Kevin-Prince Boateng

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Kevin-Prince Boateng

Boateng (2014)
Spielerinformationen
Geburtstag 6. März 1987
Geburtsort West-Berlin, Deutschland
Größe 186 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1994–1995
1995–1996
1996–2005
Hertha BSC
Reinickendorfer Füchse
Hertha BSC
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
2004–2007
2005–2007
2007–2009
2009
2009–2010
2010–2013
2013–2015
2016
2016-2017
2017–2018
2018–2019
2019
2019–
2020
2020–
Hertha BSC II
Hertha BSC
Tottenham Hotspur
→ Borussia Dortmund (Leihe)
FC Portsmouth
AC Mailand
FC Schalke 04
AC Mailand
UD Las Palmas
Eintracht Frankfurt
US Sassuolo Calcio
→ FC Barcelona (Leihe)
AC Florenz
→ Beşiktaş Istanbul (Leihe)
AC Monza
29 0(5)
42 0(4)
14 0(0)
10 0(0)
22 0(3)
74 (14)
46 0(6)
11 0(1)
27 (10)
31 0(6)
13 0(4)
3 0(0)
14 0(1)
11 0(3)
11 0(4)
Nationalmannschaft2
2001–2002
2002–2003
2003–2004
2004–2005
2006
2006–2009
2010-2014
Deutschland U-15
Deutschland U-16
Deutschland U-17
Deutschland U-19
Deutschland U-20
Deutschland U-21
Ghana
4 0(1)
11 0(3)
10 0(1)
12 0(7)
2 0(0)
6 0(0)
15 0(2)

1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
 Stand: 22. Dezember 2020
2Stand: 21. Juni 2014

Kevin-Prince Boateng (* 6. März 1987 in West-Berlin; häufig nur Kevin Boateng oder Prince) ist ein deutsch-ghanaischer Fußballspieler.

Aufsehen erregte Boateng im Januar 2013, als er in einem Testspiel für den AC Mailand nach rassistischen Schmähungen aus dem Publikum den Platz verließ, seine Mannschaftskollegen ihm folgten, und die Begegnung deshalb abgebrochen wurde.[1]

Vereine

Hertha BSC

Kevin-Prince Boateng spielte ab seinem siebten Lebensjahr – abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei den Reinickendorfer Füchsen – bei Hertha BSC.

Im Jahr 2003 wurde er mit Herthas U-17-Auswahl deutscher B-Juniorenmeister. Im Finale konnte man sich mit 4:1 gegen den VfB Stuttgart behaupten. Ein Jahr später konnte Boateng mit Hertha den DFB-Junioren-Vereinspokal im Finale gegen den SGV Freiberg gewinnen.

Anschließend rückte er in den Amateurkader des Vereins auf, wo Boateng in der Regionalliga Nord spielte. Ein Jahr später debütierte Kevin-Prince Boateng im Alter von 18 Jahren am 13. August 2005 beim 2:0 Sieg gegen Eintracht Frankfurt in der Fußball-Bundesliga. Kurze Zeit später kam Boateng auch erstmals im UEFA-Cup zum Einsatz, hier gab er am 24. November 2005 sein Debüt. Am 4. Februar 2006 im Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt erzielte Boateng sein erstes Bundesliga-Tor. Am 14. September desselben Jahres folgte auch der erste UEFA-Cup-Treffer im Spiel gegen Odense BK.

Nachdem Boateng in der U23-Mannschaft von Hertha BSC schon mehrmals mit seinem Halbbruder Jérôme zusammengespielt hatte, standen beide am 25. Spieltag der Saison 2006/2007 gegen Borussia Mönchengladbach zeitweise gemeinsam in einem Bundesligaspiel auf dem Rasen. Eine Woche später standen die Halbbrüder in der Startelf gegen den FC Energie Cottbus.

Nach zwei Bundesligaspielzeiten für die Berliner wechselte Kevin-Prince Boateng im Sommer 2007 für 7,9 Millionen Euro nach England zu Tottenham Hotspur.

