Leo Sauer

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Leopold Leo Sauer (* 11. April 1883 in Oedt, † März 1945 im KZ Stutthof) war ein Fan und Förderer des FC Schalke 04.

Anzeige in der Gelsenkirchener Zeitung vom 3. Mai 1933

Leben

Leo Sauer war mit Auguste, geb. Rothschild (* 31. Oktober 1888 in Kolmar), verheiratet. Am 13. April 1899 zog die Familie von Essen-Katernberg nach Schalke und wohnte zunächst in der damaligen Friedrichstraße 13. Leo und Auguste hatten zwei Kinder, Werner Michaelis, (* 23. November 1918 in Gelsenkirchen) und Lieselotte, (* 26. Februar 1913 in Gelsenkirchen).

Leo Sauer war Inhaber einer Metzgerei mit angeschlossener Wurstküche, Salz- und Pökelräumen und beschäftigte 75 Angestellte. Die Metzgerei befand sich an der Schalker Straße 184 [1]. Er gehörte dem Reichbund jüdischer Frontsoldaten Gelsenkirchens an.

Sauer war begeisterter Anhänger und früher Förderer des FC Schalke 04. Er unterstützte viele Spieler auch privat. Ernst Kuzorra etwa bezahlte er den Führerschein und stellte ihn als Fahrer an. Auf einer Meisterfeier des FC Schalke präsentierte er ein Schwein, das er blau-weiß angestrichen hatte.

Nach dem Machtantritt der Nazis wurde Sauer aus dem Verein ausgeschlossen.

Ein Zeitzeuge berrichtete:

„In der Nacht zum 10. November 1938 kam ich mit 4 Arbeitskollegen von der Nachtschicht. Auf dem Heimweg kamen wir an dem Lebensmittelgeschäft Schöneberg, Ecke König-Wilhelm-Straße/1. Walzwerkstraße vorbei. Dort sa­hen wir 3 Männer, mit langen grauen Kitteln bekleidet, die mit Messing­stangen die Schaufenster einschlugen. Anschließend warfen sie die Laden­einrichtung auf die Straße. Der hinzukommende Ladeninhaber wurde als "Judensau" beschimpft und fürchterlich verprügelt. Nachdem das Geschäft zerstört war, verließen die Männer die Räume in Richtung Schalker Straße. Wir folgten ihnen. Auf der Schalker Straße zerschlugen die gleichen Männer die Fensterscheiben des jüdischen Fleischergeschäftes Leo Sauer und liefen weiter. Bei der Verfolgung der Randalierer konnten wir sehen, daß auch die Scheiben der jüdischen Geschäfte Isidor Goldblum und Siegmund Katzenstein zerschlugen wurden. Wir verfolgten die Männer weiter und kamen zur Gildenstraße...“

Die Familie Sauer meldete sich mit am 22. Oktober 1936 mit dem Vermerk "Auf Reisen" von der Wohnanschrift Schalker Str. 184 ab. Die Einwohnerkartei der Stadt Gelsenkirchen verzeichnet die Rückkehr der Familie mit der Wiederanmeldung am 2. Februar 1937 an der Liboriusstraße 61[2]. Der Sohn Werner war ab dem 14. April 1938 in Groß Breesen in Schlesien gemeldet.

Das Haus an der Liboriusstraße 61 wurde ab etwa 1939/40 als so genanntes "Judenhaus" genutzt. Dort wohnte die Familie Sauer zusammen mit der Familie Franz Nathan bis zur Deportation.

Leo und Auguste Sauer wurden am 27. Januar 1942 ins Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof in der Nähe von Danzig ermordet. Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet.

Erinnerung

An Leo Sauer erinnert seit 2013 eine Gedenktafel an der Veltins-Arena und eine Erinnerungsorte-Tafel an der Schalker Straße 184.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Adressbuch der Stadt Gelsenkirchen, 1927
  2. Adressbuch Gelsenkirchen 1939