St. Bonifatius

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St. Bonifatius 2007

Sankt Bonifatius war eine katholische Kirche in Erle an der Cranger Straße. Im September 2007 wurde der letzte Gottesdienst dort gefeiert und die Kirche geschlossen.

Die Geschichte der Kirche

Den Plan des Gotteshauses entwirft der Essener Architekt Ernst von Rudloff, die Bauausführung übernahm die Essener Firma Hochtief.

Im Frühjahr 1963 wurden auf dem Gelände an der Cranger Straße 16 Betonpfähle 8 m tief in den Fließsand gerammt, um einen sicheren Grund für die tragenden Kirchendachstützen zu erhalten. Eine dicke Betonplatte verschließt das Gelände, als am 29. Juni 1963 die Grundsteinurkunde in den Boden unmittelbar vor dem späteren Altar versenkt wurde.

Am 22. Oktober 1963 wurde das aus 78 Dreiecksflächen bestehende Dach (es bildet fünf nach oben gerichtete und acht ins Kirchenschiff weisende Pyramiden) am Boden gegossen und mit hydraulischen Pressen auf acht Betonpfeiler gehoben durch die Firma Messerschmidt (Augsburg/München). Anschließend wurden die Außenwände aus Klinkerstein gemauert und das Fensterband notverglast.

Bischof Dr. Franz Hengsbach nahm am 4. Adventssonntag, dem 20. Dezember 1964, die feierliche Weihe vor.

Die Ausgestaltung der Kirche

Der Bildhauer Alfons Kirschbaum fertigte aus "Anröchter Dolomit" den Altar. Dieser wurde 1978 durch Heinrich Gerhard Bücker, Vellern, verkleinert und um die dazu passende Tabernakelsäule sowie um den Priestersitz ergänzt. Bücker schaffte auch das goldene "Lamm Gottes" an der Frontseite des Altares (1981); das Tabernakel arbeitete der Goldschmied Polders; Kevelaer, aus Elfenbein und Silber.

Von Kirschbaum stammte auch der Taufstein aus dem Jahre 1967, zunächst im Vorraum der Kirche. Der Deckel, in Bronze gegossen, trägt die Inschrift: "Wir sind alle in einem Geist zu einem Leib getauft" (1 Kor 12).

Die Kirchenbänke - es waren 280 Sitzplätze - wurden nach dem Entwurf von H.-G. Wilke durch die Schmiede Bettentrup und die Schreinerei Booke angefertigt.

Die zweimanualige Orgel mit 18 Registern wurde von der Firma Euler in Hofgeismar gebaut und am 17. Februar 1974 geweiht.

1979 entstanden, nach einem Entwurf Bückers, die neuen Kirchenfenster in der Werkstatt der Firma Melchior Junglas aus Münster.

Den Vorraum der Kirche schmückten vom 1980 an weitere Werke Bückers: die Bibel, die Pieta und das Totenbuch, der Kreuzweg und ein Bronzerelief mit dem Martyrium des Bonifatius.

Die Apostelstatuen arbeitete Bücker im Jahre 1980: Matthias, Judas Iskariot, Simon Kanaanäus, Tomas, Matthäus, Judas Taddäus, Andreas, Jakobus, Alfäus, Bartholomäus, Jakobus, Johannes, Philippus, Petrus und Paulus.

Ein Jahr später zierten weitere acht Heiligenfiguren die Säulen der Kirche. Es waren die drei Gründer der Bistümer, aus dessen Teilen das Bistum Essen entstand: Liudger (Münster), Liborius (Paderborn) und Maternus (Köln) sowie Altfrid (Gründer des Stiftes Essen), ferner Johannes der Täufer, der Prophet Jesaja, der Evangelist Matthäus sowie der Evangelist Lukas.

Im gleichen Jahr kamen im Altarraum das große Kreuz sowie die Madonna hinzu, ebenfalls Werke Bückers.

Bischof Dr. Franz Hengsbach weihte 1980 auf dem Vorplatz der Kirche Bückers Marienstatue "Madonna von Erle".

