Rotthausen

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Wappen Rotthausens
Wappen von Rotthausen
Wappen von Gelsenkirchen

Rotthausen
Stadtteil von Gelsenkirchen

Höhe 44 m über NN
Fläche 3,56 km²
Einwohner 14.148 [1](31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 3971 Einwohner/km²
Ausländeranteil 28,7 %
Postleitzahl 458..
Vorwahl 0209
Gliederung
Stadtbezirk Süd
Stadtteile

Neustadt, Rotthausen, Ückendorf

Politik
Bezirksbürgermeister Michael Thomas Fath (SPD)
Quelle: Statistikamt Gelsenkirchen
Satellitenbild
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Die Stadtteile Gelsenkirchens mit Rotthausen im Südwesten

Rotthausen ist ein südlicher Stadtteil Gelsenkirchens an der Grenze zur Stadt Essen. Er hat 14.148 Einwohner (Stand 31. Dez. 2020) und gehört dem Stadtbezirk Gelsenkirchen-Süd an. Rotthausen ist bekannt für seine vielen Grünanlagen und als Standort der modernen Solarenergieindustrie. Auch ist er ein Beispiel für gelungene Integrationspolitik und das friedliche Zusammenleben der Kulturen.

Vorgeschichte

Das Gebiet lag während seiner frühen Besiedlungsphase im Borchtergau, der sich von Soest bis Borbeck erstreckte. Um 700 fielen die Sachsen ein und brachten das Land in ihre Abhängigkeit. Von den Franken wurden sie dann immer weiter zurückgedrängt, welche ihrerseits anschließend in diese dünn besiedelten Gebiete strömten. Eine frühe Ansiedlung der Borchter in dem Gebiet war die Gehöftgruppe Scheven. Vermutlich durch die Franken wurde dann das Dorf Weindorf gegründet. Beide Siedlungen tragen Kennzeichen herrschaftlicher Ordnung. Dies ist nicht der Fall beim Dorf Rotthausen, dessen älteste Namensform aus dem 10. Jahrhundert Rohhuson (Rothhuson) lautet. Das ‚Rott’ war eine waldfreie, unbebaute Fläche, das Emschertal, an der Bruchkante zum Bochumer Lössporn, dessen Wald gerodet worden war. Das Dorf „op der rige“, nördlich der heutigen Straße Auf der Reihe, erstreckte sich entlang der Bruchkante auf der Talsohle an den hier vorhandenen Quellen in West-Ost-Richtung. Diese drei Siedlungen bilden den historischen Kern des heutigen Rotthausen.

Die fränkische Reichspolitik war gekennzeichnet durch die Ausdehnung ihres Machtbereiches, die Missionierung heidnischer Völker und das System der Grundherrschaft. An der Spitze des grundherrschaftlichen Gefüges stand das um 850 gegründete Stift Essen. Es folgten die Oberhöfe, die als Wirtschafts- und Verwaltungshöfe die Mittelpunkte von Hofverbänden im Stift bildeten. Der Hof Rothusen war einer der ältesten zum Stift gehörenden Höfe. Bis 1803 gehörte Rotthausen zum Essener Damenstift, dann ging es an das Königreich Preußen über. Das Dorf Rotthausen gehörte im weiteren Verlauf zur neuerrichteten Bürgermeisterei Altenessen, und nach deren Teilung ab 1874 zu Stoppenberg.

Um 1800 war Rotthausen immer noch ein Dorf mit 45 Häusern und 350 Einwohnern mit stark bäuerlichem Charakter. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts betreiben sie fast ausschließlich Ackerbau und Viehzucht und verkauften ihre Erzeugnisse auf dem Kornmarkt in Essen und dem Viehmarkt in Steele. Es gab auch Handwerker im Dorf: zwei Leineweber und je einen Schuhmacher, Holzschuhmacher, Schmied, Schneider und Zimmermann.

Von den vormals 31 Höfen und Kotten Rotthausens, die in den Geschichtsbüchern verzeichnet sind, ist heute kein Hof mehr erhalten. Die Gebäude des letzten Bauernhofes wurden im November 1977 abgebrochen. Es war dies der Hof Große Westen, an der Straße Auf der Reihe gelegen, gegenüber der Straße Kraspothshöhe.