Tottenham Hotspur

Sein Debüt in der Premier League gab Boateng am 3. November 2007 gegen den FC Middlesbrough. In seiner ersten Saison in England fungierte er meist als Ergänzungsspieler und kam zu 13 Ligaeinsätzen. Dafür hatte Boateng einen größeren Anteil am Gewinn des englischen Ligapokals. Im Viertelfinale gegen Manchester City (2:0) spielte er über 90 Minuten durch, in beiden Halbfinalspielen gegen den FC Arsenal (1:1 und 5:1) wurde er jeweils eingewechselt. Im Finale gegen den FC Chelsea fehlte Boateng verletzungsbedingt. In seiner zweiten Premiere-League-Saison kam er unter dem neuen Trainer Harry Redknapp nur zu einem Ligaeinsatz, woraufhin er in der Winterpause an Borussia Dortmund bis zum Ende der Saison 2008/09 ausgeliehen wurde.

Borussia Dortmund

Insgesamt spielte Kevin-Prince Boateng zehn Mal für Dortmund. Während dieser Zeit kam es auch erstmals zum Duell mit seinem Halbbruder Jérôme. Am 25. April 2009 wurde Boateng im Spiel gegen den Hamburger Sportverein in der 68. Minute eingewechselt und spielte somit bis zur 81. Minute gegen Jérôme, bis dieser ausgewechselt wurde. Kevin-Prince Boateng konnte die letzten beiden Saisonspiele nicht mehr antreten, da er aufgrund eines Fouls an dem Wolfsburger Makoto Hasebe vom DFB-Sportgericht gesperrt wurde. Boateng überzeugte zwar den Trainer Jürgen Klopp mit seinen Leistungen, eine Kaufoption wurde aus finanziellen Gründen jedoch nicht gezogen.

FC Portsmouth

Ende August 2009 wechselte Boateng für etwa vier Millionen Pfund Ablöse zum englischen Erstligisten FC Portsmouth und unterschrieb einen Dreijahresvertrag. In seinem ersten Ligaspiel für den neuen Klub erzielte Boateng sein erstes Premier-League-Tor. Mit Portsmouth erreichte er auch das Finale des FA Cups. Im Halbfinale setzte sich Portsmouth gegen Tottenham Hotspur mit 2:0 nach Verlängerung durch. Boateng bereitete das 1:0 vor und erzielte kurz vor Schluss den Treffer zum 2:0 gegen sein ehemaliges Team. Das Finale fand am 15. Mai 2010 gegen den FC Chelsea im Wembley-Stadion statt. Portsmouth verlor mit 0:1 gegen die Londoner. Boateng verschoss dabei einen Strafstoß gegen Petr Čech. Zuvor hatte er Michael Ballack gefoult, der dabei so schwer verletzt wurde, dass dessen Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 unmöglich wurde.[2]

AC Mailand

Zur Saison 2010/11 wechselte Kevin-Prince Boateng zum italienischen Serie-A-Klub CFC Genua. Er unterschrieb einen Vierjahresvertrag, wurde jedoch sofort für eine Saison an den eigentlichen Interessenten AC Mailand, der sich die geforderte Ablösesumme nicht leisten konnte, samt Kaufoption verliehen. Später wurde der Vertrag von Leihbasis auf Co-Eigner-Basis umgeschrieben.

Im Laufe der Saison spielte sich Kevin-Prince Boateng in die Stammelf des AC Milan. Sein erstes Spiel in der Serie A absolvierte er am 29. August 2010. Er wurde in der 76. Minute für Alexandre Pato eingewechselt und legte Filippo Inzaghi den Treffer zum 4:0-Endstand auf. Am 15. September 2010 bestritt er sein erstes Spiel in der UEFA Champions League. Gegen die AJ Auxerre wurde Boateng in der 15. Minute für den verletzten Massimo Ambrosini eingewechselt und bereitete den Führungstreffer von Zlatan Ibrahimović vor. Das Spiel endete mit 2:0 für den AC Mailand. Sein erstes Serie-A-Tor erzielte er am 4. Dezember 2010 beim 3:0-Heimsieg gegen Brescia Calcio. Durch das 0:0 am 36. Spieltag gegen den AS Rom sicherte sich Boateng mit dem AC Mailand vorzeitig den italienischen Meistertitel 2011. Es ist sein erster Meistertitel im Profibereich. Vizepräsident Adriano Galliani gab am 27. April 2011 bekannt, dass Boateng beim AC Mailand bleiben werde und bestätigte damit das Ziehen der Kaufoption.[3]

