St. Joseph (Schalke)

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St. Joseph, Turmfront an der Kurt-Schumacher-Straße

St. Joseph war eine römisch-katholische Pfarrkirche im Gelsenkirchener Ortsteil Schalke.

Geschichte

Mit der stürmischen industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets und dem sprunghaften Wachstum des Arbeiterstadtteils Schalke wurde auch die örtliche katholische Gemeinde groß. 1872 wird der St. Josef-Arbeiterverein in Schalke gegründet, er ist der erste kirchliche Verein. Im gleichen Jahr wird mit dem Bau einer Notkirche begonnen, in der ab 1874 regelmäßig Gottesdienste stattfinden. In den 1880er Jahren begannen die Planungen und Bauarbeiten der repräsentativen Pfarrkirche nach dem Entwurf von Peter Zindel Wikipedia-Link, für die ein Grundstück im Zentrum von Schalke an der Hauptverkehrsader Kaiserstraße (heute Kurt-Schumacher-Straße) erworben werden konnte. 1885 wurde mit dem Bau der Krypta begonnen. Am 26.Mai 1886 wird feierlich der Grundstein zur Josefs-Kirche gelegt. Am 08.März 1891 wurde St. Josef Schalke kanonisch als selbständige Pfarrei im Erzbistum Paderborn errichtet. Erster Pfarrer wurde Franz Anton Kemper, der bereits seit 1882 als Religionslehrer und Seelsorger in Schalke tätig war. Der katholische Friedhof Am Stäfflingshof wird 1892 durch die Gemeinde angelegt, im Februar 1893 war dort die erste Beerdigung. 1894 wird der 1. Gottesdienst in der neuen St. Josefs-Kirche gefeiert. Am 20.Juni 1896 wird die Kirche durch Weihbischof Gockel aus Paderborn feierlich konsekriert.

In den folgenden Jahren erhielt die Kirche eine reiche Wand- und Gewölbeausmalung.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere neue Pfarreien aus dem Gebiet von St. Joseph ausgegliedert.

Der Bombenangriff vom 6. November 1944 und der darauf folgende tagelange Stadtbrand vernichteten 90 % der Bebauung Schalkes. Auch von der St.-Josephs-Kirche blieben nur ausgebrannte Mauerreste übrig. Der Wiederaufbau begann 1951 und wurde am 2. August 1953 mit der feierlichen Altarweihe durch Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger abgeschlossen. Das Gotteshaus an sich musste aber nicht neu geweiht werden, da die 12 Weihepunkte (Apostelkreuze) den Bombenhagel überstanden. 1953 wird das Marien- und Josephs-Fenster am Hochaltar eingesetzt, und am 10. Oktober 1953 ertönen die neuen Glocken. Zu Weihnachten 1953 erklingt wieder eine Orgel, die die Gemeinde St. Joseph von der Propsteigemeinde aus der Kapelle des alten Marienhospitals an der Ringstraße erhielt. 1957 ist das Pfarrhaus wieder aufgebaut.

Seit 1958 gehört die Pfarrei St. Joseph zum neu gegründeten Ruhrbistum.

In den folgenden Jahrzehnten erfuhr die Kirche verschiedene Umgestaltungen. Die um 1960 entstandenen Buntglasfenster stammen größtenteils von Walter Klocke. 1970 wurde die heutige Breil-Orgel eingebaut. 1985 erhielt St. Joseph bei einer umfassenden Innenrenovierung das heutige Aussehen.

Am 2. September 2007 wird die Pfarrgemeinde St. Joseph Schalke mit den drei Nachbargemeinden Hl. Dreifaltigkeit, St. Antonius in der Feldmark und St. Elisabeth in Heßler zur neugegründeten Pfarrei St. Joseph Gelsenkirchen zusammengelegt. Gleichzeitig wird die Gemeinde St. Anna in Schalke-Nord der Gemeinde St. Joseph zugeordnet.

Die letzte Hl. Messe im Regelbetrieb fand am Gedenktag des heiligen Silvester, am 31. Dezember 2019 statt. Die Pfarrkirche wird auch in Zukunft an Bundesligaheimspielen des FC Schalke 04 am Wochenende getreu dem Motto „vorm Spiel is inne Kirche“ für Fans des FC Schalke und Gäste geöffnet sein.