Geschichte

Die frühere Bauerschaft Rotthausen (entstanden aus den drei historischen Kernen) hatte 1795 345 Einwohner. Ab 1808 gehörte Rotthausen zur neugeschaffenen Munizipalität (ab 1813 Bürgermeisterei) Altenessen mit dem Verwaltungssitz in Stoppenberg und ging 1874 in der verbliebenen Bürgermeisterei Stoppenberg auf. 1846 wurde in Rotthausen erstmals nach Kohle gegraben und 1847 die erste Eisenbahnstrecke, die Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gebaut. Eine Station für Personenzüge wurde 1876 an der Verbindungsstrecke zwischen der Rheinischen Ruhrgebietsstrecke und der Köln-Mindener Strecke eingerichtet, diese wurde 1895 zu einem Bahnhof mit Güterabfertigung ausgebaut.

Baugeschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Ostermann südlich der damaligen Brunostraße als Bestandteil eines neuen Siedlungsbereichs in der Umgebung von Schacht II/V der Zeche Dahlbusch entstanden.

Die Schächte bildeten den nördlichen Standort der Rotthauser Zeche. In seiner Nähe hatte sich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert im Zwickel zwischen der Köln-Mindener-Strecke und der Anschlussbahn Gelsenkirchen-Kray ein Siedlungskomplex entwickelt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts verdichtet und nach Süden erweitert wurde. Gab es an der Gartenbruchstraße bereits eine evangelische Volksschule, so folgte in dem neuen, südlich der Brunostraße liegenden Siedlungsbereich an der Cäcilienstraße eine katholische Schule, so dass der nördliche Ortsteil Rotthausens eine eigene Infrastruktur besaß. Dazu gehörten auch Geschäfte und die Apotheke an der Brunostraße.

Dieser neue Siedlungsbereich konnte sich allerdings nicht unbegrenzt ausdehnen, da nach Westen die von der 1900 gegründeten Fabrik Rosenbaum für Eisenbahnbedarf und nach Süden die Schachtanlage I/VII der Zeche Dahlbusch lag. Das Nebeneinander von Industrie und Wohnbebauung prägt bis heute diesen Bereich Rotthausens und ist in der Terkampstraße /Schulz-Briesen-Straße durch die unmittelbare Nähe zu den südlich angrenzenden Industrieanlagen besonders gut nachvollziehbar.

Bemerkenswerterweise wurden in Rotthausen nur wenige Werkswohnungen von der örtlichen Zechenverwaltung gebaut, wohl da sie über nur wenig Grundbesitz verfügte.

Zu den privaten Bauherren in Rotthausen gehörte auch Wilhelm Reudenbach, der als Werksleiter in der 1900 gegründeten Rosenbaum'schen Fabrik für Eisenbahnbedarf arbeitete und in unmittelbarer Nähe seines Arbeitsplatzes ein großes Eckgrundstück an der neu entstandenen Cäcilienstraße erwarb. Hier ließ er zunächst das Mietwohnhaus Nr. 16 errichten, wo er selbst wohnte, und plante ab 1912, den größeren Teil seines Grundstücks mit einem weiteren Mietwohnhaus bebauen zu lassen. Bei Reudenbach dürfte es sich demnach um einen recht wohlhabenden Werkmeister gehandelt haben, der bei der Aufsiedlung des Rotthauser Nordens Grundbesitz erwarb und mit Mietwohnhäusern bebauen ließ.

Spätestens 1914, als die Fabrik Rosenbaum von der Wiehagenstraße in Rotthausen nach Ückendorf umzieht, verlegt Reudenbach seinen Wohnsitz an seine Arbeitsstätte und gab sein Bauvorhaben in Rotthausen auf. Er verkaufte den Baugrund an der Cäcilienstraße dem Maurerpolier Heinrich Horn, wohnhaft in der Brunostraße 71, der kurz darauf den benachbarten Bauunternehmer Anton Runte mit Errichtung des Hauses Cäcilienstraße 14/14a beauftragte. Horn, im Baugewerbe tätig, wohnte nach derzeitigem Kenntnisstand mit seiner Familie in einer Wohnung in der Schulz-Briesen-Straße 9.