Weihnachten 1980 war erstmals die Krippe des polnischen Künstlers Roman Sledz zu bewundern , die in den folgenden Jahren kontinuierlich ergänzt wurde.

Das bronzene Lesepult wurde im Jahre 1999 bei der Firma Ludwig in München erstanden.

Weitere bauliche Entwicklung

Pfarrer Helmut Ullrich und der Kirchenvorstand bemühten sich um die weitere bauliche Entwicklung von St. Bonifatius. Der Bau eines Pfarrhauses war bereits Anfang 1964 beschlossen und zur Vollplanung an den Architekten v. Rudloff vergeben worden. Es sollte im Bugalowstil mit großen, bis zur Erde reichenden Fensteröffnungen auf dem linken, hinteren Grundstücksteil errichtet werden. Die Planung macht Schwierigkeiten, weil Pfarrer Ullrich der ganze Stil nicht paßte. Er lehnte einen Bungalow und übergroße, protzige Fenster mit der stichhaltigen Begründung ab: So etwas paßt nicht in eine Bergarbeiterpfarrei! Er will ein bescheidenes Pfarrhaus. Nach vielen Besprechungen muß Pfarrer Ullrich aus Stilgründen ein Flachdach akzeptieren, weil alle Baukörper auf der linken Seite das Flachdach haben werden. Der Baubeginn war im April 1965 und die Bauzeit betrug ein Jahr.

Der nächste Schritt sollte der Bau des Hauses für Kirchenangestellte direkt an der Cranger Straße sein. Es gab für diesen Zweck bereits das alte Haus an der Frankampstraße 182, das 1953 von der Mutterpfarrei St. Barbara erworben und 1965 an die Tochtergemeinde vererbt wurde. Hier wohnten der Organist von St. Barbara, der Rendant und die Seelsorgshelferin von St. Bonifatius. Da das Haus zu klein war, beauftragte der Kirchenvorstand St. Barbara am 12. März 1965 den Gelsenkirchener Architekten Wildenhues mit der Vorplanung für einen Neubau. Der neue Kirchenvorstand St. Bonifatius führte diese Baumaßnahme 1966/1967 durch.

Das 1967 fertiggestellte Haus ist als Flachbau in versetzter Form mit zweieinhalb Stockwerken ausgeführt.

Am 20. April 1969 wird der Buersche Architekt Dr. Paul Günther mit der Planung des Pfarrheims beauftragt. Er löste seine Aufgabe, indem er einen Baukörper entwickelte, den er als Bindeglied zwischen Angestellten- und Pfarrhaus und damit als weitere Abgrenzung nach außen formierte. Die Summe der Baukosten und der Inneneinrichtung betrugen 330.000,-- DM; die finanzielle Eigenleistung der Pfarrei sollte sich auf 85.000,-- DM belaufen.

Die Geschichte der Gemeinde - Vorgeschichte

Im Jahre 1951 befasst sich der Kirchenvorstand von St. Barbara auf Initiative von Pfarrer Heinrich Steinhaus mit der Errichtung eines neuen Gemeindezentrums im Erler Süden; das Randgebiet Untererle, das bis über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal reichte, soll ein eigener Pfarrbezirk werden. Zunächst erwägt man als Standort den Hedwigplatz in der alten Zechensiedlung von der Zeche Graf Bismarck. Dann kann die Pfarrei St. Barbara in der Nähe des Erler Forsthauses ein Grundstück erwerben, wo zunächst ein Kindergarten errichtet und im Jahre 1956 durch Pfarrer Theodor Hoffmann eingeweiht wird. Den Plan, hier auch eine Kirche zu bauen, gibt man jedoch auf und entscheidet sich für ein Grundstück an der Cranger Straße. 1959 gründet Pfarrer Theodor Hoffmann den Kirchbauverein St. Bonifatius.

