Schloss Berge

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Schloss Berge
Schloss Berge.jpg
Art des Denkmals: Baudenkmal
Standort: Adenauerallee 103
Stadtteil: Buer
Baujahr: 1785-88
Seit wann in Denkmalliste: 19.07.1988
Dokument der Denkmalbehörde: A181.pdf
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Lagekarte
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Das Schloss Berge im Stadtteil Buer, früher auch Haus Berge genannt, steht auf der Südseite des Buerschen Berges. Erbaut wurde es als Wasserburg zum Schutz des heutigen Gelsenkirchener Stadtteils Erle, wurde aber in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Schloss umgestaltet.

Schloss Berge liegt in der alten Bauernschaft Erle, aus der der heutige Stadtteil gleichen Namens hervorgegangen ist. Als die ersten Siedler als landsuchende Germanen das fruchtbare, gras- und waldbedeckte Gebiet zu beiden Seiten der Emscher in Besitz nahmen, wurde am Südabhange des Buerschen Berges das Dorf Erle gegründet. In der Nachbarschaft von Erle entstand im Tal der Springe die Siedlung Buer, Ortbeck, Resse, Beckhausen, Bülse und Devese wurden an anderen Becken angelegt, die ebenfalls in Springen des Buerschen Berges entsprangen und Menschen und Tieren das lebensnotwendige Wasser zuführte. Holthausen und Heege, umgeben und eingehegt von Wald und Gebüsch, schützen das Dorf gegen starke Winde. Art oder in anderen Lohen des Buerschen Berges und seinen Abhängen entstanden die Waldsiedlungen Scholven, Hassel, Eckeresse, Löchter und Darl. Alle Fluren, die außerhalb dieser Siedlungen und ihrer Ackerländereien lagen, bildeten die gemeine Mark oder Allmende, den gemeinsamen Besitz der Bauern, der von ihnen als Wald und zur Schweinemast oder als Weide und Hunde für ihre Pferde, Rinder und Schafe genutzt wurde. Der größte Teil der Allmende führte von altersher den Namen Berger Mark.

Geschichte

1248 erscheint mit dem Ritter Dietrich († 1272) erstmals das Adelsgeschlecht derer von Berge als Eigentümer der damaligen Burg. Es steht jedoch zu vermuten, dass die Ursprünge der Anlage weiter in die Vergangenheit zurückreichen.

Umgeben von Wassergräben als Festes Haus erbaut, handelte es sich wahrscheinlich um eine mehrteilige Anlage, die von einem etwa rechteckigen Gräftensystem umgeben war. Als Allodialgut der Familie wurde die Burg über sechs Generationen vom Vater an den Sohn vererbt. Letzter Vertreter dieses Geschlechts auf Berge war Gerlach, der 1433 kinderlos verstarb.

Seine Witwe verkaufte das Haus und die umliegenden Güter an den Ritter Heinrich von Backem von Haus Leythe. Als die männliche Linie dieser Familie mit Jörgen von Backem erlosch, brachte dessen Erbtochter Hartlieb Haus Berge durch Heirat mit Georg von Boenen an dessen Familie.

Dieser ließ ab 1530[1] die wehrhafte Anlage zu einem Schloss aus- und umbauen. Aus jener Zeit ist der nördliche Trakt des Herrenhauses erhalten. In den folgenden rund 250 Jahren, in denen die Familie von Boenen das Schloss bewohnte, erlangte Berge die beherrschende grundherrliche Stellung nördlich der Emscher und damit einhergehend entsprechendes gesellschaftliches Ansehen. Die von Boenens wurden sogar in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

Um 1700 wurde im Süden der Herrenhausinsel ein erster Park angelegt. Gemäß dem Zeitgeschmack handelte es sich hierbei um einen geometrisch gestalteten Barockgarten nach französischem Vorbild.