Im Mai 2011 übernahm AC Milan die restlichen 50 % der Transferrechte von Kevin-Prince Boateng für eine Ablösesumme, die ersten Angaben zufolge bei etwa 7 Millionen Euro liegen soll.[4] Am 6. August 2011 konnte Kevin-Prince Boateng mit dem AC Milan den italienischen Supercup gegen Pokalsieger Inter Mailand gewinnen. Boateng schoss dabei das Tor zum 2:1-Endstand. Am 23. Oktober 2011 wurde Boateng im Auswärtsspiel bei US Lecce beim Stand von 0:3 aus Sicht der Mailänder nach der Halbzeitpause für Robinho eingewechselt und erzielte innerhalb von 14 Minuten einen klassischen Hattrick zum 3:3-Ausgleich (Endstand 4:3 für Mailand). Vier Tage zuvor konnte er im Champions-League-Gruppenspiel gegen BATE Baryssau seinen ersten Treffer in der Königsklasse erzielen.

Zur Saison 2012/13 bekam Boateng die prestigeträchtige Rückennummer zehn, nachdem Vorgänger Clarence Seedorf den AC Mailand in Richtung Botafogo FR verlassen hatte und auch der für das Trikot eingeplante Zlatan Ibrahimović bei Paris SG unterschrieb.[5]

Anhaltende rassistische Beleidigungen von dunkelhäutigen Spielern des AC Mailand am 3. Januar 2013 bewogen Boateng, sich mehrfach beim Schiedsrichter des gerade laufenden Freundschaftsspiels gegen den Viertligisten Aurora Pro Patria zu beschweren, ohne Unterstützung zu finden. In der 26. Minute des Spiels stoppte Boateng beim Dribbeln, nahm den Ball in die Hand, schoss ihn in Richtung jener Tribüne, von der die Beleidigungen kamen, zog sein Trikot aus, und ging vom Feld.[6] Die anderen Spieler des AC Mailand folgten ihm, ihr Mannschaftskapitän winkte sie vom Platz, das Spiel war zu Ende.[7] „Ein großer Mann“, befand Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli, „ein großer Klub, eine große Lehre“ befand der Corriere dello Sport.[1] Boatengs Reaktion und die Solidarität seiner Mitspieler erregten national und international viel positive Aufmerksamkeit und wurden allgemein als wichtiger Schritt gegen Rassismus in Fußballstadien angesehen.[8]

FC Schalke 04

Am 30. August 2013 verpflichtete der FC Schalke 04 Boateng und stattete ihn mit einem Vierjahresvertrag und dem Trikot mit der Rückennummer 9 aus. Nach über vier Jahren (zuletzt am 12. Mai 2009 für Borussia Dortmund) bestritt er am 31. August 2013 (4. Spieltag) beim 2:0-Sieg im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen wieder ein Bundesligaspiel. Am 14. September 2013 schoss er im Auswärtsspiel beim 1. FSV Mainz 05 sein erstes Tor für den FC Schalke 04. Nur vier Tage später erzielte er gegen Steaua Bukarest in der Champions League-Gruppenphase sein erstes Tor für die Schalker in diesem Wettbewerb. Am 9. November 2013 (12. Spieltag) im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen erzielte er nicht nur seinen ersten Doppelpack für den FC Schalke 04, sondern auch – zum ersten Mal in seiner Karriere – zwei Tore in einem Spiel mit dem Kopf.

Nach dem Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln am 10. Mai 2015, das mit 0:2 verloren wurde, wurde Boateng gemeinsam mit Sidney Sam vom Verein freigestellt.

Am 8. Dezember 2015 wurde der bis zum 30. Juni 2016 (plus Option auf ein weiteres Jahr) datierte Arbeitsvertrag zwischen Schalke und Boateng aufgelöst.

