Thyssen-Draht

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Thyssen-Draht ist ein ehemaliges Unternehmen in Schalke. Es hatte eine wechselvolle Geschichte. Zunächst firmierte es als Boecker & Comp., Gutehoffnungshütte (GHH), Hüttenwerk Oberhausen AG (Hoag), Westfälische Union, Thyssen-Draht AG und Schalkeseil. Heute führt diese Tradition die Fa. Bridon International fort.

Werk 2 an der Magdeburger Straße 1926
Ehem. Verwaltungsgebäude Thyssen-Draht, heute Sitz der Amevida

Boecker & Comp.

Das Drahtwerk Kommanditgesellschaft Boecker & Comp. wurde 1870 gegründet. Das Werk diente zur Herstellung von Walzdraht, gezogenen Drähten, Drahtseilen und Drahtseilerzeugnissen aller Arten. An der Gründung nahmen Friedrich Funke, Wilhelm Boecker und andere teil. Die Firma, die 1871 mit 190 Arbeitern die Arbeit begann, baute ihre Betriebe immer weiter aus. Sie wurde dann im Jahre 1912, nachdem sie sich bereits zu einer der stattlichsten und wich­tigsten Industriestätten Gelsenkirchens entwickelt hatte, von der Gutehoffnungshütte Wikipedia-Link in Oberhausen übernommen. Das Werk führte von nun an den Namen „Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb, Abteilung Gelsenkirchen, vormals Boecker & Comp."

Werkshalle der Drahtseilfabrik ca. 1920

Der Zeitraum vom Jahre 1885-1895 war in wirt­schaftlicher Hinsicht für das Drahtgewerbe nicht günstig. Die schlechte Geschäftslage verursachte einen Stillstand in der technischen Entwicklung des Schalker Werks. Durch einen systematischen Aus­bau der vielfach veralteten Anlagen wurde das Werk in den folgenden Jahren aber wieder auf die Höhe neuzeitlicher Technik gebracht und die Drahtverfeinerung bedeutend gehoben. Im Laufe der Jahre waren bei der Kommanditgesellschaft Boecker & Comp. in persönlicher und recht­licher Beziehung mancherlei Änderungen eingetre­ten. Die treuen Freunde und Förderer des Werks, Friedrich Funke, Friedrich Grillo und Wilhelm Schürenberg, waren aus dem Kreise der Mitbegründer verstorben. 1894 verstarb auch Wilhelm Boecker. 1902 ver­starb Albert Borbet, der nach dem Tode seines Schwagers Wilhelm Boecker alleiniger Geschäfts­leiter gewesen war. Sein Nachfolger in der Geschäftsleitung wurde Hermann Boecker, der im Jahre 1897 als Betriebsdirektor in die Dienste der Gesellschaft eingetreten war. Im Jahre 1899 schieden die Erben Carl Rudolf Poensgen und Gustav Poensgen und 1906 die Erben Friedrich Grillos aus der Komman­ditgesellschaft aus, der dann nur noch die Erben der verstorbenen Kommanditisten Friedrich Funke, Wilhelm Schürenberg, Wilhelm Boecker und Adolf Borbet angehörten. Um die wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Versorgung aller Rohmaterialien und Halbfabrikate sicher zu stellen, wurde das Unternehmen 1912 an die Gutehoffnungshütte in Oberhausen angeglie­dert. Dieser Anschluß war für die weitere Entwick­lung des früheren Drahtwerks von ausschlaggebender Bedeutung gewesen. Die Betriebsanlagen bestanden aus Drahtwalz­werken, Eisen- und Stahldrahtziehereien, Kaltwalzwerken, Härtereien, Verzinkereien, sowie einer Stifte , Schienennägel-, Stacheldraht-, Springfedern- und Drahtseilfabrik und das Fabrikgelände umfaßte 13,9539 ha.

1927 ging die Firmenleitung an den Sohn des Gründers, den Ingenieur Hermann Boecker, über. Unter Hermann Boecker vertiefte sich die Kooperation mit der Gutehoffnungshütte Oberhausen (GHH), die 1912 in einen förmlichen Zusammenschluss mündete, aber dem Werk Gelsenkirchen großen Handlungsspielraum beließ. Die GHH selbst wurde nach 1909, als der Bergbautechniker Paul Reusch die Leitung ergriff, zu einem stark auf Maschinenbau ausgerichteten Konzern. Hermann Boecker zog sich mit 65 Jahren aus dem Betrieb nach Wiesbaden zurück, wo er 1942 starb. 1927 wurde Jakob Walther, der aus Oberschlesien stammt, sein Nachfolger als Werkschef. Schon unter Hermann Boecker hatte sich die innere Struktur des Werkes verändert. An die Stelle von Dampf zum Antrieb der Maschinen trat Elektrizität. Maschinen konnten weiter auseinander aufgestellt werden.

Walther blieb bis 1940. Sein Nachfolger als Werksdirektor wurde Theodor Eduard Suess, der 1945 in dem Haus Hindenburgstraße 1 wohnte.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegsjahre prägte Direktor Dr. Kurt Bode, der bereits vor 1945 Werksleiter war. In seiner Zeit wurden die Kriegsschäden beseitigt und umfangreiche Neubauten errichtet, besondere Wirkung nach außen hatte das Verwaltungsgebäude an der (später gebauten) Berliner Brücke. Auf Kurt Bode folgten die Herren Hauptmann, Haug und Flender. Danach konnte man wegen der engen Anbindung an die HOAG, die Hüttenwerke Oberhausen, die wiederum von Thyssen übernommen wurde, nicht mehr von Werkchefs, sondern höchstens von Betriebsdirektoren sprechen.

Quellen

  • Deutschlands Städtebau 1922; Herausgeber Stadtbaurat Max Arendt
  • Dr. Lutz Heidemann in: Karlheinz Weichelt - Schalke alte Bilder erzählen, ISBN 978-3-95400-278-8

Weblinks

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