Teil des französischen Gartens

Unter Ludolf Friedrich Adolf, Freiherr von Boenen, stieg die Familie dann durch Heirat in den Reichsgrafenstand auf. Die Heirat Adolfs mit Wilhelmine Franziska von Westerholt-Gysenberg, der Erbtochter jenes Grafengeschlechts, machte es möglich. Fortan nannten sich die Schlossbesitzer „Grafen von Westerholt“. Die Erhebung in den Grafenstand verpflichtete auch zu einer gehobeneren Lebensführung, der das alte Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert nicht mehr genügte. In den Jahren 1785 bis 1788 wurde das alte Gebäude deshalb teilweise abgetragen und unter dem Baumeister Engelbert Kleinhanz im klassizistischem Stil mit einem zusätzlichen Trakt, dem Südflügel, neu errichtet. Auch wurde die Parkanlage durch einen sich nach Westen erstreckenden englischen Landschaftsgarten erweitert. Nach dem Umbau weilten als Gäste solch illustre Persönlichkeiten wie Kaiser Napoléon und Marschall Blücher auf dem Schloss.

Nach dem Tod der letzten auf Schloss Berge lebenden Bewohnerin, Johanna Gräfin Westerholt, wurde im Schloss ein Wirtschaftsbetrieb eingerichtet, den die Stadt Buer nachfolgend pachtete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Stadt Gelsenkirchen Schloss Berge 1952/53 restaurieren. Gleichzeitig erfolgte ein umfassender Innenumbau, um dort im Anschluss einem Hotel-Restaurant Platz zu bieten. Weitere Restaurierungsarbeiten folgten; zuletzt in den Jahren 2003/04.

Vorgeschichte

Gründung der Wehrburg Berge

Nach der Eroberung unserer Heimat durch den Frankenkaiser Karl den Großen wurden die Bauern am Buerschen Berge von den Inhabern der in der Folgezeit gegründeten geistlichen und weltlichen Großgrundherrschatten und von den nach Besitz und Macht strebender Landesherren abhängig. Die Dienstmannen oder Vasallen, die als Reiter (Ritter) in den Heeren dieser Herren oder als Inhaber von Hofämtern ihren Gebietern dienten, erhielten als Lohn oder Lehen von ihren Dienstherren für treue Dienste geeignete Höfe oder Plätze mit der Erlaubnis, dieselben zu befestigen. Abseits des Dorfes Erle, aber noch auf dem Grund und Boden seiner Bauernschaft, gründete ein Vasall der Grafen v. Limburg, die im Raume von Buer und Gelsenkirchen reichen Besitz an Höfen und anderen Liegenschaften erworben hatten, vor dem 12. Jahrhundert eine Wasserburg: in einer Delle auf der Südseite des Buerschen Berges ganz in der Nähe der Quelle des Berger Baches. Der Boden, den man bei der Anlage der Stauteiche und Burggräben gewann, diente zur Anlage der Burgwälle und zur Erhöhung des Burgplatzes. Vor der Burg wurde im Tal des Berger Baches eine Wassermühle angelegt. Die Wohnung des Ritters, das sogenannte „feste Haus" wurde aus Bruchsteinen erbaut. Über das ursprüngliche Aussehen der Burg Berge liegen keine bestimmten Nachrichten mehr vor. Alte Flurnamen und Platzbezeichnungen des später veränderten Burggeländes und noch erhaltene Reste der alten Umwehrungen lassen vermuten, daß die erste Burg Berge versteckt hinter zwei mit Zugbrücken versehenen Burggräben lag, zwischen denen sich die durch aufgeworfene Erdmassen gebildeten Wälle hinzogen; und weiter, daß der hinter Wall und Graben liegende Burghof von einem Zaun, der aus dicken, oben zinnenartig zugespitzten Holzplanken bestand, geschützt wurde. Wie auf anderen alten Rittersitzen in unserer Heimat, so wird auch auf der alten Wasserburg Berge in der Mitte des umwehrten Burgplatzes ein fester, aus Steinen errichteter Turm gestanden haben, um den sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude gruppierten. Ein solcher Turm diente als Bergfried oder Luginsland. In diesem wasserumwehrten festen Hause, Haus Berge genannt, lebten jahrhundertelang die Herren von Berge als Ritter, deren Kinder und Kindeskinder immer wieder zum Stande der Ritter, des Dienst-, Land- oder niedrigen Adels gehörten.

