Richetta Manager

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Richetta Ann Manager (* November 1953[1] in Muskogee, Oklahoma; † 15. Januar 2024 in Wiesmoor, Ostfriesland[2]) war eine US-amerikanische Opern- und Jazz-Sängerin.

Richetta Manager 2009 im Schloss Horst

Leben

Richetta Manager wuchs in Kansas in einer musikalischen Familie auf. Ihr Vater schrieb Balladen mit populärer Musik. Im Alter von 7 Jahren begann sie mit dem Klavierunterricht.[3] Sie wurde dann aber zunächst Verkäuferin und studierte nebenbei Gesang an der Washburn University in Topeka, an der University of Kansas in Lawrence (Kansas), an der Northwestern University in Evanston (Illinois) und an der University of Colorado in Boulder (Colorado).[3] 1975 erhielt sie ihr Gesangsdiplom.

Erste Auftritte hatte sie als Konzertsängerin in den USA, u. a. 1974 mit dem Topeka Symphony Orchestra. Nach ihrer Gesangsausbildung und dem Gewinn mehrerer US-Gesangswettbewerbe gehörte sie dem Chicago Symphony Chorus an und übernahm gleichzeitig erste Solopartien in Opernproduktionen. Ihre erste Hauptrolle war der Sextus in La Clemenza di Tito mit dem Chicago Repertoire Theatre. 1979 kam sie mit einem Stipendium erstmals nach Europa, wo sie in Graz ihre Gesangsstudien vertiefte. 1981 gastierte sie mit einer amerikanischen Opern-Truppe beim „Festival Mondial du Théâtre“ in Nancy.

Zur Spielzeit 1982/83 wurde sie nach verschiedenen Vorsingen bei Musikagenten vom damaligen Intendanten Claus Leininger an das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen engagiert, wo sie zahlreiche große Rollen des Sopran-Fachs verkörperte. Richetta Manager war insgesamt 28 Jahre bis 2010 als Solo-Sängerin (Sopran/Mezzosopran) Mitglied des festen Ensembles des Musiktheaters im Revier (MiR) in Gelsenkirchen.[3] Am MiR engagierte sie sich auch im dortigen Betriebsrat.[4]

Mit ihrem Ehemann Peter Korbach lebte sie in der Grenzstraße 131.[5]

Am Musiktheater im Revier (MiR) debütierte sie als Atalanta in Xerxes von Händel. Es folgten Rollen wie Figaro-Gräfin, Gräfin Mariza, Giulietta in Hoffmanns Erzählungen und Jenůfa. In der Spielzeit 1986/87 sang sie mit „schlackenlos strahlender Sopran“-Stimme die Drusilla in einer Neuproduktion der Monteverdi-Oper Die Krönung der Poppea.[6][7] Im Mai 1987 übernahm sie in der deutschen Erstaufführung der Oper Der Irrgarten (The Knot Garden) von Michael Tippett die Rolle der gefolterten Revolutionärin Denise, in der sie eine Leistung bot, „die ans Mark ging“.[8] In der Spielzeit 1988/89 folgte die Titelrolle in Alcina.[9] In der Spielzeit 1989/90 sang sie in Neuinszenierungen die Capriccio-Gräfin und die Marie in Die verkaufte Braut.[10][11]

In der Spielzeit 1990/91 sang Manager mit der Elsa in Lohengrin ihre erste Wagner-Partie.[12] In der Spielzeit 1991/92 folgten für Manager als Premieren-Rollen die Alice Ford in Falstaff und die Titelheldin in Ariadne auf Naxos.[13][14]

1995 sang sie am Musiktheater im Revier die Titelrolle in Arabella. In der Spielzeit 1995/96 übernahm sie die Santuzza in einer Neuinszenierung von Cavalleria rusticana.[15] In der Spielzeit 1997/98 war sie Elisabeth von Valois in einer Don Carlos-Neuproduktion.[16] 1998 übernahm sie in einer Neuinszenierung der Oper Hoffmanns Erzählungen am MiR erneut die Rolle der Giulietta.[17]

