Stadtgarten Gelsenkirchen

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Der Stadtgarten Gelsenkirchen an der Zeppelinallee wurde 1896 unter dem damaligen Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Vattmann als Volkspark und als erste Anlage dieser Art in Gelsenkirchen auf der Fläche des 1895 erworbenen ehemaligen Bauerhofes Schalke hergerichtet und 1897 der Öffentlichkeit als Kaiser-Wilhelm-Park übergeben. In den Jahren 1901 und 1902, 1912, 1914 und 1918 wurde er jeweils erweitert. 1933 erfolgte nach Plänen des Gartendirektors Ludwig Simon (* 1870 - † 1933) eine Umgestaltung, die in etwa der heutigen Form entspricht. 1944 wurde der Stadtgarten durch Bomben stark zerstört und 1949 wieder instand gesetzt.

2009 wurde im nördlichen Teil des Stadtgartens ein japanischer Garten im Kare-san-sui-Stil errichtet. Im nördlichen Teil wurde ein Lehrgarten zur Geschichte der Blütenpflanzen angelegt. Die Gesamtgröße beträgt rund 22 Hektar, wovon 0,6 Hektar Wasserfläche sind.

Der Stadtgarten lädt zu Spaziergängen, zum Joggen oder einfach zum Entspannen ein. Besonders beliebt bei Jung und Alt ist der Teich mit seinen Fontänen, den Schwänen und Enten.

Erinnerungsorte

Die Ermordung von "Ostarbeitern" im Stadtgarten

1944 mussten in Gelsenkirchen etwa 40.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter schuften. Sie stammten zumeist aus Osteuropa und waren in Lagern im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Am Ende des Zweiten Weltkrieges löste sich die staatliche Ordnung des „Dritten Reiches“ auf. Standgerichte verbreiteten Angst und Schrecken. Auch die Zwangsarbeiter wurden nun von der Bevölkerung als Bedrohung empfunden: Aus Angst vor Rache und zur Abschreckung wurden „Präventivmaßnahmen“ ergriffen.

In Gelsenkirchen kam es in den letzten Kriegstagen zu mehreren Exekutionen von „Ostarbeitern“. Im Stadtgarten wurden noch kurz vor dem Eintreffen der Alliierten neun sowjetische Zwangsarbeiter erschossen und in einem Bombentrichter verscharrt. Ihre Leichen wurden auf Betreiben der Briten im Frühjahr 1946 exhumiert. Die Identität der durch Genickschuss getöteten Opfer konnte nicht geklärt werden. Die Ermittlungen brachten kaum Licht ins Dunkel der Kriegswirren. Als Täter wurde ein SA-Scharführer, der zum „Volkssturm“ gehörte, angeklagt. Wie viele jener Verfahren, endete auch dieses – aus Mangel an Beweisen – mit einem Freispruch.

Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 8. Februar 2018 wurde im Stadtgarten eine Erinnerungsorte-Tafel aufgestellt.

Mahnmal für die deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges

Zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten im Winter 1955/1956 die letzten 10.000 deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurück. Bereits am 16. September 1956 wurde im Gelsenkirchener Stadtgarten ein Mahnmal für die deutschen Kriegsgefangenen eingeweiht. Die Errichtung dieses Mahnmals ging auf die Initiative des „Verbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen“(VdH) zurück. Unterstützung fand der VdH bei der Stadtverwaltung, den Kirchen, den Parteien, der Polizei, dem Deutschen Roten Kreuz und Kriegsopferverbänden. Es sollte an die vermissten deutschen Soldaten erinnern, von denen viele noch in sowjetischen Gefangenenlagern vermutet wurden.

Zu diesem Zeitpunkt galten noch mehr als 1,5 Millionen Wehrmachtsangehörige als vermisst, darunter auch über 6.000 Personen aus Gelsenkirchen. Enthüllt wurde dieses Mahnmal mit den Worten „Die ihr noch nicht zurückgekehrt seid – wir grüßen euch, die ihr hinter Stacheldraht auf die Freiheit wartet – wir danken euch.“ Die breite Unterstützung, die das Mahnmal in Gelsenkirchen fand, verweist darauf, dass dem Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen eine enorme Bedeutung beigemessen wurde. Es galt in den 1950er Jahren als weitaus drängendere Frage als die nach der deutschen Verantwortung für die NS-Verbrechen.

Tatsächlich kehrte nach Januar 1956 kein deutscher Kriegsgefangener mehr aus der Sowjetunion zurück – auch heute ist das Schicksal von über 1,2 Millionen Vermissten des Zweiten Weltkrieges noch ungeklärt.

Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Das Mahnmal ist allen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gewidmet. Zwischen den zwölf gemauerten, halbkreisförmig aufgestellten Backsteinsäulen sind die Namen von acht Konzentrationslagern ein­ gelassen. Die im Zentrum des Säulenkreises stehende Inschrift wurde von dem 1948 wiedererrichteten Mahnmal auf dem Friedhof Horst-Süd übernommen, das an die im Kampf gegen den rechtsextremen Kapp­-Lüttwitz-­Putsch im Jahr 1920 ums Leben gekommenen Arbeiter und an die ermordeten Widerstandskämpfer der Jahre 1933 bis 1945 erinnert. Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) regte 1949 den Bau eines zentralen Gedenkortes für alle Opfer des nationalsozialistischen Terrors an. Daraufhin wurde das „künstlerisch wertvolle steinerne Mahnmal“ mit finanzieller und baufachlicher Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen „am Kopfende der Platanenhauptallee“ im Stadtgarten errichtet. Diese Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und VVN war durchaus umstritten, da der VVN vor dem Hintergrund des Kalten Krieges eine zu starke kommunistische Beeinflussung und eine zu große Nähe zur Sowjetunion vorgeworfen wurden. Unabhängig davon, stellten die Kommunisten allerdings auch die größte Gruppe von politisch Verfolgten in Gelsenkirchen. Trotz aller Konflikte konnte das Mahnmal am 10. September 1950 im Rahmen einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung feierlich ein ­geweiht werden. In Anwesenheit von Angehörigen der Opfer sowie von Vertretern der Gewerkschaften und der Stadt wurde es durch die VVN enthüllt. Bürgermeister Karl Hallwaß (KPD) übernahm das Mahnmal als Vertreter von Oberbürgermeister Robert Geritzmann (SPD) in die Obhut der Stadt. Seither dient es als zentrale Stätte für Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus und für Kundgebungen der Friedensbewegung. Das Mahnmal im Stadtgarten ist fester Bestandteil der Erinnerungskultur Gelsenkirchens.

Lagekarte

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Quellen

Weblinks