Burg- und Schloßherren

Die Herren von Berge (1248-1433) und ihre Kinder nannten sich nach ihrem Stammsitz Haus Berge bei Buer, das wahrscheinlich seiner Lage wegen diesen Namen führte. Die Burgherren besaßen Haus Berge als Allodialgut, d. h. als freies Eigentum und vererbten es als solches ihren Kindern und Kindeskindern. Irmgard v. Deypenbrock, die Gemahlin des letzten Burgherren aus dem Geschlechte v. Berge auf Haus Berge, verkaufte im Jahre 1433, da ihre Ehe kinderlos war, alle Güter, die sie von ihrem Gemahl geerbt hatte, dem Ritter Heinrich v. Backem auf Haus Leythe bei Buer und befahl den Inhabern der Bergen Lehnshöfe, dem neuen Besitzer zu huldigen. Infolge dieses Verkaufes kam Haus Berge in den Besitz der Herren v. Backem (1433-1521). Die Herren von Backem nannten sich nach dem Stammsitz ihres Geschlechtes, der in der Nähe des Dorfes Backem, Backem oder Backum im Vest Recklinghausen nordwestlich von Herten lag. Haus Leythe bei Buer, ein Offenhaus des Fürstbischofs von Köln, gelangte im Jahre 1377 in den Besitz der adeligen Familie v. Backem. Heinrich v. Backem zu Leithe, der 1433 Haus Berge käuflich erwarb, galt als der reichste Rittergutsbesitzer im Veste Recklinghausen. Als Dietrich v. Backem zu Leithe von Adrian Sobbe von Grimberg auf dem Wege zur Kirche in Buer hinterrücks ermordert worden war, ließ Jörgen v. Backem auf Haus Berge an der Mordstelle ein Mahn- oder Sühnekreuz errichten, das im Volksmunde „Backeros Krüz" genannt wurde. Mit dem Tode des einzigen Sohnes des Jörgen v. Backem auf Haus Berge und seines Vetters Dietrich v. Backem auf Haus Leithe erlosch der Mannesstamm der Herren v. Bäckern. Alleinerbin von Haus Berge wurde nun Hartlieb, die Tochter des Burgherrn Jörgen v. Backem zu Berge, die den Ritter Georg v. Boenen heiratete, der aus einem mächtigen Adelsgeschlecht der Grafschaft Mark stammte.

Die Reichsgrafen v. Westerholt-Gysenberg auf Haus Berge

Ludolf Friedrich Adolf v. Boenen, Freiherr, einer der unmittelbaren Nachfahren dieses Adelsgeschlechtes, vermählte sich 1770 mit Wilhelmine Franziska, der Erbtochter der am 16. August 1790 in den Reichsgrafenstand erhobenen Familie v. Westerholt Gysenberg, deren Namen und Wappen ihm durch kaiserliches Diplom vom 27. Juli 1779 verliehen wurde. Ihr Sohn, Reichsgraf Maximilian Friedrich v. Westerholt Gysenberg auf Haus Berge, ist Begründer der Linie Westerholt-Arenfels, die im Besitz von Schloß Berge blieb, bis es im Jahre 1924 an die Stadt Buer verkauft wurde.

