Stadtbibliothek Gelsenkirchen

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Aus bescheidenen Anfängen heraus entwickelte sich die Stadtbibliothek Gelsenkirchen zum Medien- und Informationszentrum bestehend aus Zentralbibliothek mit Medienzentrum und Kinderbibliothek, den Stadtteilbibliotheken in Buer, Horst und Erle, dem MedienMobil und der eBib, der "virtuellen Zweigstelle".

Geschichte 1911 bis 1945

Die heutige Stadtbibliothek Gelsenkirchen wurde am 23. November 1911 als Städtische Bücherei im Haus der damaligen Weststraße 10 (heute Robert-Koch-Straße) eröffnet. Dabei handelte es sich um die beiden unteren Räume der Städtischen Wilhelmschule.

In der bis 1928 selbständigen Stadt Buer wird erst am 1. Juni 1926 eine Städtische Volksbücherei gegründet, nachdem bis dahin verschiedene private Bibliotheken nebeneinander bestanden hatten. Die Leitung übernimmt Otto Wohlgemuth, der sich als Arbeiterdichter des Ruhrlandkreises einen Namen gemacht hat.

Im Jahr 1927 wurde die Städtische Bücherei Gelsenkirchen in das neu errichtete Hans-Sachs-Haus verlegt. Im darauf folgenden Jahr 1928 wurde durch die neue Gesamtstadt Gelsenkirchen-Buer die Städtische Volksbücherei Buer zur ersten Zweigstelle eines gesamtstädtischen Büchereisystems. Die Leitung übernimmt Otto Wohlgemuth. 1932 zog die Alt-Gelsenkirchener Bücherei erneut um, dieses Mal in ein Gebäude am Neumarkt an der Stelle der heutigen Stadtsparkasse. Auch die Buersche Bücherei wechselte mehrmals ihren Standort: von der Essener Straße (heute Horster Straße) ging es 1927 in das "Goldberghaus" an der Goldbergstraße und 1942 zum St.-Urbanus-Kirchplatz.

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) musste Otto Wohlgemuth den Dienst quittieren. Von den Nazis sogenanntes "unerwünschtes Schrifttum" wurde ausgesondert und im in den Kriegsjahren geschlossenen Zeitungslesesaal zwischengelagert. Weitere Zweigstellen entstanden 1941 in Horst und Bismarck. Im November 1944 wurde bei einem Bombenangriff auch die Bücherei am Neumarkt getroffen.

Geschichte 1945 bis 1970

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestand die erste Aufgabe in einer Sichtung des vorhandenen Buchbestandes sowie die Aussonderung nationalsozialistischer Literatur. Provisorische Buchausleihen gabe es 1946 in Rotthausen und 1947 in Buer an der Hochstraße 36. 1949 wurde im Hans-Sachs-Haus die Gelsenkirchener Bücherei erneut und zwar als Freihandbücherei eröffnet, in Buer zog die Zweigstelle von 1950 bis 1980 wieder zum Urbanuskirchplatz.

Am 19. Mai 1951 erfolgte der Umzug der Zentrale ins das neu gebaute Sparkassen-Gebäude am Neumarkt. Ab 01. Oktober 1951 wurde der Zeitungslesesaal wieder eröffnet. Im Jahre 1955 gab es folgende Zweigstellen: Buer auf der Freiheit, Horst am Horster Stern, Erle an der Springbachgasse, Middelich an der Surressestraße 6, Bismarck auf der Bismarckstraße 168. Am 08. Juli 1957 eröffnete die Zweigstelle in Erle auf der Cranger Straße 323 und 1958 folgt auf der Wanner Straße 52 eine Jugendbücherei.

Im Jahre 1960 startet die Fahrbücherei in einem umgebauten Bus. Der Büchereibus fuhr dienstags bis freitags über einen festgelegten Fahrplan in verschiedene Stadtteile, auch Sutum und Schaffrath, und hält dort ca. 90 Minute für die Buchausleihe und -rückgabe.

1962 folgt eine Musikbücherei und 1963 die Zweigstellen in Resse und Hassel. 1965 folgt ein erneuter Umzug der Zentrale, die Verwaltung zieht in ein altes Gebäude an der Munckelstraße, die Hauptausleihe in die Gertrud-Bäumer-Realschule an der Rotthauser Straße.

