Manuel Charr

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Mahmoud Omeirat Charr Sportler

Sportart Boxen (Schwergewicht)
Personenbezogene Informationen
Geburtsdatum 10. Oktober 1984
Geburtsort Beirut (Libanon)
Größe 192 cm
Vereine
ab 2004 Masters Gym, Duisburg
? BC Erle 49
2005-2007 Sauerland Events
2007-2011 Universum Box-Promotion
Erfolge
2003-2005 Deutscher Meister (Kickboxen)
2003-2005 Deutscher Meister (Kickboxen)
2003-2005 Europameister (Kickboxen)
Manuel Charr, 2017

Manuel Charr (* 10. Oktober 1984 in Beirut, Libanon als Mahmoud Omeirat Charr) ist ein deutscher Profiboxer mit libanesischem und syrischem Hintergrund.[1]

Er wird auch der „Koloss von Köln“ genannt.[2]

Leben

Charr, Sohn einer libanesischen Mutter und eines syrischen Vaters, wuchs in Beirut auf.[3] 1989 floh seine Mutter mit sechs ihrer acht Kinder nach Deutschland. Sein Vater war im Libanesischen Bürgerkrieg umgekommen. Die Familie lebte im Berliner Bezirk Wedding sowie in Essen-Katernberg. Aktuell lebt Charr in Köln.

Konflikte mit der Justiz

Charr wurde im September 2006 wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag verhaftet und angeklagt. Zusammen mit seinem Boxstall-Kollegen Alexander Abraham war er in eine Auseinandersetzung verwickelt, bei der sich Charr laut seiner eigenen Aussage in Notwehr verteidigte. Das Landgericht Berlin sprach die beiden Boxer frei.[4]

Anfang 2011 wurde Charr im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen eine Autoschieberbande verhaftet.[5] Das Verfahren wurde eingestellt und Charr nach drei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen.[6]

Attentat auf Charr

In der Nacht zum 2. September 2015 wurde Charr in einem Döner-Imbiss in Essen angeschossen und schwer verletzt.[7] Nach einer Notoperation war er außer Lebensgefahr.[8] Charr nannte Beleidigungen als Tatmotiv. Der per Öffentlichkeitsfahndung gesuchte Yousseff Hassan Al-Zain stellte sich am 14. September der Polizei;[9] er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt.[10]

Kontroverse über angebliche deutsche Staatsangehörigkeit

2015 beantragte Manuel Charr einen deutschen Pass; dieser Antrag wurde negativ beschieden.[11] Nach seinem WM-Sieg 2017 gegen Ustinow hat er sich als erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling feiern lassen. Auf die Frage, ob er einen deutschen Pass besitze, antwortete Charr: „Ich bin deutsch zu 1000 Prozent. Ich kam im Trubel nicht dazu, meinen Pass abzuholen. Ich habe einen deutschen Pass. Der liegt vor und liegt im Amt, ja, ich schwöre es!“.[12] Zuvor hatte die Kölner Boulevardzeitung Express Manuel Charr wie folgt zitiert: „Mein Einbürgerungsverfahren liegt wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis. Das wird gerade von meinen Anwälten geklärt – und dann hoffe ich, meinen Pass endlich abholen zu dürfen. Aber letztlich ist es nur ein Stück Papier. Was zählt ist, dass ich mich vom Herzen her als Deutscher fühle.“ Es gebe keine Verfahren, die die Ausgabe seines Passes verhindern könnten, sagte Charr später bei Sky. Er werde jetzt Urlaub machen, „dann gehe ich zum Amt und hole meinen Pass“.[13][14]

Schließlich gestand er, keinen deutschen Pass zu besitzen. Gegenüber dem Express erklärte Charr nach seinem Weltmeisterschaftskampf, er habe einen syrischen Pass und möchte sich „beim deutschen Volk entschuldigen“. Er werde aber einen neuen Antrag auf Einbürgerung stellen.[15]

In einem Interview mit der türkischen Nachrichtenagentur IHA kündigte Charr kurz nach seinem WM-Kampf an, in die Türkei reisen, „unserem Präsidenten“ Recep Tayyip Erdoğan seinen Weltmeistergürtel „als Zeichen meiner Dankbarkeit für die Aufnahme syrischer Flüchtlinge“ überreichen und schließlich in Syrien „zum Frieden zwischen der Türkei und Syrien beitragen“ zu wollen.[16] Gegen Alexander Powetkin war Charr am 30. Mai 2014 mit syrischer Flagge und Hymne angetreten.[17]

Anfänge als Kampfsportler

Manuel Charr begann im Jahr 2001 mit dem Kampfsport als Kickboxer in einer Privatschule in Essen. Drei Jahre später wechselte er zum professionellen Masters Gym nach Duisburg. Dort begann er eine Karriere als Thai-Kickboxer. Von 2003 bis 2005 gewann er zwei Deutsche Meisterschaften und einen Europameistertitel.[18]

Nebenbei war er als Amateurboxer beim Box-Club Gelsenkirchen-Erle 1949 aktiv, und wurde dort von Michael Kopzog trainiert. In seiner Amateurlaufbahn verzeichnete Charr bis Februar 2005 16 Siege, davon 13 vorzeitig, bei einer Niederlage. 2004 wurde er Westdeutscher Meister.