Im März 2002 wirkte sie am Musiktheater im Revier als Herodias in der Uraufführung der Oper Das Salome-Prinzip von Enjott Schneider mit. In der Spielzeit 2004/05 übernahm sie die Rolle der Köchin Queenie in einer Inszenierung des Musicals Show Boat.[18] In der Spielzeit 2006/07 war sie der Graf Orlofsky in einer Neuinszenierung der Strauß-Operette Die Fledermaus.[19] In der Spielzeit 2008/09 gehörte sie zur Besetzung des Musicals La Cage aux Folles.[20] 2009 wirkte sie bei der Uraufführung der Eichbaumoper mit.[21] Ihre letzte Premieren-Rolle am Musiktheater im Revier war in der Spielzeit 2009/10 die Marietta in der Oper Die tote Stadt.

Im Mai 2012 nahm sie mit einem Konzert Abschied vom Musiktheater im Revier.[22]

Manager gab zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland. Sie gastierte an der Oper Köln (1983), am Theater Hagen (1984), an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf (1987), an den Städtischen Bühnen Münster (1987 und 1989), am Opernhaus Nürnberg und in Antwerpen (1988). Im Oktober 1989 wirkte sie in Houston in der Uraufführung der Oper New Year von Michael Tippett mit und gastierte mit der eigens für sie komponierten Rolle der Reagan mit dieser Produktion 1990 auch beim Glyndebourne Festival.

1996 sang sie am Theater Würzburg die Isolde in Tristan und Isolde.[23] Mehrfach war sie am Opernhaus Wuppertal zu Gast: 1996 als Elisabeth von Valois[24] in Don Carlos, 1998 als Senta, 1999 als Marschallin und Salome[25][26] sowie 2000 als Alice Ford in Falstaff. In der Spielzeit 1998/99 übernahm sie am Opernhaus Wuppertal die Lady Macbeth in einer Macbeth-Neuinszenierung von Annegret Ritzel.[27]

1999 sang sie bei den Eutiner Festspielen die Fidelio-Leonore.[28]

Managers Konzertrepertoire reichte von der Barockmusik (Bach, Händel) bis zur Moderne (Hindemith). Sie sang u. a. die Sopran-Partien in der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, in Haydns Die Schöpfung und in den Bachianas brasileiras von Heitor Villa-Lobos.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Ensemble des MiR im Jahre 2010 widmete sie sich dem Gospel-, Jazz- und Soul-Gesang.[4][29] Sie engagierte sich in verschiedenen musikalischen Ensembles und Bands und war in Chören ein gern gesehener Star-Gast für Spirituals und Gospels. 2011 sang sie im Duisburger Stadion bei Gedenkfeier für die Opfer des Unglücks bei der Loveparade.[30] In der Spielzeit 2022/23 gehörte an an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven zur Besetzung des Broadway-Musicals Hairspray.[31][32]

Richetta Manager stand bis kurz vor ihrem Tod mit ihrer Band auf der Bühne, sehr häufig bei Benefizveranstaltungen.[2][4] Sie starb im Januar 2024 im Alter von 70 Jahren „nach langer, schwerer Krankheit“ an den Folgen ihrer Krebserkrankung.[2][29]