Rückkehr zum AC Mailand

Um sich nach seiner Suspendierung beim FC Schalke 04 fit zu halten, nahm Boateng seit Oktober 2015 am Training seines Ex-Klubs AC Mailand teil[9] und kam dort Anfang November auch in einem Testspiel zum Einsatz.[10] Nachdem sich Boateng und der FC Schalke 04 auf eine Vertragsauflösung zum Jahresende geeinigt hatten, stattete ihn der AC Mailand mit einem Vertrag bis zum Ende der Saison 2015/16 aus. Sein Comeback im Trikot des AC Mailand gab Boateng am 9. Januar 2016, als er beim 1:1-Unentschieden gegen die AS Rom in der 56. Spielminute für Luiz Adriano eingewechselt wurde. Sein erstes Ligator gelang ihm am 17. Januar 2016 (20. Spieltag), als er beim 2:0-Heimsieg gegen den AC Florenz kurz vor Schluss den Endstand erzielen konnte. Sein zum Saisonende auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

UD Las Palmas

Am 1. August 2016 gab der UD Las Palmas die Verpflichtung von Boateng bekannt. Seinen ersten Treffer in der Primera División feierte Boateng bereits am ersten Spieltag der Saison beim 4:2-Auswärtssieg gegen den FC Valencia. Mit diesem Treffer war Boateng erst der sechste Spieler, der es geschafft hat in den großen Ligen in Europa (Bundesliga, Premier League, Serie A, Primera División) einen Treffer zu erzielen.

Eintracht Frankfurt

Mitte August 2017 wechselte Boateng zu Eintracht Frankfurt und unterschrieb beim Bundesligisten einen Dreijahresvertrag. Sein Debüt für die Frankfurter gab er am 20. August 2017 (1. Spieltag) beim torlosen Unentschieden im Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg mit Einwechslung für Daichi Kamada in der 67. Minute. Sein erstes Bundesligator nach über dreieinhalb Jahren erzielte er am 9. September 2017 (3. Spieltag) beim 1:0-Sieg im Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit dem Siegtreffer in der 13. Minute. Im Mai 2018 gewann Boateng mit der Eintracht nach einem 3:1-Finalsieg gegen den FC Bayern München den DFB-Pokal.

US Sassuolo Calcio

Anfang Juli 2018 wechselte Boateng zu US Sassuolo Calcio. Wie bereits bei seinem Jahr in Spanien agierte Boateng für die Italiener zumeist als Mittelstürmer und konnte in der Hinrunde der Saison 2018/2019 vier Ligatore sowie zwei Torvorlagen in 13 Serie A-Einsätzen beisteuern.

FC Barcelona

Am 21. Januar 2019 wechselte Boateng bis zum Saisonende auf Leihbasis zum FC Barcelona. Anschließend kann der FC Barcelona für acht Millionen Euro die Transferrechte an Boateng erwerben. Sein Pflichtspieldebüt gab Boateng bereits zwei Tage später bei der 0:2 Copa Del Rey-Niederlage gegen den FC Sevilla. Das Ligadebüt für die Katalanen hatte Kevin-Prince Boateng am 16. Februar 2019 beim 1:0 Sieg gegen Real Valladolid.

AC Florenz

Nach dem Leihgeschäft und der Rückkehr zur US Sassuolo Calcio wechselte Kevin-Prince Boateng zur Saison 2019/20 zur AC Florenz, seinem zwölften Verein in seiner Profikarriere. Das Pflichtspieldebüt für Florenz gab Kevin-Prince Boateng bereits am ersten Spieltag der Serie A, als er in der 62. Spielminute für Dušan Vlahović gegen den SSC Neapel eingewechselt wurde. Boateng erzielte kurz nach seiner Einwechslung den Treffer zum zwischenzeitlichen 3:3 Ausgleich, das Spiel ging jedoch mit 3:4 verloren.

Beşiktaş Istanbul

Nach 14 Ligaeinsätzen (ein Tor) sowie einem Spiel im Pokal für Florenz wurde der Offensivspieler bis zum Saisonende in die türkische Süper Lig an Beşiktaş Istanbul verliehen. Nach Saisonende kehrte er zu Florenz zurück.