Profikarriere seit 2005

2005 wurde Charr Profi. Über ein Trainingslager des Max Schmeling Gym in Berlin verpflichtete ihn der Sauerland-Stall, dort wurde er von Trainer Ulli Wegner betreut. Er trat u. a. als Sparringspartner von Nikolai Walujew, Alexander Powetkin und John Ruiz an. 2007 wechselte er zum Universum-Boxstall und wurde fortan von Fritz Sdunek betreut. Von Februar bis November 2011 bestritt Charr seine Kämpfe für die Sturm Box-Promotion des Profiboxers Felix Sturm. Am 18. November 2011 holte Charr in Cuxhaven den vakanten „International Silver Belt“ des WBC gegen den Brasilianer Marcelo Nascimento durch einen Technischen K. o. nach der achten Runde. 2011 verließ er Sturm Box-Promotion und gründete sein eigenes Unternehmen Diamond Boy Promotion.

Nach 21 Profikämpfen ohne Niederlage musste sich Charr am 8. September 2012 im Kampf um den WM-Titel des WBC gegen Vitali Klitschko aufgrund einer schweren Verletzung am Auge geschlagen geben.[19] Für diesen Kampf hatte er Vardan Zakarjan als Trainer verpflichtet.[20] Am 21. Dezember 2012 besiegte er Konstantin Airich durch K. o. in der ersten Runde. Im Februar 2013 gewann er gegen Yakup Sağlam durch die verletzungsbedingte Aufgabe des Gegners nach der zweiten Runde.[21]

Für den 29. Juni 2013 war in Manchester ein Kampf Charrs gegen David Haye geplant, den Haye wegen einer Handverletzung absagen musste.[22] Am 30. Mai 2014 kämpfte Charr in Moskau gegen Alexander Powetkin um den vakanten WBC International Champion Titel, welchen er in der siebten Runde durch K. o. verlor. Nach einem Sieg am 24. Oktober 2014 gegen Michael Grant verlor er am 10. April 2015 gegen Johann Duhaupas durch Mehrheitsentscheidung. Nachdem er seinen nächsten Kampf gegen den Australier Alex Leapai gewann, verlor er am 22. August 2015 in Grosny gegen den ungeschlagenen Letten Mairis Briedis durch K. o. in der 5. Runde. Sein Comeback gab Charr am 4. Juni 2016 in Kassel. Hier schlug er den Weißrussen Andrei Mazanik im ersten Kampf nach seiner Schussverletzung nach 7 Runden durch TKO.

Im Mai 2017 bekam Charr wegen einer Hüftdysplasie zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt.[23]

Manuel Charr reichte ein vierter Rang im WBA-Ranking für einen Kampf um den vakanten sogenannten regulären WBA-Titel, weil die Nummer eins Luis Oritz wegen Doping gesperrt war und weil sich die Nummer drei Fres Oquendo nicht rechtzeitig auf einen Gegner einigen konnte. Deswegen kam der Kampf von Charr gegen die Nummer zwei, Alexander Ustinow, zustande.[24][25] Am 25. November 2017 besiegte Charr im Kampf um den vakanten WM-Titel der WBA Ustinow durch einstimmige Entscheidung nach Punkten und wurde somit erster arabischstämmiger Weltmeister im Schwergewicht und der erste aus Deutschland nach Max Schmeling. Verglichen mit damals gibt es heutzutage jedoch vier von der IBHOF anerkannte Verbände mit fünf möglichen Titeln. Höher gewichtet ist bei der WBA der Titel des Superchampions, den Anthony Joshua innehat.