Darüber hinaus werden in der Kirche St. Joseph weiterhin Schulgottesdienste, Trauungen, Jubiläen, Chorkonzerte, das Patrozinium und die Erstkommunionfeiern stattfinden.[1] In einem der Fenster ist unter anderem der Heilige Aloisius von Gonzaga als Fußballer in den Schalker Farben dargestellt.[2]

Bauwerk

St. Joseph ist eine neuromanische dreischiffige Backstein-Basilika mit zwei Türmen im Westen und Rundapsis im Osten. Das ursprüngliche Querhaus wurde nach der Kriegszerstörung nicht wieder errichtet, die sehr hohen Turmhelme wurden durch flachere ersetzt. Das Äußere ist reich mit Bogenfriesen und Lisenen gegliedert. In den Tympana der drei Portale befinden sich Mosaikdarstellungen des Guten Hirten, des Gotteslamms auf dem Buch mit sieben Siegeln und der Eucharistie (Brot und Fisch, Kelch mit Hostie).

Der Innenraum entfaltet mit seinen klassischen Proportionen, dem Stützenwechsel und der einfühlsamen Ausmalung eine starke Wirkung. Das Gewölbe wurde beim Wiederaufbau durch eine flache Holzdecke ersetzt.

Orgel

Die heutige Orgel ist bereits das dritte Instrument in der St. Josephs-Kirche. Es wurde 1970 von dem Orgelbauer Franz Breil (Dorsten) erbaut. Die Orgel hat 42 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[3]

I Rückpositiv C–g3
Gedackt 8'
Prinzipal 4'
Koppelflöte 4'
Gemshorn 2'
Quinte 11/3'
Sesquialtera II 22/3'
Scharff V 1'
Krummhorn 8'
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Gedackt 16'
Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Spitzflöte 4'
Oktave 2'
Nachthorn 2'
Mixtur V
Zimbel III
Trompete 16'
Trompete 8'
III Schwellwerk C–g3
Holzflöte 8'
Dulzflöte 8'
Prinzipal 4'
Rohrflöte 4'
Nasat 22/3'
Prinzipal 2'
Terz 13/5'
Sifflöte 1'
Mixtur IV
Terzzimbel III
Fagott 16'
Schalmey 8'
Hautbois 4'
Tremulant
Pedal C–g1
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Gedacktbass 8'
Choralbass 4'
Rauschquinte II
Hintersatz V
Posaune 16'
Trompete 8'
Clarine 4'
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: drei freie Kombinationen, eine freie Pedalkombinationen, Absteller

Glocken

Die renommierte Glockengießerei Otto lieferte für die Josephs-Kirche auf Schalke in den Jahren 1894, 1923 und 1929 insgesamt zehn Bronzeglocken mit einem Gesamtgewicht von 11.750 kg. Bis auf die kleine Wandlungsglocke von 1929 (c′′, 340 mm, 34 kg), die heute als Friedhofsglocke Verwendung findet, wurden allen anderen Glocken Opfer der Glockenbeschlagnahmen der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts.[4][5] Heute hängen im Turm von St. Joseph fünf Euphon-Glocken von Karl Czudnochowski aus dem Jahr 1953. Sie wurden anstelle von neuen Bronzeglocken bestellt, damit sie in einem neuen Krieg nicht wieder beschlagnahmt und eingeschmolzen würden.

Einzelnachweise

  1. Abschied von der Pfarrkirche St. Joseph und der Kirche St. Antonius
  2. Der Fußball-Heilige wacht über die St.-Joseph-Kirche in Schalke
  3. Nähere Informationen zur Orgel von St. Joseph
  4. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbes. S. 242 bis 244, 507, 525, 532.
  5. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto. Nijmegen/NL, S. 556, hier insbes. S. 224 bis 226, 473, 487, 493.

Quelle

  • Homepage der Gemeinde
  • Kirchen gaben der Stadt den Namen - Katholisches Stadtsekretariat Gelsenkirchen - 1986

Weblinks

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