Literatur

  • Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 4: Kainz–Menkes. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 2878.
  • Hans-Jörg Loskill: Porträt: Richetta Manager. In: Opernwelt Nr. 5, Ausgabe Mai 1987, Seite 63/64.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. RICHETTA MANAGER. TODESFÄLLE. STAND FEBRUAR 2024. Online-Merker vom 7. Februar 2024. Abgerufen am 6. April 2024.
  2. 2,0 2,1 2,2 Elisabeth Höving: Für immer verstummt: Sängerin Richetta Manager stirbt mit 70. Nachruf in: WAZ vom 17. Januar 2024. Abgerufen am 6. April 2024.
  3. 3,0 3,1 3,2 Richetta Manager (Gesang). Biografie. Abgerufen am 6. April 2024.
  4. 4,0 4,1 4,2 Petra Berkebusch: Jazz-Sängerin Richetta Manager ist tot. In: Dorstener Zeitung vom 17. Januar 2024. Abgerufen am 6. April 2024.
  5. Adressbuch 1990
  6. Käthe Flamm: Kasperltheater aus dem Reich der Psyche. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 12, Dezember 1986, Seite 27.
  7. Karl Riebe: Mutiger Auftakt. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe Nr. 1, Januar 1987, Seite 40/41.
  8. Karl Riebe: Ambitioniert. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe Nr. 5, Mai 1987, Seite 387/388.
  9. Käthe Flamm: Ein barock-modernes Spektakulum. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 4, April 1989, Seite 44/45.
  10. Käthe Flamm: Keine Mühsamkeiten, keine Verlegenheiten. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 11, November 1989, Seite 25.
  11. Käthe Flamm: Nicht böhmisch, aber bezaubernd. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 5, Mai 1990, Seite 59/60.
  12. Käthe Flamm: Glückgriff mit dem neuen Musik-Chef. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 11, November 1990, Seite 30.
  13. Käthe Flamm: Den Mangel an Erfahrung durch Redlichkeit und Hingabe wettzumachen versucht. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 12, Dezember 1991, Seite 37/38.
  14. Käthe Flamm: Musik und Szene aus einem Guß. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 8, August 1992, Seite 31/32.
  15. Hans-Jörg Loskill: Stimmliche Klasse. Aufführungskritik zu Cavalleria rusticana. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 2, Februar 1996, Seite 43/44.
  16. Karl Riebe: Spannendes. Aufführungskritiken. In: Orpheus. Ausgabe März 1998, Seite 38.
  17. Karl Riebe: Troppo ambizioso?. Aufführungskritiken zu Regina und Hoffmanns Erzählungen. In: Orpheus. Ausgabe Juni 1998, Seite 20.
  18. Show Boat. Aufführungskritik. Abgerufen am 6. April 2024.
  19. Die Fledermaus. Produktionsdetails und Besetzung. Abgerufen am 6. April 2024.
  20. „La cage aux folles“ – Wieder ein Musical-Hit am „German Broadway“ in Gelsenkirchen. Aufführungskritik. Abgerufen am 6. April 2024.
  21. UA Eichbaumoper. Produktionsdetails und Besetzung. Abgerufen am 6. April 2024.
  22. „Die schwarze Perle“ nimmt Abschied vom MiR. Lokalkompass.de vom 12. Mai 2012. Abgerufen am 6. April 2024.
  23. Alexander Dick: Kreuzfahrt ins Nirgendwo. Aufführungskritik. In: Opernwelt. Ausgabe Nr. 5, Mai 1996, Seite 40.
  24. Klaus Kirchberg: Das Elend der Mächtigen. Aufführungskritik zu Don Carlos. In: Opernwelt. Ausgabe Dezember 1996, Seite 51.
  25. Salome. Vorbericht. Abgerufen am 6. April 2024.
  26. Thomas Tillmann: (Fast) nacktes Grauen. Aufführungskritik zu Salome. In: Orpheus. Ausgabe Februar 2000, Seite 51.
  27. Thomas Tillmann: Troppo ambizioso?. Aufführungskritik zu Macbeth. In: Orpheus. Ausgabe November 1998, Seite 20.
  28. Wolfgang Denker: Florestan trifft Butterfly. Aufführungskritiken zu Madame Butterfly und Fidelio. In: Orpheus. Ausgabe Nr. 11 + F, November 1999, Seite 26.
  29. 29,0 29,1 Julian Schäpertöns: Trauer um Jazzsängerin Richetta Manager. In: Bottroper Zeitung vom 18. Januar 2024. Abgerufen am 6. April 2024.
  30. Eine Stadt trägt Trauer. WDR vom 24. Juli 2011. Abgerufen am 6. April 2024.
  31. Désirée Warntjen: Richetta Manager im Alter von 70 Jahren gestorben. NZW online vom 22. Januar 2024. Abgerufen am 6. April 2024.
  32. Hairspray. Produktionsdetails und Besetzung. Abgerufen am 6. April 2024.