AC Monza

Im September 2020 wechselte Boateng zum italienischen Zweitligisten AC Monza.

Nationalmannschaften

Deutschland

Der Mittelfeldspieler durchlief alle Jugendnationalmannschaften Deutschlands, bis auf die U-18, welche er übersprungen hat. Sein Tor von der Mittellinie, das er am 20. Juli 2005 beim Spiel der deutschen U-19-Nationalmannschaft gegen Griechenland zum 3:0 erzielte, wurde zum Tor des Monats gewählt. Am 6. Oktober 2006 debütierte Boateng in der U-21-Nationalmannschaft beim EM-Qualifikationsspiel in England (0:1). Nachdem er seit einem Turnier 2007 in Toulon von Trainer Dieter Eilts nicht mehr berücksichtigt worden war, feierte Boateng unter dem neuen U-21-Trainer [orst Hrubesch sein Comeback. Hrubesch nominierte ihn auch in den vorläufigen Kader für die U21-Europameisterschaft 2009 in Schweden. Allerdings musste Boateng im Laufe der Vorbereitung verletzungsbedingt absagen.

Ghana

Am 24. Juni 2009 gab Boateng bekannt, dass er ab sofort für die ghanaische Fußballnationalmannschaft auflaufen wolle, da er für sich keine Perspektive in der deutschen Mannschaft sehe. Während Boateng noch auf die Zustimmung der FIFA wartete, nominierte der Fußballverband Ghanas ihn schon unter Vorbehalt für den Afrika-Cup 2010. Eine Teilnahme war aber wegen der ausstehenden FIFA-Entscheidung nicht möglich. Am 7. Mai 2010 wurde Boateng in den vorläufigen WM-Kader von Ghana berufen. Verbandsvizepräsident Fred Pappoe ging von einer Entscheidung der FIFA noch vor der Weltmeisterschaft aus. Diese kam auch rechtzeitig und so wurde Kevin-Prince Boateng am 30. Mai 2010 in den endgültigen WM-Kader Ghanas berufen. Am 5. Juni 2010 bestritt er für Ghana gegen Lettland sein erstes Länderspiel.

Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nahm Boateng die Position des verletzten Michael Essien im zentralen Mittelfeld ein. Im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland traf er u. a. auf seinen Halbbruder Jérôme Boateng. Es war das erste Duell zweier Brüder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Mit Boateng konnte Ghana trotz der Niederlage gegen Deutschland als einziges afrikanisches Team die Gruppenphase überstehen. Am 26. Juni 2010 erzielte Kevin-Prince Boateng im Achtelfinalspiel gegen die USA sein erstes Länderspieltor. Das Spiel endete mit 2:1 nach Verlängerung und Ghana feierte mit dem Einzug ins Viertelfinale den größten Erfolg der Verbandsgeschichte. Im Viertelfinale schied Ghana gegen Uruguay mit 4:2 im Elfmeterschießen aus.

Kevin-Prince Boateng wurde am 7. November 2010 für die Auszeichnung Afrikas Fußballer des Jahres 2010 nominiert.[11] Die Wahl konnte er jedoch nicht für sich entscheiden, dafür wurde Boateng in Afrikas Elf des Jahres 2010 gewählt.[12] In diese wurde er auch 2011 aufgenommen.

Am 4. November 2011 erklärte Boateng, aufgrund der hohen körperlichen Belastung, die durch das zusätzliche Engagement entsteht, vorerst nicht mehr für die ghanaische Fußballnationalmannschaft auflaufen zu wollen. Zum Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Sambia am 6. September 2013 kehrte er wieder in den Kader Ghanas zurück.[13] Mit Blick auf die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in die Gruppe G gelosten Nationalmannschaften Ghanas und Deutschlands und das damit nicht unwahrscheinliche erneute Aufeinandertreffen mit seinem Halbbruder Jérôme twitterte Boateng am 6. Dezember 2013 an ihn: „Bruder, es ist wieder so weit.“ Außerdem sagte er der Presse: „Man sieht, dass Wünsche noch in Erfüllung gehen können. Ich freue mich auf das Duell und das nächste Spiel gegen meinen Bruder bei einer Weltmeisterschaft.“