Bau und Ausbau von Schloss Berge

Der als Wehrburg angelegte Rittersitz Berge wurde nach der Erfindung des Schießpulvers - wahrscheinlich zur Zeit des Burgherrn Georg v. Boenen (um 1550) - als Wohnburg oder Schloss um- und ausgebaut. An der Stelle der alten Rundburg entstand eine rechteckige Burganlage mit einem ausgedehnten Grabensystem, das die Insel der Hauptburg mit dem Schloss, die Vorburg, den Burggarten und die Burg- wiese umschloss. Auch die alten Wohn- und Wirtschaftsgebäude mussten verschwinden. Auf dem alten Burgplatz wurde der Bergfried abgerissen. Auf einer quadratischen Insel von 40 Meter Seitenlänge ließ der Burgherr sein Herrenhaus von drei aneinanderstoßenden zweigeschossigen Flügeln errichten, das sich hufeisenförmig nach Südwesten öffnete. Die dickwandigen Außenmauern dieses Gebäudes und brusthohe Mauerzüge ersetzten von nun an den ehemaligen Plankenzaun des Burghofes. Wie fast überall auf den Rittersitzen unserer Heimat, so entstanden auch auf dem alten Burggelände von Berge aus den dunklen, hinter hohen Erdwellen und tiefen Gräben versteckten unfreundlichen Festungswerken lichtdurchflutete Wohnhäuser, die von nun an nicht mehr der eisengepanzerte Ritter, sondern der landeingesessene Adel mit seinen verfeinerten Lebenssitten und gesteigerten Wohnansprüchen bewohnte. Die Erdwälle, die der Wehrburg zuvor den ersten Schutz gaben, wurden abgetragen, damit der Blick aus den Kreuzfenstern weit und ungehindert über Gräben und Wiesen in die Landschaft schweifen konnte. Nur die Wassergräben, hierzulande Gräften genannt, mußten bestehen bleiben, da die starken Pfosten, die in das sumpfige Erdreich gerammt waren und das dicke Mauerwerk trugen, nicht zerfallen durften. Ihre Festigkeit konnte nur das Wasser erhalten. Über einen Erddamm, der durch die breite Außengräfte führte, gelangte man nun von Südwesten her auf die große Insel der Vorburg. Auf dem nordöstlichen Teil derselben hatte der Burgherr die neuen Wirtschaftsgebäude errichten lassen, die sich hufeisenförmig nach Südosten öffneten. Den südöstlichen Teil der Vorburg nahm der große Burggarten ein. Die Insel der Burgwiese, auf der in Notzeiten das gesamte Vieh der Burg für kurze Zeit weiden konnte, war von der Vorburg durch Wassergäben abgetrennt. Inmitten der Vorburg lag das wasserumwehrte Schloss mit dem Schlossplatz. Unmittelbar aus dem Wasser der Schlossgräben stiegen die drei Flügel des Herrenhauses — das Schloss Benannt — auf. Auf den verhältnismäßig kleinen Schlosshof gelangte man über eine hölzerne Zugbrücke, die an starken Brückenpfeilern durch Ketten hochgewunden wurde. Die Auffahrtsstraße war gradlinig, d. h. sie führte in durchgehender Achse über die Brücke der Außengräfte auf den Vorplatz in der Vorburg und von hier über die Brücke der Binnen oder Schlossgräfte und die Zugbrücke auf den Schlosshof zum Portal des Schlosses. Die Gesamtanlage der drei Burginseln war von einem fast rechteckigen Wassergraben umgeben. Des Schlossherr Ludolf Friedrich Adolf v. Boenen ließ, nachdem er den Namen v. Westerholt-Gysenberg angenommen hatte, um 1780 den stark verfallenen mittleren und südlichen Flügel des Herrenhauses fast bis auf die Grundmauern niederreißen, dann von neuem aufbauen und das gesamte Gebäude mit einem Mansardendach versehen. Wahrscheinlich wurde dieser durchgreifende Umbau von dem Baumeister des Schlosses Westerholt durchgeführt, da zur gleichen Zeit der Schlossherr von Berge auch einen „kostbaren Bau" in Westerholt aufführen ließ. Der Mittelbau erhielt oberhalb der Mansardenfenster zum Schlosshof hin noch eine niedrige, giebelartig hochgezogene Wand, in deren Mitte das Wappen des Schlossherrn angebracht wurde. Auch die Parkanlagen im alten Burggarten wurden damals geschaffen. Vor dem Herrenhaus ließ der Burgherr eine 1,85 Meter hohe aus dem 17. Jahrhundert stammende Sandsteinfigur aufstellen, einen bärtigen Krieger mit Helm und Harnisch, der den linken Fuß auf ein abgeschlagenes Menschenhaupt stellt. Nach mündlicher Überlieferung soll die Figur als Goliath mit einer zweiten Figur des David, der die Schleuder gegen den Riesen richtete, in Verbindung gestanden haben. Diese beiden Standbilder sind vielfach dem westfälischen Bildhauer und Architekten Gerhard Gröninger (starb 1652 in Münster) zugeschrieben worden. Von den weiteren Sandsteinfiguren, die der Schlossherr für den im französischen Stil angelegten Schlosspark herstellen ließ, sind nur noch die des Apollo und eine weibliche Figur mit Zepter erhalten.