Geschichte seit 1971

1968 wurde der Grundstein des heutigen Bildungszentrums an der Ebertstraße 19 gelegt, in dem die Zentrale im Juli 1971 einzieht. Hier fanden die Verwaltung der Stadtbücherei, die Stadtbildstelle (heute Medienzentrum), die Kinder- und Jugendbücherei, das Stadtarchiv sowie die Volkshochschule Gelsenkirchen ihr Zuhause.

Bildungszentrum

Mit dem Umzug vollzogen sich einschneidende Änderungen: Die Aufstellungssystematik wurde auf die weiter verbreitete "Allgemeine Systematik für öffentliche Bibliotheken" (ASB) und die Ausleihverbuchung vom bis dahin genutzten Buchkartenverfahren auf eine EDV-Verbuchung (zunächst mit Lochstreifen als Datenträger) umgestellt. Das gesamtstädtische Bibliothekssystem der Stadtbücherei Gelsenkirchen reduzierte sich durch Schließungen von Zweigstellen auf die Zentrale, die Fahrbücherei sowie die Zweigstellen in Buer, Horst, Erle und Hassel.

1977 wurde ein neuer Bücherbus angeschafft und der "Soziale Büchereidienst", der Altenheime und die Justizvollzugsanstalt mit Büchern versorgte, begründet. 1980 folgte der Umzug der Zweigstelle Buer in das Erdgeschoss der City-Wohnanlage Kurt-Schumacher-Straße. 1985 beginnt die Stadtbücherei Gelsenkirchen mit der EDV-Katalogisierung ihrer Neuerwerbungen sowie der Nacherfassung der vorhandenen Altbestände. Die vorhandenen Karteikartenkataloge wurden schrittweise erst durch Microfiche-Kataloge und dann durch einen sogenannten OPAC (Online Public Access Catalogue) ersetzt, der auch über das Internet abgefragt werden kann.

Um im Zuge der seit 1981 laufenden Sparmaßnahmen der Stadtverwaltung die Schliessung der Zweigstellen Horst und Erle zu verhindern, bietet die Leitung der Stadtbücherei 1988 stattdessen die Streichung von 10 Mitarbeiterstellen an. Nur die Zweigstelle Hassel wird schließlich geschlossen, das Bibliothekssystem mit der Zentrale und den Zweigstellen Buer, Horst und Erle bleibt erhalten.

1990 wird der nunmehr dritte Bücherbus in Betrieb genommen, zugleich feiert die Fahrbücherei ihr 30jähriges Bestehen mit einem Fest an ihrer ältesten Haltestelle, dem Marktplatz in Beckhausen. 2011 löst das neue MedienMobil den Bücherbus ab.

1992 wird das Haus Cranger Straße 323, in dem sich die Zweigstelle Erle befindet, umgebaut. Neben der Zweigstelle zieht die Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus" in das Haus ein.

2013 folgt der Umzug der Stadtteilbibliothek Horst von der Markenstraße in die Vorburg Schloß Horst.

2015 zieht die Stadtteilbibliothek Buer in das Linden-Karree (ehemaliges Karstadt-Gebäude).

Büchereileiterinnen und -leiter

  • 1911-1912 Adolf Oberwinter
  • 1912-1916 Maria Gertrud Fueser
  • 1916-1928 Klara Kummer
  • 1928-1933 Otto Wohlgemuth
  • 1934-1945 Heinrich Schiffer
  • 1947-1956 Walter Wehrenpfennig
  • 1957-1963 Dr. Jürgen Eyssen
  • 1963-1964 Dr. Reuter
  • 1965-1976 Dr. Karl Hotze
  • 1977-1987 Hugo Ernst Käufer
  • 1987-1989 Anni Menne
  • 1989-2005 Dörte Hundrieser
  • 2006-2018 Friedhelm Overkämping
  • Seit 2018 Anja Herzberg

Quellen

Josef Konrad Sprey: Siebzig Jahre Stadtbücherei Gelsenkirchen. Ein geschichtlicher Überblick, Gelsenkirchen 1982

Bürger brauchen Büchereien. Die Stadtbücherei Gelsenkirchen als Informations- und Medienzentrum. Hrsg. Hugo Ernst Käufer, Gelsenkirchen 1986 (Erschienen zum 75jährigen Jubiläum)

Weblinks

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