Am 13. Mai 2014 wurde er in den Kader der ghanaischen Fußballnationalmannschaft für das Turnier berufen. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien begann Boateng im ersten Spiel gegen die USA zunächst auf der Bank. Nach seiner Einwechslung konnten die Afrikaner zeitweise ihren Rückstand egalisieren. Durch ein spätes Tor der Amerikaner ging das Spiel jedoch mit 1:2 verloren. Im zweiten Gruppenspiel gegen Deutschland stand Boateng in der Startelf und spielte erneut, wie vor vier Jahren, gegen seinen Halbbruder Jérôme. Nach einer defensiv geprägten ersten Hälfte wurde Kevin-Prince Boateng zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Das Spiel endete 2:2 unentschieden. Kurz vor dem Entscheidungsspiel gegen Portugal wurde Boateng nach einer Auseinandersetzung mit seinem Trainer Kwesi Appiah von diesem zeitlich unbeschränkt suspendiert. Ähnlich erging es Mannschaftskollege Sulley Muntari. Die Suspendierung, die durch „einen weißen Zettel unter der Tür“ übermittelt worden sein soll, hält Boateng für nicht nachvollziehbar. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet er. Einen Rücktritt aus der Nationalelf Ghanas behält er sich vor. Ghana verlor das Spiel gegen die Portugiesen mit 1:2. Ein Sieg hätte die Afrikaner für das Achtelfinale qualifiziert.

Spielweise

Kevin-Prince Boateng ist ein beidfüßiger, vielseitig einsetzbarer Mittelfeldspieler. In seinen ersten Profijahren agierte er meist auf den Außenpositionen, später wechselte er in das zentrale Mittelfeld. Dort kann er sowohl die Rolle eines „Zehners“ als auch die eines „Sechsers“ bekleiden.

Boatengs Spielweise zeichnet sich durch seine technische Stärke aus. So meinte sein ehemaliger Trainer Jürgen Klopp beispielsweise, Boateng beherrsche hundert Arten einen Ball anzunehmen und habe dutzend Optionen, an einem Gegenspieler vorbeizuziehen. Dank technischer Stärke kann Boateng seinen Mitspielern durch gezielte Pässe chancenreiche Vorlagen liefern und sie so gut in Szene setzen. Insbesondere verfügt er über eine außergewöhnlich gute Schusstechnik und Schusskraft.

Boateng ist auch für eine harte Gangart auf dem Spielfeld bekannt, die sich zum Beispiel an dem groben Foulspiel gegen Michael Ballack im FA-Cup-Finale 2010 zeigte. Durch die erlittenene Verletzung konnte Ballack nicht an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika teilnehmen.

Erfolge

Mit seinen Vereinen

  • Italienische Meisterschaft: 2010/11
  • Supercoppa Italiana: 2011
  • League Cup: 2007/08
  • FA Cup: Finale 2009/10
  • Deutscher B-Juniorenmeister: 2002/03
  • DFB-Junioren-Pokalsieger: 2003/04

Als Nationalspieler

  • Weltmeisterschaft: Viertelfinale 2010

Persönliche Auszeichnungen

  • Fritz-Walter-Medaille in Bronze (U-18-Spieler): 2005
  • Fritz-Walter-Medaille in Gold (U-19-Spieler): 2006
  • Afrikas Elf des Jahres: 2010, 2011
  • Tor des Monats: Juli 2005

Gesellschaftliches Engagement

Gesellschaftlich engagiert sich Boateng gegen Rassismus. Im März 2013 folgte er einer Einladung der Vereinten Nationen, um im Genf an einer Veranstaltung zum Thema Rassismus und Sport teilzunehmen. Dabei sagte er:[14]

Rassismus muss aktiv bekämpft werden, er verschwindet nicht von selbst. Als ich in der Nationalmannschaft Ghanas spielte, habe ich gelernt, Malaria zu bekämpfen. Impfungen genügen nicht. Man muss die Teiche trocken legen, in denen die Malaria-Mücken gedeihen. Ich denke, dass Malaria und Rassismus vieles gemeinsam haben.“