Mit dem Mietwohnhaus Terkampstraße 7/Schulz-Briesen-Straße 9 hat sich ein für Rotthausen typisches Mietshaus erhalten, das im Zuge der Baulanderschließung durch Unternehmer entstanden ist.

Industriegeschichte

1891 und 1893 bildete sich zuerst eine katholische und dann eine evangelische Kirchengemeinde. Am 25. Mai 1912 wurde der Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen in Betrieb genommen und von der Lufthansa angeflogen. Er befand sich im Bereich der jetzigen Trabrennbahn Nienhausen unter der Halde am Gut Nienhausen. Am Flughafen Rotthausen befand sich das Stammwerk der Kondor Flugzeugwerke. Auf dem Flughafen trainierte der Flugpionier und Fluglehrer Bruno Werntgen, der hier auch Flugunterricht gab. 1921 wurde das Volkshaus Rotthausen errichtet. Sein Architekt war Alfred Fischer, der auch das Hans-Sachs-Haus entwarf. Am 1. Januar 1924 wurde der Ort aus Stoppenberg ausgegliedert und zur Stadt Gelsenkirchen eingemeindet. 1927 entstand in Gelsenkirchen-Rotthausen eine Tafelglasfabrik. Seit 1999 werden an diesem Standort Solarzellen produziert.

Zeche Dahlbusch

Der Kohlenabbau in der Zeche Dahlbusch begann 1848. In der Zeche gab es in der Mitte des 20. Jahrhunderts drei schwere Grubenunglücke: Am 23. August 1943 gab es 38, am 20. Mai 1950 78 und am 3. August 1955 42 Tote. An diese Unglücke erinnern drei Denkmäler, die auf dem Rotthauser Friedhof errichtet worden sind. Am 12. Mai 1955 werden drei Bergleute mit der Dahlbuschbombe gerettet. 1966 wurde die Zeche Dahlbusch stillgelegt.

Wappen

In von gold und rot gespaltenem Schild, farbenwechselnd, über einer Pflugschar ein Fachwerkhaus, oben rechts und links begleitet von einem Andreaskreuz. Das Wappen Rotthausens wurde von Kurt Schweder Wikipedia-Link aus Essen entworfen. Die Pflugschar im unteren Teil des Wappens steht für den Namensbestandteil Rott-, der sich von roden herleitet. Das Fachwerkhaus darüber symbolisiert den Namensbestandteil hausen. Die Andreaskreuze sollen an die einstige Thingstätte auf dem Oberhof Rotthausen erinnern.

Verkehr

An der Bahnstrecke Essen–Gelsenkirchen wird der Bahnhof Gelsenkirchen-Rotthausen von der Linie S 2 der S-Bahn Rhein-Ruhr im Stundentakt angefahren.

In Essen und Gelsenkirchen besteht Anschluss an das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn.

Zusätzlich fahren durch Rotthausen 5 Buslinien, mit denen man gut in alle Richtungen kommt:

Kirchen

In Rotthausen gibt es eine Evangelische Kirchengemeinde an der Steeler Straße. Zwei Katholische Kirchen, wobei die Kirche St. Mariä Himmelfahrt im Jahr 2005 geschlossen wurde und seitdem nur noch St. Barbara (Rotthausen) aktiv ist. Des Weiteren gibt es eine Neuapostolische Kirche und ein islamisches Gemeindezentrum.

Markt

Auf dem Platz an der Karl Meyer Straße findet jeden Samstag ein kleiner Wochenmarkt statt. Zudem macht dort zweimal im Monat das Schadstoffmobil halt.

Nahversorgungszentrum

Die Karl-Meyer-Straße bildet in Rotthausen einen gesellschaftlichen Treffpunkt zum Verweilen und Einkaufen.

Vereine

Persönlichkeiten

  • Zeitweise hat der Schauspieler Leonard Lansink (Fernsehserie Wilsberg) seine Kindheit und Jugend in Rotthausen verbracht
  • In Rotthausen führte Heinrich Hohoff (1873-1939), der die Gemeindeverwaltung von 1906 bis 1923 leitete, nach der rheinischen Gemeindeordnung den Titel Bürgermeister.

Quellen

Einzelnachweise

Weblinks

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