Schloss Berge von Westen

Schloß Berge als Volkserholungsstätte

Bepflanzung des zentralen Rundbeetes des Gartens in Form eines Hakenkreuzemblems in den 1930er Jahren. Heute ist dieses Beet in Form des Gelsenkirchener Stadtwappens bepflanzt.

Haus Berge, das in alter Zeit den Burginsassen und in Kriegs- und Fehdezeiten auch den Bürgern der Freiheit Buer und den Bauern am Buerschen Berge als feste Burg ein sicherer Hort war, wurde nach dem Einzug der Industrie seiner schlichten Schönheit, seiner günstigen und herrlichen Lage wegen zum Hauptanziehungspunkt für die hiesige Bevölkerung. Die gastfreundlichen Bewohner des Schlosses zeigten den Besuchern der Wasserburg gern das Napoleonzimmer, in dem der Kaiser der Franzosen übernachtet haben soll, als er sich auf der Flucht von Rußland nach Paris befand. Auch erzählte man ihnen von Blücher, dem Marschall Vorwärts, der einige Tage nach des Korsen Aufbruch auf Schloss Berge erschien. Als passionierter Jäger ging Blücher tagsüber mit dem Schloßherrn, seinen adeligen Nachbarn und einigen begüterten Bauern auf die Jagd im wildreichen Emscherbruch; abends spielte er gern aus lauter Uebermut und als leidenschaftlicher Kartenspieler mit der Schloßherrin eine Partie Karten, zumal viele Jahre vorher die Gräfin schon gegen den Marschall eine Partie zu ihren Gunsten ausgetragen hatte. Gern gesehene Gäste wurden auch in den Weinkeller des Schlosses geführt und zu einem guten Trunk eingeladen. In vorgerückter Stunde soll es dann oft vorgekommen sein, daß der mit Ketten behangene und langbärtige Schloßgeist erschien, die Zecher vertrieb und sie auf Umwegen durch die Gräften und Teiche und über Hecken und Zäune nach Hause geleitete. Eltern und Lehrer durften ihre Kinder und Schüler in den Berger Park und Wald, an die Gräften, die Schloßteiche und auch auf den Schloßhof an den Davidbrunnen führen. Hier konnten sie in aller Ruhe die heimatliche Tier- und Pflanzenwelt beobachten und außerdem den Geschichten lauschen, die ihnen der redselige Förster oder der Jäger von Schloss Berge erzählten. Gern verweilten die Besucher des Berger Waldes an der sogenannten „Kleistbuche", in deren Rinde einer der elf Schill'schen Offiziere seinen Namen „W. v. Kleist eingeschnitten hat, oder an einer anderen dicken Buche, deren Inschrift bezeugt „August 1784 hat es strohdick gefroren".

Da Schloß Berge nach dem Einzug des Steinkohlenbergbaues und der lebensnotwendigen Industrie allen erholungssuchenden Menschen als ein besonderes Kleinod und Juwel inmitten des damaligen Industriegebietes galt, versuchte die Stadt Buer in Westfalen das gesamte Besitztum käuflich zu erwerben. Die Bemühungen Buers um den Erwerb des Schlosses und des dazu gehörenden Geländes gehen bis zur Jahrhundertwende zurück. Jedoch war der dafür geforderte Preis den Gemeinde- und auch später den Stadtvätern zu hoch. Auch die Verhandlungen, die der Magistrat des Kaufes wegen im Jahre 1914 mit der Gräflichen Verwaltung führte, waren ergebnislos, da jeder Morgen Bauland 3000 Mark kosten sollte. Als dann jedoch der Besitzer des Gutes Berge dazu überging, einzelne Teile desselben zu veräußern, war es an der Zeit, noch einen letzten Versuch zu machen, das gesamte Gebiet um Haus Berge und auch das Schloß in den Besitz der Stadt zu bringen. Am 25. Oktober 1920 pachtete die Stadt als Hauptpächterin von den Erben des Reichsgrafen Karl Theodor Eugen v. Westerholt-Gysenberg zu Schloß Arenfels bei Hönningen am Rhein zunächst einen Teil des Gutes auf die Dauer von 25 Jahren. Ein zwischen den Erben v. Westerholt mit dem Gastwirt Karl Jörilssen schon am 21.1.1920 abgeschlossener Pachtvertrag wurde von der Stadt verlängert. Da jedoch die Gräfl. Verwaltung im Jahre 1923, ohne mit der Stadt, der das Vorverkaufsrecht eingeräumt war, Fühlung zu nehmen, an der heutigen Cranger Straße Bauplätze an Privatleute verkaufte, beschloß der Magistrat am 23. Januar 1924 den Ankauf des Gutes Berge. Der Kaufpreis für das rund 403 Morgen (102 Hektar) große Gelände, das Schloss und die Wirtschaftsgebäude betrug 1,4 Millionen Goldmark. Nun wurde der gesamte angekaufte adelige Besitz trotz der schweren wirtschaftlichen Krise nach einem großzügigen Plan vom Städtischen Garten- und Bauamt in eine wahre Volkserholungsstätte umgewandelt.