Positive Dopingprobe vom 31. August 2018

Wenige Tage vor einem geplanten WBA-Titelkampf im September 2018 gegen Fres Oquendo wurde Charr aufgrund einer Urinprobe (A-Probe) vom 31. August 2018 positiv auf Drostanolon und Epitrenbolon getestet. Daraufhin wurde der Kampf abgesagt.[26]

Manuel Charr hat ein Ergebnis einer Blutprobe durch die Voluntary Anti-Doping Association (Vada) bekannt gegeben. Demnach sei sein Dopingtest negativ ausgefallen, schrieb der in Köln lebende Syrer auf seiner Facebook-Seite und veröffentlichte das entsprechende Dokument der Vada.[27]

Das von Charr veröffentlichte Dokument bestätigt allerdings nur einen negativen Test auf das Wachstumshormon HGH. Auf die nach übereinstimmenden Medienberichten von der Vada im Urin nachgewiesenen Anabolika Epitrenbolon und Drostanolon wurde die A-Probe des Blutes nicht untersucht. „Die anabolen Wirkstoffe, die bei ihm gefunden wurden, werden routinemäßig nicht im Blut, sondern im Urin getestet. Dort ist das Nachweisfenster deutlich größer“, sagte Dopingexperte Mario Thevis. HGH seinerseits wird nicht über den Urin nachgewiesen. Daher widersprechen sich die beiden Befunde nicht, anders als von Charr angenommen. „Das ist, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht“, sagte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB).[28]

Sonstiges

Vom 13. bis 26. September 2013 war Manuel Charr Teilnehmer bei Promi Big Brother.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Son of Syria prepares for shot at the title Aljazeera English, 7. September 2012.
  2. „Koloss von Köln“ vor WM - Charr fährt per Tretbike in den Kampf Express, 15. August 2012, abgerufen am 19. August 2012.
  3. Son of Syria prepares for shot at the title. In: Aljazeera English, 7. September 2012.
  4. Freisprüche für Profi-Boxer Charr und Abraham. In: Welt Online, 27. November 2007, abgerufen am 7. Juli 2012.
  5. Uwe Betker:Manuel Charr und die Ironie. In: paperblog.com, 5. März 2011, abgerufen am 7. Juli 2012.
  6. Langer Kampf um einen Job. In: Kölner Stadtanzeiger, 24. Juni 2011
  7. Profiboxer Manuel Charr an Dönerbude angeschossen. In: Nordwest-Zeitung, 2. September 2015. Abgerufen am 2. September 2015.
  8. Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Essen und Polizei Essen – 30-Jähriger erleidet Schussverletzung. In: Presseportal, 2. September 2015, abgerufen am 3. September 2015
  9. Verdächtiger nach Schüssen auf Boxer Charr in Haft. In: Nordwest-Zeitung, 14. September 2015. Abgerufen am 14. September 2015.
  10. Manuel Charr: Fünf Jahre Haft für Schuss auf Profiboxer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2016.
  11. Pass-Chaos bei Boxweltmeister - „Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen“. F.A.Z-, 2017-11-30. Abgerufen am 2017-12-01.
  12. Box-Weltmeister Charr hat keinen deutschen Pass. In: t-Online.de, 28. November 2017.
  13. Verwirrung um Nationalität von Boxer Charr. In: kicker.de, 28. November 2017.
  14. Verwirrung um Manuel Charrs deutschen Pass. In: SZ.de, 28. November 2017.
  15. Pass-Posse Charr: „Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen“. Express, 2017-11-30. Abgerufen am 2017-12-02.
  16. Manuel Charr: Ich werde meinen WM-Gürtel Erdogan überreichen, Youtube, 27. Nov. 2017
  17. Povetkin siegt in Runde 7, Manuel Charr schwer K.o. In: bild.de, 31. Mai 2014.
  18. Info auf facebook, abgerufen am 7. Juli 2012.
  19. K.O.-Sieg – Klitschko prügelt Charr blutig. In: Welt online, 8. September 2012, abgerufen am 9. September 2012
  20. Manuel Charr nimmt Vardan Zakarjan als Trainer! In: leifpm Boxing news, 16. Juli 2012, abgerufen am 19. Juli 2012.
  21. Manuel Charr schlägt Yakup Saglam mit kaputtem Meniskus. In: Boxen Heute, 22. Februar 2013, abgerufen am 25. Februar 2013.
  22. Haye sagt Kampf gegen Charr ab. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 14. Mai 2013, abgerufen am 28. Mai 2013.
  23. Kölns „Sechs-Millionen-Dollar-Mann“ Manuel Charr zeigt uns seine neue Hüfte. In: Express.de, 11. Mai 2017.
  24. Unglaublich: Charr vs Ustinov um die WM. In: Boxen1.com, abgerufen am 26. November 2017
  25. Oquendo-Beschwerde abgelehnt – Charr vs. Ustinov um reguläre WBA-WM. In: Boxen1.com, abgerufen am 26. November 2017.
  26. Positiver Dopingtest – WM-Kampf von Weltmeister Charr abgesagt. In: Spiegel Online. 2018-09-20. Abgerufen am 2018-09-20.
  27. https://www.tagesspiegel.de/sport/boxen-manuel-charr-veroeffentlicht-negativen-doping-befund/23109416.html
  28. https://www.welt.de/sport/boxen/article181654656/Weltmeister-Manuel-Charr-veroeffentlicht-seltsamen-Doping-Befund.html