Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg

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Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg im Kreis ihrer Familie, Maler wahrscheinlich Johann Christoph Rincklake
Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg als alte Frau

Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg (* 24. Juli 1773[1] bzw.1774[2] bzw.1775[3] auf Schloss Berge in der Freiheit Buer; † 3. November 1852 in Münster (Westfalen)[4]) war eine Jugendliebe von Beethoven und die spätere Gräfin Maria Anna Wilhelmine von Beverförde-Werries und gilt daher mit ihrem Mann Friedrich Clemens von Elverfeldt zu Dahlhausen und Steinhausen als Begründerin des Hauses von Elverfeld genannt von Beverförde zu Werries

Familie

Maria Anna Wilhelmine von Westerholt-Gysenberg war die Tochter von Wilhelmine Friderike Franziska Anna Freiin von und zu Westerholt und Gysenberg (1757–1820) und ihrem Gatten Ludolf Friedrich Adolf von Boenen zu Berge (*1747 in Buer, †1828 in Münster). Diese zum Erhalt der Familie Westerholt und Gysenberg gestiftete Ehe wurde 1769 geschlossen.

Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg war die Schwester von Wilhelm von und zu Westerholt und Gysenberg.

Beziehung zu Beethoven

Der Musikunterricht

Im Sommer 1790 begleitete Beethoven die Familie von Westerholt nach Westfalen. Im Schloss Westerholt und dem Stadtschloss der Familie dem sogenannten Westerholtschen Hof in Münster gab er Anna Unterricht am Klavier. Im Winter 1790/91 weilte die Familie für einige Zeit in Bonn und lernte dort den jungen Beethoven kennen. Besonders Maria Anna Wilhelmine, zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, fand Gefallen an dem zwanzigjährigen Musiker. Die Familie war sehr musikliebend: der Graf spielte Fagott, sein Sohn Flöte und seine Tochter Maria Anna Wilhelmine Klavier. Für die drei komponierte Ludwig van Beethoven eigens Kammermusik wie etwa das Trio für Klavier, Flöte und Fagott in G-Dur Werk ohne Opuszahl 37.[5] Anna führte mit Beethovens Hilfe viele Benefizkonzerte in Bonn und Münster durch und machte sich damit einen gewissen Namen.[6] Christian Gottlob Neefe hörte in Münster, wie sie eine schwere Sonate von Giuseppe Sarti mit einer bewundernswerten Geschwindigkeit und einer mühelosen Leichtigkeit spielte.[7]

„Daß Beethovens Talent in dieser musikalischen Familie erkannt und geschätzt wurde, kann uns nicht wundernehmen. Er wurde Lehrer der jungen Dame; und da der Oberstallmeister Graf Westerholt den Kurfürsten bei seinen Reisen nach Münster zu begleiten hatte, wo er auch ein Haus besaß, so ist auch, einer Tradition der Familie zufolge, der junge Beethoven einmal bei der Familie in Münster gewesen, und zwar vor der Verheiratung der jungen Dame, also um das Jahr 1790. Sie und keine andere war es, für welche Beethoven damals erglüht war.Alexander Wheelock Thayer [8]

Der verschollene Klaviersatz

Im Sommer 1790 begleitete Beethoven die Familie von Westerholt nach Westfalen. Im Schloss Westerholt und dem Stadtschloss der Familie dem sogenannten Westerholtschen Hof[9] in Münster gab er Anna Unterricht am Klavier. Dabei sollen die beiden sich näher gekommen sein, als es die Etikette erlaubte. Beethoven widmete und überreichte ihr persönlich einen Klaviersatz in Form einer Sonate als Zeichen seiner Zuneigung. Doch die geborene Gräfin soll den nicht standesgemäßen unbekannten Musiker mit den Worten „Ich bin nun einmal die Tochter meiner Eltern“ abgewiesen haben. Dieser handgeschriebene und unveröffentlichte Klaviersatz ist nie aufgefunden worden. Für die Vermutung, dass der junge Beethoven diesen am selben Tag noch zerriss, gibt es keinen Beleg. Anna nahm ihn wohl nach ihrer Heirat mit in das Schloss Loburg. Er ist dann beim Schlossbrand am 22. Juli 1899, obwohl er in einem Tresor lagerte und daher keine Kopie angefertigt wurde, verschollen und damit für die Nachwelt endgültig verloren gegangen.[10]

Schwärmerische Romanze oder tragische Liebe?