In der Zeit des Nationalsozialismus sollte auf der Vorburginsel eine Kreisschulungsburg der NSDAP entstehen. Dazu wurden die dortigen, 1876 bis 1878 erbauten Wirtschaftsgebäude mehrheitlich abgerissen. Lediglich der Remise genannte Westflügel, in dem früher Pferdeställe untergebracht waren, stand noch bis 1983, wurde dann aber auch niedergelegt, um für einen geplanten Hotelbau Platz zu schaffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Stadt Gelsenkirchen Schloss Berge 1952/53 restaurieren. Gleichzeitig erfolgte ein umfassender Innenumbau, um dort im Anschluss einem Hotel-Restaurant Platz zu bieten. Nach einer umfangreichen Modernisierung in den Jahren 1977 und 1978[2] folgten in den Jahren 2003 und 2004 erneut Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten.

Nord-West-Flügel

Das Schloss heute

Das Schloss präsentiert sich von außen im wesentlichen noch immer so wie nach der Umgestaltung in der Zeit von 1785 bis 1788. Der zweigeschossige repräsentative Dreiflügelbau mit Mansarddach steht auf einer quadratischen Insel von etwa 40 Metern Seitenlänge. Sein hohes Kellergeschoss wurde auf Pfahlrosten errichtet, die bei den Restaurierungsarbeiten in den 1950er Jahren ein stützendes Korsett aus Stahlbeton erhielten, um Bergbauschäden entgegenzuwirken.

Das Schloss steht als Bodendenkmal seit dem 21. März 1990 auf der Denkmalliste. Gemeinsam mit dem im Schlossgebäude beheimateten Hotel und Restaurant, den beiden Gärten des Schlosses sowie dem Berger See und dem Buerschen Stadtwald dient sie heute als Naherholungsgebiet.

Schloss Berge in alten Ansichten

Quelle

Gelsenkirchener Blätter 1953

Literatur

  • Klaus Gorzny: Emscherschlösser. Ein Wegbegleiter. Piccolo, Marl 2001, ISBN 3-9801-7765-3, Seite 83–87.
  • Gustav Griese (Hrsg.): Burgen und Schlösser in Gelsenkirchen. 2. Auflage. Gelsenkirchen 1960, Seite 84–95.
  • Cornelia Kneppe: Haus Berge. In: Kai Niederhöfer (Red.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Klartext Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0234-3, Seite 206–209.
  • August Kracht: Burgen und Schlösser im Sauerland, Siegerland und an der Ruhr. 1. Auflage. Knaur, München 1983, Seite 288–292.
  • Gustav August Spürk (Hrsg.): Haus Berge. Dokumentation Baudenkmäler der Stadt Gelsenkirchen. Band 2. Gelsenkirchen 1981.
  • Gustav August Spürk: Haus Berge. In: Beiträge zur Stadtgeschichte. Band 10. Recklinghausen 1980, Seite 45–129.


Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Klaus Gorzny: Emscherschlösser, Seite 83.
  2. Gregor Spohr (Hrsg.): Romantisches Ruhrgebiet. Burgen, Schlösser, Herrenhäuser. 2. Auflage. Pomp, Bottrop 1996, ISBN 3-89355-110-7, S. 74.