Leopold Neuwald

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Leopold Neuwald (* 24. Juni 1877 in Gelsenkirchen, † 1944 in Riga) war ein Gelsenkirchener Unternehmer.

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Anzeige in der Gelsenkirchener Zeitung vom 3. Mai 1933

Leben

Leopold Neuwald wurde 1877 in Gelsenkirchen als Sohn einer der ältesten Familien der Stadt geboren. Sein Vater Isaak Neuwald führte ein Pfandleihgeschäft in der Stadt und gründete im Jahr 1880 das künftige Familienunternehmen, ein Spezialgeschäft für Bettware in der Arminstraße 15 in der Gelsenkirchener Altstadt.

Leopold absolvierte die israelitische Volksschule und erlernte anschließend den Beruf des Kaufmannes. Nach mehrjähriger Tätigkeit in verschiedenen Textilgeschäften wurde er Mitinhaber des Manufakturwarengeschäftes, das seine Eltern 1880 in Gelsenkirchen gegründet hatten. 1914 wurde er zum Militär eingezogen und Soldat im Ersten Weltkrieg, 1918 kehrte er verwundet zurück. Zynischerweise verliehen die neuen Machthaber Leopold Neuwald am 30. Januar 1935 „im Namen des Führers und Reichskanzlers" zum zweiten Jahrestag der sogenannten Machtergreifung" das „Ehrenkreuz für Frontkämpfer". Er gehörte dem Reichbund jüdischer Frontsoldaten Gelsenkirchens an.

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, bekamen die Juden den sich steigernden Antisemitismus und Rassismus zu spüren. Schrittweise wurde auch die Familie Neuwald ihrer Existenzgrundlage beraubt und verlor nach und nach Hab und Gut. Nach der sogenannten „Reichkristallnacht", als in Gelsenkirchen Alte Synagoge brannten und die jüdischen Geschäfte, auch das der Familie Neuwald, zerstört wurden, verließ Leopold Neuwald verübergehend die Stadt und versteckte sich zwei Wochen lang in Köln, um nicht nur den Mißhandlungen durch die Nationalsozialisten, sondern auch einer möglichen Verhaftung zu entgehen. Zu einer endgültigen Flucht aus Deutschland konnte sich die Familie jedoch nie entschließen, da man sich als deutsche Bürger jüdischen Glaubens verstand.

Am 27. Januar 1942 wurde Leopold Neuwald schließlich zusammen mit seiner Familie aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert. In einem Außenlager des Konzentrationslagers Kaiserwald starben Leopold Neuwald und seine Ehefrau Martha im Sommer 1944 an den unmenschlichen Lebensbedingungen; ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Von der Familie Neuwald sind insgesamt 24 Mitglieder ermordet worden. Den Holocaust überlebte nur Kurt Neuwald und der jüngste Sohn Ernst.

Erinnerung

An Leopold Neuwald erinnert heute der Leopold-Neuwald-Platz zwischen dem Bildungszentrum und den Stadtwerke Gelsenkirchen.

Quelle

  • Ludger Breitbach (Institut für Stadtgeschichte: Historische Spuren vor Ort – Gelsenkirchen im Nationalsozialismus. Klartext Verlag, Essen 1998