verbraucht und als „MediaMarkt“, zur Ergänzung des Kaufhofs oder als „Sportarena“ verwendet.

Nachdem etliche Filets aus der Kette getrennt waren, blieben schließlich 99 Filialen, zwei Logistikzentren und die Hauptverwaltung in Köln übrig, die von der Metro AG in die „Divaco“ überführt wurden. In dieser Gesellschaft sammelte die Metro alle nicht mehr zum Kerngebiet gehörenden Unternehmen. Die Restfilialen befanden sich an sehr unterschiedlich attraktiven Standorten und es erschien dem neuen Besitzer als schwierig die Kette los zu werden, lange Zeit wurde nach einem Interessenten gesucht. Währenddessen modernisierte man das Filialnetz und führte gleichzeitig drei Vertriebsmarken.

Die drei Vetriebsmarken seit den 1990er Jahren

  • Als Kaufhalle verblieben zumeist ältere Filialen und Filialen an B- oder sogar C-Lagen.
  • Kaufcenter. In den 1980er Jahren tauchte diese Zweitmarke auf, Kaufcenter waren zunächst etwas größere Kaufhallen. Sie wirkten etwas besser, weil sie neuer waren. Das Logo ließ aber auf den ersten Blick erkennen, wo der Ursprung lag. Nach der Wende hießen zusätzlich auch etliche Filialen in den neuen Bundesländern „Kaufcenter“, denn dort war der Begriff „Kaufhalle“ von früher her anders belegt, nämlich in der Bedeutung von Supermarkt.
  • (M.) multistore. In den 1990er Jahren wurde das „multistore“-Konzept eingeführt. Die neue Grundfarbe war nun Blau. Das Logo wurde binnen weniger Jahre zweimal verändert. Die ersten Filialen trugen einfach nur einen Schriftzug in Großbuchstaben, bei der ersten Veränderung wurde der Schriftzug in Kleinbuchstaben geschrieben und um den Vorsatz „M.“ in einem Quadrat ergänzt, wobei es keine Bedeutung für das zusätzliche M gab. In Version 2.2 wurde der „.“ in den Rahmen des Quadrats verrückt. Mit der Multistore-Filialen wurde versucht, das antiquierte, teils auch negative Image des Namens „Kaufhalle“ abzulegen und mit neuem Namen und renovierten Kaufhallen-Flächen neue Kundenkreise zu erschließen.

Verkauf, Rückgabe und Schließung

Im Jahr 2000 fand die Divaco ein Unternehmen, das die Kaufhalle als ganzes haben wollte. Der größte italienische Textilhändler „Gruppo Coin“ hatte damals Pläne, außerhalb seines Heimatlandes Märkte zu erschließen. Dafür wurde die Vertriebsmarke Oviesse ausgesucht. Im September 2000 ging das operative Geschäft mitsamt 5.000 Mitarbeitern, zwei Logistikzentren, einer Hauptverwaltung und den 99 Filialen von der Kaufhalle AG auf die deutsche Oviesse über. Einen Preis musste Gruppo Coin nicht bezahlen, vielmehr bekam sie von der Divaco noch 64 Millionen Euro dazu. Dieses Geld hätte die Divaco ansonsten auch weiterhin in die defizitäre Kette stecken müssen. Als erste wurde Ulmer Filiale zu Oviesse umgebaut[3].

2002 zeigte sich Oviesse trotz Verluste der deutschen Tochter noch zuversichtlich und bezeichnete Deutschland als "Kernmarkt für die Gruppe Coin". Das Handelsblatt sprach vom "Comeback der totgesagten Kaufhalle"[4]. Der Verlust betrug 45 Millionen Euro bei einem Umsatz von 189 Millionen €[5]. Es war laut Deutschland-Chef Dieter von Aspern geplant, 50 Geschäfte zu behalten und den Rest zu schließen[6]. Im Herbst 2003 schlossen jedoch 71 Kaufhäuser, die zu diesem Zeitpunkt 1600 Mitarbeiter beschäftigten[7]. Nur 17 blieben weiterhin in Betrieb[8]. Woolworth übernahm 2004 fünf Filialen (Köln, Nürnberg, Passau, Remscheid und Solingen). [9] Man schätzt, dass Oviesse 50. Mio. € für die Rückgabe/Aufgabe der Filialen an die Kaufhalle AG zahlte. [10].

An einigen Standorten zeigten sich auch Jahre nach der Aufgabe des operativen Geschäftes durch Oviesse, noch Filialen mit den alten Namen. So gab es unter anderem noch eine Kaufhalle in München und einen M. multistore in bester Stuttgarter Innenstadtlage. Auch wurden einige Filialen als Multistore reaktiviert, darunter in Pforzheim-Goldstadt und Frankfurt-Hauptwache. Angeboten wurden vor allem Restposten aus dem Kaufhof-Sortiment, aber auch Lebensmittel. Bis 2007 wurden alle Filialen geschlossen.

Die Kaufhalle AG als Immobiliengesellschaft nach dem September 2000

Nachdem das operative Geschäft abgegeben wurde, war die Kaufhalle AG zur reinen Immobiliengesellschaft geworden. Sie vermietete die Filialen an Oviesse, wobei viele Filialen noch „Kaufhalle“ hießen. Mit dem Entschluss der Oviesse, den deutschen Markt aufzugeben, bekam die Kaufhalle AG eine Ablösesumme von 50 Millionen Euro für den entstehenden Mietverlust. Seit dem Auszug von Oviesse aus allen Filialen, versucht die Kaufhalle AG ihre Immobilien neu zu vermieten, größere Mieter mit etlichen gemieteten Filialen in den letzten Jahren waren „Billig Kaufhaus“ und die „Karstadt Quelle AG“ mit Restpostenmärkten für nicht verkaufte Versandhauswaren. 38 Kaufhalle-Immobilien wurden 2007 an „Dawnay Day“ verkauft, diese britische Gesellschaft betrieb in Deutschland auch die Hertie-Kaufhäuser.

Seit 2003 gehört die Kaufhalle AG mittelbar der WestLB (49,5 %), der Metro AG (49 %) und Provinzial Rheinland AG (1,5 %).

Weblink

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Einzelnachweise