Persönliches

Beispiel für Guerilla-Marketing des Sportartikel-Herstellers Nike: 3 United. Gewachsen auf Beton – Wandmalerei auf einer Brandwand in Berlin-Gesundbrunnen, die Kevin-Prince Boateng (rechts) mit seinen Brüdern George (Mitte) und Jérôme (links) zeigt

Boateng hat eine deutsche Mutter, Christine Rahn, die bei dem Berliner FC Meteor 06 Fußball spielte, und einen ghanaischen Vater, Prince Boateng, der 1981 aus Sunyani nach Deutschland gekommen war, um zu studieren, und bei den Reinickendorfer Füchsen spielte. Der Vater, ein Sprössling aus dem Clan der Aduana der Akan-Ethnien bzw. aus dem Clan der Yawhima, verließ die Familie, als Kevin-Prince anderthalb Jahre alt war. Die Mutter arbeitete in einer Keksfabrik, später brauchte sie Sozialhilfe, um die fünf Kinder durchzubringen, zwei Jungen und drei Mädchen, die sie streng erzog. Sein Onkel Robert Kwabena Boateng spielte für die Nationalmannschaft Ghanas. Sein Großvater mütterlicherseits soll ein Cousin von Helmut Rahn, dem Weltmeister von 1954 sein. Boateng, somit ein Großneffe Rahns, wusste aber lange nicht, ob dies stimmt, vielmehr hatte es ihm so seine Mutter erzählt. Nachdem Boateng im Juli 2005 das Tor des Monats geschossen hatte, erschien im Berliner Kurier ein Artikel, der erstmals auf die Verwandtschaft des 18-jährigen Torschützen mit Rahn hinwies.

Boateng hat über den gemeinsamen Vater einen Halbbruder, den deutschen Nationalspieler Jérôme Boateng, und einen fünf Jahre älteren Bruder, George (nicht identisch mit dem gleichnamigen Niederländer), der beim Nordberliner SC im Berliner Amateurbereich aktiv ist. Beim Spiel in einem „Bolzplatzkäfig“ an der Travemünder Straße und der Panke in Berlin-Gesundbrunnen begannen die Boateng-Brüder und ihre Freunde das Fußballspielen zu erlernen. Einen frühen, noch kindlichen Medienauftritt hatte Boateng bereits 1998, als er per Auslosung eines morgendlichen ARD-Kinderprogrammes zu einem Spiel ausgewählt wurde und dabei durch telefonische Mitwirkung den Hauptpreis, das Stofftier Petzi, gewann.

Boateng wurde beschuldigt, in den frühen Morgenstunden des 18. März 2009 gemeinsam mit Patrick Ebert insgesamt 13 Fahrzeuge im Berliner Stadtteil Wilmersdorf beschädigt zu haben. Einen Tag vor dem Prozess zog Boateng seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl zurück und zahlte eine Geldstrafe von 56.000 Euro. Er entging somit einer öffentlichen Gerichtsverhandlung.

Boateng trat in seiner Jugend zum Islam über, weil seine Freunde Muslime waren. Als er am 2. August 2007 heiratete, war er wieder Christ geworden. 2011 trennte er sich von seiner ersten Frau Jennifer, mit der er den gemeinsamen Sohn Jermaine Prince hat. In der Nähe seines Sohnes sein zu können, gab Boateng als einen Grund dafür an, dass er im Sommer 2013 nach Deutschland zurückkehrte und dort für den FC Schalke 04 spielt. Nachdem er am 1. Weihnachtstag 2013 seinen Sohn in Kaarst besucht hatte, erlitt Boateng Prellungen an Hals und Rücken, als ihn ein zunächst unbekannter Mann beim Verlassen des Wohnsitzes seines Sohnes ins Gesicht und zu Boden schlug. Anfang Februar 2014 berichteten Medien, dass die Polizei als Tatverdächtigen einen 28-Jährigen ermittelt habe, der sich beim Angriff auf Boateng als neuer Freund von Boatengs Ex-Frau ausgegeben habe.