Pfarrer der Gemeinde

Pfr. Helmut Ullrich

Im Oktober 1962 ernennt Bischof Dr. Franz Hengsbach den Priester Helmut Ullrich zum Kaplan an St. Barbara mit der Aufgabe, den Seelsorgebezirk St. Bonifatius zu betreuen und die neue Gemeinde aufzubauen. Der Bau des Gotteshauses wird am 20. Dezember 1964 mit der Kirchweihe durch Bischof Hengsbach vollendet. Der Seelsorgebezirk St. Bonifatius der Pfarrei St. Barbara wird am 1. Februar 1964 zur Expositur erhoben und Kaplan Ullrich im April zum Pfarrvikar ernannt; am 1. Dezember 1965 wird die Expositur selbstständige Kirchengemeinde und Helmut Ullrich ihr Pfarrer. Weiterhin wirkt Ullrich für den Aufbau seiner Gemeinde: durch Architekt von Rudloff entsteht das Pfarrhaus, welches 1966 bezogen werden kann; Architekt Wildenhues errichtet das Angestelltenwohnhaus, das 1967 fertiggestellt wird. Gleichzeitig initiiert er in den folgenden Jahren das Entstehen von Pfarrcaritas, Frauen- und Müttergemeinschaft, KAB, Pfarrjugend und Chorgemeinschaft. Priesterliche Mitarbeiter sind die Religionslehrer Heinrich Beckmann (1966) und Alois Otremba (ab 1967), bis Bischof Hengsbach ihn Ende 1970 zum Pfarrer der Fronleichnamsgemeinde in Essen-Borbeck ernennt.

Pfr. Heribert Warnke

Heribert Warnke (* 14. Mai 1927 , † 14. Dezember 2014 in Resse) war Kaplan in Bismarck, und wurde zum Nachfolger von Helmut Ullrich ernannt und von Dechant Hubert Quasten am 7. März 1971 in sein Amt eingeführt. 1972 ist das Pfarrheim, noch von Pfarrer Ullrich geplant und vom Architekten Dr. Paul Günther entworfen, fertig. Zusammen mit Pfarrer Warnke arbeiten die Religionslehrer Hermann Zimmermann (1971-1982) und Egon Martin (1983-1987) sowie Prälat Clemens Kamp (1988-1999), bis er Ende Mai 1999 als Ruheständler in das Seniorenzentrum St. Hedwig in Resse umzieht.

Pfr. Ulrich Kosch

Bischof Dr. Hubert Luthe ernennt Pfarrer Ulrich Kosch von St. Barbara zum Pfarradministrator der Rektoratspfarrei mit der Aufgabe, die Kooperation der Erler Gemeinden untereinander einzufordern, zu verlebendigen und so weit zu führen, dass nach zwei Jahren eine neue Pfarrei errichtet werden kann. Am 25. April 2004 wurde Ulrich Kosch als neuer Pfarrer der Pfarrgemeinden Liebfrauen in Altenbochum und Fronleichnam in Laer eingeführt.

Aufhebung

Am 1. Januar 2001 wird die Pfarrei St. Bonifatius aufgehoben und mit den ebenfalls aufgehobenen Pfarren St. Barbara, St. Ida und St. Suitbert zu einer neuen Gemeinde vereinigt, die den Namen "St. Barbara" trägt. Die Kirche ist bereits seit 2007 geschlossen und wurde 2014 profaniert. [1]

Nachnutzung

Der Unternehmer Christian Zipper hat 2016 das Gelände mit der Kirche und dem Küster-, Gemeinde- und Pfarrhaus gekauft. Es ist geplant auf dem 5000qm Grundstück in drei Bauabschnitte das Küsterhaus zu sanieren um die Wohnungen zu vermieten. Das ehemalige Gemeindehaus soll an einen sozialen Träger vermietet werden. Das Pfarrhaus soll ebenfalls vermietet werden. Das ehemalige Kirchengebäude soll in eine Backstube mit Lager, Umkleide-, Sanitärräume umgebaut werden. [2]

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Bischöfliches Generalvikariat Essen (Hrsg.): Kirchliches Amtsblatt vom 26. September 2014, S. 176
  2. WAZ am 20.07.2016: St.-Bonifatius-Kirche in Gelsenkirchen-Erle soll Backstube werden