Bis heute wird über die angebliche Liebe zwischen Beethoven und Anna von Westerholt spekuliert. Da kaum schriftliche Quellen erhalten geblieben sind, wird die Frage, ob es sich um echte Liebe oder lediglich eine jugendliche Romanze handelte, wohl unbeantwortet bleiben. Beethoven kannte die junge Baronesse ab 1786, als sie zwölf und er fünfzehn war, bis zu deren Heirat 1792. Er selbst spricht sie in seinem Brief als „ma très cher amie[11] (zu dt. meine liebe Freundin) an, was eher für eine innige Freudschaft, denn für echte Liebe spricht. Sein Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler schrieb dagegen einige Jahre später über Beethovens erste Liebe von einem Fräulein v. W. – wobei er es im Ungewissen belässt, welche Person er damit meinte:

„Darauf folgte die liebevollste Zuneigung zu einem schönen und artigen Fräulein v. W., von welcher Werther-Liebe Bernhard Romberg mir vor drei Jahren Anecdoten erzählte. Diese Liebschaften fielen jedoch in das Uebergangs-Alter und hinterließen eben so wenig tiefe Eindrücke, als sie deren bei den Schönen erweckt hatten.“

Franz Gerhard Wegeler[12]

Ob Anna als Kandidatin für den Kreis der Adressatinnen des Briefs an die Unsterbliche Geliebte zu zählen ist, ist wohl unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Sie stand aber mit ihrer Leidenschaft für die Musik Beethoven sehr nahe und wird damit einen nicht unbedeutenden Einfluss auf ihn ausgeübt haben. Beethoven selbst blieb Zeit seines Lebens unverheiratet und litt unter dieser Isolation, wovon sein Heiligenstädter Testament eindrucksvoll Zeugnis gibt. Die Beziehung zu Anna war dagegen von einem jungen, hoffnungsvoll aufsteigenden Beethoven geprägt.

Ostbevern

Am 24. April 1792 heiratete Anna in Telgte den Freiherrn Friedrich Clemens von Elverfeldt zu Dahlhausen und Steinhausen, dem sie im Verlauf der Ehe vier Söhne und eine Tochter schenkte: Carl, Friedrich, Max, Wilhelm und Wilhelmina. Sie blieb bis zu ihrem Tod auf Schloss Loburg in Ostbevern und wurde in der nach ihr benannten Anna-Kapelle an der Seite ihres Ehemannes bestattet. Ein Gemälde von ihr im Kreis ihrer Familie, das von Johann Christoph Rincklake gefertigt wurde, ist noch heute im Besitz der Familie von Beverförde in Ostbevern.

Trivia

  • 1994 entstand der Film: Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte, der den mysteriösen Brief und das Rätsel um die Frau aufgriff.

Literatur

  • Robert Bory: Ludwig van Beethoven. Sein Leben und sein Werk in Bildern. Zürich 1960.
  • Lewis Lockwood: Beethoven. Seine Musik – sein Leben. Stuttgart 2009. ISBN 3-476-02231-5.
  • Malte Korff: Ludwig van Beethoven. Berlin 2010. ISBN 3-518-18246-3.

Weblinks

Klangbeispiele für WoO 37 auf youtube:

Einzelnachweise

  1. Martin Blindow (Die Beziehungen zwischen den Hofkapellen Bonn und Münster am Ende des 18. Jahrhunderts, in: Bonner Beethoven-Studien 9, S. 53-88, hier S. 81 (gibt als Geburtsdatum 1773 ohne genaue Tagesangabe an)
  2. Alexander Wheelock Thayer, Ludwig van Beethovens Leben, 3. Aufl., 1916. Band 1, S. 284 (gibt als Geburtsdatum 1774 mit genauer Tagesangabe an)
  3. aus Liber status animarum (lat. wörtlich: Buch vom Zustand/Bestand der Lebenden) Ostbevern Pfarrer Spithöver 1608 ff Pfarrarchiv Ostbevern.
  4. aus Liber status animarum (lat. wörtlich: Buch vom Zustand/Bestand der Lebenden) Ostbevern Pfarrer Spithöver 1608 ff Pfarrarchiv Ostbevern. siehe Bild auf der Diskussionsseite
  5. Kammermusik im Haus Westerholdt
  6. Siegfried Schmieder: Ostbevern - Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg, Warendorf 1988, S. 570
  7. A. W. Thayer: Ludwig van Beethovens Leben. 3. Auflage 1916. Band 1, S. 284
  8. ebenda
  9. Der 1725 erbaute Westerholtsche Hof befand sich in der Vossgasse in der Nähe der heutigen Städtischen Bühnen, etwa im Bereich der heutigen Hausnummer 9. Im Jahr 1900 wurde der Westerholtsche Hof abgerissen, um für die Errichtung des Lortzing-Theaters Platz zu schaffen. An der Stelle der heutigen Städtischen Bühnen an der Neubrückenstraße stand bis zur Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs der Romberger Hof. Auskunft von Roswitha Link Stadtarchiv Münster
  10. Siegfried Schmieder: Ostbevern - Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg, Warendorf 1988, S. 575
  11. Faksimile des Briefes in Robert Bory: Ludwig van Beethoven, Sein Leben und sein Werk in Bildern, Zürich 1960, S. 48
  12. Nachweis: Schmidt-Görg 41. – SBH 490 Faksimile des Beethoven-Hauses: Schiedermair, Beethoven. Beiträge zum Leben und Schaffen nach Dokumenten des Beethovenhauses, Bonn 1930

Literatur

  • Robert Bory, Ludwig van Beethoven. Sein Leben und sein Werk in Bildern, Zürich 1960
  • Lewis Lockwood, Beethoven. Seine Musik – sein Leben, Stuttgart 2009, ISBN 3476022315
  • Malte Korff, Ludwig van Beethoven, Berlin 2010, ISBN 3518182463