Seit Oktober 2011 führt Boateng eine Beziehung mit der US-amerikanisch-italienischen Moderatorin Melissa Satta. Diese war zuvor lange Zeit mit dem italienischen Fußballnationalspieler Christian Vieri liiert. Mitte November 2013 wurde berichtet, dass Boateng in Meerbusch bei Düsseldorf eine früher von Michael Ballack bewohnte Villa angemietet habe, um dort mit Melissa zu wohnen. Anfang Dezember 2013 twitterte Boateng erfreut, dass Melissa schwanger sei. Am 15. April 2014 wurde er Vater eines zweiten Sohnes, der Maddox Prince heißen soll. Das erste gemeinsame Kind mit Melissa Satta wurde im Evangelischen Krankenhaus Bethesda in Mönchengladbach nach einem Wunschkaiserschnitt entbunden.

Nach eigenen Angaben spricht Boateng vier Sprachen – Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch – und versteht darüber hinaus zwei weitere – Arabisch und Französisch. Im Sommer 2014 erklärte er in einem Interview, dass er vor knapp fünf Jahren damit begonnen habe, 15 Liter Wasser am Tag zu trinken. Jetzt habe er die Dosis von über zwölf auf zehn Liter gesenkt, eine Menge, die nach dem Rat seines Ernährungsberaters auf Schalke immer noch deutlich zu hoch ist, weil er dadurch zu viele Mineralien und Vitamine verliere.

Brüder-Duelle und gemeinsame Spiele

Kevin-Prince und sein Halbbruder Jérôme spielen beide gemeinsam in der höchsten deutschen Spielklasse, der Bundesliga. Dadurch sind sie schon mehrmals gegeneinander angetreten. Außerdem stießen sie 2010 und 2014 in Spielen ihrer Nationalmannschaften aufeinander. Diese Duelle finden in den Medien und der Öffentlichkeit besondere, internationale Aufmerksamkeit, wobei der Bruderkampf seit 2010 zum Gegensatz zwischen Kain und Abel hochstilisiert wird. Zu Anfang ihrer Fußballerkarrieren hatten die Brüder für Hertha BSC und die deutsche U-21-Nationalmannschaft gemeinsam auf dem Platz gekämpft.

Die Boateng-Brüder kündigten an, ihre Karriere eines Tages bei Hertha BSC gemeinsam beenden zu wollen.

Literatur

  • Michael Horeni: Die Brüder Boateng: Drei deutsche Karrieren. 1. Auflage. Tropen-Verlag bei Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-6085-0308-1 (267 Seiten).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Taugt Kevin-Prince Boateng wirklich zum Helden?. Die Welt (5. Januar 2013). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  2. Kicker: WM-Aus für Ballack auf sport1.de
  3. dpa: Kevin-Prince Boateng bleibt beim AC Mailand
  4. Kevin-Prince Boateng bleibt bei Milan. fussball.ch (24. Mai 2011). Abgerufen am 24. Mai 2011.
  5. transfermarkt.de: Ehre für Boateng: Neue Nummer 10 beim AC Mailand, 27. Juli 2012, abgerufen am 27. Juli 2012
  6. Boatengs Zeichen gegen die Affen in den Kurven. Süddeutsche Zeitung (4. Januar 2013). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  7. Rassistische Beschimpfungen: Boateng und Milan verlassen das Feld. Kicker (3. Januar 2013). Abgerufen am 3. Januar 2013.
  8. Schwarz und weiß ist eins. Frankfurter Allgemeine Zeitung (4. Januar 2013). Abgerufen am 4. Januar 2013.
  9. kicker online: Boateng trainiert beim AC Mailand mit, 30. September 2015, abgerufen am 30. September 2015.
  10. Kevin-Prince Boateng im Testspiel im Einsatz auf t-online.de, abgerufen am 5. November 2015
  11. Afrikas Fußballer des Jahres - Kevin Boateng ist nominiert
  12. Entscheidung gefallen: Samuel Eto’o ist Afrikas Fußballer des Jahres
  13. Boateng zurück in Ghanas Nationalmannschaft
  14. Saskia Aleythe: Gefangen zwischen Bösewicht und Prediger, Artikel im Portal sueddeutsche.de vom 21. März 2013, abgerufen am 30. August 2013